Soziologie Enttäuschte Diener

Katja Heuser, Soziologin an der Uni Frankfurt am Main, erforscht in ihrer Doktorarbeit den Beruf des Butlers. Ein Kurzinterview

DIE ZEIT : Sie beschäftigen sich in einer Analyse des Butlerberufes mit der »Soziologie des Dienens«. Was interessiert Sie daran?

Katja Heuser : Die Motivation der Unterordnung. Menschen, die in einem personennahen Beruf arbeiten, sind nie auf Augenhöhe mit ihren Arbeitgebern. Beim Butler kommt hinzu, dass er einen tiefen Einblick in die persönlichen Angelegenheiten des Hauses gewinnt, gleichzeitig aber zu Diskretion und Loyalität verpflichtet ist. Er ist der gute Geist des Hauses – und er ist der Aristokrat unter den Dienstboten. Als solcher delegiert und kontrolliert er das Personal.

DIE ZEIT : Die Nachfrage nach Butlern steigt, aber Sie haben festgestellt, dass sich ihre Funktion verändert.

Heuser : Der Butler ist immer noch die Visitenkarte eines gehobenen Haushalts. Er ist Statussymbol und Prestigeobjekt, aber mit dem Verlust des bürgerlichen Milieus ist der Nährboden für den klassischen Butler verloren gegangen.

DIE ZEIT : Wie äußert sich das?

Heuser : Der moderne Butler ist ein Quereinsteiger aus Hotellerie, Gastronomie oder der Touristikbranche. Er ist Mädchen für alles und übernimmt auch Aufgaben eines Dienstboten. Er muss putzen, das Kind vom Kindergarten abholen oder Wäsche waschen.

DIE ZEIT : Erwartet er denn etwas anderes?

Heuser : Die meisten sind von ihrer Positionierung im Haushalt enttäuscht. Sie haben nach einem abwechslungsreichen Arbeitsverhältnis und Anerkennung gesucht. Gebildet, zurückhaltend, diskret und selbstbestimmt möchten sie sein. Aber genau hier liegt der Bruch: Die modernen Butler haben meist gar nicht die klassische Ausbildung in einer Butlerschule in London oder in den Niederlanden durchlaufen – und auch ihre Arbeitgeber kommen nicht aus dem entsprechenden Milieu. Deshalb auch wird sich der klassische Butler, der sich alten Traditionen und Werten verpflichtet fühlt, nicht in Häuser begeben, die nicht seinen Habitus pflegen.

Interview: Hadija Haruna .

 
Leser-Kommentare
  1. Ich wusste nicht, dass man fuer so ein belangloses Thema einen Doktor kriegen kann.

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  • Quelle DIE ZEIT, 27.09.2007 Nr. 40
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