Allmählich ist es schon Routine: Jeden Herbst gibt das Statistische Bundesamt die Studienanfängerzahlen für das Vorjahr bekannt, und jeden Herbst gibt es schlechte Nachrichten: wieder weniger Studenten. 2006 haben sich nur knapp 344000 junge Menschen eingeschrieben, das sind noch einmal 3,5 Prozent weniger als 2005.

Wie passt das zusammen mit der Befürchtung, dass Deutschland vor einem neuen Studentenberg steht? 2,7 Millionen Menschen sollen in ein paar Jahren in Deutschland studieren, ein gutes Drittel mehr als heute. Mit diesem Szenario haben die Wissenschaftsminister ihren Finanzkollegen gerade erst mehrere Hundert Millionen Euro für neue Studienplätze abgerungen, die gleiche Summe gibt der Bund im Rahmen des Hochschulpaktes dazu.

Die Opposition und die Studierendenverbände machen vor allem die Studiengebühren dafür verantwortlich, dass sich die Studienanfängerquote, also der Anteil aller Neustudenten am jeweiligen Geburtsjahrgang, mittlerweile fast im freien Fall befindet: Von 38,9 Prozent im Jahr 2003 ist sie auf 35,5 Prozent gesunken. Doch diese Schuldzuweisung greift zu kurz, denn in den gebührenfreien Ländern war der Rückgang fast ebenso stark.

Sicher ist nur: Wenn es den Hochschulen wieder finanziell besser geht, können sie bessere Studienbedingungen anbieten, dann steigt die Qualität der Abschlüsse, Studieren wird wieder attraktiv. Um die nötigen Mittel zu bekommen, haben die Wissenschaftsminister weiter von Hunderttausenden zusätzlicher Studenten geredet, als sie selbst schon längst nicht mehr daran glaubten.

Es hat geklappt, das Geld kommt, der große Studentenberg hingegen bleibt aus. Den Hochschulen wird das guttun, und mit den besseren Studienbedingungen kommen auch wieder mehr Studenten. Nur 2,7 Millionen werden es wohl nie.