Ausbildung Des Forschers rechte Hände
Auch Forschungsinstitute bilden aus, denn die Wissenschaftler sind angewiesen auf die Fähigkeiten von Tierpflegern, Mechanikern und Informatikern. Drei Portraits
Ausbildungspakt mit der Wissenschaft
Wissenschaftler sind bei ihrer Arbeit auf die Unterstützung gut ausgebildeter Fachkräfte wie etwa Biologielaboranten, Feinmechaniker oder Fachinformatiker angewiesen und engagieren sich auch deshalb in der Ausbildung von Lehrlingen. Zudem fühlen sich Forschungseinrichtungen auch in einer besonderen Verantwortung für die Gesellschaft, da sie überwiegend aus Steuermitteln finanziert werden. Viele haben im Zuge des Ausbildungspakts zwischen Bundesregierung und Wirtschaft seit 2004 die Zahl ihrer Ausbildungsplätze erhöht. Die 77 Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) bilden in rund 40 Berufen aus. Seit 1995 hat sich die Zahl der Auszubildenden von etwa 300 auf über 600 verdoppelt. Als zusätzlichen Anreiz vergibt die MPG in diesem Jahr erstmals Preise an die besten Azubis und die engagiertesten Institute. Auch bei der Helmholtz-Gemeinschaft wächst die Zahl der Azubis jährlich. Die Anstrengungen der Zentren in der Ausbildung von naturwissenschaftlich-technischen Berufen werden in diesem Jahr zusätzlich aus den Mitteln des Paktes für Forschung und Innovation mit einer Sonderförderung von 3 Millionen Euro unterstützt. Häufig wird die Ausbildung von Wissenschaftlern begleitet und gilt daher als besonders gut.
Die Mäuseschwester
Wahrscheinlich gibt es in jeder Kindheit eine Zeit, in der man davon träumt, Tierarzt oder Tierpfleger zu werden. Aber bei Isabell Höft hörte diese Phase einfach nicht mehr auf. Während der Schulzeit machte sie ein Praktikum in einer Tierklinik, dann noch eines bei einem Tierarzt. Und als sie nach ihrem Realschulabschluss in der Zeitung las, dass das Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch Tierpfleger ausbildet, war ihr klar, wie es weitergehen sollte.
Rund 40.000 Mäuse und fast 2.000 Ratten leben in dem Tierhaus in Berlin-Buch. Gut 30 Tierpfleger sorgen sich um ihr Wohlergehen, füttern, tränken, misten die Ställe aus und kümmern sich um die Zucht des Nachwuchses. Anatomie gehört ebenso zur Ausbildung wie Hygiene und das Tierschutzgesetz. Wenn sie eine Gesundheitskontrolle bei den Tieren durchführt, weiß Isabell Höft, dass sie von vorn nach hinten vorgehen muss. Sie schaut sich die Zähne der Nager an, dann die Augen, sieht nach, ob Milben hinter den Ohren nisten, und überprüft das Fell und die Haut.
Auf Anfrage der Forscher sucht Isabell Höft Tiere aus bestimmten Stämmen heraus, beobachtet und pflegt sie, wenn sie aus dem Labor zurückkommen. Dass dort Versuche mit ihnen gemacht werden, ist für die Tierpflegerin ein notwendiges Übel. »Krebsforschung finde ich sehr wichtig«, sagt sie. Was die Krankheit bedeutet, hat sie in der eigenen Familie erlebt.
Kinder, die heute davon träumen, Tierpfleger zu werden, denken wahrscheinlich eher an niedliche Eisbären als an Versuchstiere. Für Isabell Höft ist der Unterschied nicht so groß; auch Mäuse und Ratten wollen gepflegt werden und sollen gesund sein. Trotzdem: Wenn sie nach einem Tag im Mäusehaus nach Hause fährt, freut sie sich auf ihren Hund. JUL
Die Computertherapeutin
Dass sie erst eine Seminararbeit über Frauen in der Informatik schreiben musste, um zu erfahren, wer Grace Hopper war, findet Anna Tran ein bisschen schade. Hopper hat in den 1940er Jahren einen der ersten rechenfähigen Computer konstruiert und nebenbei den Ausdruck »Bug« für einen Fehler im Programm geprägt. Bis zu ihrem Tod 1992 galt »Amazing Grace« als Grande Dame ihrer Disziplin. »Mädchen kennen keine weiblichen Vorbilder in der Informatik«, sagt Anna Tran. In ihrem Fall gaben der Informatikunterricht und die Seminararbeit in der elften Klasse den Anstoß, sich zur Fachinformatikerin ausbilden zu lassen.
Nicht jeder würde gleich an Fachinformatik denken, wenn die 19-Jährige die Vorzüge ihres Berufes aufzählt: mit Menschen zu tun haben, im Team arbeiten, viel kommunizieren. Dabei wird längst in nahezu allen Berufen mit Computern gearbeitet. Aufgabe der Informatiker ist es, die Menschen dabei zu unterstützen. Und genau das reizt Anna Tran an dem Beruf; später möchte sie am liebsten in der Beratung arbeiten.
An der Spree haben sich vier wissenschaftliche Einrichtungen zum Ausbildungsverbund Fachinformatik Berlin (Afib) zusammengeschlossen. Die Initiative dazu kam vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, bei dem Anna Tran ihre Ausbildung macht. Neben dem MPI gehören die Freie Universität, die Technische Universität und die Charité zum Afib. Die 14 Auszubildenden aus Anna Trans Lehrjahr wechseln während ihrer Ausbildung die Stationen im Ausbildungsverbund. »Das gibt uns die Möglichkeit, unterschiedliche IT-Strukturen kennenzulernen«, sagt Anna Tran. Im zweiten Lehrjahr bildet der Jahrgang eine Lehrfirma, übernimmt Aufträge von den beteiligten Instituten und bearbeitet sie selbstständig. So lernen die Azubis, eigene Projekte zu betreuen und unternehmerisch zu denken.
Die Nähe zur Praxis war auch der Grund für Anna Tran, kein Informatikstudium zu beginnen, sondern eine Ausbildung. »Danach kann ich immer noch studieren«, sagt sie, »am liebsten berufsbegleitend.« JUL
Der Physikerversteher
Derzeit ist Tobias Gräber mit Montagearbeiten am PITZ beschäftigt. Die Abkürzung steht für Photo Injector Teststand Zeuthen; an dem Gerät werden Hochfrequenz-Elektronenquellen für das europäische Röntgenlaser-Projekt entwickelt und optimiert. Für Tobias Gräber bedeutet das: immer wieder umbauen.
Der 19-Jährige steht am Ende seiner Ausbildung zum Industriemechaniker am Desy, einem der weltweit führenden Zentren für die Forschung an Teilchenbeschleunigern. Technikbegeistert war Tobias Gräber schon als Kind. Bei einem Schulpraktikum lernte er das Desy kennen und bewarb sich dort nach dem Realschulabschluss. Jetzt arbeitet er Naturwissenschaftlern aller Fachrichtungen zu. Die Anforderungen sind höher als in anderen Betrieben, stellt er oft bei Gesprächen mit Berufsschulkollegen fest. »Während andere in einer Woche 100 gleiche Teile nach einer Zeichnung fertigen, muss ich flexibel auf die individuellen Bedürfnisse der Forscher eingehen können.« Fräsen, Drehen und Bohren lernte Gräber in den ersten beiden Ausbildungsjahren in der Lehrwerkstatt. Hinzu kommen Schweiß- und Montagearbeiten. Am Desy sind viele verschiedene Fertigkeiten gefragt, und »wenn man sich für eine interessiert und Talent hat, wird man entsprechend gefördert«. Der Schweißerpass, den Gräber gerade erworben hat, nützt ihm nicht nur beim PITZ-Umbau, sondern auch bald bei der Arbeitsplatzsuche, wo Sonderqualifikationen gefragt sind.
Davon hat er noch eine weitere vorzuweisen. »Die Forscher haben eine andere Sprache und denken auf anderen Ebenen«, beschreibt er eine besondere Schwierigkeit seines Arbeitsalltags. »Ich muss dann herauszukriegen, was sie konkret brauchen.« So ist Gräber nebenbei zum Kommunikationsprofi geworden. INK
- Datum 28.09.2007 - 02:00 Uhr
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