Schock! Empörung! Entsetzen! Dicke Krokodilstränen perlen seit dem Wochenende über die Medienseiten der Presse, auf denen eine Extremblondine mit Cherry-Lipgloss lockt: Eva Herman. Eine Extremblondine ist eine, die an trüben Tagen die dunkle Sonnenbrille kontrastreich ins helle Haar schiebt. Eva Herman ist eine Talkmasterin sowie Autorin des mutterschaftsbeschwörenden Eva-Prinzips, die bei der Vorstellung ihres neuen Buches über das »Dritte Reich« geplaudert hat. Damals sei vieles schlecht gewesen, Hitler zum Beispiel, aber doch lobenswert die Wertschätzung der Mutter, leider ein Opfer der bösen 68er…

Hitler? »Drittes Reich«?! Nach all dem Trommeln und Wirbeln, Talken, Promoten, nach Hermans giftsprühendem Gehetze gegen Emanzen, berufsgeile Mütter, verwahrloste Alleinerziehendenkinder – drei Wörter zu viel geplappert. Und plötzlich feuern alle, voran NDR-Programmdirektor Volker Herres, Eva-Darling aus der medialen Umlaufbahn, in die sie himmelhoch katapultiert wurde, mit ein bisschen Bild, dem Dritten und so weiter.

Sterntalerkind hat noch das Röckchen voller goldener Taler, man nennt sie Tantiemen. Schmollt jetzt. Was hab ich Falsches gesagt? Nichts anderes als zuvor! Was stimmt.

Wie das deutsche Wesen an der Mutter genesen soll, die Beschwörung von heldischen Männern, ihnen dienenden Weibern, hätte man schon vorletzte Woche anstößig finden können, selbst als Mann. Man muss sich ja nicht naiver geben, als Eva Herman es tut. Die Idee des Eva-Prinzips wurde in der Zeitschrift Cicero ausgekocht, die schon so manchen Schlachtplan gegen linke Feindbilder zusammengerührt hat. Die alleinerziehende Karrierefrau Herman hatte sich gierig in die Rolle des Muttertiers gekuschelt. Und braucht plötzlich eine neue Heimat, da jetzt selbst konservative Kreise laut darüber nachdenken, ob Hausfrauenmuttitum die Milliarden an Steuersubvention wert ist oder nur eine rückständige Gesellschaft zementiert. Drei Wörter zu viel? Aber sie gurren doch wie ein Lockruf!

Man sollte Frau Herman warnen. Das Mutterkreuz, Evalein, ist kein Klunker von Bulgari. Eher ein Balken im Auge, der die Sicht darauf verstellt, dass die Nazis nicht Familie, sondern zweckkopulierende Schönmenschen präferierten, deren Brut maßgeschneidert war. Lebensborn ist kein Design-Spa. Diktaturen haben Familie immer gefürchtet, weil ihre Innerlichkeit sich dem äußeren Machtanspruch entgegensetzt.

Praktische Wertschätzung für Frauen und ihre Kinder wurde in Deutschland übrigens politisch erstmals im Müttermanifest gefordert. Von der Frauenbewegung. Antje Vollmer hat unterzeichnet, 1986. Und das Heim als Sakralraum, in dem Eva Herman die Mutterschaft als Götzendienst inszeniert – das ist, ihr Missverständnis, gar nicht so Nazi, sondern Biedermeier. Ein Depressionssymptom. Abschottung nach außen nach gescheiterter Revolution. Man sieht es auf alten Ölschinken: Sie stickt, er thront, es lächelt. Keiner rührt sich. Es herrscht Totenstille.