Barschel-AffäreWo waren die Beweise?

Die Barschel-Affäre vor 20 Jahren zeigte, wie Medien auf der Jagd nach der besten Geschichte alle Skrupel verlieren. von 

Die »Barschel-Affäre«, so viel steht längst fest, zählt zu den »großen« Affären der alten Bundesrepublik-West, vergleichbar der » Spiegel- Affäre« und dem Skandal um die gewerkschaftseigene Neue Heimat. Sie fand am 2. Oktober vor 20 Jahren ihren politischen Höhepunkt mit dem Rücktritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, ihren makabren Tiefpunkt mit Barschels Tod neun Tage darauf in einem Genfer Hotel. Ebenso deutlich steht aber inzwischen auch dieses fest: Eine Sternstunde des investigativen Journalismus war die Sache nicht. Vielleicht werden spätere Generationen darin sogar eine umgekehrte Spiegel - Affäre erkennen – also eine Affäre des Nachrichtenmagazins selber; und all derer, die ihm gläubig gefolgt sind.

Zur Erinnerung: Am 14. September 1987, einen Tag nach der Landtagswahl im nördlichsten Bundesland – aber durch Vorabmeldungen rechtzeitig in die letzten Stunden des Wahlkampfes gestreut –, kommt der Spiegel mit einer sensationellen Titelgeschichte (Watergate in Kiel, Barschels schmutzige Tricks) heraus, in der Barschels damaliger Medienreferent Reiner Pfeiffer »auspackt« über allerlei kriminelle Aktivitäten, die er gegen Björn Engholm, den Oppositionsführer der SPD und Konkurrenten Barschels, entfaltet habe – und zwar jeweils auf direkte Anweisung des Ministerpräsidenten. So habe er, dies die wichtigsten Beispiele, anonym eine Anzeige gegen Engholm wegen angeblicher Steuerhinterziehung erstattet. Außerdem habe er eine Detektei beauftragt, Engholms Privatleben nach angeblichen sexuellen Ausschweifungen auszuforschen. Wie gesagt: alles auf direkte Anweisung Barschels. Diese Geschichte erzeugte eine so ungeheure Wucht, dass ihr praktisch niemand mehr eine kritische Energie entgegensetzte – weder in den Medien noch in der Politik.

Worin aber hatte damals die »investigative« Leistung bestanden? Zwar hatte das Magazin Spiegel bereits eine Woche vor der »großen« Enthüllung schon über Merkwürdigkeiten im Wahlkampf der CDU berichtet – Aspekte freilich, die hernach schnell in den Hintergrund traten. Die eigentliche Geschichte beruhte dann zunächst auf nichts anderem als auf einer sogenannten eidesstattlichen Versicherung im Umfang von 22 DIN-A4-Seiten, die Reiner Pfeiffer vor einem Hamburger Notar abgab. Darin plauderte er gewissermaßen aus dem tiefschwarzen Nähkästchen. Der Spiegel – und ihm nachfolgend das Heer der Journalisten, auch bei der ZEIT – glaubte Pfeiffers Worten willig, was gewiss auch dadurch erleichtert wurde, dass einige der Aktionen, deren Pfeiffer sich bezichtigte, tatsächlich stattgefunden und Spuren hinterlassen hatten. Doch für die Hauptfrage, ob er tatsächlich im vollen Wissen und auf direkte und detaillierte Weisung Barschels gehandelt hatte, lieferte Pfeiffer weder einen Beweis – noch wurde einer von ihm gefordert.

Dass Misstrauen angebracht gewesen wäre, ließ der Spiegel in seiner Geschichte anklingen, als er schrieb: »Kein Zweifel: So massiv wie Barschel ist nie zuvor ein bundesdeutscher Politiker von einem Mitarbeiter aus seiner engsten Umgebung belastet worden. Allerdings: Wenn sämtliche Pfeiffer-Vorwürfe zutreffen, hat kein anderer Ministerpräsident je…« Der erste der beiden Sätze trifft zwar exakt zu, besagt aber nichts über Barschels Beteiligung. Der zweite Satz ist nichts als ein leerlaufender Konditionalsatz: Wenn, ja wenn … Misstrauen wäre zudem auch angebracht gewesen, weil eine eidesstattliche Versicherung, so hochtrabend das Wort klingt, in Wirklichkeit das Papier nicht wert ist, auf dem sie steht, solange sie nicht vor einer sachlich zuständigen Behörde oder vor Gericht abgegeben wurde. Und schließlich sagte Pfeiffer selber auch noch: »Wie vom Blitz getroffen« werde Barschel reagieren, wenn er von Pfeiffers Enthüllungen hören werde. Vielleicht einfach deshalb, weil Pfeiffer Barschels direkte Verwicklung frei erfunden hatte?

Einige Jahre und zwei Untersuchungsausschüsse später zeigt sich ein anderes Bild: Was immer gegen Barschel sonst politisch und persönlich vorzubringen war (nicht wenig!), wie immer er tatsächlich ums Leben kam, vor allem ungeachtet des Umstandes, dass er verantwortlich dafür war, diesen Reiner Pfeiffer zu Zwecken eines robusten Wahlkampfes engagiert zu haben – von den eigentlichen kriminellen Aktivitäten des Mannes hatte er nach menschlichem Ermessen keine Ahnung. Sehr wohl aber wusste die Wahlkampfmannschaft Engholms sehr früh – nämlich lange vor der Landtagswahl 1987 – davon. Man ließ den Mann gewähren, ermutigte ihn gar, statt ihm beizeiten das Handwerk zu legen; man hielt eine politische Ausbeutung dieser Vorgänge über die Medien, kurz vor dem Wahltag, offenbar für nützlicher als eine beschleunigte justizielle Aufklärung.

Dennoch, fast sechs Jahre nach der Affäre wurde die SPD von ihr eingeholt. Der damalige SPD-Sprecher Nilius musste einräumen, dass er einen Untersuchungsausschuss belogen hatte. Der Sozialminister Jansen (SPD) musste zugeben, dass er Pfeiffer 1988 und 1989 jeweils mehr als 20.000 Mark übergeben ließ – angeblich in der Schublade angespartes privates Geld. Für einen solchen Übeltäter? Jansen musste zurücktreten, Engholm wenig später.

All dieses kann man inzwischen in den Zeitungsarchiven nachlesen, aber nirgendwo findet man bisher eine selbstkritische Auseinandersetzung der Journalisten mit ihrer Rolle in dieser Affäre, in der politische Einstellungen und schlichte Leichtgläubigkeit zunächst eine stärkere Wirkung entfalteten als wirklich nach jeder Seite hin kritische Ermittlungen. Und das betrifft nicht nur den Spiegel, sondern viele andere Zeitungen, in Teilen auch die ZEIT.

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Leserkommentare
  1. Nach Robert Leichts Auffassung hatte Barschel „nach menschlichem Ermessen“ keine Ahnung von Pfeiffers Aktivitäten. Nun das verwundert denn doch, wenn man sich mit der Fakten etwas genauer befasst.

    1. Die Überwachung Engholms durch Detektive wurde finanziert durch die Firma Schwarzkopf, deren Geschäftsführer Ballhauf ein sehr enger Freund von Uwe Barschel war. Ballhauf hat eine sehr komplizierte Geschichte erzählt, um sein Mitwirken an der Überwachung zu erklären. Zwar ist diese Geschichte nicht widerlegbar (meinte zumindest der 2. Untersuchungsausschuss) aber glauben muss man sie ihm dennoch nicht. Für mich ist es nicht vorstellbar, wie die Finanzierung der Überwachung ohne Barschels Mitwirken zustande gekommen sein soll.

    2. Pfeifer initiierte eine anonyme Steueranzeige gegen Engholm und Barschel fragte von sich aus bei seinem Staatssekretär Schleiffer nach deren Ergebnis. Also muss irgendjemand Barschel darüber informiert haben, dass eine solche Anzeige läuft. Außerdem konnte Pfeiffer dem Spiegel handschriftliche Notizen von Barschel über die Einkünfte von Engholm vorweisen.

    3. Pfeiffer startete „Zersetzungkampagnen“ gegen die Grünen und eine Freie Wähleriniative und benutze dazu interne Informationen, die ihm nur durch seine Tätigkeit in der Staatskanzlei bekannt werden konnten. Diese Infos konnten ihm doch nur zufließen, wenn alle davon ausgingen das er die Rückdeckung von Barschel hatte.

    4. Als der Spiegel dies und anderes veröffentlichte, ließ sich Barschel mehrere Tage Zeit, um auf einer Pressekonferenz sein Ehrenwort abzugeben. Er untermauerte dies mit eidesstattlichen Versicherungen von sich und Mitarbeitern. Sowohl seine eigenen Aussagen wie auch die Aussagen seiner Mitarbeiter waren in mehreren Punkten unvollständig und fehlerhaft , was allerdings erst offenbar wurde, als der 1. Untersuchungausschuss objektives Beweismaterial (Telefonverbindungsdaten) mit diesen Aussagen konfrontierte. Barschel hat also nicht nur gelogen, sondern auch Mitarbeiter zum Lügen angestiftet.

    Insbesondere der 4. Punkt spricht dafür, dass Barschel in Bezug auf Pfeiffers Aussagen etwas zu verbergen hatte, denn wenn er tatsächlich nicht an Pfeiffers Aktionen beteiligt war, dann hätte man ihn ja auch keine Beteiligung nachweisen können.

    Der zweite Untersuchungsausschuss (zu Engholms Lügen) ist allerdings davon ausgegangen, das Barschel im strafrechtlichen Sinne keine Verantwortung zu tragen gehabt hätte. Man ging also davon aus, dass Barschel im Falle einer Anklage möglicherweise frei gesprochen worden wäre. Dies ist denkbar, ist aber für eine Bewertung der Verantwortung Barschels nicht der relevante Punkt. M. E. muss man aus der Gesamtschau der obigen und weiterer Punkte zu einem anderen Ergebnis kommen: Pfeiffer Verhalten ist nur erklärbar, wenn er mit aktiver Rückdeckung von Barschel gehandelt hat. Möglicherweise könnte man auch auf eine „Verführungstheorie“ kommen, aber das würde Barschel nicht wirklich entlasten, denn er war ja schließlich für sein Tun verantwortlich.

    Zu den genauen Details verweise ich auf das Buch von Herbert Wessels, Ein politischer Fall. Uwe Barschel – Die Hintergründe der Affäre, Weinheim 1988.

    Natürlich kann Wessels mit dem Sachstand von 1988 nicht die Hintergründe darstellen, wie sie sich 1993 oder heute darstellen. Andererseits kann ich nicht akzeptieren, dass man Barschels Verhalten angesichts des Fehlverhaltens von Günther Jansen und Björn Engholm in einem milderen Licht betrachtet.

    „ ... nirgendwo findet man bisher eine selbstkritische Auseinandersetzung der Journalisten mit ihrer Rolle in dieser Affäre ...“

    Was ich von Journalisten in erster Linie erwarte sind Daten und Fakten und Schlussfolgerungen, die sich auf diese Daten und Fakten stützen. Anschließend sollte man dann Einschätzungen geben, wie sich ein bestimmter Vorgang wohl abgespielt hat. Falls diese Einschätzung nicht im juristischen Sinne beweisbar ist, dann kann man dies auch sprachlich (wie im Spiegelzitat) deutlich machen.

    Wenn ich die journalistischen Beiträge (auch den von Robert Leicht) heute mit denen von vor 20 Jahren vergleiche, dann würde ich den zu beklagenden Zustand eher heute als früher sehen. Das betrifft nicht nur „Zeit“ sondern auch den „Spiegel“.

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    Zu 1) (Ballhauf existiert hierbei nicht, nur Ballhaus – sicher eine Verwechslung mit dem TATORT-Kommissar Max Ballauf (ohne H)) Es existiert der so genannte richterliche „Ballhaus – Beschluss“, in dem Pfeiffers Behauptungen eindeutig ad absurdum geführt werden. Unabhängig vom Vorstellungsvermögen Außenstehender sind diese Dinge auch im Piel – und Ahrendsen Prozess umfassend behandelt und abgeschlossen worden.
    Zu 2) Dazu bedurfte es lediglich eines gewöhnlichen Zettels auf Barschels Schreibtisch über Pfeiffers Geliebter, Frau Jutta Schröder oder ihrer Kollegin Brigitte Eichler mit dem unverbindlichen Text: Bei Schleifer wegen Steueranzeige gegen E. zurückrufen.
    Als Ahnungsloser ruft man zurück und denkt sich nichts dabei.
    Wodurch aber kommt Engholm dazu, sich selbstständig danach über diese Sache zu erkundigen?
    Zu 3) Diese Infos sind keine Verschlusssachen, sondern frei zugängliches Material, zumal Pfeiffer ja Jutta Schröder als Botin stets parat hatte.
    Zu 4) Das war die Ehrenwortfalle von Ahrendsen und Pfeiffer. Ahrendsen riet Barschel dazu, um etwas Zeit zu gewinnen, Eichler darum zu bitten, das Telefonat zu bestätigen. Ahrendsen köderte Barschel damit zu genau diesem Schritt, denn bis dahin war Barschel noch ahnungslos und in der Hoffnung und im Vertrauen auf Ahrendsen, durch den kleinen Zeitgewinn die Wahrheit herauszufinden.
    Mit seinem Ehrenwort ging es um die ihm vorgeworfenen Punkte die das primäre Tatgut waren, zu dem Ahrendsens Falle nicht dazu gehörte. Ein kleines Unrecht als einzig mögliche Waffe, um ein sehr viel Größeres aufzudecken.
    Sich wie der Autor hierbei auf uraltes Material wie von Herbert Wessels zu berufen, zeigt überdeutlich auf sträflich naive oder vorsätzlich manipulative Intension. Wessels veröffentlichte im Hamburger Abendblatt am 16.Oktoberr 1987 einen Bericht unter dem Titel „Karl Hermann Schleifer – die graue Eminenz im Kieler Waffenhandel“. Darin zitiert er Gansel, der erklärt, „Barschel ist mit primitiv angelegten Aktionen“ in eine Falle geführt worden. Wessels sah darin die Affäre „in einem völlig neue Licht“. Dieses Licht ließ er jedoch ausgeschaltet und wurde auf wundersame Weise Regierungssprecher unter Engholm.
    Unterm Strich belegt dieser Kommentar ein fest verwurzeltes Meinungsbild ohne erkennbaren Willen oder Vermögen zu allumfassender Würdigung der zur öffentlichen Verfügung stehenden Informationen. Meine Anmerkungen werden sicher nicht dazu beitragen die Perspektive des Autors zu erweitern, jedoch aber anderen Lesern als Wegweiser dienlich sein.
    Mein Wissen habe ich aus sämtlichen bislang erschienenen Büchern, Medienberichten, Anwesenheit bei den wesentlichen Prozessen, meiner Teilnahme an fast 100 PUA-Sitzungen, als Zeuge vor dem PUA, aus der Lektüre sämtlicher PUA Wortprotokolle, durch intensive Kontakten quer durch alle Fraktionen und in hunderten von ausführlichen Gesprächen mit Politikern, Ermittlern, Rechtanwälten, Journalisten und Buchautoren und Geheimdienstlern.
    Für Diskussionen stehe ich nicht zur Verfügung.

  2. Letztendlich kann man kaum erwarten, dass Barschel über seine Aufträge an Pfeiffer Aktennotizen anlegte - damit bleiben als Beweise (hauptsächlich) die Aussagen der Beteiligten, und die dürften kaum neutral zu nennen sein. "Investigativer Journalismus" mag anders aussehen - saubere Politik allerdings auch. Und wer hat die größere Verantwortung vor dem Volk - die Medien (BILD vielleicht???) oder die zum Zwecke einer geordneten und fairen Verwaltung gewählten Politiker?

    Sorry, diese Kolumne ist nichts weiter als ein weiteres Statement in dem Sinne: "Nicht der Mörder, sondern der Ermordete ist schuldig." Selbst wenn Engholm & CO. die unsaubere Barschel-Clique in die Grube haben fallen lassen - gegraben hatte sich diese Grube Herr Barschel selbst.

  3. Dieser Bericht verdient besondere Beachtung, da die unaufgeregte Sicht auf das weite Feld der Auswirkungen gerichtet, anschaulich verdeutlicht was wir in einer und gerade unserer Demokratie überhaupt und neu zu lernen haben.
    Hier wird auch den uninformierten Lesern klar worauf es in Zukunft ankommt. Natürlich kann das gleiche Muster auch heute noch wieder mit Erfolg abgespielt werden, nur eben nicht mehr ohne das Beispiel der Kieler-Affären mit ins Feld zu ziehen.

    Der Vergleich mag gestattet sein, hier auf Gerhard Schröder mit seiner vorgetäuschten Antikriegshaltung zum Irak-Krieg hinzuweisen, schließlich steht dazu im Gegensatz sein Agent "Curveball" durch dessen Desinformation über angeblich existierende mobile B-C Waffenlabors im Irak den USA erst die Angriffsgrundlage frei Haus geliefert worden war. Noch heute glaubt die Masse der Bevölkerung genau wie 1987 bei Barschel, das womit Schröder seine Wiederwahl gesichert hatte. Welch Wunder oder Selbstverständnis, dass diese bekannte Tatsache durch die Medien fast völlig ungewürdigt bleibt, obwohl hier die gleichschweren Mechanismen greifen!
    Sicher machen wir heute vieles anders und bauen vor. Es gelingt zum Teich auch schon recht gut, nur von jetzt auf nun darf man die Meßlatte nicht zu hoch anlegen und zu schnelle Blitzerfolge erwarten.
    Ob es jetzt eine juristische Aufarbeitung im Fall „B“ geben wird oder nicht, ist zweitrangig, vorrangig bleibt erstmal, dass die Medien sich nicht wieder so vorführen lassen wie zwischen Kiel, Berlin und Genf.

    • wolft
    • 09. Oktober 2007 17:37 Uhr

    Hallo,

    Robert Leicht's Kommentar reiht sich ein in die Liste derjenigen, die wie der Barschel-Clan es nicht wahrhaben wollen, dass Barschel es war, der auf Empfehlung des Springer Konzerns Pfeiffer für die schmutzigen Tricks im Wahlkmpf einstellte. Warum wohl? Barschel wird sich dammal schon bewußt gewesen sein, was da auf ihn zukommen könnte. Barschel und die CDU standen vor einer Wahlniederlage. Ist es politischer Opportunismus oder ist es der journalistische Eifer der R. Leicht diesen Kommentar schreiben läßt. oder frei nach der Devise: Hauptsache etwas zum Thema geschrieben zu haben. Warum diese Tendenz im Komentar - Pfeiffer der Lügner, Barschel das arme Opfer?
    "Was immer gegen Barschel sonst politisch und persönlich vorzubringen war (nicht wenig!), wie immer er tatsächlich ums Leben kam, vor allem ungeachtet des Umstandes, dass er verantwortlich dafür war, diesen Reiner Pfeiffer zu Zwecken eines robusten Wahlkampfes engagiert zu haben – von den eigentlichen kriminellen Aktivitäten des Mannes hatte er nach menschlichem Ermessen keine Ahnung." So ist es also. Barschel hatte von nichts eine Ahnung. keine Beweise gibt es angeblich dafür. Aber R. Leicht empfiehlt im Nachhinein der SPD und Engholm, sie hätten damals Pfeiffer frühzeitig das Handwerk legen sollen. Wie hätten sie es tun sollen, ohne Beweise? R. Leicht spielt auf auf seine Weise im Orchester derjenigen mit, die den Barschel Clan in Ihrem Rollback der Barschel -Affäre unterstützen. Barschel soll reingewaschen werden, Engholm und die SPD sollen zu den eigentlichen Tätern gestempelt werden. Dass der Spiegel nicht immer mit seinen Recherchen glänzt, ist mir nur allzu geläufig. Ich war selbst 13 Jahre bei dem Verein. die Liste der ach so investigativen (UN)Taten und ihrer Verfehlungen ist lang. Seit Aust Rache nimmt an seinen ehemaligen Konkurrenten im Spiegel drifftet der Spiegel immer mehr ins Barschel/CDU Lager. Es ging sogar soweit, dass auch der Spiegel, wie die Konkurrenz Focus, Engholm zum Stasi-Spitzel machen wollte. Nun gut, ich hatte dies damals verhindert. Aber dankbar war man mir beim Spiegel nicht dafür. Zurück zur Barschel-Affäre. Die schmutzigen Tricks des Herrn Pfeiffer hat es gegeben. Nachweisbar gegeben. Es ist alles in diversen Büchern un duntersuchungsausschuß Bericht nachzulesen. Barschels Ehrenwort wurde als eine Ansammlung von Lügen entlarvt. Barschel war Anfang Oktober 1987 politisch am Ende. 43 Jahre alt, Macht besessen und anscheinend auch skrupellos, sah er sich isoliert. Er war politisch tot. Schon vor der Schleswig-Holstein Wahl 1987 war die Tendenz klar, dass die CDU (und damit Barschel seine Macht) die Wahl verlieren würde. Warum wird all dies nicht erwähnt. Warum werden dem Leser angebliche Fakten in einem luftleeren Raum präsentiert. Wenn man bedenkt, dass eine ehemaliger Ministerpräsident, ein Sicherheitsrisiko für die Regierung Kohl (Stern), für die Waffenlobby (Stern u.a.), für diverse Geheimdienste (Mossad, Stasi ect.) seelenruhig allein von den Canarischen Inseln in die Schweiz fliegt, ohne konkretes Ziel ohne Vorabbuchung und ohne Begleitung. Ohne Schutz der Familie. Da fragt man sich doch, was war denn da los? Und diese Familie samt Anhang will einem nun seit 20 Jahren glaubhaft machen, Barschel wollt damals seine Ehre wieder herstellen. Womit denn? R. Leicht schreibt, Pfeifffer hätte keine Beweise geliefert. Barschel hatte diese angeblich auch nicht. Aber er konstruierte sie kurz vor seinem Selbstmord. Wenn Barschel wirklich ein Mordofer gewesen sein sollte, er spricht eigentlich nichts dafür, warum liessen die angeblichen Täten dann die angeblichen vielen Spuren zurück? Es wurden keine Verpackungen der verscheidensten Medikamente gefunden. Ja warum auch. Es reichten doch zum Selbstmord wenige Tabletten. Es reichte eine bestimmte Portion, warum sollte mehr vorhandne sein, bei einem der seinen Abgang augenscheinlich genau geplant hat. Einen Tag vor der Aussage vor dem Kieler Untersuchungsausschuss. Einen Tag vor dem endgültigen politischen Ende. All dies allein in einem Hotelzimmer in Genf.

    Ja, wo ist die selbstkritische Auseinandersetzung der journalisten mit ihrer Rolle in dieser Affäre. Wo ist die Auseinandersetzung damit, dass man immer wieder neue Verschwörungstheorien hervorbringt, nur um die Auflage zu erhöhen. Sämtliche Veröffentlichungen in der neueren Zeit (und in der Vergangenheit) haben nichts wesentlich Neues hervorvorgebracht. Angebliche Indizien erscheinen nach näherem Hinschauen nur noch als bloße Spekulationen. Wunschdenken bestimmt immer mehr die Recherche. Mit Wahrheiten ist im achso investigativen Journalismus eh nix mehr zu verdienen. Ein Selbstmord ist uninteressant. Mit einem politischen Mord lässt sich Kasse machen oder aber politsch gut darstehen.

    Wo waren denn all die Schreiberlinge, als ein unbedarfter Handwerker vom Focus zum 28-fachen Stasikiller hochstilisiert wurde. Keiner hat diese abenteuerliche Geschichte je in Frage gestellt. Keiner hat das BKA und die Bundesanwalt mal gefragt, wo denn die angeblichen Beweise herstammen und um welche Beweise es sicht handelt. Es gab nämlch von Anfang an nicht einen einzigen Beweis.

    Gruß

    Wolft

  4. Zu 1) (Ballhauf existiert hierbei nicht, nur Ballhaus – sicher eine Verwechslung mit dem TATORT-Kommissar Max Ballauf (ohne H)) Es existiert der so genannte richterliche „Ballhaus – Beschluss“, in dem Pfeiffers Behauptungen eindeutig ad absurdum geführt werden. Unabhängig vom Vorstellungsvermögen Außenstehender sind diese Dinge auch im Piel – und Ahrendsen Prozess umfassend behandelt und abgeschlossen worden.
    Zu 2) Dazu bedurfte es lediglich eines gewöhnlichen Zettels auf Barschels Schreibtisch über Pfeiffers Geliebter, Frau Jutta Schröder oder ihrer Kollegin Brigitte Eichler mit dem unverbindlichen Text: Bei Schleifer wegen Steueranzeige gegen E. zurückrufen.
    Als Ahnungsloser ruft man zurück und denkt sich nichts dabei.
    Wodurch aber kommt Engholm dazu, sich selbstständig danach über diese Sache zu erkundigen?
    Zu 3) Diese Infos sind keine Verschlusssachen, sondern frei zugängliches Material, zumal Pfeiffer ja Jutta Schröder als Botin stets parat hatte.
    Zu 4) Das war die Ehrenwortfalle von Ahrendsen und Pfeiffer. Ahrendsen riet Barschel dazu, um etwas Zeit zu gewinnen, Eichler darum zu bitten, das Telefonat zu bestätigen. Ahrendsen köderte Barschel damit zu genau diesem Schritt, denn bis dahin war Barschel noch ahnungslos und in der Hoffnung und im Vertrauen auf Ahrendsen, durch den kleinen Zeitgewinn die Wahrheit herauszufinden.
    Mit seinem Ehrenwort ging es um die ihm vorgeworfenen Punkte die das primäre Tatgut waren, zu dem Ahrendsens Falle nicht dazu gehörte. Ein kleines Unrecht als einzig mögliche Waffe, um ein sehr viel Größeres aufzudecken.
    Sich wie der Autor hierbei auf uraltes Material wie von Herbert Wessels zu berufen, zeigt überdeutlich auf sträflich naive oder vorsätzlich manipulative Intension. Wessels veröffentlichte im Hamburger Abendblatt am 16.Oktoberr 1987 einen Bericht unter dem Titel „Karl Hermann Schleifer – die graue Eminenz im Kieler Waffenhandel“. Darin zitiert er Gansel, der erklärt, „Barschel ist mit primitiv angelegten Aktionen“ in eine Falle geführt worden. Wessels sah darin die Affäre „in einem völlig neue Licht“. Dieses Licht ließ er jedoch ausgeschaltet und wurde auf wundersame Weise Regierungssprecher unter Engholm.
    Unterm Strich belegt dieser Kommentar ein fest verwurzeltes Meinungsbild ohne erkennbaren Willen oder Vermögen zu allumfassender Würdigung der zur öffentlichen Verfügung stehenden Informationen. Meine Anmerkungen werden sicher nicht dazu beitragen die Perspektive des Autors zu erweitern, jedoch aber anderen Lesern als Wegweiser dienlich sein.
    Mein Wissen habe ich aus sämtlichen bislang erschienenen Büchern, Medienberichten, Anwesenheit bei den wesentlichen Prozessen, meiner Teilnahme an fast 100 PUA-Sitzungen, als Zeuge vor dem PUA, aus der Lektüre sämtlicher PUA Wortprotokolle, durch intensive Kontakten quer durch alle Fraktionen und in hunderten von ausführlichen Gesprächen mit Politikern, Ermittlern, Rechtanwälten, Journalisten und Buchautoren und Geheimdienstlern.
    Für Diskussionen stehe ich nicht zur Verfügung.

    • QUOTE
    • 10. Oktober 2007 9:36 Uhr

    "Robert, mach mal schnell 1 1/2 Spalten über Barschel, Grundton: Opfer der Medien; jemand hat eine doppelseitige Anzeige geschaltet und verlangt das als Gegenleistung..."

    Anders kann man sich sowas nicht erklären...für einen Besinnungsaufsatz der 10. Klasse wäre der Beitrag von Hr. Leicht in Ordnung. Aber daß bei der ZEIT die Ansprüche derart gesunken sind, daß dergleichen veröffentlicht wird...sagen Sie mal, Herr Leicht, ist das nicht irgendwie peinlich, daß die Kommentare, die ihren "Beitrag" so herrlich inhaltlich zerpflücken nicht nur sorgfältiger belegt, sondern überwiegend sogar stilistisch besser geschrieben sind?

  5. [entfernt wegen Doppelposting/ Redaktion]

  6. Entscheidend ist die Verschleierung des wahren Todeszeitpunkts immer dann, wenn, im Plan das Alibi der möglicherweise Tatverdächtigen maximal gesichert werden soll. Das für Normalbürger Undenkbare ist in übergeordneten Angelegenheiten die Regel, also trifft der Merksatz zu, dass das am Wenigsten erwartete dann auch das Wahrscheinlichste ist.
    Der Todeszeitraum bis zum Entdeckungszeitraum ist hier vorkalkulierbarer Faktor. Diese Tat bedingt mehrere Täter, die kaum im Team sondern im stillen Wechsel agiert haben müssen. Daraus ergibt sich ein errechenbarer Aktionsradius, der jedem das Alibi sichert. Weite Distanzen bedingen Lufttaxis.
    Wer von den Nutznießern der Tat hat ein offenkundiges und ggf. öffentliches Alibi präsentiert, wodurch diese als Tätergruppe von vornherein nie in Betracht gezogen worden war?
    Welche Entfernungen der infrage Kommenden wären wie und am günstigsten für alle in Zeitraum und Aktionsradius mit welchen Mitteln und erreichbaren Personen zu bewältigen?
    Welche Alibis sind kurzfristig im Rahmen der Ereignisse in Szene gesetzt worden? Es gehört nicht viel dazu, diese kleine logistische Aufgabe zu lösen. Das bringt zumindest im Ausschlussverfahren Klarheit.
    Stichworte: Lufttaxi - Kieler Kunsthalle - Kieler Operateure - Meimersdorf - Portugal und Bremen.

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