Raumfahrt Der rote MondSeite 5/5
Erst 1969 gelang den Amerikanern ihr erster großer Sieg in diesem bizarren Rennen. Als Neil Armstrong in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli das auswendig gelernte Sätzlein vom kleinen Schritt, der ein großer Sprung für die Menschheit sei, aufgesagt hatte, war Amerika endlich in der ersehnten leading position .
Der Sputnikschock indes hatte nicht nur zur Gründung der NASA geführt. Im September 1958 unterzeichnete Eisenhower den National Defense Education Act (NDEA), mit dem Highschools, Colleges und Universitäten modernisiert werden sollten. Dutzende von Kommissionen zur Reform der Lehrpläne wurden eingerichtet, überall installierte man Sprachlabore und eröffnete Sommerschulen. Bis zum Jahr der Mondlandung pumpten die NDEA-Programme drei Milliarden Dollar ins Bildungssystem.
Auch in der Bundesrepublik Deutschland, deren Kanzler Konrad Adenauer 1957 noch mit dem Slogan »Keine Experimente!« einen überwältigenden Wahlsieg errungen hatte, wurde Bildung plötzlich zu einem wichtigen Thema. Wissenschaftler streckten aufgeregt die Köpfe aus dem Elfenbeinturm und erklärten, dass die technologische Entwicklung nicht von der Elite allein geleistet werden könne, sondern auf ein breites Fundament allgemeiner Bildung angewiesen sei. Um mit den »Soffjets« (Adenauer) Schritt halten zu können, so lautete bald der allgemeine Konsens, müsse man erheblich mehr junge Leute auf höhere Schulen und Universitäten schicken als bisher. Das Bildungssystem sei zu reformieren, die Begabungsreserve im Volk auszuschöpfen. Kurz: Arbeiterkinder aufs Gymnasium!
So wurde eine ganze Generation von westdeutschen Kindern zu wahren Kalter-Kriegs-Gewinnlern. Doch der große Schwung erlahmte schon in der Mitte der siebziger Jahre. Erst der Pisa-Schock holte kurz nach der Jahrtausendwende jene Themen zurück, die einst der Sputnik-Schock schon einmal auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Was damals der »Wettstreit der Systeme« war, hieß jetzt »Globalisierung«. 2002 brachte es der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Sigmar Gabriel, in einem Gespräch mit der ZEIT auf den Punkt: »Die Politik spürte zu lange keinen wirtschaftlichen Druck, sich mit mangelnden Qualifikationen auseinanderzusetzen. Die Globalisierung zwingt uns jetzt dazu. Wir erleben so etwas wie einen zweiten Sputnik-Schock, denn wir sehen: Die anderen sind besser.«
Auch in den USA kreist der rote Weggenosse weiter im Orbit der kollektiven Fantasie. Der Publizist Paul Dickson beispielsweise, der ein faszinierendes Buch über ihn geschrieben hat, stellt »9/11« als dritte große Verwundung des amerikanischen Selbstbewusstseins neben Pearl Harbor und den Sputnik.
Dessen Piepen übrigens ist jetzt wieder zu hören. Es genügen ein paar Klicks im Internet, das wie so manch andere Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts letztlich auf seinen überraschenden Höhenflug zurückzuführen ist. Schließlich war die Gründung der Advanced Research Projects Agency im Januar 1958, einer Koordinierungsstelle im Pentagon für militärisch geförderte Forschungsvorhaben, eine unmittelbare Reaktion auf die sowjetische Herausforderung. Das Akronym dieser Koordinierungsstelle lautet ARPA, und das ARPA-Net, das 1968/69 die vier Rechnerknoten der assoziierten Universitäten miteinander verknüpfte, bildete neben den in den späten Achtzigern am europäischen Zentrum für Nuklearforschung CERN entwickelten Programmen http und html die Grundlage, aus der dann das world wide web hervorging. Sputnik sei Dank.
Der Autor ist Schriftsteller und lebt in Berlin
Wer den Sputnik einmal piepen hören möchte, der klicke auf
http://commons.wikimedia.org/wiki/Sputnik?uselang=de
- Datum 05.10.2007 - 12:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.09.2007 Nr. 39
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Alles schön und gut, nur das da im Bild ist auf den ersten Blick zu erkennen *nicht* "der Sputnik", d.h. der erste Sputnik von 1957, der den Schock auslöste, sondern ein späteres Modell (Sputnik 3 ?). Ein Blick auf Wikipedia zum Thema Sputnik hätte genügt. Aber offenbar ist es heute schlichtweg einfach nicht mehr möglich, mit journalistischen Methoden ein historisch korrektes Bild neben einen Text über ein historisches Thema zu montieren.
Oh je, oh je. Bei "http" und "html" handelt es sich nicht um "Programme", sondern bei ersterem um ein sog. "Protokoll" und bei zweiterem um eine sog. "Sprache".
Die im Text gemachte Aussage
Doch Jahr für Jahr behielten die Sowjets die Nase vorn: 1963 schickten sie die erste Frau ins Weltall, 1964 die erste dreiköpfige Besatzung, 1965 folgte der erste Weltraumspaziergang, 1966 die erste weiche Landung einer Sonde auf dem Mond, 1968 die erste bemannte Mondumkreisung.
liest sich doch so, dass den Sowjets die erste bemannte Modumkreisung gelungen ist. Die erste Modumkreisung gelang 1968 den Amerikanern. Die Russen sind (bis jetzt) noch nicht über den erdnahen Orbit hinausgekommen.
Ab ca. 1967/68 hatten die Amerikaner im Mondrennen die Nase vorn und die Mondlandung selbst war nur noch das i-Tüpfelchen.
Zwei allgemeine Bemerkungen:
1. Die mit 'Sand gefüllte oberste Stufe der Jupiter Rakete' ist doch bezeichnend für Fehlschläge, die daraus resultieren, dass Politiker Technikern und Ingenieuren politisch motivierte Vorgaben machen. Ein Menetekel sozusagen. Das ist heute in der Energie- und Vekehrspolitik (Kernenergie Transrapid z.B.) nicht anders. Zum Haare ausraufen!
2. Die strategische Potenz unserer Politiker (hier Gabriel): Die Politik spürte zu lange keinen wirtschaftlichen Druck, sich mit mangelnden Qualifikationen auseinanderzusetzen. ist zum Gotterbarmen.
Können Politiker nicht mal von sich aus, proaktiv sozusagen, richtige strategische Weichenstellungen initiieren?
(Nein, können sie nicht - jedenfalls nicht die auf den real existierenden Karrierepfaden sozialisierten Politiker.)
Ein letzter Punkt, der in den Artikel gut hineingepasst hätte: die zunehmende Bedeutung der bemannten Raumfahrt weltweit. Es ist doch faszinierend, welche Staaten mittlerweile ehrgeizige Raumfahrtprogramme initiieren - und mit welchem nationalen Stolz.
Und wir? Wir betreiben bei dem Gedanken an Peenemünde höchstens eine verschämte Nabelschau. Dabei könnten wir mit führend sein bei der Eroberung des Weltraums.
Wie gesagt: Die USA fliegen in den Weltraum, Indien fliegt in den Weltraum, China fliegt in den Weltraum, Russland fliegt in den Weltraum, Japan fliegt in den Weltraum.
Und Deutschland - fliegt nach Mallorca.
Herzlichst Crest
Das Bild im Online-Artikel zeigt die Sonde Lunik 1 oder Lunik 2, welche 1959 am Mond vorbei flog bzw. dort aufschlug.
Wie schon oben erwähnt, übernahmen die Amerikaner die Führung im Rennen nicht erst 1969. Schon 1965, mit dem Gemini-Programm, überholten sie die Möglichkeiten der sowjetischen bemannten Raumfahrt.
Die erste Frau ins All zu schicken, war keine technische Leistung, sondern ein politischer Stunt. Erst als die Amerikaner daran gingen auch eine Frau mitfliegen zu lassen, durfte wieder eine sowjetische Frau ins All fliegen. Ein technischer Stunt war der erste Dreimannflug. Ohne Raumanzüge und mit einem Minimum an Ausrüstung quetschte man drei Mann in eine umgebaute Wostok-Kapsel.
Die Aussage, Armstrong hätte seinen berühmten Satz auswendig gewusst (also von jemandem anderen formuliert bekommen), wird auch durch ständige Wiederholung nicht richtig. Es gibt keinerlei Hinweis dafür, dass Armstrong diesen Satz nicht selbst gefunden hätte.
Ergänzend: HTML ist kein Programm und auch keine Programmiersprache, sonderen eine deskriptive Auszeichnungssprache.
Sozialismus sei Dank.
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