Glücksforschung Die Jägerpsyche

Eine Persönlichkeitsstudie zeigt, dass Waidmänner gewissenhafter und zufriedener sind als Menschen, die nicht zur Jagd gehen. Interview mit einem Experten

Herr Heubrock, in Ihrer Vergleichsstudie stellen sie dar, dass Jäger ein positiveres Selbstbild haben als Nichtjäger. Woran liegt das?

Unsere Studie macht keine Aussagen über die Gründe, sondern nur über die Tatsachen. Aber wahrscheinlich hat die Lebenszufriedenheit damit zu tun, dass das Umfeld stimmt. Jagen ist für die meisten eine Passion und außerdem ein teures Hobby. Da muss die ganze Familie dahinterstehen. Wenn sich die Ehefrau beklagt, dass man »arme Bambis« tötet und nachts oft weg ist, dann funktioniert das nicht. Und dass Jäger Ärger und spontane Aggression sehr viel besser kontrollieren können als andere, kann durchaus an der Jagdausbildung liegen. Die jungen Leute werden ja ganz stark darauf geimpft, mit der Schusswaffe vorsichtig umzugehen.

Das hört sich nach durchweg positiven Ergebnissen an. War die Studie eine Auftragsarbeit des Jagdschutz-Verbandes?

Nein, sie wurde praktisch aus der Portokasse des Instituts bezahlt. Ich bin selbst Jäger. Da wollte ich einfach mal eine empirische Studie machen, um die diversen Vorurteile gegen Jäger zu überprüfen. Die Verbände waren so misstrauisch, dass wir überhaupt keine Unterstützung bekommen haben. Jetzt allerdings, wo sich herausgestellt hat, dass es für die Jäger ganz gut gelaufen ist, bekommen alle spitze Ohren.

Ihre Studie zeigt aber auch, dass es in der Bevölkerung tatsächlich große Vorbehalte gegenüber schießenden Grünröcken gibt.

Die Haltung der Nichtjäger ist gespalten. Die meisten befürworten die Jagd. Sie sagen, die Jagd müsse leider sein, weil wir eben nicht mehr in einer Naturlandschaft leben. Andere halten uns für aggressiv und unterstellen uns gar Lust am Töten. Wir gelten als Neurotiker, die mit großer Machtattitüde durch den Forst wandern und freilaufende Hunde und streunende Katzen totschießen. Das gibt’s in Einzelfällen natürlich auch. Aber generell ist das ein Zerrbild.

Wie gehen die Jäger mit solchen Vorurteilen um?

Gelassen. Sie müssen sich ja schon lange damit auseinandersetzen. Und im Alltag bemerkt man die Konfrontation oft gar nicht. Im Gegenteil, ich bin ja hier als Pächter von einem Staatsforstrevier bekannt und werde manchmal gefragt: »Schon ein Stück Rehwild geschossen? Ich könnte mir für Weihnachten gut eine Keule vorstellen…«

Finden Sie sich selbst im Persönlichkeitsbild der Studie wieder, sind Sie zum Beispiel auch besonders traditionsbewusst?

Ja, das passt. Ich komme aus dem Münsterland, aus einer Familie mit gut katholischem Hintergrund. Dieses Traditionsbewusstsein lebe ich auch – trotz Psychologie und Uni Bremen.

Interview: Sabine Etzold

 
Leser-Kommentare
  1. Zwei Jäger treffen sich -Beide tot

  2. Ah, es geht doch nichts über das Vergnügen, so ein paar unschuldige Rehlein und Osterhasen abzuknallen und in ihrem Blut liegen zu sehen. Da schlägt das Waidmannsherz gleich nochmal so schnell.

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  • Quelle DIE ZEIT, 20.09.2007 Nr. 39
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  • Schlagworte Wissenschaft | Psychologie | Jagd
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