Auf den ersten Blick erscheint alles prima. Mehr Klimaschutz? Wunderbar, denken die meisten Deutschen. Vor allem bei den Wohnhäusern ließe sich viel CO₂ einsparen? Großartig, dann sinken ja gleichzeitig die Energiekosten fürs Wohnen. Doch erst mal sind dafür hohe Investitionen nötig. Auf 60 Milliarden Euro schätzte das Wirtschaftsministerium deren Höhe in den nächsten zwölf Jahren. Die Frage ist: Wer bringt dieses Geld auf?

Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif – weder für Eigentümer noch für Mieter.

Bis 2020 sollen die deutschen Kohlendioxid-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 gesunken sein. Das Einsparpotenzial beim Wohnen ist besonders hoch, höher noch als bei der Industrie und dem Verkehr. Deshalb macht die Regierung Druck. Beim Treffen in Meseberg hat das Kabinett fünf neue Vorschriften zu Wohnhäusern angestoßen (siehe Seite 24), bis November sollen sie festgezurrt sein. Harte Auflagen für Neubauten lassen sich leicht durchsetzen, dort ist bereits seit 2002 der Niedrigenergiestandard Pflicht. Das Problem sind ältere Gebäude, die man aufwendig nachrüsten muss.

Die Gebäudesanierung würde nicht nur dem Klima helfen: 40 Milliarden Euro an Heizkosten könnten die Deutschen damit bis 2020 sparen, sagt Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee. Das lässt vor allem die Besitzer von Eigenheimen aufhorchen. Schon in den vergangenen Jahren stieg deren Interesse an Energiesparmaßnahmen beträchtlich. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online, Träger der Initiative »Klima sucht Schutz«, hat allerdings festgestellt: Wegen der hohen Kosten verzichtete jeder zweite Interessent dann doch darauf, Modernisierungsvorschläge umzusetzen. Denn nicht dem Klima gilt die primäre Sorge – im Vordergrund steht letztlich das eigene Portemonnaie.

Die hohe Investition in die Gebäudedämmung bringt nicht sofort eine verlockende Rendite. Geld für mehr Energieeffizienz auszugeben ist vor allem eine Wette auf die Zukunft – darauf, dass die Energiepreise weiter enorm steigen. Das ist zwar mehr als wahrscheinlich. Doch um davon zu profitieren, muss man einen langen Zeithorizont haben.

Wer sich ein Haus oder eine Wohnung kauft, sieht darin meist eine Investition zur Altersvorsorge. Als Rentner möchte er keine Miete zahlen, bis dahin soll die Immobilie schuldenfrei sein. Doch vom kostenlosen Wohnen im Alter kann keine Rede sein, wenn dann horrende Heizkosten anfallen. Deshalb sind Eigenheimbesitzer eher bereit, in energiesparende Maßnahmen zu investieren: Sie bessern so quasi ihre künftige Rente auf – und investieren in die eigene Zukunft.

Auch die großen Wohnungsbaugesellschaften denken langfristig und haben längst begonnen, ihren Bestand energetisch aufzurüsten. »Zwanzig Jahre muss man mindestens rechnen, bis sich wesentliche Veränderungen amortisieren«, sagt Lutz Freitag. Er ist Präsident des Bundesverbands der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und vertritt rund zwei Drittel aller professionellen Vermieter, insbesondere große Genossenschaften und ehemals kommunale Unternehmen. »Wir sind schon froh, wenn wir so die Vermietbarkeit steigern und keine Verluste eintreten«, sagt er. »Wir machen das, um unsere Bestände für die Zukunft zu erhalten.«