Emissionen So wird das Auto grün

Die geplante CO2-Steuer bringt es nicht. Viel wirksamer ist ein anderes Modell.

Zwei gegensätzliche Trends prägen die Internationale Automobilausstellung. Alle Autobauer stellen neue Spritspartechnologien vor. Zugleich boomt der Markt für leistungsstarke, sportliche Geländewagen (SUV) wie nie. Um das Jahr 2010 könnte in Deutschland jeder zehnte Neuwagen ein SUV sein. So aber können die CO₂-Einsparziele nicht erreicht werden. Der Preis von sparsamen Fahrzeugen ist zu hoch, derjenige der Spritfresser zu niedrig.

Der theoretisch eleganteste Weg zur Lösung des Problems wäre die Erhöhung der Mineralölsteuer. Wer mit einem Spritfresser unterwegs ist, bezahlt für seinen höheren CO₂-Ausstoß. Dagegen steht die Realität. Erstens ist es äußerst unrealistisch, anzunehmen, dass in den 27 EU-Staaten ähnliche CO₂-Steuern pro Liter Kraftstoff umgesetzt werden. Noch größere Preisunterschiede an den europäischen Tankstellen und ein weiter steigender Tanktourismus wären programmiert. Zweitens würden CO₂-Aufschläge auf den Treibstoff, die im Einklang mit denen in anderen Branchen stehen, keinerlei Änderung im Kauf- und Fahrverhalten bewirken. Würde die Tonne CO₂ zu 25 Euro in den Spritpreis eingerechnet – zu diesen Preisen soll nach dem Jahr 2010 an den europäischen Emissionshandelsbörsen die Tonne CO₂ gehandelt werden –, ergäbe sich an der Tankstelle eine Erhöhung des Dieselpreises von sechs Cent pro Liter. Der Liter Benzin würde um fünf Cent steigen. Kein Mensch kauft wegen solcher Beträge ein teures Dreiliterauto.

Die Bundesregierung plant eine Neuetikettierung der Kfz-Steuer. Statt nach Hubraum wie bislang soll diese nach CO₂-Emission gestaffelt werden. Die gewünschte Verbrauchsreduzierung für Autos wird aus vier Gründen nicht erreicht. Erstens: Die Lösung ist eine deutsche Lösung, in anderen europäischen Länder gibt es solche Überlegungen nicht. Zweitens weiß kein Mensch, wie die sogenannte CO₂-Steuer wirkt. Es ist völlig unmöglich, zu sagen, ob mit der Steuer das vorgegebene Ziel von 130 Gramm CO₂ pro Kilometer für die Neuwagen 2012 erreicht wird. Drittens: Selbst wenn die Steuer sehr hoch wäre, würde sie das Kaufverhalten der Neuwagenkäufer kaum beeinflussen. Die Steuer wird nämlich in der Zukunft bezahlt. Beim Kauf eines Neuwagens stehen dagegen der beim Vertragsabschluss geltende Preis, dessen Finanzierung und die emotionale Attraktivität des Autos für den Käufer im Mittelpunkt. Aus dem Studium des Käuferverhaltens wissen wir, dass zukünftige Belastungen, wie eine jährliche Besitzsteuer, nur sehr bedingt in die Kaufentscheidung eingehen. Viertens: Die Steuer hat zu den CO₂-Preisen in anderen Branchen keinerlei Bezug. Damit wird ein wichtiges ökonomisches Prinzip verletzt, das besagt, dass dort die CO₂-Einsparung vorgenommen werden soll, wo die Kosten der Einsparung am geringsten sind. Die neuetikettierte Kfz-Steuer erfüllt das gesteckte Klimaziel nicht und ist darüber hinaus volkwirtschaftlich uneffizient.

Der einfachste und beste Weg zum »grünen« Auto führt über den CO₂-Handel. Die uralte Idee des Marktes lässt sich nach folgender Regel anwenden: Jeder Autobauer müsste für jeden Neuwagen, der in Europa verkauft wird, CO₂-Zertifikate einkaufen. Verbraucht zum Beispiel ein Porsche Cayenne Turbo 358 Gramm CO₂ pro Kilometer, müsste Porsche pro verkauftem Fahrzeug CO₂-Zerifikate in dieser Menge an einer Börse einkaufen. Die EU-Kommission könnte eine Börse beauftragen, den CO₂-Handel mit den Autobauern zu organisieren. Das könnte zum Beispiel die European Energy Exchange AG (EEX) in Leipzig sein, die heute schon CO₂-Zertifikate für die Kraftwerksbetreiber handelt. Der Trick bei der Sache ist, dass die EEX insgesamt nur so viel CO₂-Zertifikate anbieten würde, dass im Durchschnitt für jeden verkauften Neuwagen nur Zertifikate für 130 Gramm CO₂ pro Kilometer erworben werden können. Porsche kann dann Zertifikate für 358 Gramm für jeden seiner Cayenne Turbo erwerben. Dafür muss aber ein anderer, etwa der Smart-Produzent, mit weniger auskommen. Alle Autobauer würden sich zu Jahresbeginn mit den Zertifikaten für die kommende Verkaufssaison eindecken. An der EEX würde sich sehr schnell ein Preis für die Zertifikate bilden. Es entstünde ein Anreiz, dass die Kunden »grüne« Autos kaufen, denn der Spritfresser würde teurer werden. In einer Modellrechnung haben wir das simuliert: Der Smart würde um 800 Euro billiger und der Porsche um 4.000 Euro teurer als heute. Das Klimaziel würde erreicht.

Der Einwand der deutschen Autobauer, Anbieter von Kleinwagen wie Fiat kämen durch den CO₂-Handel in eine Monopolposition, kann entkräftet werden. Jeder müsste bei der Börse einkaufen – auch Fiat. Die Befürchtung der Bundeskanzlerin Merkel, dass das (größere) Familienauto gegenüber dem Kleinwagen benachteiligt wird, kann ebenfalls ausgeräumt werden. Die Einnahmen, welche die Börse aus dem Verkauf von CO₂-Zertifikaten an die Autohersteller erzielt, könnten den Autobauern wieder zurückgezahlt werden. Freilich mit einer kleinen Modifizierung: Für jeden Kleinwagen gäbe es eine Zahlung zurück, die zum Bespiel 110 Gramm CO₂ entspricht. Wenn das Auto weniger verbraucht, ist es ein »Netto-Gewinner«, und sein Preis sinkt. Wenn es mehr verbraucht, ist es »Netto-Zahler«, und der Autokäufer muss einen höheren Preis bezahlen. Jeder Autobauer hätte einen starken Anreiz, CO₂-arme Autos anzubieten, und jeder Kunde hätte den Anreiz, das CO₂-arme Fahrzeug zum günstigeren Preis zu kaufen. Bei Familienfahrzeugen könnte man das Gleiche machen. Es muss auch nicht befürchtet werden, dass in dem System dann nur noch Familienautos gebaut werden und das Klimaziel 130 Gramm CO₂ pro Fahrzeug im Durchschnitt verletzt wird. Selbst wenn nur große Autos verkauft werden, steigt in diesem System der Preis im CO₂-Handel so stark, dass einige der Familienautos bald unter 130 Gramm CO₂ verbrauchen würden. Definieren wir also zwei Standards, etwa für Familienautos und Kleinwagen, werden die Preisvorteile für den Smart deutlich unter 800 Euro liegen, dafür würde der Porsche weniger als 4000 Euro teurer. Das Schöne an dem System: Wir brauchen keine Ingenieure, die festlegen, wer wie viel verbrauchen darf. Ein weiterer Vorteil: Der Autokäufer muss sich um nichts kümmern. Der Zertifikatshandel läuft zwischen den Autobauern ab. Deutschland könnte die mit hohem Verwaltungsaufwand versehene Kfz-Steuer abschaffen. Der Käufer müsste wie bisher nur auf den Preis des Neuwagens achten. Den Rest regelt die »unsichtbare Hand« des Marktes. Zudem hat das System den Charme, dass die Kosten der Einsparung pro Gramm CO₂ in der Autoindustrie mit denen anderer Industrien vergleichbar sind. Man könnte also zusätzliche CO₂-Zertifikate aus dem Energiebereich an die Autobauer über die Börse verkaufen.

Wer viel fährt, soll mehr bezahlen, lautet eine eingängige Forderung. Ist eine Ausgestaltung des CO₂-Handels denkbar, bei der nicht »pauschal« pro Neuwagen bezahlt wird, sondern in Abhängigkeit von der Fahrleistung? Auch das ginge. Es ist kein Problem, mit einem geeichten Tachometer die jährliche Fahrleistung festzuhalten. In unserem Modell bezahlt jeder Neuwagen für zehn Jahre oder 200.000 gefahrene Kilometer die CO₂-Zertifikate. Sind die Kilometer abgefahren, muss er neue CO₂-Zertifikate zukaufen. Der Treibstoffverbrauch wird heute in den Rechnern der Motormanagementsysteme erfasst. Also kann man das System mit überschaubaren Kosten zu einem System ausbauen, bei dem gilt: Wer viel fährt oder mit Bleifuß unterwegs ist, bezahlt mehr.

Die Bundesregierung sollte die Monstersteuer unter dem Etikett CO₂-Steuer in der Schublade lassen: Sie hilft weder dem Klima noch der deutschen Autoindustrie und schon gar nicht den Autofahrern.

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des Center of Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen

 
Leser-Kommentare
  1. das wäre die beste Lösung! Wird aber die Indsutrie und die Politik nicht freuen. Und nur als EU Lösung sinnvoll.

    • pvst
    • 12.09.2007 um 18:52 Uhr

    Die vorgeschlagene Lösung erscheint allemal sinnvoller als die jetzt diskutierte. Möge das hier aufgezeigte Modell oder ein ähnlich sinnvolles in die richtigen Kreise gelangen und wirksam werden, und wir als EU werden in Punkto Effizienz durch die sich entfaltende Dynamik locker an den Japanern vorbeiziehen. Spätestens in 10 Jahren, wenn die Ölpreise in heute unvorstellbare Höhen klimmen werden(Peak Oil!) wird sich das massiv auszahlen.
    Horrido!

    • andi99
    • 13.09.2007 um 13:02 Uhr

    So lange der jetztige Testzyklus so synthetisch ist, dass er nichts mehr aussagt und schon heute "modifiziert" wird (siehe Frontal 21), wird sich das Erstellen eines eigenen Kennfelds für den Zyklus immer mehr lohnen. Einige Hersteller werden es sicher schaffen, ein 500PS Fahrzeug mit 120g CO2 homologieren zu lassen. Ich bin schon gespannt darauf.

    Wer außerdem ein Fahrzeug jenseits der 150TEURO kauft, den interessiert das nicht.

    • tidyho
    • 15.09.2007 um 1:48 Uhr

    wie so häufig werden wieder nur Scheindiskussionen geführt. Solange 80% des Solls auf dem Klimakonto eines durchschnittlichen Automobils über seine Gesamtlebenszeit allein durch seine Herstellung verursacht werden, ist jede gutgemeinte Idee zum Benzinsparen und Co2-Ausstoß regeln Makulatur. Im Gegenteil: Anreize dafür, neue, spritsparende Autos zu kaufen, schlagen in der Summe negativer in der Bilanz zu Buche, als z.B. die alte Schlurre bis zu ihrem letzten Atemzug zu fahren, auch wenn das die Automobilkonzerne und die Zulieferindustrie nicht gerne hören wollen.
    Alles in Allem ist die Zusammenstellung der Artikel in der letzten Zeit ein Witz: wenn man das nur allzu treffende Interview mit Hermann Knoflacher gelesen hat, kann man über die Einlassungen des Artikels "So wird das Auto grün" (haha) auf der nächsten Seite nur den Kopf schütteln. Pragmatismus gut und schön, aber dann bitte in aller Konsequenz, also in diesm Fall mit dem Hinweis, daß schon das System selbstmörderisch ist.

  2. Der in der Szene bestens als von Daimler alimentierter Anbieter schlecht geschleuderten Honigs bekannte Professor Dudenhöffer schreibt hier: "Statt nach Hubraum wie bislang soll diese nach CO2-Emission gestaffelt werden. Die gewünschte Verbrauchsreduzierung für Autos wird aus vier Gründen nicht erreicht. Erstens: Die Lösung ist eine deutsche Lösung, in anderen europäischen Länder gibt es solche Überlegungen nicht."
    Dies wirf insbesondere dann ein bezeichnendes Licht auf des Professors Kenntnisstand, wenn man sich vor Augen hält, daß in Großbritannien die Berechnung der Kraftfahrzeugsteuer und der Besteuerung des geldwerten Vorteils von Dienstwagen bereits seit dem 1. Mai 2001 (in Worten: Zweitausendeins!) nach CO2-Ausstoß und Kraftstoffart erfolgt.
    Mehr ist zur "Expertise" dieses zuvörderst selbsternannten Experten nicht zu sagen.

    • ribera
    • 13.10.2007 um 21:51 Uhr

    In Spanien wird bei Neuzulassung eines Autos eine Zulassungssteuer gezahlt, "impuosto de matriculación" genannt.
    Ab dem 1.Januar 2008 wird zur Berechnung der CO2 Ausstoß herangezogen.
    IMPUESTO MAT. ACTUAL IMPUESTO MAT. NUEVO
    PORSCHE CAYENNE 12 % 14.75 %
    CITROEN C1 HDI 7 % 0.0 %
    PASSAT TDI 105 CV 7 % 4.75 %
    Alle Zahlen als Vorabberechnung einer Autoseite:
    http://www.supermotor.com...
    Macht am Beispiel des Cayenne bei einem angenommenen Neuwagenpreis von 100 000€ 2750€ zusätzlich.
    Bei einem C1 etwa 850€ weniger.
    Interessant ist, daß die beim Gebrauchtwagenkauf fällige Umsatzsteuer sich wohl auch an den neuen Tabellen orientieren wird und so mehrfach gezahlt werden muss oder entfällt, jeweils bezogen auf eine Restwerttabelle des Wagens.

    Kernfeststellung ist, dass der Artikelschreiber , wie schon von IIechwed erkannt,wenig Fachkompetenz zu haben scheint.

  3. Der höhere Benzinpreis für die großen Schluckspechte kratzt die jenigen, die so ein Fz kaufen bzw. fahren überhaupt nicht. Sie können es sich eben leisten. D.h., der Co2-Ausstoß wird nicht gemindert. Der Staat, der vorgibt, auf die Weise eine Minderung des Ausstoßes zu erreichen, weiß das natürlich. Er will nur die erhöhten Steuern.

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  • Quelle DIE ZEIT, 13.09.2007 Nr. 38
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  • Schlagworte Fahrzeugbau | Automobilindustrie | Klimaschutz
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