Kirche Hitlers Hirte

Der katholische Priester Jozef Tiso regierte von 1939 bis 1945 die Slowakei – und ließ 60.000 jüdische Bürger in den Tod schicken. Die Kirche des Landes verehrt ihn bis heute

Der Hass ist zurückgekehrt. In Polen hetzt der katholische Sender Maria gegen Homosexuelle und Juden. Vier Millionen Menschen in dem nationalkonservativ regierten Land hören täglich die Tiraden – etwa gegen die »jüdische Lobby«, die den polnischen Staat fest im Griff habe. In Budapest marschieren derweil die Männer der »Ungarischen Garde« in schwarzen Uniformen durch die Straßen. Die paramilitärische Vereinigung, die sich vor wenigen Wochen in der Tradition der faschistischen Pfeilkreuzler gegründet hat, will alles »Nichtungarische« bekämpfen und die sozialliberale Regierung stürzen. In fast allen mittel- und osteuropäischen Ländern, die seit dem Untergang der kommunistischen Regime im neuen Europa um ihre Selbstbestimmung und Identität ringen, erfährt antisemitisches, faschistisches und nationalistisches Gedankengut eine heftige Konjunktur.

Auch in der fünfeinhalb Millionen Einwohner zählenden Slowakei, seit 1992/93 von Tschechien getrennt und seit 2004 Mitglied der EU, lebt der alte Ungeist mächtig wieder auf. So wollen Nationalisten und einige katholische Bischöfe hier den vor 60 Jahren hingerichteten Priester Jozef Tiso, Staatspräsident der Slowakei von 1939 bis 1945, zu einem Nationalhelden machen. Erzbischof Ján Sokol, Oberhaupt der Diözese Trnava und Bratislava, sagte im Dezember 2006 im Nachrichtensender TA 3: »Ich schätze Tiso sehr, weil ich mich erinnere, wie arm wir waren, als ich noch ein Kind war. Als er kam, ging es uns besser.« Verklärende Worte des Dankes. Unterschlagen wird dabei nur, dass just dieser Tiso die politische und moralische Verantwortung für die Deportation und Ermordung von fast 60.000 Juden trägt.

Das Schicksal der Juden sei Gottes Wille

Jozef Tisos politischer Aufstieg in die höchsten Staatsämter begann mit dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938, in dem Hitler, Mussolini, Daladier und Chamberlain die Annexion des Sudetenlandes durch Nazideutschland beschlossen. Die demokratische Tschechoslowakei verlor ein Fünftel ihres Territoriums. In den Nachverhandlungen wurden Ende 1938 noch Teile der Süd- und Ostslowakei dem ungarischen Staat zugeschlagen.

Der stärksten slowakischen Partei, der nationalistischen Hlinka-Volkspartei, erschien die Zeit reif, die Autonomie ihres Landes im geschwächten tschechoslowakischen Verbund durchzusetzen. Die Partei bekämpfte die zentralistische Prager Regierung und sah in Tschechen und Ungarn, vor allem aber in den Juden die Feinde des slowakischen Volkes (das in seiner Mehrzahl katholisch war und heute noch ist).Nach dem Tod des langjährigen Parteivorsitzenden, des katholischen Priesters Andrej Hlinka, trat just in jenem Jahr 1938 ein weiterer Theologe die Nachfolge an, der sich als wortgewaltiger Fürsprecher slowakischer Autonomie präsentierte: Jozef Tiso.

Tiso, 1887 in Veľká Bytča als Kind frommer Eltern geboren – der Vater hatte eine Metzgerei –, war nach einem Theologiestudium in Wien 1910 zum Priester geweiht worden. Ein Jahr später promovierte er, lehrte an Schulen und wurde schließlich Professor für Moraltheologie am Priesterseminar in Nitra. Er hatte eine große Kirchenlaufbahn vor sich, aber er entschied sich, seit 1919 Mitglied der Volkspartei, für die Politik.

Hier dauerte es mit der Karriere etwas länger. Doch in seinem 51. Lebensjahr war er am Ziel. Als die Slowakei – noch innerhalb der Tschechoslowakei – am 6. Oktober 1938 ihre politische Autonomie erlangte, wurde Jozef Tiso ihr Ministerpräsident. Bereits im November 1938 und 1939 kam es in Bratislava (Pressburg) und anderen Städten zu antisemitischen Übergriffen der Hlinka-Garde, einer nach dem Vorbild von SA und SS aufgebauten paramilitärischen Organisation der Volkspartei. Ohne Druck aus Deutschland verabschiedete die autonome Regierung unter Tiso erste antisemitische Gesetze.

Unterdessen standen Hitlers Pläne für die endgültige Zerschlagung der Tschechoslowakei längst fest. Am 13. März 1939 wurde Tiso nach Berlin eingeladen. Das Gespräch verlief in frostiger Atmosphäre. Entweder, forderte der »Führer« und Reichskanzler, werde der slowakische Staat ausgerufen, und zwar »blitzschnell«, oder man überlasse die Slowakei »ihrem Schicksal«. Außenminister Joachim von Ribbentrop präsentierte dazu passend die »gerade angekommene« Nachricht über Bewegungen der ungarischen Truppen an der slowakischen Grenze.

Am 14. März 1939 um 12.07 Uhr erscheint auf der Karte Europas ein neuer Staat: die Slowakische Republik. Am Tag darauf zieht die Wehrmacht in Prag ein. Während nebenan die Slowakei von Hitlers Gnaden souverän wird, entsteht hier das »Protektorat Böhmen und Mähren«.

Ein eigenständiges Land aber ist auch die Slowakei nicht. Die Regierung in Bratislava schließt mit Nazideutschland einen sogenannten Schutzvertrag ab und ordnet ihre Außen-, Militär- und Wirtschaftspolitik den Interessen des mächtigen Nachbarn unter. Im Herbst 1939 stellt der junge Staat, in dem allein Tisos Partei das Sagen hat, Soldaten für den deutschen Angriff auf Polen und zwei Jahre später für den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion.

Staatspräsident wird, im Oktober 1939, erwartungsgemäß Jozef Tiso, Ministerpräsident Vojtech Tuka, ein Mann des radikalen Flügels der Volkspartei; Tiso gehört dem konservativ-klerikalen Flügel an und will den Einfluss der Deutschen in Grenzen halten. Das gefällt Tuka und dem Führer der Hlinka-Garde, Innenminister Alexander Mach, weniger. Aber in der »Judenfrage« sind sie sich alle untereinander und mit Nazideutschland einig.

Nach einer Volkszählung leben 1940 in der Slowakei 2.650.000 Menschen. 89.000 von ihnen sind Juden. Der Hass gegen sie muss nicht erst neu geschürt werden. Er ist alt und speist sich aus dem christkatholischen Antijudaismus. So regt sich denn auch gegen die Vielzahl der antisemitischen Gesetze, die auf die jüdischen Mitbürger niedergehen, unter der Mehrheit der Slowaken kaum Widerspruch. Juden werden ihres Eigentums beraubt, diskriminiert und in die wirtschaftliche und soziale Isolation gedrängt. Auf Plätzen und in Parks stehen nun Schilder mit der Aufschrift: Juden, Zigeunern und Hunden ist der Zutritt verboten.

Die Situation verschärft sich, als Deutschland nach den Salzburger Gesprächen von Hitler und Reichsaußenminister Ribbentrop mit slowakischen Repräsentanten am 28. Juli 1940 »Berater« nach Bratislava entsendet. Im September trifft der »Sonderberater der slowakischen Regierung für die jüdische Frage«, SS-Hauptsturmführer Dieter Wisliceny, in der Hauptstadt ein. Er ist einer der engsten Mitarbeiter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann. Am 9. September 1941 wird ein »Judenkodex« verabschiedet, der neben den Nürnberger Rassegesetzen zu den schärfsten antijüdischen Verordnungen in Europa zählt. Alle Juden, die älter als sechs Jahre sind, tragen von nun an einen »Judenstern«. Sogar Briefe von Juden müssen damit gekennzeichnet sein – das ist nicht einmal den deutschen Nazis eingefallen.

Die Verantwortung für den Holocaust in der Slowakei wird von konservativen Geschichtsschreibern heute gern auf die deutschen Berater abgewälzt. Der Historiker Ivan Kamenec sieht das anders: »Die Slowakische Republik war in der Zeit der nazistischen Vorherrschaft in Mittel- und Südosteuropa der einzige Staat, der schon im Jahre 1942 die Deportationen seiner jüdischen Einwohner mit eigenen administrativen und politischen Kräften durchführte.« So erklärte Ministerpräsident Tuka dem vatikanischen Geschäftsträger in Bratislava, Giuseppe Burzio: »Ich versichere Ihnen bei meiner christlichen Ehre, dass sie [die Deportationen] unserem Willen entspringen und auf unsere Initiative hin durchgeführt werden.«

Tiso sah das genauso. Auf dem Erntedankfest im westslowakischen Holíč brüstete er sich im August 1942 öffentlich mit der eigenen Gnadenlosigkeit: »Ob es christlich ist, was hier mit den Juden los ist? Ist es menschlich? Ist es nicht ein Diebstahl? Ich frage, ob es christlich ist, wenn ein Volk seinen ewigen Feind loswerden will. Dass das jüdische Element dem Slowaken das Leben bedrohte, davon muss niemand überzeugt werden. Es hätte noch schlimmer ausgesehen, hätten wir uns nicht rechtzeitig von ihnen gesäubert. Und wir taten es dem Gottesgebote nach: Slowake, schüttle sie ab, befreie dich von deinem Schadensstifter!«

Tiso hat in seinem Prozess nach dem Krieg behauptet, über das Schicksal der Juden nichts gewusst zu haben. Als ihn der Ankläger Anton Rašla fragte, ob ihn das Schicksal der Deportierten überhaupt interessiert habe, antwortete Tiso: »Ich hatte andere Sorgen.« Selbst wenn der Priesterpräsident 1942 die Einzelheiten über die Vernichtungslager noch nicht kannte, so musste er doch von dem vieltausendfachen Judenmord in den besetzten Gebieten der Sowjetunion gehört haben. General Jozef Turanec, der am Russlandfeldzug beteiligt gewesen war, hatte ihm im Winter 1941/1942 darüber Bericht erstattet.

Auch ein Schreiben slowakischer Rabbiner an Tiso belegt, dass alle Verantwortlichen wussten, was vorging. In dem Brief, der Tiso auf einer Veranstaltung in Bánovce nad Bebravou Anfang März 1942 überreicht wurde, baten die Rabbiner ihn verzweifelt, die Deportationen zu verhindern. »Die Maßnahmen kann man nennen, wie man will, und begründen mit verschiedenen Motiven. Es steht fest, dass sie unter diesen Umständen die physische Vernichtung der Juden in der Slowakei bedeuten []. Hören Sie auf Gottes Stimme und helfen Sie uns in unserem tiefsten Unglück …« Tiso hat nie geantwortet.

Am 25. März 1942 verlässt der erste Zug mit etwa tausend slowakischen Juden den Bahnhof von Žilina, Ziel sind die deutschen Vernichtungslager im besetzten Polen. Als der slowakische Landtag am 15. Mai 1942 das Verfassungsgesetz über die Deportationen nach einer halben Stunde ohne Diskussion verabschiedet, sind bereits 27 Züge gefolgt. Von März bis Oktober 1942 werden 57.628 Juden, etwa zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung, nach Auschwitz, Majdanek und Sobibor verschleppt. Nur Menschen, die eine sogenannte »Präsidentenausnahme« besitzen, Konvertiten und »wirtschaftlich wichtige« Juden wie Ärzte, aber auch die Zwangsarbeiter in den slowakischen Arbeitslagern bleiben verschont. Interventionen aus dem Vatikan zeigen keine Wirkung. Giuseppe Burzio informiert Papst Pius XII.: »Leider [] stimmten für das Gesetz auch einige Geistliche, Abgeordnete des Parlaments. Die anderen enthielten sich, aber keiner stimmte dagegen.«

Den Menschen wird die slowakische Staatsbürgerschaft aberkannt, ihr Eigentum konfisziert. Die einzige Besorgnis der Regierung ist, dass sie zurückkehren könnten. Für jeden deportierten Juden muss der slowakische Staat Berlin 500 Reichsmark zahlen. Dieser Blutzoll stammt aus dem geraubten jüdischen Eigentum. Ende Oktober leben im Land nur noch etwa 20.000 Juden.

Immerhin gibt es auch einige christliche Slowaken, Priester darunter, die den Bedrängten zu Hilfe kommen. Sie unterstützen sie bei der Flucht, geben ihnen gefälschte Taufpapiere oder verstecken sie. Mehr als 450 Slowaken werden deshalb heute in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als »Gerechte unter den Völkern« geehrt. Am 26. Juni 1942 teilt der deutsche Gesandte in Bratislava, Hanns Ludin, dem Auswärtigen Amt in Berlin mit, dass es mit der Deportation der letzten slowakischen Juden nicht so recht vorangehe, ja die Deportationen würden in der Bevölkerung unpopulär werden.

Münchens Kardinal Faulhaber versteckt Tiso in einem Kloster

Erste Zweifel am Sieg des großen Verbündeten kursieren, die sich bald verstärken. Anfang 1943 vollendet sich das Stalingrad-Desaster der Wehrmacht, ein halbes Jahr später wird Mussolini gestürzt, im Juni 1944 landen westalliierte Truppen an der Küste der Normandie. Dennoch steht die Regierung in Bratislava treu zum Reich. Die Bevölkerung allerdings murrt. Schließlich bricht am 29. August 1944 der nationale Aufstand aus. An dem bewaffneten Kampf gegen die eigene Regierung und Nazideutschland beteiligen sich 60.000 Soldaten der regulären slowakischen Armee, bürgerliche Gruppierungen und etwa 18.000 Partisanen, die unter kommunistischer Führung stehen.

Jozef Tiso droht die Macht zu entgleiten. Er ruft seine deutschen Freunde zu Hilfe. Hitlers Truppen besetzen das Land. Ende Oktober ist der Aufstand niedergeschlagen. SS-Einsatzkommandos und SD beginnen mit Hilfe der Hlinka-Gardisten und des bewaffneten Heimatschutzes der Volksdeutschen die Jagd auf Partisanen, Roma und Helfer der Aufständischen. Mehr als 3600 Zivilisten werden getötet, darunter etwa 1000 Juden, und 10.000 Slowaken in deutschen Konzentrationslagern interniert. Gleichzeitig beginnt die zweite Phase der Judendeportationen, diesmal unter deutscher Regie: Etwa 12.000 Menschen werden nach Auschwitz, Sachsenhausen und Theresienstadt verschleppt. Nur 8000 jüdische Bürger der Slowakei sollten am Ende, innerhalb und außerhalb des Landes, dem großen Morden entkommen sein.

Tiso ist zufrieden. Drei Tage nach der Niederschlagung des Aufstands zelebriert er in Banská Bystrica, dem Zentrum des Widerstands, einen Dankgottesdienst. Anschließend zeichnet er deutsche Soldaten aus und schickt seinem »Führer« in Berlin ein Huldigungstelegramm.

Etliche slowakische Juden widersetzten sich dem ihnen zugedachten Schicksal und kämpften bis Kriegsende als Partisanen, etwa 2000 Juden schlossen sich dem slowakischen Aufstand an. Unter ihnen befanden sich zwei Männer, denen es Anfang April 1944 gelungen war, aus Auschwitz zu fliehen: Rudolf Vrba und Alfred Wetzler. Sie zählen zu den Allerersten, die als Augenzeugen einen Bericht über die industrielle Ermordung der europäischen Juden in dem deutschen Vernichtungslager verfassten. Eine Kopie des 35-seitigen »Vrba-Wetzler-Berichts«, schreibt Tisos Ankläger Anton Rašla in seinen 1990 veröffentlichten Erinnerungen, sei in Tisos Geheimarchiv gefunden worden – mit dessen eigenhändiger Unterschrift und dem Vermerk »ad acta«.

Ende April 1945 flüchtet Tiso vor der Roten Armee über das österreichische Kloster Kremsmünster ins oberbayerische Altötting. Begleitet vom Bruder seines Privatsekretärs und von zwei Wehrmachtoffizieren, klopft der Gast in der Nacht an die Hintertür des Kapuzinerklosters St. Anna. Sechs Wochen lang bleibt er mit Wissen und Billigung des Münchner Kardinals Michael Faulhaber im Kloster versteckt.

Hier verfasst Tiso am 1. Mai sein Glückwunschtelegramm an Hitlers Nachfolger, Großadmiral Karl Dönitz. In diesem Telegramm beschwört der fanatische Priester »die deutsch-slowakische Schicksalsgemeinschaft« im Kampf gegen den Bolschewismus. Kardinal Faulhaber setzt sich bei der amerikanischen Militärregierung für seinen Bruder in Christo ein, aber ohne Erfolg. Die USA liefern Tiso an die tschechoslowakische Regierung aus.

Nach einem stark politisierten, vier Monate dauernden Prozess wird er zum Tode verurteilt. Der tschechoslowakische Präsident Edvard Beneš lehnt sein Gnadengesuch ab. Prozessbeoachter schildern Tiso als einen Angeklagten, der keine Reue zeigt und arrogant auftritt. »Die Politik wird nach dem Erfolg beurteilt«, verkündet er in seiner letzten Rede vor dem Gericht, »und meine Politik hat den größten Erfolg gehabt. Sie führte das Volk aus dem Gefühl der Minderwertigkeit heraus …«

Am 18. April 1947 wird Jozef Tiso im Hof des Justizpalastes von Bratislava gehängt.

Heute schmücken frische Blumen und Kränze sein Grab auf dem Martinský-Friedhof. Die Nationalisten der Andrej-Hlinka-Gesellschaft haben ihrem Idol vor wenigen Monaten einen würdigen schwarzen Grabstein gestiftet, zum 60. Jahrestag seiner Hinrichtung. In einem Gedenkgottesdienst in der Blumenthal-Kirche sagte Pfarrer Štefan Herényi: »Er war weder ein Mörder noch ein Verbrecher. Er war ein Mann, der sein Leben geopfert hat.«

Aber der salbungsvolle Ton wird auch schon mal aggressiver: So griff Viliam Judák, Bischof von Nitra, 2003 den deutschen Herder-Verlag an, weil dieser in seinem renommierten Lexikon für Theologie und Kirche Tiso als Verantwortlichen für die Deportation von 60.000 Juden nennt. Tiso sei ein »guter Pfarrer« und »Patriot« gewesen, heißt es in dem Protestbrief aus der Slowakei, ein »selbstloser« Arbeiter »für die Nation«. Der deutschen Historikerin Tanja Tönsmeyer, Verfasserin des Tiso-Artikels, warf Bischof Judák vor, sich einseitig auf einen »kommunistischen Historiker jüdischer Herkunft« zu stützen.

In der Slowakei leben heute nur noch etwa dreitausend Juden. Besorgt beobachten sie das Aufleben des antisemitischen Ungeists gerade auch in den Kreisen der katholischen Kirche. Eine von ihnen, Eva Bäckerová, überlebte als Kind die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen. Sie erklärt die Mythenbildung um Jozef Tiso und die Vergangenheit so: »Ich glaube, das slowakische Trauma besteht ebendarin, dass Tiso ein Priester war.«

Die Autorin ist Journalistin und lebt bei München

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 23.10.2007 um 10:15 Uhr

    Ein gut informierender Bericht. Wir Menschen lernen es wohl nie die schlechte Vergangenheit zu verklären. Zur Ergänzung vielleicht, auch  geistliche Würdenträger ähneln uns normalen Menschen. Sie verbergen ihren inneren Wolf gut getarnt unter einem Schafspelz. Mal ehrlich, unsere Grundgesetz bremst gücklicherweise unseren inneren Wolf aus.

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  • Quelle DIE ZEIT, 27.09.2007 Nr. 40
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