Wann muss man den Arbeitgeber über die Schwangerschaft informieren? Das ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt. Generell empfiehlt es sich, das Gespräch so früh wie möglich zu führen und dabei konkrete Vorstellungen über die Zeit nach der Geburt zu äußern. So bleibt genügend Zeit, um für beide Seiten eine gute Lösung zu finden. Wer sich auf eine neue Stelle bewirbt, muss von der Schwangerschaft nur erzählen, wenn Schutzvorschriften es der werdenden Mutter von Anfang an unmöglich machen, die Stelle anzutreten.

Was bedeutet Mutterschutz? Schwangere Arbeitnehmerinnen dürfen weder körperlich schwer arbeiten noch Nachtschichten einlegen oder mit Gefahrenstoffen in Berührung kommen. Bleibt unklar, ob der Arbeitsplatz gesundheitlich bedenklich ist, kann ein Arzt die Beschäftigung vorübergehend verbieten. In den letzten sechs Wochen vor der Geburt wird die Schwangere freigestellt; nach der Entbindung darf sie acht Wochen lang nicht arbeiten. Während dieser Frist erhält sie je nach Höhe des vorherigen Nettogehaltes pro Kalendertag maximal 13 Euro Mutterschutzgeld von der Krankenkasse sowie einen Arbeitgeberzuschuss.

Wie viel Elterngeld gibt es? Das Elterngeld wird nach der Geburt bei den Elterngeldstellen der Landesregierungen schriftlich beantragt und einkommensabhängig steuer- und abgabenfrei gezahlt. Derjenige Elternteil, der die Arbeit aufgrund der Kinderbetreuung unterbricht, bekommt 12 Monate lang 67 Prozent seines Nettogehaltes – höchstens aber 1800 Euro pro Monat. Nimmt auch der andere Teil Elternzeit oder erzieht einer das Kind allein, kann die Unterstützung für zwei weitere Monate bezogen werden. Wer während der Elternzeit Teilzeit arbeitet (maximal 30 Stunden pro Woche) bekommt ein reduziertes Elterngeld. Nichterwerbstätige oder Geringverdiener bekommen monatlich mindestens 300 Euro Elterngeld.

Wer kann In Elternzeit gehen? Anspruch auf Elternzeit haben Eltern, die in einem Arbeitsverhältnis stehen und mit dem Kind in einem Haushalt leben – auch, wenn sie nicht verheiratet sind. Personen, die mit Partner und Kind aus einer anderen Beziehung zusammenleben, können ebenfalls in Elternzeit gehen. Die Elternzeit muss dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn verbindlich und schriftlich mitgeteilt werden. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist aber nicht nötig. Die Elternzeit kann während der ersten drei Lebensjahre des Kindes genommen und nach Wunsch flexibel unter den Partnern aufgeteilt werden. Man kann sich die Zeit auch vollständig teilen, indem beide 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sind.

Wie hält man Kontakt? Wer sich für eine Elternzeit ohne parallele Teilzeitstelle entscheidet, sollte auf jeden Fall Kontakt zu Arbeitgeber und Kollegen halten. Weiterbildungsmaßnahmen können den Wiedereinstieg erleichtern: Viele Firmen bieten ihren Angestellten in der Elternzeit entsprechende Programme an. Auch Volkshochschulen und Industrie- und Handelskammern stimmen ihr Fortbildungs–angebot auf junge Eltern ab.

Welche Rechte Haben Selbstständige? Selbstständig beschäftigte Eltern haben ebenfalls ein Anrecht auf Elternzeit und -geld. So wird der wegen der Geburt des Kindes wegfallende Gewinn nach Abzug der Steuern zu 67 Prozent ersetzt. Beschränkt sich die Arbeit während der Elternzeit auf höchstens 30 Stunden pro Woche, berechnet sich die Unterstützung – wie bei Angestellten in Teilzeit – mit 67 Prozent des entgangenen Einkommens. Mutterschutzrechte gelten für Unternehmerinnen allerdings nicht.

Was tun Arbeitgeber? Matthias Malessa, Personalchef der adidas-Gruppe: »Wir möchten kommerzielle Interessen und familiäre Bedürfnisse zum beidseitigen Nutzen in Einklang bringen. Wenn Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter steigen, erhöht sich auch ihre Leistungsbereitschaft. 2001 haben wir eine Work-Life-Balance-Initiative ins Leben gerufen. Das Programm umfasst flexible Arbeitszeiten, Ferienbetreuung und ein »Returning to the Game«-Programm für die Elternzeit.«