Manch einer glaubt, er könne aus seinen Irrtümern Nutzen ziehen, frei nach dem Motto: „Auch eine alte Kuh lernt immer noch dazu.“ BILD

Der Münchner Arzt und Schachspieler Kurt Baum bleibt da vorsichtshalber mehr im Ungewissen: „Erfahrung ist die Summe der gemachten Fehler.“

Doch vielleicht nähern wir uns der Wahrheit am meisten, wenn wir den Professor für Allgemeinmedizin im Auge haben, der selbstironisch seinen Studenten sein Opus magnum „Meine gesammelten Fehldiagnosen“ vermachte, wobei dieses jährlich anwuchs. Ganz im Einklang mit Hegel: „Wir lernen nichts aus der Geschichte – außer eben dieser Tatsache.“

An all das musste ich denken, als mein Bamberger Schachfreund Peter Meister mir vom Bodenseecup 2007 erzählte, bei dem traditionell die Schweiz, Württemberg, Baden und Bayern aufeinandertreffen. Beim Wettkampf zwischen Württemberg und Bayern hatte es dabei der Fide-Meister Josef Gheng mit dem erst 15-jährigen Julian Jorczik aus München zu tun. Lange Zeit „bekniete“ der erfahrene Meister den Knaben, der mit einem Bauern weniger aufgrund der ungleichen Läufer sich aber durchaus berechtigte Remishoffnungen machen durfte. Schließlich wurde die Restbedenkzeit für beide immer kürzer, was auch ohne (beim Schach wohl ohnehin sinnloses) Doping den Adrenalinspiegel steigen ließ, natürlich vor allem beim sich seiner Haut erwehrenden Julian.

Zuletzt hatte dieser als Schwarzer mit Tb7–f7 den Turmtausch angeboten, um danach das Remis sicher in der Tasche zu haben. „Natürlich“ verzichtete Weiß darauf und gab mit 1.Tf6–g6+ nahezu a tempo das naheliegende Schachgebot.

Doch, o Schreck, nach Julians Antwortzug war plötzlich Weiß rettungslos verloren.

Wie kams?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 38:
Nach 1…dxc4! konnte Weiß den Figurenverlust nicht mehr verhindern, weil er nach 2.Lxc4 Da5+ im nächsten Zug den ungedeckten Läufer g5 einbüßt. Natürlich hätte auch 2.Lxf6 cxd3 mit zwei weißen hängenden Figuren nichts daran geändert BILD