Vor großen Kunstmessen geht es oft zu wie vor der Tür schwer angesagter Clubs: großes Gedränge, aber nur wenige kommen rein. So bewarben sich rund 450 Galerien um die Teilnahme am diesjährigen Art Forum Berlin (29. 9. bis 3. 10.). Der Auswahlprozess, an dessen Ende 136 Teilnehmer feststanden, sei „harte Arbeit“ gewesen, erklärt Sabrina van der Ley, die künstlerische Leiterin der Veranstaltung. Jedes Jahr muss eine Zulassungskommission aus fünf Galeristen und zwei Museumsleuten aufs Neue entscheiden, welche Galerie dabei ist und welche nicht.

Die Einladungspolitik und die damit verbundenen Diskussionen sind so alt wie die modernen Kunstmessen selbst. Als Rudolf Zwirner und sein Kollege Hein Stünke mit dem Kunstmarkt Köln 1967 den Prototyp dieser Messen gründeten, organisierte der nicht eingeladene Münchner Galerist Heiner Friedrich unter dem Titel Demonstrative ’67 flugs eine Protestausstellung im Kölner Pressehaus. Unter den dort gezeigten Arbeiten waren auch Werke der noch jungen Künstler Sigmar Polke und Gerhard Richter.

Seitdem gilt die Regel: Wer nicht zugelassen wird, gründet eben selbst eine Messe. In Berlin haben sich in den letzten vier Jahren mit der Liste, dem Kunstsalon und der Preview drei Satellitenmessen etabliert, die um das Art Forum kreisen. Angesichts des Erfolges sind die Zweifel an ihrer Existenzberechtigung mittlerweile obsolet. „Wir können den Anspruch einer Entdeckermesse tatsächlich einlösen, weil wir noch nicht durchgesetzte Positionen präsentieren“, erklärt etwa der Berliner Galerist und Preview-Mitbegründer Rüdiger Lange das Prinzip Satellit. Mit einem Gesamtbudget von 250.000 Euro stemmen Lange und seine Mitstreiter ihre kompakte Messe in einem stillgelegten Hangar des Flughafens Tempelhof mit 57 internationalen Ausstellern – den harten Kern bilden jedoch Berliner Junggalerien.

In ähnlichen Größenordnungen bewegt sich auch die Berliner Liste, die im ehemaligen Postgüterbahnhof am Gleisdreieck stattfindet. Die Messe, sagt Veranstalter Wolfram Völcker, sei ein Ort für Experimente mit entsprechendem Risikopotenzial: „Zwischen Supergut und Grottenschlecht steht oft nur eine schmale Trennwand.“ Solange man jedoch kauffreudiges Publikum erreiche, habe die Liste eine Zukunft.

Weniger um das Geschäft geht es hingegen Edmund Piper vom Kunstsalon. In der verlassenen Zentralwerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe im Stadtteil Wedding versammelt der Künstler zum vierten Mal eine vorwiegend deutsche Szene, neben einigen Galerien vor allem nichtkommerzielle Künstlerinitiativen. Im vorigen Jahr zählte der Kunstsalon rund 10.000 Besucher und brachte die schöne Erkenntnis: „Die Scouts und Limousinen kommen auch.“ Kito Nedo