Seitenhieb Ausland über alles
Immer mehr Studenten gehen ins Ausland. Gut so. Doch: Mobile Studenten haben später Probleme auf dem Arbeitsmarkt.
Mit manchen Daten lässt sich alles und dessen Gegenteil belegen. Auch mit dieser Statistik: Immer mehr deutsche Studenten gehen ins Ausland. 1975 waren es nur 11000, 1995 41000; 2005 schon 75800 – 14 Prozent mehr als im Vorjahr.
Diese Statistik, so würden Freunde des gepflegten Kalauers betonen, ist für den Bildungspolitiker so wie eine Laterne für den Betrunkenen – sie dient eher der Festigung des eigenen Standpunktes denn der Erleuchtung. Die eine Seite fühlt sich in der Befürchtung bestätigt, dass immer mehr Studenten aus dem deutschen System exilieren, »Braindrain« heißt das mit alarmistischem Tremolo. Die andere Seite wird die Mobilität der Studenten preisen: Nesthocker? Die doch nicht!
Die sofortige Verfestigung der Gedanken beim Lesen versperrt aber die Sicht auf das wirklich Interessante: die neue Rolle des Auslandsstudiums für den Arbeitsmarkt.
Vor wenigen Jahren war ein Jahr in New York, Oxford, selbst Aix-en-Provence ein Distinktionsmerkmal im Lebenslauf: Ausland=bessere Jobchancen. Je mehr Leute ins Ausland gehen, desto weniger stimmt die Gleichung.
Neue Unterschiede müssen her; die Generation der Lebenslauf-Optimierer wird immer schneller, höher, weiter springen müssen: ein Hilfsprojekt in der Südsahara anleiern, ein Praktikum bei der US-Notenbank machen, ein Tutorium an einer südkoreanischen Uni geben.
So großartig ein Auslandsjahr für jeden einzelnen Studenten ist – für alle zusammen wird der Arbeitsmarkt unentspannter.
- Datum 31.12.1899 - 01:00 Uhr
- Serie -
- Quelle DIE ZEIT, 20.09.2007 Nr. 39
- Kommentare 14
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Was ist denn das für eine krude Logik? Was ist mit dem persönlichen Zugewinn, den jeder einzelne aus einem Auslandsaufenthalt zieht? Was ist mit dem europäischen Arbeitsmarkt, in dem jeder Deutsche Student später auch woanders arbeiten kann, und dafür doch zumindest ausprobiert haben sollte, wie das so ist - im Ausland!
Und nur weil alle es machen, heißt das doch nicht, dass es schlecht ist ins Ausland zu gehen. Ihr Artikel erschließt sich mir nicht!
Mit vielen Grüßen aus meinem Erasmus-Jahr!
Ich kann "Nieschi" nur zustimmen. Die Logik ist dilettantisch. Analog könnte ich dann nämlich genauso sagen: Lernt nicht so viel an der Uni, denn damit macht ihr es allen die nicht lernen schwerer am Arbeitsmarkt. Bzw. noch genereller: Macht nichts (besser) was die anderen auch nicht (besser) machen. Diese Denkweise würde zu einer Gesellschaft führen die jeglichen Fortschritt verhindert. Ich darf für mich sprechen: Das will ich nicht.
Edit: Abgesehen davon, dass der Artikel nichts darüber aussagt, warum es für Auslandsstudenten "danach" schwieriger wird. Denn nur weil es mehr Studenten gibt die jetzt im Ausland studieren, heisst das nicht, dass es für diese schwieriger wird. Das einzeige was gesagt werden kann ist, dass die Wahrscheinlichkeit sich auf Grund der Auslandserfahrung gegenüber anderen Bewerbern durchzusetzen, geringer wird. Schwierigkeiten hätte ich nur dann, wenn ich _durch_ die Auslandserfahrung eine _geringere_ Durchsetzungswahrscheinlichkeit hätte als solche ohne jene Erfahrung. Da ist aber ein großer Unterschied.
Ich habe den Eindruck, dieser 'Artikel' ist nicht ernst gemeint.
Ja, wer ins Ausland geht, hat Probleme zurueck nach Deutschland zu kommen:
Nicht weil heute jeder Auslandserfahrung haette.
Sondern weil Deutsche Arbeitgeber kaum jemanden
einstellen, der keine Deutschen Dokumente hat
(Ein Diplomzeugnis, das nicht mindestens 5 deutsche
Stempel und Unterschriften hat, schaut sich eine Personalabteilung in Deutschland gar nicht erst an).
Und weil es Deutsche Zeugnisse im Ausland nun mal nicht
gibt, kann man als Deutscher nicht mehr zurueck.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung.....
wenn es nur darum geht, den Lebenslauf zu optimieren, dann sollte man besser Zuhause bleiben und Bewerbungsmappen gestalten.
schwacher Artikel
Ich muss diesem Artikel auch dahingehend widersprechen, dass gezielte Auslandsaufenthalte sehr wohl ein Schlüssel für erfolgreiche Job-Bewerbungen sein können.
Habe ich selbst erlebt, haben mittlerweile meine drei Geschwister erlebt.
Wer allerdings einfach "nur so" "ins Ausland" geht, wird wahrscheinlich wirklich im Rauschen aller anderen untergehen und sollte die Zeit eher dafür nutzen, sein Studium fertigzukriegen...
Leider sagt der Artikel wenig aus darueber, warum Studenten oder auch Leute mit deutschem Studienabschluss durch einen Auslandsaufenthalt Probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben. Dennoch ist diese Aussage prinzipiell richtig und deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Ich erlebte, dass selbst grosse internationale Unternehmen in Deutschland die Kosten scheuten, Leute zu Vorstellungsgespraechen nach Deutschland einzuladen. Mittlerweile spielt es auch eine Rolle, in welchem Ausland man studiert oder arbeitet - die Industrie stellt sich auf neue Wachstumsmaerkte in Asien ein, so dass ein Aufenthalt dort oftmals hoeher bewertet wird als an einer Top-Uni in den USA. Das Schwierigste fuer einen Bewerber aus dem Ausland ist jedoch, dass man selbst nicht mehr die noetigen Kontakte aufzuweisen hat oder eben das "Networking" misst nach einer gewissen Zeit im Ausland. Leider ist gerade Letzteres sehr wichtig geworden in Deutschland.
dem kann ich aus eigenen Erfahrungen zustimmen.
Hinzufuegen moechte ich folgendes. Der ganze Wirbel um die Mobilitaet und Auslandssemester von Studenten war eine riesige politische Werbekampagne fuer Europa, gestartet in den fruehen 90ern Jahren - viel heisse Luft und oft ziemlich unserioes. (Erasmus war teilweise sogar eine Unverschaemtheit: mit 400 DM/Monat ins teure Nord-Italien, wo man als Deutscher nur abgezockt wird! Nicht wenige Studenten haben sich dabei hoch verschuldet.) Ein oder mehrere Auslandssemester haben zunaechst einmal mit persoenlicher Erfahrung zu tun (oft tolle Bereicherung, manchmal Frust). Aus eigenen Erlebnissen weiss ich aber, dass Firmen bei der Auswahl von Bewerbern diese Auslandssemester ziemlich Wurst sind. Im besten Fall werden sie belaechelt. Wenn man mehrere Semester im Ausland war und in verschiedenen Laendern (so wie ich), kommt nicht selten sogar Misstrauen auf. Gefragt sind in der Regel eh nur (gute bis sehr gute) Englischkenntnisse, und der Bewerber soll moeglichst schnell sein Studium abgeschlossen haben und in moeglichst kurzer Zeit viele Praktika/Berufserfahrung gemacht haben. Was sollen da Griechisch- oder Italienisch-Kenntnisse? Soso, man hat also im sonnigen Sueden studiert, gleich in Strandnaehe? Tolle Zeit gewesen, was?
Fazit: Wer Semester im Ausland verbringen will, sollte das aus persoenlichen Gruenden tun (Bereicherung an Erfahrungen, Sprachkenntnisse, frischen Wind um die Nase). In dieser Hinsicht sicherlich empfehlenswert. Fuer die Arbeitssuche ist es nur in ganz spezifischen Faellen hilfreich. Oft jedoch wertlos oder gar schaedlich, wie der Artikel leider nur schwach andeutet.
Die Politik hat da falsche Stimmung gemacht, darauf sollte man nicht reinfallen. Stichwort "interkulturelle Kompetenz" und aehnliches blablabla ... .
Was ist das überhaupt für ein Artikel? Was sind das für Daten, wo kommen sie her, welche Politiker nutzen sie für was? Ist das nur ein Kommentar und ich habe lediglich den Hauptartikel verpasst? Welche Studenten (welche Fächer) haben in welchen Branchen Probleme, einen Job zu finden? Welche Jobs finden die, die es schaffen? Sind die vielleicht besser bezahlt? Wer kommt überhaupt zurück und wer bleibt vielleicht direkt im Ausland? Welches Ausland?
Dieser Artikel sagt ÜBERHAUPT NICHTS aus und schafft dabei nicht die geringste Diskussionsvorlage!
Grüße aus meinem Auslandaufenthalt in den USA, bei dem ich nach 2 Wochen mehr gelernt habe als in den 4 Jahren Studium in Deutschland zuvor (und das nicht nur akademisch!)
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