Wird am Ende doch noch alles gut? Die Geschichte der Welt ist die einer ökonomischen Krise: 60 Jahre alt und immer noch kein Gewinn. Gleichzeitig gehört sie zur sogenannten blauen Gruppe im Springer Verlag – gemeinsam mit Welt am Sonntag und Berliner Morgenpost . Das war der Ausgangspunkt für die jetzige Strategie, alle »blauen Blätter« miteinander zu verweben, sie ins digitale Zeitalter zu führen und dabei die Welt endgültig zu retten.

Für den Wandel steht vor allem Christoph Keese, der nicht nur Chefredakteur der Welt am Sonntag ist, sondern die journalistischen Geschicke der ganzen Gruppe lenkt. Nach seinem Einstand hat er die drei Redaktionen miteinander verschmolzen, Dutzende von Stellen abgebaut und neue Arbeitsabläufe erprobt. So sanken die Kosten deutlich. Um der Welt gleichzeitig neue Leser zu erschließen, wurde ein Ableger fürs junge Großstadtpublikum erfunden – die Welt Kompakt.

Als Letztes rief Keese »Online first«. Vor knapp einem Jahr ließ er ein Großraumbüro einrichten. Von dort steuert er nun die Blätter und den Onlineauftritt . Er verlangt, dass Redakteure ihre Texte zuerst im Internet veröffentlichen, so soll das führende Nachrichtenangebot entstehen. Welt.de ist zwar weit davon entfernt, Spiegel Online abzulösen, aber Keese kann immerhin mehrere Hundert Redakteure für sein Ziel einspannen. Das geschieht nicht ohne Reibungsverluste, mancher hat den Verlag verlassen, aber arbeitssuchende Journalisten gibt es genug, und so sinken die Kosten weiter. Der Leser soll davon nichts mitbekommen. Egal, ob er zu Hause ist, in der S-Bahn oder am Computer, immer soll er den Stoff in der für ihn passenden Form erhalten.

Auch der Geschäftsführer hat eine klare Strategie fürs Internet. Peter Würtenberger gründete vor Kurzem eine eigene Vermarktungsgesellschaft für Onlinewerbung. Auch deshalb seien die Einnahmen in diesem Jahr um rund 70 Prozent gestiegen, erklärt er. Mehr Wachstum erhofft er sich von einer neuen Werbetechnik, dem sogenannten targeting . Dafür sammelt Würtenberger die Interessenprofile seiner Leser. Wo bleiben sie auf Welt.de hängen? Wie lange bleiben sie? Der Manager möchte diese Informationen nutzen, um in einigen Jahren nur noch Werbung zu zeigen, die zum Leser passt. GOH