Die WAZ-Gruppe in Essen wird bald eine aufsehenerregende Seite im Internet haben. Sie ist Teil einer umfassenden Besinnung des Verlags auf lokale Stärken – und ein später, aber gründlicher Aufbruch. Ab Oktober soll sie den Lesern zugänglich sein.

Diese Seite wird ein persönlicher Stadtplan sein (siehe Foto). Man muss sich das so vorstellen: Ein Onlineleser der WAZ kann künftig seine Adresse angeben. Wenn er die WAZ dann im Netz besucht, wird er einen Stadtplan sehen, in dessen Mitte seine Wohnung liegt. Darum herum blinken kleine Nachrichten, die von etwas handeln, das sich in unmittelbarer Nähe ereignet hat. Hinzu kommen Fotos, Hinweise auf Termine und bald auch lokale Werbung vom Pizzabäcker um die Ecke. Außerdem werden andere WAZ-Leser, die sich gerade online befinden und in der Nähe wohnen, durch ein Symbol in Form eines Männchens angezeigt. Mit Ihnen kann man dann in Kontakt treten. 

Diese neue Anordnung von lokalen Nachrichten und Nachbarschaften kann Standards setzen. Denn sie überträgt das Prinzip der Lokalzeitung in eine andere Form. Eine Form, die zum Internet passt und absolut neu ist: Jeder bekommt sein persönliches Dorf zu sehen.

Daneben wird es auch eine schlichte, konventionelle Seite der Waz im Internet geben. Sie wird den bekannten Online-Auftritten auch anderer Zeitungen ähneln und von Essen aus betrieben. Gleichzeitig bildet sie die vier Zeitungen in Nordrhein-Westfalen und mehr als 90 Lokalredaktionen ab, die zur WAZ-Gruppe gehören: die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue Rhein/Ruhr Zeitung, Westfälische Rundschau und Westfalenpost .

Fast könnte man sagen: ausgerechnet die WAZ-Gruppe. Lange stand sie für hohe Renditen bei niedriger Textqualität. Dass sie nicht zugrunde ging, mochte man oft nur dem ausgedehnten Monopol im Ruhrgebiet zuschreiben. Doch nun versucht Geschäftsführer Bodo Hombach mehr aus dem zu machen, was er hat. "Wir setzen Journalisten bewusster ein, um die Qualität zu steigern, wo es sich lohnt." Es ist nicht nur die große Onlineredaktion entstanden. Es wurden auch Stellen in Lokalredaktionen mit Potenzial umgesetzt. In Duisburg-Rheinhausen entstand sogar eine neue Redaktion.

Ulrich Reitz, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, und Bodo Hombach wollen beweisen, dass die Auflage wieder steigen kann. Noch sind sie davon allerdings deutlich entfernt. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zeitung vier Prozent Auflage verloren.