Ich habe einen Traum Genieße!
Renzo Rosso, Erfinder der Jeansmarke Diesel fügt seiner Unterschrift immer das Wort "enjoy" hinzu. Er will mit jeder seiner Taten eine positive Botschaft aussenden
Meistens träume ich, wenn ich in meinem Aston Martin fahre. Das Auto passt gut zu mir: Die Kraft, der Sound, der Motor – alles daran ist maskulin. Träume sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Wenn du einen Traum hast, hast du etwas vor und einen Grund, jeden Tag zur Arbeit zu gehen, einen Grund zu leben.
Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen – ich hatte nichts. Doch ich hatte immer den Traum, Designer zu werden. Die erste Jeans nähte ich auf der Maschine meiner Mutter. Aber die Hose war mir zu sauber, zu steif, zu fremd. Ich rieb sie so lange auf dem Betonboden, bis sie weich war und man sich in ihr wohlfühlte. So habe ich den Diesel-Look erfunden.
Ich habe auch erfahren, dass jemand, der an etwas glaubt, immer jemanden trifft, der ihn weiterbringt. Es war zunächst schwer, die Händler von meinen Jeans zu überzeugen. Sie verstanden den Used-Look nicht und dachten, meine Hosen wären secondhand. Schließlich traf ich einen jungen Deutschen, der den Mut hatte, meine Jeans zu verkaufen. Von da an fuhr ich alle zwei Wochen mit einem Ford Transit voller Jeans nach Düsseldorf und kam mit einem D-Mark-Scheck zurück.
Heute ist Diesel eine Weltmarke. Ich habe nun viel Geld, aber ich glaube nicht, dass mich das verändert hat. Nur kann ich jetzt viel mehr wichtige Dinge tun als früher. Zum Beispiel habe ich Computer für Kindergärten gekauft. Wir haben dem Computer viel zu verdanken. Er gibt den Menschen die Möglichkeit, sich mit den Informationen zu versorgen, die für sie wichtig sind. Früher waren die Leute der Ideologie der Obrigkeit ausgeliefert, egal ob sie links oder rechts war. Ich selbst hatte in der Schule einen Lehrer, der sehr sozialistisch eingestellt war. Und in Klassenarbeiten musste man immer seinen Ansichten entsprechen, sonst gab es schlechte Noten. Wie kann das sein?
An manchen Schulen herrscht dieser Geist noch heute. Ich habe sechs Kinder, mein ältestes ist 29, mein jüngstes 4. Manchmal bin ich in der Schule, um mit den Lehrern zu sprechen – es ist unglaublich, was ich da zu hören bekomme. Zuweilen frage ich mich, warum jemand meine Kinder unterrichten darf, der 60 Jahre alt ist. Kann so einer noch erkennen, was die jungen Leute brauchen? Lehrer sollten verpflichtet werden, sich ständig fortzubilden. Sie sollten sich nicht mit einem pädagogischen Wissen begnügen dürfen, das 20 Jahre alt ist.
Ich wurde sehr konservativ erzogen. Auch deshalb ist mir Häuslichkeit so wichtig. Die Familie ist der Ankerpunkt in meinem Leben. Ohne sie würde ich außer Kontrolle geraten. Wenn du Frau und Kinder hast, weißt du, wohin du abends zurückkehren kannst. Meine Familie gibt mir Zeit zum Atmen. Hätte ich sie nicht, würde ich nicht aufhören zu arbeiten. So aber bin ich abends um sieben zu Hause.
Mein Elternhaus war sehr katholisch. Heute bin ich allerdings Atheist. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Man hat nur dieses eine Leben, und das muss man voll auskosten. Wenn ich etwas unterschreibe, dann kritzele ich immer
„enjoy!“
– „genieße!“ – dazu. Mit allem, was ich tue, möchte ich eine positive Botschaft aussenden. Auch wenn ich einen Duft für Diesel kreieren lasse. Ich wollte, dass „Fuel for Life“ wirklich Treibstoff fürs Leben ist. Manchmal trage ich das Parfüm sogar selbst. Davor habe ich mein ganzes Leben lang kein Parfüm verwendet, noch nicht einmal Deo. Ich fand ja auch nicht, dass ich schlecht roch.
Renzo Rosso, 52, lebt auf einem Weingut im Veneto und führt die italienische Modemarke Diesel. Sie wurde populär durch Jeans, die gebraucht aussehen. Heute präsentiert Diesel auch Prêt-à-porter-Kollektionen.
Aufgezeichnet von
Tillmann Prüfer
Zu hören unter
www.zeit.de/audio
- Datum 19.09.2007 - 02:00 Uhr
- Serie audio
- Quelle ZEITmagazin LEBEN, 20.09.2007 Nr. 39
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