Pflege Der wahre Pflege-NotstandFür alte Leute
Alte Menschen leiden, weil die Politik nicht ihre Interessen verfolgt – sondern die der Heime.
Der Konsens ist vollkommen. Politiker jeglicher Couleur, Verbandsfunktionäre, Heimbetreiber und Experten beteuern derzeit unisono, dass schlechte Pflege selbstverständlich inakzeptabel und jeder Einzelfall ein Fall zu viel sei.
Wie aber kann es dann sein, dass Zehntausende alte Menschen in bundesdeutschen Heimen vor sich hin vegetieren – mit Psychopharmaka vollgedröhnt, bis auf die Knochen wund gelegen, halb verhungert, ihrer Würde beraubt? Die Antwort ist so einfach wie erschreckend: In der seit Jahren geführten Debatte über Qualität in der Pflege geht es nicht um eine optimale Versorgung. Es geht in erster Linie um Geld.
Den Grundstein für das fortdauernde Pflegedesaster in Deutschland hat die christliberale Regierung mit der Einführung der Pflegeversicherung gelegt. Die hatte fast im Alleingang der damalige Bundesgesundheitsminister Norbert Blüm mit dem Argument durchgedrückt, damit sollten »die Pflegebedürftigen vom Rand in die Mitte der Gesellschaft zurückgeholt werden«.
Doch das war nur Marketing. Vornehmlich sollten nicht die Hilfsbedürftigen dadurch besser versorgt, sondern in erster Linie die Kommunen und Krankenkassen von steigenden Pflegekosten entlastet werden. Allein Städte und Gemeinden mussten 1994 für die Unterbringung Pflegebedürftiger alter Menschen in Heimen rund 20 Milliarden Mark aufbringen. Und Krankenkassen waren verpflichtet, die häusliche Pflege aus ihrem Beitragsaufkommen zu finanzieren.
Vor allem die Vertreter der Kommunen klagten mit Nachdruck über die permanent steigenden Heimkosten – doch wofür sie das viele Geld ausgaben, interessierte eigenartigerweise nicht. Die Heime waren eine » Blackbox«, Prüfungen, wie gut die Pflege war, gab es nicht. Nur so viel war schon damals klar: Freiwillig ins Heim wollte niemand.
Daran hat sich nach der Einführung der Pflegeversicherung kaum etwas geändert. Alle Umfragen belegen den Wunsch der überwältigenden Mehrheit der Bundesbürger, möglichst auch als Pflegefall in den eigenen vier Wänden bleiben zu dürfen.
Statt die Pflegeversicherung dazu zu nutzen, eine moderne, den Bedürfnissen der Beitragszahler angepasste Infrastruktur aufzubauen und damit das Pflegemonopol der Wohlfahrtsverbände aufzubrechen, ließ die Politik die Pfründe der Heimbetreiber nicht nur unangetastet. Sie sattelte noch drauf. Die fatale Folge: Für die Finanzierung der häuslichen Pflege blieb nur ein Restbetrag. Schließlich durfte der Beitragssatz des neuen Versicherungszweiges nicht zu hoch werden, sonst hätte der Koalitionspartner der Christdemokraten, die FDP, das ganze Projekt torpediert. So kommt es, dass die Pflegeversicherung für die häusliche Pflege bis heute mit Abstand das wenigste Geld zahlt.
So erhalten Heime für Pflegebedürftige der ersten Stufe nur für die Pflege 1.023 Euro – Kosten für Unterkunft und Verpflegung zahlen die Versicherten zusätzlich. Dagegen erhalten ambulante Pflegedienste für dieselbe Arbeit lediglich 384 Euro, Angehörige und Nachbarn werden mit 205 Euro abgespeist. In den Pflegestufen II und III ist die Relation ähnlich.
Das im Gesetz eigens postulierte Ziel, die Pflegeversicherung solle »mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft der Angehörigen und Nachbarn unterstützen, damit die Pflegebedürftigen möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können« – dieses Ziel wurde damit von Anfang an konterkariert, zum Schaden der Betroffenen und nicht zuletzt aller Versicherten. Denn obwohl lediglich 30 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen betreut werden, kassieren diese mehr als 50 Prozent der von den Pflegekassen jährlich aufgewendeten Gelder.
Das allein ginge ja noch, belegten die zahlreichen Prüfberichte des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MdK) nicht eindeutig: Trotz der erheblich höheren Kosten für Kassen und Versicherte ist die Pflege in Heimen keineswegs besser als die häusliche. Im Gegenteil gibt es nach dem jüngst veröffentlichten Bericht deutlich weniger Beanstandungen von denen, die durch ambulante Diensten betreut werden.
Am fehlenden Geld kann es also nicht liegen, dass der MdK seit Jahren bei seinen Prüfungen gerade in Heimen auf verheerende Zustände trifft. Dass Geld fehle, behaupten vor allem die Wohlfahrtsverbände aber regelmäßig, wann immer Missstände in Heimen bekannt werden. Doch sie erklären nicht, wieso bei Gesamtkosten für Bewohner von bis zu 5000 Euro Menschen verhungern und verdursten oder oft nicht einmal die Zeit für normale Körperpflege geschweige denn für einen Ausflug ins Freie erübrigt werden kann.
Diesen Nachweis bleiben sie grundsätzlich schuldig. Denn Leistungs- und Kostentransparenz scheuen viele Heimbetreiber noch immer wie der Teufel das Weihwasser. Und die Politik macht stets mit bei dem menschenverachtenden Spiel.
Unangemeldete Kontrollen, bei anderen Gewerbeunternehmen selbstverständlich, gibt es bei Heimen kaum. Finden sie doch einmal statt, kommt es so gut wie nie zu Konsequenzen. Die Ergebnisse bleiben unter Verschluss – und die Verantwortlichen in der Regel selbst dann unbehelligt, wenn Bewohner in einem erbärmlichen Gesundheitszustand vorgefunden werden. Folgenlos bleibt bislang sogar eine Praxis, die Heimleiter mitunter zur zusätzlichen Gewinnmaximierung nutzen: Sie rechnen Phantompersonal ab, das sie gar nicht beschäftigen, und klagen dann über Personalmangel.
Ein gut funktionierendes Kartell aus Politikern, Kassenfunktionären und Verbänden der Pflegeindustrie hat es bislang verstanden, Transparenz weitgehend zu verhindern. Auch bei der anstehenden Reform des Pflegeversicherungsgesetzes formiert sich der Widerstand gegen mehr Offenheit auf ein Neues. So verkauft es die zuständige Ministerin Ulla Schmidt als Fortschritt, dass die Prüfberichte des MdK nicht mehr länger als geheime Verschlusssachen behandelt werden, sondern nach Absprache mit den Heimen veröffentlicht werden sollen. Wer solch ein Verfahren als Verbraucherminister im Zusammenhang mit Gammelfleischfunden vorschlagen würde, dürfte wohl keinen Tag länger im Amt bleiben. Für alte Leute und ihre Angehörigen gilt das Recht auf Schutz der Unversehrtheit aber offenbar nicht. Da hat der Schutz der Heimbetreiber vor Unannehmlichkeiten anscheinend Vorrang.
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- Datum 01.10.2007 - 02:00 Uhr
- Serie audio
- Quelle DIE ZEIT, 27.09.2007 Nr. 40
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Da ich vor einiger Zeit selbst als Angehöriger betroffen war, kann ich die Schilderungen nur bestätigen. Mir ist nie klar geworden, warum für die Heimpflege derartige Beträge nötig sind und gleichzeitig derartig miserable Leistungen bei ebenso miserablen Löhnen des Pflegepersonals herauskamen.
Aber das alles zeigt nach meinen weiteren Erfahrungen die grundsätzliche weit verbreitete Handlungsweise dieses "Wohlfahrtsstaates": Das "so tun als ob" ist die Regel und nicht die Ausnahme, und wenn etwas schief geht, ist es in dem System der organiseirten Unverantwortlichkeit niemand gewesen.
Ein wenig einseitig, dieser Artikel. Wo ist eine Stellungnahme von Seiten der Heimbetreiber? Es ist leicht, sich darüber aufzuregen, daß Heime den Löwenanteil der Pflegegelder kassieren. Aber gerade die Heimphobie der Menschen bewirkt, daß dort nur die wirklich schwer Pflegebedürftigen landen, die geistig verwirrten, die ganztags Bettlägerigen. Daß die ziemlich teuer sind, sollte nicht verwundern. Außerdem ist die Rechnung im Artikel ein wenig unfair: im Heim bekommt der Bewohner schließlich neben der Pflege auch Wohnung, Nahrung und oft ein gewisses Unterhaltungsprogramm.
Es ist auch leicht, sich über den Gesundheitszustand von Pflegeheimbewohnern aufzuregen. Dehydriert, weil sie zu wenig Wasser bekommen? Ist es nicht so, daß alte Menschen keinen Durst mehr verspüren und einfach NICHT TRINKEN WOLLEN? Daß sie die Nahrung nicht zu sich nehmen, etc? Was soll der Heimbetreiber tun: sie alle an den Tropf hängen?
Ich sage nicht, daß es keine Mißstände in den Heimen gibt, bin einfach keine Experte dafür. Aber mir fehlt die andere Seite im Artikel. Und mir fehlen die ALternativen, die große Linie, die Benennung des Grundproblems: wir haben immer mehr Hochbetagte und immer weniger Angehörige, die diese kostenlos pflegen würden. Einerseits, weil zu wenig geboren wurden, andererseits, weil junge Frauen (die früher die Hauptlast trugen) heute hervorragend ausgebildet sind und man ihre Erwerbstätigkeit forciert. Die niedrigen Leistungen für pflegende Angehörige sind doch nichts als der Versuch, für möglichst wenig Geld noch möglichst viele Angehörige möglichst lange bei der Stange zu halten, weil man sich professionelle Pflege für alle schlichtweg nicht leisten kann.
Jedenfalls in Zukunft nicht mehr. Die demographische Falle schlägt einmal mehr zu. Die Pflegeversicherung ist letztlich mal wieder ein System, in dem pflegebedürftige Kinderarme auf Kosten der Kinder anderer Leute zu alimentieren, eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit. Genau wie übrigens die Krankenkassen, die zu einem erheblichen Teil der Umverteilung von Jung nach Alt dienen.
Das Dilemma ist nicht zu beheben. Wenn es zu wenig pflegende oder aber gut verdienende Junge gibt, dann kann nicht jeder Hochbetagte angemessen versorgt werden. Freilich: wer dies anerkennen und zugeben wollte, der müßte ein neues Faß aufmachen und fragen, WELCHE Hochbetagten künftig noch Leistungen in Anspruch nehmen sollen. Die Antwort läge auf der Hand: nur diejenigen mit Kindern. Es ist genau dasselbe wie bei der Rente.
Fair wäre: Leistungen aus der Pflegeversicherung künftig abhängig von der Kinderzahl. Beiträge muß jeder zahlen (Großeltern und Eltern hat nämlich jeder). Aber Leistungen im Alter erhalten vor allem Eltern, und zwar gestaffelt nach der Zahl derjenigen ihrer Kinder, die nicht von öffentlicher Fürsorge leben. Wer keine Kinder hat, muß eine private Pflegepflichtversicherung abschließen und einen Teil des Geldes und der Zeit, die er sich für die Investition in Kinder spart, in Sachkapital für sein Alter verwandeln.
Der Bericht spricht mir weitgehend aus dem Herzen. Allerdings wären Pauschalurteile über die Qualität der Heime und ihre Leistungen für die zu Pflegenden falsch. Solche sind jedoch weder im Artikel noch im Bericht des MDS (MDK) enthalten.
Vor allem der Schluß des Artikels ist sehr zutreffend. Alles, was zur Kirche gehört, geniesst in Deutschland Sonderrechte. Caritas und Diakonie dürfen nur mit Wattebausch angepackt werden. Dort jedoch, dies ist meine Vermutung, gibt es ebenso wie beim DRK die allergrößten Mißstände. Ministerin U. Schmidt ist nach meiner Einschätzung inkompetent, von unguten Mitarbeitern Innen umgeben, feige und pflichtvergessen. Wir bräuchten eine Heimaufsicht mit umfangreichen Durchgriffsmöglichkeiten wie die Finanzpolizei. Häuser mit gravierenden Mißständen wären sofort zu schliessen. Die Heimleiter sofort dem Staatsanwalt zu überantworten. Es gehörte mehr Zug rein!
wie wär's, wenn wir uns die Sozialsysteme gleich ganz sparen und zurück zum System kehren, wie es heute z.B. in Afrika noch gang und gäbe ist? Dort werden viele, viele Kinder geboren, die dann ihre Eltern direkt und unmittelbar im Alter unterstützen müssen. Dies ist doch offensichtlich dass, was Sie anstreben. Kinderlose Parasiten oder gar Eltern mit nichtsnutzigem Nachwuchs (weil nicht am Arbeitsleben teilnehmend) müssen dann nur noch kostengünstig entsorgt werden. Dafür wird es z.b. Heime im Ostblock geben, die zum deutschen Sozialhilfesatz die Ganztagsverwahrung übernehmen oder vielleicht die Wahl des Freitodes, wenn die Bilanz Kosten/Nutzen im Alter nicht mehr aufgeht. Prima, wenn man so schwarz-weiß denken kann wie Sie und die deutsche Bevölkerung so glatt in "verdient" und "unverdient" untergliedern kann. Möge Gott Sie nie in die Situation eines in Ihren Augen unverdienten Staatsbürgers bringen, aber Sie sind ja ohnehin der Meinung, dass jeder seines Glückes Schmied ist.
Ihre Vorwürfe gehen weit an der Sache vorbei. Solange wir es uns noch irgendwie leisten können, muß selbverständlich JEDER Bedürftige ein menschenwürdiges Leben führen können, alt oder jung, kinderlos oder nicht. Allerdings nur jeder BEDÜRFTIGE. Das ist dann Sozialhilfe, die erst gewährt wird, wenn der Betreffende sein gesamtes Vermögen aufgebraucht hat.
Die heutigen Sozialsysteme sind aber ganz anders aufgebaut. Wer keine Kinder hat, der hat gegenüber Eltern einen riesigen Vermögensvorteil. Erstens, weil er sich Essen, Kleidung, Wohnung für die Kinder spart. Zweitens, weil viel Zeit spart, in der er (samt zweitem Elternteil) erwerbstätig sein kann, ohne daß eine Betreuungsperson (Mutter oder fremde Dritte) bezahlt werden muß.
Kinderlose ersparen sich gewaltige Investitionen in Kinder, auch wenn man ihre etwas höheren Steuern und die (bedingt durch stärkere Erwerbstätigkeit) mehr bezahlten Sozialabgaben berücksichtigt. Es kann von ihnen erwartet werden, daß sie dieses Geld in ihre Altersvorsorge investieren, wozu auch Pflege- und Krankenversicherung zählen. Das ist heute nicht der Fall! Kinderlose profitieren im Alter von den Investitionen von Eltern in deren Kinder, an denen sie sich nicht angemessen beteiligt haben. Die Elten bauen ein Haus, die Kinderlose bekommen hinterher eine kostenlose Wohnung darin zugewiesen.
Ich verlange, daß sie sich entweder an den Baukosten beteiligen (=das für Kinderaufzucht gesparte Geld für die Unterstützung fremder Kinder verwenden) oder eine eigene Wohnung KAUFEN müssen (=von diesem Geld im Alter leben). Nichts daran ist schwarz-weiß.
Eine private PFLICHTversicherung für Kinderlose verlange ich deswegen, weil viele Kinderarme leider - im Vertrauen darauf, daß die Kinder anderer Leute schon aus Gründen des Sozialstaates letztlich schon für sie sorgen werden - in jungen Jahren das für Kinder nicht benötigte Geld verkonsumieren, für Urlraubsreisen, Autos, weiß ich was. Gerade im Bereich der Intensivpflege muß am Ende regelmäßig immer der Staat einspringen (=Steuerzahler =Kinder anderer Leute). ALternativ dazu können Kinderarme gern wie ELtern (und nicht, wie heute in der Rentenversicherung, STÄRKER als Eltern) von den Leistungen der Sozialsysteme profitieren, wenn sie ENTSPRECHEND IN KINDER INVESTIEREN - über stark erhöhte Steuern und Abgaben.
Ihre Polemik ist leider eine häufige Reaktion speziell von Kinderarmen, die auf ihre Privilegien - wie ungerechtfertigt diese auch sein mögen - nicht vezichten wollen. Eine Pflegeversicherung, wie ich sie vorgeschlagen habe, wäre im Gegenteil endlich wieder eine echte VERSICHERUNG: sie würde die Risiken der Versicherten ausgleichen. Für Eltern das Risiko, daß ihre Kinder auswandern, zahlungsunfähig sind etc. Für Kinder das Risiko, daß ausgerechnet ihre ELtern langjährige und teure Pflegefälle werden.
Ihre Vorwürfe gehen weit an der Sache vorbei. Solange wir es uns noch irgendwie leisten können, muß selbverständlich JEDER Bedürftige ein menschenwürdiges Leben führen können, alt oder jung, kinderlos oder nicht. Allerdings nur jeder BEDÜRFTIGE. Das ist dann Sozialhilfe, die erst gewährt wird, wenn der Betreffende sein gesamtes Vermögen aufgebraucht hat.
Die heutigen Sozialsysteme sind aber ganz anders aufgebaut. Wer keine Kinder hat, der hat gegenüber Eltern einen riesigen Vermögensvorteil. Erstens, weil er sich Essen, Kleidung, Wohnung für die Kinder spart. Zweitens, weil viel Zeit spart, in der er (samt zweitem Elternteil) erwerbstätig sein kann, ohne daß eine Betreuungsperson (Mutter oder fremde Dritte) bezahlt werden muß.
Kinderlose ersparen sich gewaltige Investitionen in Kinder, auch wenn man ihre etwas höheren Steuern und die (bedingt durch stärkere Erwerbstätigkeit) mehr bezahlten Sozialabgaben berücksichtigt. Es kann von ihnen erwartet werden, daß sie dieses Geld in ihre Altersvorsorge investieren, wozu auch Pflege- und Krankenversicherung zählen. Das ist heute nicht der Fall! Kinderlose profitieren im Alter von den Investitionen von Eltern in deren Kinder, an denen sie sich nicht angemessen beteiligt haben. Die Elten bauen ein Haus, die Kinderlose bekommen hinterher eine kostenlose Wohnung darin zugewiesen.
Ich verlange, daß sie sich entweder an den Baukosten beteiligen (=das für Kinderaufzucht gesparte Geld für die Unterstützung fremder Kinder verwenden) oder eine eigene Wohnung KAUFEN müssen (=von diesem Geld im Alter leben). Nichts daran ist schwarz-weiß.
Eine private PFLICHTversicherung für Kinderlose verlange ich deswegen, weil viele Kinderarme leider - im Vertrauen darauf, daß die Kinder anderer Leute schon aus Gründen des Sozialstaates letztlich schon für sie sorgen werden - in jungen Jahren das für Kinder nicht benötigte Geld verkonsumieren, für Urlraubsreisen, Autos, weiß ich was. Gerade im Bereich der Intensivpflege muß am Ende regelmäßig immer der Staat einspringen (=Steuerzahler =Kinder anderer Leute). ALternativ dazu können Kinderarme gern wie ELtern (und nicht, wie heute in der Rentenversicherung, STÄRKER als Eltern) von den Leistungen der Sozialsysteme profitieren, wenn sie ENTSPRECHEND IN KINDER INVESTIEREN - über stark erhöhte Steuern und Abgaben.
Ihre Polemik ist leider eine häufige Reaktion speziell von Kinderarmen, die auf ihre Privilegien - wie ungerechtfertigt diese auch sein mögen - nicht vezichten wollen. Eine Pflegeversicherung, wie ich sie vorgeschlagen habe, wäre im Gegenteil endlich wieder eine echte VERSICHERUNG: sie würde die Risiken der Versicherten ausgleichen. Für Eltern das Risiko, daß ihre Kinder auswandern, zahlungsunfähig sind etc. Für Kinder das Risiko, daß ausgerechnet ihre ELtern langjährige und teure Pflegefälle werden.
Ihre Vorwürfe gehen weit an der Sache vorbei. Solange wir es uns noch irgendwie leisten können, muß selbverständlich JEDER Bedürftige ein menschenwürdiges Leben führen können, alt oder jung, kinderlos oder nicht. Allerdings nur jeder BEDÜRFTIGE. Das ist dann Sozialhilfe, die erst gewährt wird, wenn der Betreffende sein gesamtes Vermögen aufgebraucht hat.
Die heutigen Sozialsysteme sind aber ganz anders aufgebaut. Wer keine Kinder hat, der hat gegenüber Eltern einen riesigen Vermögensvorteil. Erstens, weil er sich Essen, Kleidung, Wohnung für die Kinder spart. Zweitens, weil viel Zeit spart, in der er (samt zweitem Elternteil) erwerbstätig sein kann, ohne daß eine Betreuungsperson (Mutter oder fremde Dritte) bezahlt werden muß.
Kinderlose ersparen sich gewaltige Investitionen in Kinder, auch wenn man ihre etwas höheren Steuern und die (bedingt durch stärkere Erwerbstätigkeit) mehr bezahlten Sozialabgaben berücksichtigt. Es kann von ihnen erwartet werden, daß sie dieses Geld in ihre Altersvorsorge investieren, wozu auch Pflege- und Krankenversicherung zählen. Das ist heute nicht der Fall! Kinderlose profitieren im Alter von den Investitionen von Eltern in deren Kinder, an denen sie sich nicht angemessen beteiligt haben. Die Elten bauen ein Haus, die Kinderlose bekommen hinterher eine kostenlose Wohnung darin zugewiesen.
Ich verlange, daß sie sich entweder an den Baukosten beteiligen (=das für Kinderaufzucht gesparte Geld für die Unterstützung fremder Kinder verwenden) oder eine eigene Wohnung KAUFEN müssen (=von diesem Geld im Alter leben). Nichts daran ist schwarz-weiß.
Eine private PFLICHTversicherung für Kinderlose verlange ich deswegen, weil viele Kinderarme leider - im Vertrauen darauf, daß die Kinder anderer Leute schon aus Gründen des Sozialstaates letztlich schon für sie sorgen werden - in jungen Jahren das für Kinder nicht benötigte Geld verkonsumieren, für Urlraubsreisen, Autos, weiß ich was. Gerade im Bereich der Intensivpflege muß am Ende regelmäßig immer der Staat einspringen (=Steuerzahler =Kinder anderer Leute). ALternativ dazu können Kinderarme gern wie ELtern (und nicht, wie heute in der Rentenversicherung, STÄRKER als Eltern) von den Leistungen der Sozialsysteme profitieren, wenn sie ENTSPRECHEND IN KINDER INVESTIEREN - über stark erhöhte Steuern und Abgaben.
Ihre Polemik ist leider eine häufige Reaktion speziell von Kinderarmen, die auf ihre Privilegien - wie ungerechtfertigt diese auch sein mögen - nicht vezichten wollen. Eine Pflegeversicherung, wie ich sie vorgeschlagen habe, wäre im Gegenteil endlich wieder eine echte VERSICHERUNG: sie würde die Risiken der Versicherten ausgleichen. Für Eltern das Risiko, daß ihre Kinder auswandern, zahlungsunfähig sind etc. Für Kinder das Risiko, daß ausgerechnet ihre ELtern langjährige und teure Pflegefälle werden.
ich stimme Ihnen zu, dass Kinderlose in Deutschland aufgrund des bestehenden Systems krass bevorzugt werden. Das ist so und deshalb sollten sie auch mehr oder weniger gezwungen werden, sich umfangreich privat abzusichern und Vorsorge zu betreiben, weil bei ihnen mit zwei Einkommen am meisten übrigbleibt. Nur können m.E. Eltern nicht dafür bestraft werden, wenn ihre aufgezogenen Kinder später dem Staat - aus welchen Gründen auch immer - zur Last fallen, spricht: Fürsorge erhalten. Ich kann das Leben meiner Kinder nur bedingt vorausplanen. Warum ist es fair, wenn ich für die spätere Sozialhilfeabhängigkeit meiner Kinder im Alter bestraft werde? Schließlich habe ich genauso Jahre auf die Kindererziehung verwandt wie Eltern, deren Kinder später "etwas werden". In Ihrem ersten Beitrag kommt es so rüber, dass Eltern später mehr aus der Pflegeversicherung bekommen sollen, nur weil ihre Kinder in der Lage sind, für sich selbst aufzukommen. Wieso soll ich im Alter für das Leben meiner Kinder haften? Ist das fair?
Gerade weil Kinder eine unverzichtbare, aber sehr riskante Investition sind, brauchen wir weiterhin eine VERSICHERUNG für Eltern. Die gleicht nämlich genau diese Risiken aus, und Sie haben völlig recht: eine Einzelfallprüfung am Erfolg der Kinder würde dieses Prinzip konterkarieren.
Allerdings ist es natürlich umgekehrt so, daß bei einer Versicherung unterschiedliche Ausgangsrisiken nicht einheitlich behandelt werden dürfen (sonst wird es sofort ein Zwangssystem, weil die guten Risiken nicht mitspielen würden). Nehmen Sie eine arbeitslose 22-Jährige ohne Schulabschluß, die gerade ihr viertes Kind entbindet. Wie hoch ist deren Risiko, bzw. die Chance, auf Rendite aus ihrer Investition - will heißen, welche künftigen Unterhaltsleistungen für ihre Eltern werden sie erwirtschaften, welche Steuern und Abgaben? Was investiert umgekehrt die Mutter in sie? Im Extremfall lebt sie von der Sozialhilfe, und der Staat finanziert das Kind komplett. Und ihr persönlicher Beitrag, ihre Erziehungsleistung wird die eher zweifelhaft sein.
Jetzt nehmen Sie das Kind zweier Akademiker zum Vergleich. Sie lassen sich selbige viel, viel mehr kosten, lesen mit ihnen, musizieren mit ihnen, machen Schularbeiten mit ihnen. Wenn Sie die Wahl hätten und sich als Rentner "Ihren" Beitragszahler aussuchen müßten, und zwar schon bei der Geburt desselben: wessen Kinder würden Sie wählen, die zwei des Akademiker oder die vier der Sozialhilfeempfängerin?
Wenn wir diese beiden Familien per einheitlicher "Elternrente" (oder auch ein einzeitliches Erziehungsgehalt, ein erhöhtes Kindergeld o.ä) über einen Kamm scheren, dann setzten wir wieder mal nur in den sozial schwachen Schichten starke Anreize, Kinder zu haben. Die anderen werden weiter alles versuchen, diesem System zu entkommen, und werden - Hauptproblem! - weiterhin lieber auf eine solch sozialstaatlich belastete Investition verzichten, solange sie in Sachkapital eine rentierlichere Alternative haben.
Irgendwie muß daher eine Risikobewertung und eine Bewertung der jeweiligen Investitionen her. Bevor nun jemand Zetermordio schreit: das heutige gesetzliche Rentensystem nimmt auch inzident eine Bewertung solche vor! Als Maßstab für die durchschnittlich zu erwartende Zahlungskraft der Kinder und deren Investition zieht sie das Einkommen der Eltern heran (in Gestalt ihrer "Rentenbeiträge"), das statistisch relativ stark mit dem der Kinder korreliert. Man könnte andere Maßstäbe ergänzen (etwa Bildung der Eltern), könnte ähnlich wie bei Krankenkassen auch Verhaltenselemente einführen (etwa den Besuch von Elternkuresen, die Zusammenarbeit mit der Schule...) oder sogar einen Elterntest bei der Geburt als Maßgabe für die Rentenberechnung.
Gerade weil Kinder eine unverzichtbare, aber sehr riskante Investition sind, brauchen wir weiterhin eine VERSICHERUNG für Eltern. Die gleicht nämlich genau diese Risiken aus, und Sie haben völlig recht: eine Einzelfallprüfung am Erfolg der Kinder würde dieses Prinzip konterkarieren.
Allerdings ist es natürlich umgekehrt so, daß bei einer Versicherung unterschiedliche Ausgangsrisiken nicht einheitlich behandelt werden dürfen (sonst wird es sofort ein Zwangssystem, weil die guten Risiken nicht mitspielen würden). Nehmen Sie eine arbeitslose 22-Jährige ohne Schulabschluß, die gerade ihr viertes Kind entbindet. Wie hoch ist deren Risiko, bzw. die Chance, auf Rendite aus ihrer Investition - will heißen, welche künftigen Unterhaltsleistungen für ihre Eltern werden sie erwirtschaften, welche Steuern und Abgaben? Was investiert umgekehrt die Mutter in sie? Im Extremfall lebt sie von der Sozialhilfe, und der Staat finanziert das Kind komplett. Und ihr persönlicher Beitrag, ihre Erziehungsleistung wird die eher zweifelhaft sein.
Jetzt nehmen Sie das Kind zweier Akademiker zum Vergleich. Sie lassen sich selbige viel, viel mehr kosten, lesen mit ihnen, musizieren mit ihnen, machen Schularbeiten mit ihnen. Wenn Sie die Wahl hätten und sich als Rentner "Ihren" Beitragszahler aussuchen müßten, und zwar schon bei der Geburt desselben: wessen Kinder würden Sie wählen, die zwei des Akademiker oder die vier der Sozialhilfeempfängerin?
Wenn wir diese beiden Familien per einheitlicher "Elternrente" (oder auch ein einzeitliches Erziehungsgehalt, ein erhöhtes Kindergeld o.ä) über einen Kamm scheren, dann setzten wir wieder mal nur in den sozial schwachen Schichten starke Anreize, Kinder zu haben. Die anderen werden weiter alles versuchen, diesem System zu entkommen, und werden - Hauptproblem! - weiterhin lieber auf eine solch sozialstaatlich belastete Investition verzichten, solange sie in Sachkapital eine rentierlichere Alternative haben.
Irgendwie muß daher eine Risikobewertung und eine Bewertung der jeweiligen Investitionen her. Bevor nun jemand Zetermordio schreit: das heutige gesetzliche Rentensystem nimmt auch inzident eine Bewertung solche vor! Als Maßstab für die durchschnittlich zu erwartende Zahlungskraft der Kinder und deren Investition zieht sie das Einkommen der Eltern heran (in Gestalt ihrer "Rentenbeiträge"), das statistisch relativ stark mit dem der Kinder korreliert. Man könnte andere Maßstäbe ergänzen (etwa Bildung der Eltern), könnte ähnlich wie bei Krankenkassen auch Verhaltenselemente einführen (etwa den Besuch von Elternkuresen, die Zusammenarbeit mit der Schule...) oder sogar einen Elterntest bei der Geburt als Maßgabe für die Rentenberechnung.
Gerade weil Kinder eine unverzichtbare, aber sehr riskante Investition sind, brauchen wir weiterhin eine VERSICHERUNG für Eltern. Die gleicht nämlich genau diese Risiken aus, und Sie haben völlig recht: eine Einzelfallprüfung am Erfolg der Kinder würde dieses Prinzip konterkarieren.
Allerdings ist es natürlich umgekehrt so, daß bei einer Versicherung unterschiedliche Ausgangsrisiken nicht einheitlich behandelt werden dürfen (sonst wird es sofort ein Zwangssystem, weil die guten Risiken nicht mitspielen würden). Nehmen Sie eine arbeitslose 22-Jährige ohne Schulabschluß, die gerade ihr viertes Kind entbindet. Wie hoch ist deren Risiko, bzw. die Chance, auf Rendite aus ihrer Investition - will heißen, welche künftigen Unterhaltsleistungen für ihre Eltern werden sie erwirtschaften, welche Steuern und Abgaben? Was investiert umgekehrt die Mutter in sie? Im Extremfall lebt sie von der Sozialhilfe, und der Staat finanziert das Kind komplett. Und ihr persönlicher Beitrag, ihre Erziehungsleistung wird die eher zweifelhaft sein.
Jetzt nehmen Sie das Kind zweier Akademiker zum Vergleich. Sie lassen sich selbige viel, viel mehr kosten, lesen mit ihnen, musizieren mit ihnen, machen Schularbeiten mit ihnen. Wenn Sie die Wahl hätten und sich als Rentner "Ihren" Beitragszahler aussuchen müßten, und zwar schon bei der Geburt desselben: wessen Kinder würden Sie wählen, die zwei des Akademiker oder die vier der Sozialhilfeempfängerin?
Wenn wir diese beiden Familien per einheitlicher "Elternrente" (oder auch ein einzeitliches Erziehungsgehalt, ein erhöhtes Kindergeld o.ä) über einen Kamm scheren, dann setzten wir wieder mal nur in den sozial schwachen Schichten starke Anreize, Kinder zu haben. Die anderen werden weiter alles versuchen, diesem System zu entkommen, und werden - Hauptproblem! - weiterhin lieber auf eine solch sozialstaatlich belastete Investition verzichten, solange sie in Sachkapital eine rentierlichere Alternative haben.
Irgendwie muß daher eine Risikobewertung und eine Bewertung der jeweiligen Investitionen her. Bevor nun jemand Zetermordio schreit: das heutige gesetzliche Rentensystem nimmt auch inzident eine Bewertung solche vor! Als Maßstab für die durchschnittlich zu erwartende Zahlungskraft der Kinder und deren Investition zieht sie das Einkommen der Eltern heran (in Gestalt ihrer "Rentenbeiträge"), das statistisch relativ stark mit dem der Kinder korreliert. Man könnte andere Maßstäbe ergänzen (etwa Bildung der Eltern), könnte ähnlich wie bei Krankenkassen auch Verhaltenselemente einführen (etwa den Besuch von Elternkuresen, die Zusammenarbeit mit der Schule...) oder sogar einen Elterntest bei der Geburt als Maßgabe für die Rentenberechnung.
a-v-stoesser
Einer der Hauptgründe zur Gründung des Pflege-Selbsthilfeverbands e.V., im Oktober 2005, war die Erfahrung,dass sich die Politik viel zu stark von den Heimträgerverbänden und Kassen beraten lässt und diese letztlich vorgeben, wie die Mittel verteilt werden. Überdeutlich wurde mir die Macht der Wohlfahrtsverbände und anderer Trägerorganisationen, als diese 2004 geschlossen erklärten, sie können der "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen" nicht zustimmen, da die dort formulierten Ansprüche unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen nicht erfüllt werden könnten.
Die selben Leute, die nicht müde werden überall zu erklären, eine menschenwürdige und fachgerechte Pflege sei in ihren Häusern jederzeit selbstverständlich gewährleistet, lehnen die Anerkennung einer Charta ab, die genauer beschreibt, was der Bedürftige unter menschenwürdig und fachgerecht konkret verstehen darf. Obschon die anwesenden Mitarbeiter der Ministerien auf diesen Widerspruch mit Unverständnis reagierten, hat die Politik zu Ungunsten der Pflegebedürftigen eingelenkt. Inzwischen wurde die Charta zwar veröffentlicht, aber ohne jede Verpflichtung. So ist es den Leistungsanbietern freigestellt, ob sie die in der Charta ausformulierten Grundrechte im Umgang mit den schutzbefohlenen, meist alten Menschen, anerkennen oder nicht.
Diese Erfahrung war ausschlaggebend, die unter www.pflege-shv.de näher beschriebene Initiative für menschenwürdige Pflege ins Leben zu rufen.
Dabei wollen wir es keineswegs beim Jammern belassen. Unter anderem haben wir, nach dem Vorbild des Hotelsternesystems, eine Qualitätsoffensive eingeleitet, auf die die "guten Heime" scheinbar schon lange gewartet haben - nachzulesen unter "Sterne für Pflegeheime" unter www.pflege-shv.de.
Immer wenn die Pflege negativ in die Schlagzeilen gerät, trifft dies auch diejenigen, die sich nichts vorzuwerfen haben, die mit gutem Beispiel vorangehen. Bei aller Einseitigkeit, finde ich diesen Beitrag dennoch richtig und wichtig. Denn in dieser Deutlichkeit wurden die angesprochenen Zusammenhänge bislang m.W. nirgendwo aufgezeigt. Vielmehr bewegen sich die meisten Berichte im sekundären Bereich.
Adelheid von Stösser, 1.Vorsitzende, Pflege-Selbsthilfeverband e.V.
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