Über Mode soll ich schreiben, aber es darf nicht mit einem „I“ anfangen, nie wieder darf ich eine Kolumne mit dem Wort „Ich“ am Anfang verfassen, auch nicht mit „Irrsinn“ oder „Illegitim“, weil ein I angeblich nicht elegant aussieht, ein I, behaupten die Artdirektoren, nein, die ArtdirektorInnen, zerstört die Schönheit der Kolumne, eine Kolumne, die mit einem I anfängt, ist angeblich wie Streifen mit Karos kombiniert, oder saftblaue Hose mit senfgelbem Hemd, dabei ist die Kolumne doch eine subjektive Form, subjektiv, das kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ichichich , nicht schönschönschön, mit anderen Worten, einem Kolumnisten das Ich zu verbieten, das ist, als ob man zu einem Schwimmer geht und sagt, du, Schwimmer, Wasser kriegst du heut aber keins, Wasser schaut nicht gut aus, Wasser steht dir auch gar nicht, Wasser ist auch gar nicht mehr modern, lauf halt im Becken ein bisschen hin und her, darfst auch mit den Armen rudern dabei, aber Wasser, das nicht, so etwas nenne ich Geschmacksterror, nebenbei gesagt gibt es auch Menschen, die gerade das I mögen, schau doch mal, Isa, Ingrid, Irmgard, das Magazin da am Kiosk hat viel I, das kaufen wir, wegen seiner Klarheit, das kommt steil und hat Kraft, phallisch, meinetwegen, trampelt doch ruhig auf meinem Unterbewusstsein herum, ihr Optikfreaks und Modezaren, aber auch für die Modezarenfamilie wird es eines Tages ein 1917 geben, wenn ihr versteht, von Hause aus bin ich nämlich eigentlich Historiker, ich habe eine ernsthafte wissenschaftliche Karriere aufgegeben, was habe ich unter euch eigentlich verloren?

In diesem Herbst trägt der Herr die Sätze lang und streng.

Rudolph Moshammer, Wolfgang Joop, Karl Lagerfeld, Alexander McQueen, Viktor Horsting, Rolf Snoeren…wer in die Modebranche geht, ist seltsam. Das sind durchweg seltsame Männer. Ich sage nicht: schwul. Ich sage: seltsam. Das, was wir in unserer Zivilisation anziehen, wird von Sonderlingen entworfen, mit Zwerghunden, Perücken und Pferdeschwänzen und Solariumsfetischismus. Das sind extreme Subjekte. Wenn denen einer das I verbietet, wird er gepudert, bis er quietscht. Wulli, wulli? Kwudeldi, duddeldi, dum! Patati, patata.

An den Enden der Absätze dagegen lässt es der Herr in dieser Saison locker fallen. Es darf fransig und ein bisschen wild sein.

Als der edle König Irwin, zum grauenden Morgen hin, endlich gestorben war, zog die Elfenprinzessin Isengrund ihr heiliges Schwert, hob es an, ihre Lippen zitterten, ihr Gewand aus mit Brabanter Brokat gefütterter Sarazenerseide bauschte sich im Wind, und ein Schrei nach Rache gellte weithin über das Ilmenland. Gürtet euch, rief Isengrund von der Zinne all den Ilmen, den Igoriten und den Irrzwergen zu, die sich klagend um die Burg versammelt hatten, legt Kriegsgewänder an, tut euch den Harnisch um, sattelt und zäumt die Rösser! Wir werden in das Land Ardiror ziehen und das Verderben dorthin tragen, die Ardiroren haben nicht umsonst unseren Irwin gemeuchelt.

Dunkle Farben sind wieder hochaktuell. Wer es sich figürlich zutraut, darf ruhig einige gewagte Stilzitate einbauen, aber vergessen Sie nicht, Ironiesignale zu setzen, dann sind Sie auch bei offiziellen Anlässen auf der sicheren Seite.

I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I.