USA
»Wir haben ein Problem«
Die Bush-Regierung hat sich von ihrem Volk und der Welt abgekoppelt. Eine Anklage.
Es tut mir als einem loyalen Bürger Amerikas weh, vom Ausland aus meine Regierung derart kritisch behandeln zu müssen, wie ich es im Folgenden tue. Und ich stelle mit allem Nachdruck fest: Es sind der Präsident und seine Berater in Washington, die an ihren Schreibtischen sitzen und junge Männer und Frauen in den Krieg schicken – ihnen gilt meine Kritik, nicht aber Amerikas Soldaten. Die Misshandlungen in Abu Ghraib, deren Bilder wir alle gesehen haben, waren keine Ausnahmeerscheinung, sondern die traurige Realität des Krieges. Die meisten von uns wissen, dass Krieg grausam ist – sehr grausam – und dass er nur als letzter Ausweg in Betracht kommen darf. Doch was mein Präsident weiß, da bin ich mir nicht so sicher.
Jetzt erwartet die Welt Amerikas nächsten Zug. Wird Präsident Bush Iran bombardieren? Wird er den Wahnsinn auf den gesamten Nahen und Mittleren Osten ausweiten? Begreift Amerika, dass seine Politik den Glaubenskrieg, den Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten im Irak auf dramatische Weise und womöglich irreversibel ausweiten wird? Ist uns klar, dass Ajatollah Sistani, der bisher als eine Stimme der Vernunft unter den irakischen Schiiten gewirkt hat, mit wenigen Worten, mit einer Fatwa den Heiligen Krieg gegen die Amerikaner im Irak ausrufen könnte, mit unvorstellbaren Folgen? Wie würde Bush reagieren, käme es zu einem totalen Krieg gegen Tausende amerikanischer Soldaten und Zivilisten? Gibt es irgendwas oder irgendwen – irgendeinen Außenminister oder ausländischen Staatsmann –, der meinen Präsidenten überzeugen kann, dass er mit den Syrern, den Iranern, Hisbollah und der Hamas-Führung ins Gespräch kommen muss? Oder sollen wir einfach aufgeben – uns von dieser unlösbar scheinenden Krise abwenden und Ferienwohnungen im Südpazifik kaufen?
Natürlich brauche ich niemanden darüber aufzuklären, wie übel es in der Welt aussieht und für wie viele dieser Übel die amerikanische Führung mitverantwortlich ist. Ich bin ein Journalist, dessen Arbeit in den vergangenen vier Jahrzehnten wiederholt Auswirkungen auf die Außenpolitik seines Landes gehabt hat. Jetzt schreibe ich manchmal provozierende Zeitschriftenartikel, und meine Arbeit findet starke Beachtung. Doch nie zuvor hatte ich weniger Einfluss auf die Führung meines Landes. George Bush und Dick Cheney, der Vizepräsident, sind schlichtweg immun gegen das, was ich und viele ausgezeichnete Kollegen weltweit schreiben. Zwischen der Führung Amerikas und der Presse, dem Volk und den Völkern der Welt ist die Kommunikation auf präzedenzlose, folgenschwere Weise gestört.
Ich mag ein Aufwiegler sein oder als solcher gesehen werden, aber mein gesamtes Berufsleben hindurch habe ich Informationen stets im Gespräch mit den führenden Regierungsvertretern abgleichen können, ob im Weißen Haus, im Außenministerium oder in der CIA. Wenn ich sicherstelle, dass die Führung weiß, was ich zu schreiben gedenke, geht es mir natürlich auch, aber nicht nur, um Verifikationszwecke. Es geht zugleich um die Garantie, dass nichts, was ich veröffentliche, meine Mitbürger beim Militär oder den Nachrichtendiensten gefährden könnte. Als ich für die New York Times arbeitete, wurde in einigen Fällen die Veröffentlichung eines Artikels aufgeschoben, damit die Führung des Landes ihre Leute vor Schaden bewahren konnte.
Im Laufe der Jahre bin ich mit vielen Spitzenbeamten der amerikanischen Geheimdienste zusammengetroffen. Manchmal waren diese Begegnungen unterkühlt, manchmal in der Tonlage sogar offen feindselig, aber allein die Tatsache, dass sie zustande kamen, ehrt unsere Verfassung und ihren ersten Zusatz, der mir als Journalist das Recht garantiert, jede Information zu veröffentlichen, die ich erlange – sei sie nun streng geheim oder nicht. Doch in der Bush-Regierung gibt es nichts dergleichen. Der Präsident hat seine Linie nach dem 11. September 2001 klar markiert: Wer nicht »mit uns« ist, ist »gegen uns«. Ich gehöre nicht zum Team, also habe ich keinerlei Zugang mehr. Für das Weiße Haus existiere ich ganz einfach nicht mehr. Nach wie vor tue ich mein Bestes, um jede Information vor der Veröffentlichung nachzuprüfen und sicherzustellen, dass nichts, was ich schreibe, Mitbürger oder Verbündete unnötig in Gefahr bringt. Doch heute tue ich das, indem ich Vorabkopien von möglicherweise brisantem Material, das ich an die Öffentlichkeit bringen möchte, in die Hausbriefkästen oder Eingangsflure jener Handvoll Spitzenbeamter werfe, die noch mit mir reden. Diejenigen Beamten, die mir wohlgesinnt sind, rufe ich nicht tagsüber im Büro an – das wäre ein Todeskuss oder -biss. Ein großer Teil meiner Arbeit spielt sich außerhalb der regulären Bürostunden ab, bei den Leuten zu Hause oder in entlegenen Städten. Auf neutralem Boden sozusagen.
Journalist zu sein ist ein ständiger Lernprozess. So ein Treffen außerhalb Washingtons findet gewöhnlich in einem noblen Hotel statt, wo man am Wochenende spät aufsteht. Dort treffe ich dann beispielsweise eine Amtsperson, oft sonntags morgens, zu einem ungewöhnlich zeitigen Frühstück. Einmal, als wir uns gegen sechs Uhr früh in den Frühstücksraum des Hotels gesetzt hatten, blieben mein Gesprächspartner und ich fast zwei Stunden lang unter uns. Irgendwann, so gegen acht Uhr, tauchte ein Paar mit zwei kleinen Kindern auf und nahm an einem der Nebentische Platz. Mein Gegenüber, der sich ein Berufsleben lang mit Geheimdienstproblemen befasst hat, nickte mir zu und flüsterte: »Gehen wir.« Ich wollte ihn aufhalten, aber er erhob sich einfach und ging, sodass ich ihm folgte. Als wir draußen waren, erklärte er sein Verhalten. Im Einsatz, erläuterte er, wenn er als Agent ein Zielobjekt beobachte, nehme er manchmal Frau und Kinder in ein Restaurant mit, um dann möglichst dicht an den ahnungslosen Ausländer heranzurücken und einfach zu lauschen. Natürlich war das Paar völlig harmlos, aber alte Gewohnheiten wird man nun mal nicht so leicht los.
Was er mir damit sagen wollte, war hauptsächlich: »Wozu ein Risiko eingehen?« Was für eine Art zu leben! Und wie traurig muss es für diesen Geheimdienstprofi sein, von der Politik seines Präsidenten derart abgekoppelt zu sein wie heute.
Ich weiß nicht, warum es in Amerika gegenwärtig so wenig offenen Widerspruch gegen Morallosigkeit und Rechtsverletzungen gibt. Was ich aber weiß, ist, dass dieser Mangel unsere Demokratie schwächt. Man könnte sagen, die Bush-Regierung demonstriert die Brüchigkeit der Demokratie. Alle Vorkehrungen, die unsere Gründerväter einst getroffen haben, um Amerika vor einem Präsidenten zu schützen, der seine Politik über das Gesetz stellt, haben diesmal versagt. Aus dem Militär kam kein ernsthafter Widerspruch – man hätte ja riskiert, nicht befördert zu werden und dabei doch wenig zu bewirken.
Meine Kollegen im Zeitungsgeschäft haben desgleichen erbärmlich versagt. Als George Bush auf der Grundlage zweifelhafter Geheimdienstvorgaben in den Irakkrieg stürmte, sind sie nicht auf Distanz gegangen. Statt Skepsis zu äußern, haben sie sich wie Cheerleader benommen. Selbst heute noch versagt die amerikanische Presse vor der moralischen Dimension des Irakkriegs, obwohl sie mit dem Präsidenten und seiner jüngsten Irakstrategie, genannt surge oder Woge, inzwischen viel härter umgeht.
Auch andere haben versagt. Amerikas Beamtenapparat etwa. Jene Millionen von Bundesbediensteten, die aus nächster Nähe den zunehmenden Missbrauch mitbekamen, den Bush und seine neokonservativen Gefolgsleute in den Behörden organisierten – sie haben den Mund nicht aufgemacht. Am schlimmsten hat der Kongress versagt, dessen Vertreter vom Volk gewählt werden, um seine Rechte zu schützen. Der Kongress hat nicht begriffen, wer dieser Präsident ist. Er hat vor der Aufgabe versagt, Bush bei seinen Torheiten in den Arm zu fallen. Und trotz der Wahlsiege der Demokraten im vergangenen Herbst kann der Präsident leider immer noch seinen Willen durchsetzen, mit seinem neuen Plan – mit the surge, der Woge – den Krieg zu »gewinnen«.
Ja, es stimmt: In der Provinz Anbar, dem Herzen des sunnitischen und baathistischen Iraks, zeitigt die »Woge« Erfolge. Doch die Frage, die Medien und Politiker nur höchst selten stellen, lautet, was für Erfolge das sind. Der Befund lautet, dass der Plan dort insofern funktioniert, als Morde an Andersgläubigen und Anschläge mit Autobomben tatsächlich zurückgegangen sind. Doch er funktioniert deshalb, weil die über hunderttausend Schiiten, die in Anbar lebten, nicht mehr da sind. Viele von ihnen wurden aus ihren Wohnungen vertrieben und leben jetzt im Schiitengebiet von Bagdad in Zeltstädten hinter Betonplatten, ohne jede Regierungshilfe. Die »Woge« ist, anders gesagt, schlichtweg eine Form »ethnischer Säuberung«. Offenbar liegt dem Plan die unausgesprochene Entscheidung der amerikanischen Führung zugrunde, den Irak den gleichen Weg gehen zu lassen wie das ehemalige Jugoslawien. Dabei hatte der Präsident ursprünglich, als er den surge- Plan Anfang des Jahres ankündigte, dem amerikanischen Volk gesagt, im Erfolgsfall werde seine neue Strategie die Einheit des Iraks wiederherstellen. Er ist ein Mann, dem Worte nichts bedeuten. Es sind eben nur Worte, die man im Bedarfsfall ausspricht und dann vergisst oder ignoriert, wenn sie unbequem werden.
Wir haben ein sehr ernstes Problem in Amerika – eines, das den loyalen Bürger ständig ins Hintertreffen geraten lässt. Die Bushs und Kissingers und Nixons haben die Macht, unsere Kinder in den Krieg zu schicken, um zu töten und getötet zu werden. Und was erhalten wir als Gegenleistung? Was wir bekommen, sind Führer, die lügen, die Tatsachen verfälschen, verzerren und manipulieren. Das ist ein ganz schlechtes Geschäft. Jeder Bürger und jeder Journalist sollte dagegen aufbegehren. Als Vater weiß ich, dass ich meine Kinder – außer in Nebensächlichkeiten – niemals belogen habe, und ich gehe davon aus, von ihnen nicht angelogen zu werden. Vertrauen auf Gegenseitigkeit macht den Kern einer jeden Lebensbeziehung aus. Und doch verzichten wir in den Vereinigten Staaten immer noch darauf, die für unsere nationale Sicherheit Verantwortlichen mit dem gleichen Maßstab zu messen.
Die Kriege in Vietnam, Grenada, Nicaragua, der Drogenkrieg, der Antiterrorkrieg, der Irakkrieg, sie alle haben eines gemeinsam: Es handelt sich um amerikanische Offensiven in der Dritten Welt. An der Präsidentschaft Bill Clintons hatte ich vieles auszusetzen, aber er verdient Respekt für seine Entscheidung im Jahre 1999, zur Beendigung der Kämpfe im ehemaligen Jugoslawien Bombenangriffe der Nato anzuordnen. Was mich daran beeindruckte, ist die Tatsache, dass Clinton mit diesem Befehl der erste amerikanische Präsident seit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde, der die Bombardierung weißer Menschen anordnete. Vielleicht handelt es sich ja bloß um ein Kuriosum, vielleicht sagt es aber auch etwas über den Rassismus in Amerika und weltweit aus. Denn fest steht, dass der Rassismus heute integraler Bestandteil des amerikanischen Alltags ist.
Meine Freunde in Nah- und Mittelost versuchen immer wieder, mich aufzumuntern. Mit ihrer vieltausendjährigen Geschichte im Hintergrund versichern sie mir, dass Amerika George Bush überleben wird. Sechzehn Monate noch, sagen sie, es dauert nicht mehr lange. Ich hoffe, sie haben recht.
Aus dem Englischen von
Karl D. Bredthauer
Die vollständige Rede finden Sie im Internet unter
www.blaetter.de/demokratiepreis
- Datum 28.9.2007 - 04:32 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 27.09.2007 Nr. 40
- Kommentare 268
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Wie können sich so VIELE Menschen irren? Oder wenn sie sich nicht geirrt haben,dazu gebracht werden, nicht den Mund aufzumachen? Alle voran natürlich die Reporter.
In diesen Tagen wird aber eines von den USA gezeigt:
Egal wieviele Hundert Jahre man in einer Demokratie lebt,wenn ein Land sich nicht mehr auf die Mündigkeit seiner Bürger verlassen kann, ist die demokratische Grundordnung gefährdet oder schon verloren.
Besonders verstehe ich nicht wie ein Volk einen Präsidenten wiederwählen kann,der glaubt "Gottes Werk zu vollrichten" und daher zusehends unzugänglicher für Argumente wird,die nicht seine Postion unterstützen .
Give me a break! Warum beschraenkt sich die ZEIT, nur Beitraege von den extremistischen Kritiker des Landes vorzufuehren? [Man soll sich keine Gedenken machen. Weder Pitt, noch Hersh, noch Streisand vertreten die amerikanische Mehrheit. Obwohl eine bedeutende Minderheit sie nicht ablehnen. Man soll nicht vergessen, dass Amerika immer 45% vs 55% oder weniger unterscheidet. Wie ist das in Deutschland: 70% vs 30%?]
Oh, die Antwort ist nicht schwer zu finden. Naumann und Kleine Brockhoff sind der gleichen Meinung und suchen sich immer aus, was ihnen passt.
Aber es gibt auch noch einen noch wichtigeren Grund: Die ZEIT weiss, dass diese Artikel der Mehrheit (70% wohl oder mehr) der Deutschen gefaellt. Ein Prozentsatz, der sich der Meinungen in den letzten dreissiger Jahren naehert.
Viele Kommentare wie von iDog sind zu erwarten (hoffentlich etwas besser verfasst als "gimmy five man", was immer sie denkt das heist).
Ob ein Standpunkt aus moralischer Sicht richtig oder falsch ist, hat nichts damit zu tun, wieviel Unterstützung dieser Standpunkt im Volk findet. Mag sein, dass Hersh nicht die Mehrheit der Amerikaner repräsentiert. Mag sein, dass er mit seiner Rede der Mehrheit der Deutschen aus dem Herzen spricht. Das bedeutet doch aber nicht, dass die ZEIT absichtlich und aus niederen Motiven der vorherrschenden Meinung in D. folgt. Soweit ich weiß, ist die ZEIT immernoch ein Wochenblatt mit liberalen Grundsätzen und somit (meiner Meinung nach) VERPFLICHTET Artikel von Kriegsgegnern wie Hersh abzudrucken.
Zu den Prozentzahlen, die Sie nennen ist zu sagen, dass deutsche Medien trotz allem um einiges differenzierter berichten als die amerikanischen, und es daher nicht verwundern sollte, dass der Prozentsatz der Kriegsgegner in Deutschland sehr viel höher ist, als der der Kriegsgegner in Amerika. Diese Problematik habe ich in den USA selbst erlebt und seitdem Verständnis für das scheinbar unbegreifliche Wahlverhalten in diesem Land. Der Durchschnittsamerikaner weiß es einfach oft nicht besser.
Ob ein Standpunkt aus moralischer Sicht richtig oder falsch ist, hat nichts damit zu tun, wieviel Unterstützung dieser Standpunkt im Volk findet. Mag sein, dass Hersh nicht die Mehrheit der Amerikaner repräsentiert. Mag sein, dass er mit seiner Rede der Mehrheit der Deutschen aus dem Herzen spricht. Das bedeutet doch aber nicht, dass die ZEIT absichtlich und aus niederen Motiven der vorherrschenden Meinung in D. folgt. Soweit ich weiß, ist die ZEIT immernoch ein Wochenblatt mit liberalen Grundsätzen und somit (meiner Meinung nach) VERPFLICHTET Artikel von Kriegsgegnern wie Hersh abzudrucken.
Zu den Prozentzahlen, die Sie nennen ist zu sagen, dass deutsche Medien trotz allem um einiges differenzierter berichten als die amerikanischen, und es daher nicht verwundern sollte, dass der Prozentsatz der Kriegsgegner in Deutschland sehr viel höher ist, als der der Kriegsgegner in Amerika. Diese Problematik habe ich in den USA selbst erlebt und seitdem Verständnis für das scheinbar unbegreifliche Wahlverhalten in diesem Land. Der Durchschnittsamerikaner weiß es einfach oft nicht besser.
Die einfachste, und vor allem auch billigste Art, sich anders denkende argumentatorisch vom Hals zu schaffen, ist, sie Extremisten zu nennen. Um es auf den Punkt zu bringen, wer so derart argumentatorisch platt daher kommt, braucht sich nicht zu wundern, nicht ernst genommen zu werden. Die Abwertungen, die bei den Befürwortern dieses Beitrags gleich mit vorgenommen wurden, zeigen lediglich die Gesinnung des Werters, nicht jedoch den tatsächlichen Wert eines Beitrags.(Dies nur am Rande)
Man muss nicht unbedingt dem Artikel zustimmen, kann sogar völlig konträr dazu stehen. Aber es braucht schon etwas mehr Butter aufs Brot, um überzeugend zu wirken.
Nur eines sollte man nicht übersehen: Hersh ist kein Ghostwriter einer verlogenen Administration. Es ist auch nicht seine Aufgabe, die Mehrheit der Bevölkerung zu vertreten. Für derartige Pflichterfüllung haben wir hier die BILD, und in den USA die USAtoday.
Worin ich Hersh jedoch in jedem Fall recht gebe, ist die Herleitung, weshalb Bush seinem Land mehr Schaden zufügt, als daß er etwas für sein Land hinzu gewinnen könnte. Es wird lange Zeit brauchen, bis die Welt wieder einigermaßen vernünftigen Umgang mit den USA erreichen wird. Angefangen werden kann damit jedoch frühestens Jan.2009. So lange wird man wohl noch darauf warten müssen.
Die Meinungsverteilungen (ueblich und im Allgemeinen) 55 vs 45% in den US und mehr als 70% vs 30% sind ein beitraeglicher Beweis, wie ueberhaupt nicht Amerikaner und Deutsche sich aehnlich sind (je gewesen sind, je werden koennen oder wollen) oder Freunde sein koennen (obwohl man nur hoffen kann, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, und man zum dritten Mal auf sich schiesst mit Kugeln, nicht Worten).
Sie haben natuerlich Recht: SPIEGEL und ZEIT sind linke Zeitschriften und Hersh mehr geneigt als Krauthammer.
Aber dass man immer 100x mehr von Moore hoert als von _____ (wen koennte man hier nennnen?) is unangehem fuer solche Leser (die Minderheit), die ein "voelliges" nicht nur ein immer schiefes Bild sich wuenschen.
Letzten Endes sind nicht alle in der Lage wie Sie, die US zu besuchen um sich selbst zu ueberzeugen, was das Land denkt und warum. Ob es ihnen sympatisch ist oder nicht.
Eins ist klar: Weder Nauman (wie Sie auch dort/in den US oft und lang) noch Kleine Brockhoff (sein ZEIT Buero Chef in Washington) haben oft die geringste Ahnung, ob und warum sie den "durchschnittlichen" Amerikaner und was er denkt, "richtig" beurteilen.
Sie beweisen oft, sie sind die Opfer Ihrer eigenen Ansichten/Meinungen/Ueberzeugungen (aehnlich wie Sie es in Ihrem Beitrag beschreiben).
herzlichen dank. habe sääär gelacht. danach ist der tag schon fast ein absehbar schöner.
"Sie haben natuerlich Recht: SPIEGEL und ZEIT sind linke Zeitschriften und .....
haben Sie je USA Today gelesen? Scheint nicht moeglich zu sein? Oder vielleicht waere die bessere Frage: haben Sie verstanden, was Sie gelesen haben? Wirklich? Unterstuetung der Regierung? (Ich nehme an Sie meinen Bush?)
USA Today, wie Drudge, wie die NY Times (mehr ZEIT und SPIEGEL aehnlich), Washington Post, sind nicht "Freunde der Regierung".
USA Today ist BILD aehnlich nur dadurch, dass man etwas in Farbe druckt.
Um ein Beispiele zu benuetzen, ist es noetig zu verstehen, was man benutzt. Viel in dieser Welt, besonders heutzutage in dem Alter von Wikipedia, hat nicht damit zu tun, dass man zu wenig Auswahl hat, sondern zu verstehen, dass alles oft vielleicht "zuviel" ist, und dass man sich auf die alten Regeln fuer zwei Quellen nicht mehr verlassen kann. Deshalb ist es noetig auszusortieren, ob man etwas weiss, versteht, ahnt oder sich wuenscht.
Am 16. 8. 2007 um 16:45 Uhr hatte ich in diesem Forum zum Artikel „Bushs falscher Entschluss“ (die Pasdaran betreffend) gefragt (Warten auf Neuwahlen):
http://kommentare.zeit.de...
„Haelt es in diesem Forum jemand fuer moeglich, dass das 22nd Amendment im Kriegsfall ausser Kraft gesetzt wird?
http://www.archives.gov/n......
AMENDMENT XXII
Passed by Congress March 21, 1947. Ratified February 27, 1951.
Section 1.
No person shall be elected to the office of the President more than twice, and no person who has held the office of President, or acted as President, for more than two years of a term to which some other person was elected President shall be elected to the office of President more than once. But this Article shall not apply to any person holding the office of President when this Article was proposed by Congress, and shall not prevent any person who may be holding the office of President, or acting as President, during the term within which this Article becomes operative from holding the office of President or acting as President during the remainder of such term.
Section 2.
This article shall be inoperative unless it shall have been ratified as an amendment to the Constitution by the legislatures of three-fourths of the several States within seven years from the date of its submission to the States by the Congress.”
Ich erhielt die Anwort eines Users: „Nein. Völlig abwegig. In der jetzigen Situation und mit dem jetzigen Präsidenten absolut ausgeschlossen.“ Und: „Das ist nur so eine Verschwörungstheorie und zeigt, dass Sie von den Verhältnissen in den USA keine Ahnung haben.“
In den letzten Tagen wurden wir von einem Lifelong Academic aus Denver Colorado darueber aufgeklaert, wie bizarr doch Deutschland und die deutsche Paranoia sei. Und wie sehr wir Leuten und Ideen von gestern und vorgestern lauschen wuerden und nicht in der Lage seien, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, die sich natuerlich taeglich aendern wuerden.
Ich hatte heute erst das Interview mit Seymour Hersh im Spiegel und jetzt seinen Artikel in der ZEIT gelesen, mit wachsendem Staunen und zunehmender Beunruhigung. Ja sind die Amerikaner noch zu retten? Da widmet man einem voellig unglaubwuerdigen aber (und ich meine das im vollen Ernst) zu unrecht beleidigten Ahmadinejad und seinen im Rahmen einer leicht durchschaubaren Charmeoffensive vorgetragenen Versuchen, als Moechtegernmittelmacht in Middle East der Weltoeffentlichkeit die angeblich angestammten Rechte Irans zu erklaeren („We do not have this phenomenom in Iran as you have in USA“), und dann kommt wenige Tage spaeter ein derartiger Brandartikel, der unsere schlimmsten Befuerchtungen zu bestaetigen scheint.
Hersh schreibt: „Ja, es stimmt: In der Provinz Anbar, dem Herzen des sunnitischen und baathistischen Iraks, zeitigt die »Woge« Erfolge. Doch die Frage, die Medien und Politiker nur höchst selten stellen, lautet, was für Erfolge das sind. Der Befund lautet, dass der Plan dort insofern funktioniert, als Morde an Andersgläubigen und Anschläge mit Autobomben tatsächlich zurückgegangen sind. Doch er funktioniert deshalb, weil die über hunderttausend Schiiten, die in Anbar lebten, nicht mehr da sind. Viele von ihnen wurden aus ihren Wohnungen vertrieben und leben jetzt im Schiitengebiet von Bagdad in Zeltstädten hinter Betonplatten, ohne jede Regierungshilfe. Die »Woge« ist, anders gesagt, schlichtweg eine Form »ethnischer Säuberung«.“
Ich habe die „Evidence“ des Gen. Petraeus im Spiegel, nicht in der Zeit gesehen. Derartige Grafiken wuerden nicht nur Dozenten und Professoren der Columbia University in Grund und Boden verdammen, sollte jemand es wagen, das veroeffentlichen zu wollen.
Wo leben wir eigentlich? Fuer wie dumm haelt die derzeitige Administration die Weltoeffentlichkeit (erneut, zum wiederholten Male)?
Bingo ! volle punktzahl fuer diesen artikel - glueckwunsch an die zeit und hut ab vor dem autor.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren