SPD Abkehr vom Alten
Was treibt Kurt Beck im Streit um die Agenda 2010? Für ein gutes Ergebnis beim SPD-Parteitag Ende des Monats riskiert er den Bruch mit Vizekanzler Müntefering.
Die Furchen in Franz Münteferings Wangen waren noch eine Idee tiefer und schärfer an diesem Montag. Der Arbeitsminister und Vizekanzler stand vor einem Meer von Mikrofonen und sagte Schlichtes. Und neuerdings Ungeheuerliches. »Die Agenda 2010 muss strikt eingehalten werden.« Er bebte. Seine Haltung, sein Gesicht, seine harte Stimme dementieren die Parteiführung, die mit ihren Beschwichtigungsversuchen sich selbst und die Öffentlichkeit glauben machen will, es sei nichts oder wenigstens nichts Relevantes passiert. Tatsächlich wurde Franz Müntefering vor unseren Augen vom Parteisoldaten zum Widerständler.
Ist ihm klar, dass die Forderung seines Parteivorsitzenden Kurt Beck, von ebendieser Agenda 2010 in Kernpunkten abzurücken, ihn als dafür zuständigen Minister in eine – vorsichtig ausgedrückt – schwierige Lage bringen wird? Vor allem aber: Weiß Kurt Beck, was er tut, wenn er sagt, das Arbeitslosengeld wird wieder länger bezahlt, Vermögen wird auf HartzIV nicht mehr so streng angerechnet und die Rente mit 67 noch mal überdacht? Ist Beck bewusst, dass er sich damit gegen seine stärksten Leute stellt, die Minister Müntefering, Steinmeier und Steinbrück? Dass er sich demontiert? Und hat er sich gefragt, wie die Minister nach seinem Alleingang sich in Zukunft am Kabinettstisch fühlen werden?
Kurt Beck, ein Parteivorsitzender aus den Weiten der deutschen Provinz, will Politik machen für die Menschen, die er täglich trifft. Bei ihm beschweren sich diejenigen, die unter HartzIV leiden, nicht diejenigen, denen der Druck geholfen hat, schnell wieder Arbeit zu finden. Beck will die Klagenden zufriedenstellen. Das ist verständlich und vielleicht sogar sympathisch. Aber nicht strategisch. Wer wissen will, wohin das politisch führen soll, welche Partei darin aufscheint, muss schauen, wer hinter dem breiten Rücken von Kurt Beck steht: Andrea Nahles. Die Frau, die demnächst zur Stellvertreterin des Parteivorsitzenden gewählt wird, die das neue Grundsatzprogramm der SPD in den vergangenen Wochen nachgebessert und dem Papier seinen deutlichen linken Anstrich gegeben hat. Als Kurt Beck vor wenigen Monaten die Minister Steinmeier und Steinbrück als seine Stellvertreter vorschlug, schien es, als wolle er sich von zwei starken Männern flankieren lassen. Da wirkte Andrea Nahles noch wie eine linke Quotenfrau. Heute ist sie es, die die anderen in den Schatten stellt.
Aber ob Beck davon profitiert? Andrea Nahles hätte Beck vor seiner jüngsten Volte auch warnen können. Sie weiß aus eigenem Erleben, wie schnell aus kleinen Schritten große Krisen werden. Grade wenn und weil es hier auch um Franz Müntefering, den Arbeitsminister, geht.
Doch so prallt jetzt zum zweiten Mal der Ehrgeiz der jungen Linken auf den viel älteren Sozialdemokraten und seine lebhafte politische Biografie. Es war vor fast genau zwei Jahren, die SPD war gerade dabei, sich in die schwierige Partnerschaft mit der CDU einzufinden, als Andrea Nahles Franz Müntefering, den Parteichef, stürzte. Aus Versehen. Der Parteivorstand hatte damals Münteferings Personalvorschlag für das Amt des Generalsekretärs abgelehnt und stattdessen Andrea Nahles gewählt. Es war eine Kampfkandidatur. Angeblich wegen des überfälligen Generationenwechsels. Nahles war unterstützt worden, sie erhielt Zuspruch, ihr Ehrgeiz war angestachelt worden von Leuten, die nicht weit genug gedacht hatten. Müntefering trat zurück. Keiner hatte dies angeblich bezweckt oder vorausgesehen. Nahles wusste, sie hatte einen Fehler gemacht. Sie zog sich zurück, der Parteitag wählte im November 2005 den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck zum Nachfolger und Hubertus Heil zum Generalsekretär.
Damals – wie heute – ging es nicht um Generationenwechsel. Es ging um den Richtungsstreit in der SPD. Es ging um die Agenda 2010, deren symbolträchtigstes Element »HartzIV« ist. Und letztlich ging es um das Große und Ganze, um das, was die SPD im 21. Jahrhundert sein kann. Franz Müntefering hat in den vergangenen Jahren an dieser Frage gelitten. Er hat behauptet, gezweifelt und sich selbst widerlegt. Er hat gelernt, dass er als Sozialdemokrat nicht nur auf seine Partei, nicht nur auf die kleinen Leute schauen kann. Dass sein Spielort die Gesellschaft, die Welt ist. Sein Weg zur Agenda 2010 war weiter als der aller anderen in der damaligen Regierung.
Von 1998, dem Wahlsieg mit dem Versprechen, den demografischen Faktor in der Rente, eingeführt von der Regierung Kohl, wieder abzuschaffen, bis zur Rente mit 67, war es ein mühevoller Weg. Er ist ein Sozialdemokrat der ernstesten Sorte. Einer von ganz unten, der nie zum Dandy wurde wie Schröder. Er ist im Gefängnis seines Pflichtbewusstseins und seiner Ernsthaftigkeit eingesperrt geblieben.
Bis so einer aus seiner Haut kann, muss er lange mit sich gekämpft haben. Quälend war für Müntefering die Zeit, als sich nach 1998 während der rot-grünen Regierung kein Erfolg einstellen wollte, als die Arbeitslosigkeit stieg, die Sozialkassen sich leerten und das Haushaltsloch groß und größer wurde. Er spürte den drohenden Machtverlust, sagte sich »Opposition ist Mist« und fand, Sozialdemokraten müssten auch in ökonomisch schwierigen Zeiten regierungstauglich sein.
Damals begann die Häutung von Franz Müntefering. Er machte sich auf ins 21. Jahrhundert. Ins Jahrhundert der Globalisierung. Er lernte, dass SPD-Politik nicht heißen kann, staatliche Gelder zu verteilen. Er begriff, dass Kinder im Kindergarten nicht nur betreut, sondern gebildet werden müssen. Er gestand sich ein, dass dem Sozialhilfeempfänger nicht damit geholfen ist, dass er Geld bekommt, und dass es auch richtig sein kann, Arbeitslose zum Arbeiten zu zwingen. Und er rang sich am Ende dazu durch, den Menschen längeres Arbeiten und ein höheres Rentenalter zuzumuten.
Man kann nur ahnen, wie schwer einem wie Franz Müntefering diese Einsichten gefallen sein müssen. Und vielen anderen Menschen in Deutschland, die mit Müntefering gelernt haben. Es war, wenn man so will, ein öffentliches Lernen. »Fordern und fördern« war eine Formel, die die Sozialdemokratie in die Mitte der Gesellschaft geführt hat. Ohne Münteferings gelebte innere Not hätte Gerhard Schröder die Agenda nicht machen können. Das ist bitterernst. Damit ist nicht zu spaßen.
Hat aber auch Kurt Beck den Ernst der Lage verstanden? Er war weit weg in der Pfalz, als Müntefering die harte Berliner Politik machen musste. Als Sammlung von »Zumutungen« ist die Agenda bei ihm angekommen. Andrea Nahles ist möglicherweise zu jung, um zu verstehen, was es heißt, sich öffentlich ändern zu müssen. Sie hat diese Häutungen noch vor sich. Jedenfalls hat sie in ihrem bisherigen politischen Leben Ähnliches nicht erlebt. Nahles ist eine Gradlinige. Eine, die nicht sichtbar altert. Die 36-jährige designierte Parteivize unterscheidet sich äußerlich kaum von der 25-jährigen Juso-Chefin. Sie trägt Hose und Jackett, sie ist diszipliniert, ehrgeizig, bewahrt Haltung und Positionen. Aber für sie zählt nur eines: die SPD. Es ist dieser Blick nach innen, ein Blick, den sie mit Kurt Beck teilt, der Andrea Nahles so deutlich von einem wie Müntefering unterscheidet.
Andrea Nahles hat schon Verrat an der Sozialdemokratie gewittert, als Schröder noch gar nicht an die Agenda dachte. 1997 nannte sie den späteren Kanzler die »Abrissbirne an der SPD-Programmatik«. Damals ging sie noch bei Oskar Lafontaine in die Lehre. Ihr Aufstieg als wichtige Stimme der sozialdemokratischen Linken wurde durch Lafontaines Flucht aus der Partei beschleunigt. Rückschläge in ihrer Karriere hat sie mit kraftvollerer Rückkehr beantwortet.
Andrea Nahles hat alles, womit man in der alten SPD nach oben kommt. Es fehlt ihr nur die Mehrheit. Bislang und noch immer gilt sie als die linke Flügelfrau. »Was mehrheitsfähig ist in der Partei, bestimmst nicht du«, wurde ihr kürzlich in einer Gremiensitzung entgegengehalten, als darüber gesprochen wurde, ob man auf die Agenda 2010 stolz sein solle oder nicht. Nahles ist darauf natürlich nicht stolz. Und sie ist sicher, dass sie in dieser Frage die Parteimehrheit hat. »Ich hoffe, ich muss den Beweis nicht antreten«, sagte sie später in kleiner Runde. Was eine Drohung war.
Jetzt wird der Beweis angetreten. Aber nicht Andrea Nahles stellt die Machtfrage. Kurt Beck tut es. In ihrem Sinne. Beck will die Partei nicht überzeugen. Beck gibt der Partei nach. Eineinhalb Jahre steht er jetzt an der Spitze der SPD. Und seit eineinhalb Jahren wartet die Partei auf Führung. Beck ist schwach und wandelt dies jetzt um in eine Stärke. Für ein gutes persönliches Wahlergebnis auf dem Parteitag Ende Oktober und für eine vermeintlich gute Ausgangslage für den nächsten Wahlkampf zahlt er einen hohen Preis. Der Preis ist nicht mehr und nicht weniger als die Revision des Geistes Schröderscher Politik. Kurt Beck riskiert dafür die Regierungsfähigkeit und isoliert die Minister. Allen voran Franz Müntefering.
Und Andrea Nahles? Sie ist einen großen Schritt vorangekommen. Sie hat Zeit.
- Datum 04.10.2007 - 02:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 04.10.2007 Nr. 41
- Kommentare 18
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Liebe Frau Fehrle, gab es von Ihnen auch einen solchen Artikel, als die CDU unter Ihrer Vorsitzendenen und Bundeskanzlerin Merkel auf dem Parteitag beschlossen hat, die Verlängerung der Laufzeit für Ältere durchzusetzen?
Die Union, die die Hartz-Gesetze unter Rot/Grün im Vermittlungsausschuß verschlimmbessert hat, darf ungestraft Maßnahmen revidieren. (mit dieser Maßnahme stiegen zum erstenmal die Umfragewerte der Union).
Warum sollte Beck weiterhin seine SPD opfern? Grund zum Nachdenken hätte vor allem Müntefering!
"... dass es auch richtig sein kann, Arbeitslose zum Arbeiten zu zwingen"
Solche Sätze können nur einer überbezahlten Journalistin einfallen, die auch Sätze gebiert wie: "... Er machte sich auf ins 21. Jahrhundert. Ins Jahrhundert der Globalisierung. ..."
Der kleine Franz und die große Welt. Endlich hat er sie verstanden. Schau an.
Allnählich verdichtet sich der Eindruck, daß "Die Zeit" zum Kampfblatt der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft geworden ist.
Wieviele Abendessen am Lobbyisten-Stammtisch braucht es Frau Fehrle, damit ein solcher Schmonzes aus der Feder fließt?
Es ist wirklich traurig, aber Gerhard Schröder und Joschka Fischer waren wohl nur Episoden ihrer Parteien. Jetzt befindet man sich auf dem Weg zu seinen jeweiligen Wurzeln. Nur dort, links außen, da sitzt schon einer: ja, der Oskar und der Gregor winken ihnen zu und drücken auf's Gaspedal und ziehen ohne große Mühe an den Traditionalisten der SPD vorbei.
Ging es nicht darum auch ältere Arbeitnehmer zu motivieren nicht von der Arbeitslosigkeit über die Sozialhilfe in die Rente zu rutschen? Auch sind die 12 Monate ALG1 nicht wirklich neu in der BRD, das gab es in 60ern auch schon mal. Gerade ist es auch gelungen 200.000 ältere Arbeitnehmer zu vermitteln, die sozialversicherungspflichtigen Jobs wachsen wieder. Diese eine Milliarde Euro sollte lieber in die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen gesteckt werden oder andere berufsqualifizierende Maßnahmen sollten damit finanziert werden. Die abhandenen Wähler werden sich damit wohl nicht locken lassen.
Man darf gespannt sein, mit welcher politischen Konstellation der SPD-Vorsitzende sein "Roll Beck" zurück in die Siebzigerjahre zu tun gedenkt. Solange Merkel Kanzlerin bleibt, wird daraus wohl nix.
Dass es 2009 für eine kleine Koalition aus SPD und Grüne reichen wird, daran glaubt doch niemand im Ernst, dafür ist die SPD zu schwach.
Und eine Koalition mit der FDP kann sich Beck abschminken. Wer jetzt noch von einer Ampelkoalition redet, der ist reif für die Klapsmühle!
Heute geht es aber rund, gleich zwei relativ heftige Artikel im gleichen Ressort auf ZEITOnline: Der eine von Frau Hildebrandt, der andere nun von Frau Fehrle.
Ich möchte nun etwas tun, was ich sonst zu lassen pflege: Mich mal ungeniert abseits des Thematischen äußern.
Beim ersten Artikel kritisierte ich ja noch den alarmistischen Tenor Hildebrandts, beim aktuellen kann ich irgendwann nur noch lachen. Mein Vorposter korfstroem zitierte bereits zwei Mal.
Was für eine Idealisierung Münteferings und Verteufelung Nahles'.
Selbst wenn es richtig ist, dass nun an der Agenda 2010 gerüttelt wird, so muss ich einen Teil meines anderen Kommentars wiederholen: Zwar kann 2009 die Opposition folgen, aber das wird die SPD nicht umbringen. Die fast schon panische Angst wird von einigen Genossen im Müntefering'schen Duktus überspielt mit "Opposition ist Mist!". Was haben Union und FDP gesagt, als sie zu zeiten Rot/Grüner Regierung in der Opposition waren?
Dass es gute Oppositionsarbeit und -ergebnisse geben kann, sieht man meiner Meinung nach aktuell gut bei der FDP..
Irgendwann beim Lesen des Artikels fragte ich mich, ob die Autoren heute schonmal - vielleicht beim Schreiben - in den Spiegel geschaut habe und sie vielleicht auch in Lachen ausbrach. Tut mir leid, aber das ist teils Feuilleton-Qualität - was nicht schlecht sein muss. Trotzdem wirken beide Artikel heute befremdlich auf mich.
@winterhart:
Und eine Koalition mit der FDP kann sich Beck abschminken. Wer jetzt noch von einer Ampelkoalition redet, der ist reif für die Klapsmühle!
Achja... Und wie war gleich nochmal die FDP-Position zu dem Thema?
Und warum meinen Sie, dass die Union mit der FDP wird eine Zweierkoalition formen können? Ich persönlich gehe nicht von Jamaika aus, woraus sich wieder eine Große Koalition ergäbe. Oder eben die Ampel.
Und Westerwelle braucht die Regierungsbeteiligung, sonst ist er weg vom Fenster - so plakativ muss ich das ausdrücken.
Abschließend noch ein paar Zitate, die einfach nicht unkommentiert bleiben können:
Und hat er sich gefragt, wie die Minister nach seinem Alleingang sich in Zukunft am Kabinettstisch fühlen werden?
Doch so prallt jetzt zum zweiten Mal der Ehrgeiz der jungen Linken auf den viel älteren Sozialdemokraten und seine lebhafte politische Biografie.
Franz Müntefering hat in den vergangenen Jahren an dieser Frage gelitten. Er hat behauptet, gezweifelt und sich selbst widerlegt. Er hat gelernt, dass er als Sozialdemokrat nicht nur auf seine Partei, nicht nur auf die kleinen Leute schauen kann. Dass sein Spielort die Gesellschaft, die Welt ist. Sein Weg zur Agenda 2010 war weiter als der aller anderen in der damaligen Regierung.
Er ist im Gefängnis seines Pflichtbewusstseins und seiner Ernsthaftigkeit eingesperrt geblieben.
Bis so einer aus seiner Haut kann, muss er lange mit sich gekämpft haben.
...
Ich könnte fortfahren. Selten so gelacht, Sorry, aber so ist es.
Es sei nur nochmal an eine Aussage des hochgelobten Müntefering bei einer PK mit Merkel erinnert, in der er sinngemäß zu Protokoll gab, dass es nicht sein könne, dass man nach der Wahl an dem gemessen werde, was man vor oder im Wahlkampf erzählt hätte.
Ich könnte nun sein Demokratieverständnis analysieren, ich lasse das aber auch mal ob des oben bereits genannten Zitats "Opposition ist Mist!" sein.
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Diemo Schaller: "Achja... Und wie war gleich nochmal die FDP-Position zum Thema? Und warum meinen Sie, dass die Union mit der FDP eine Zweierkoalition wird bilden können?"
Mein Blick in die (äh) Kristallkugel sagt mir, dass es 2009 entweder eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb geben wird (einige Umfragen deuten ja darauf hin - siehe: www.wahlrecht.de) oder aber, dass es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen wird.
So oder so kann sich Merkel freuen: Denn nach dem Linksruck von SPD und Grünen sind Merkels Chancen eher gestiegen, dass sie auch über 2009 hinaus Kanzlerin bleibt.
Diemo Schaller: "Achja... Und wie war gleich nochmal die FDP-Position zum Thema? Und warum meinen Sie, dass die Union mit der FDP eine Zweierkoalition wird bilden können?"
Mein Blick in die (äh) Kristallkugel sagt mir, dass es 2009 entweder eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb geben wird (einige Umfragen deuten ja darauf hin - siehe: www.wahlrecht.de) oder aber, dass es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen wird.
So oder so kann sich Merkel freuen: Denn nach dem Linksruck von SPD und Grünen sind Merkels Chancen eher gestiegen, dass sie auch über 2009 hinaus Kanzlerin bleibt.
Diemo Schaller: "Achja... Und wie war gleich nochmal die FDP-Position zum Thema? Und warum meinen Sie, dass die Union mit der FDP eine Zweierkoalition wird bilden können?"
Mein Blick in die (äh) Kristallkugel sagt mir, dass es 2009 entweder eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb geben wird (einige Umfragen deuten ja darauf hin - siehe: www.wahlrecht.de) oder aber, dass es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen wird.
So oder so kann sich Merkel freuen: Denn nach dem Linksruck von SPD und Grünen sind Merkels Chancen eher gestiegen, dass sie auch über 2009 hinaus Kanzlerin bleibt.
Der SPD stehen 2 echte Alternativen und diverse Schleichpfade offen. Während sich Steinbrück, Münte, Platzeck und Co. für Pragmatismus, Verantwortung, Realismus und Regierungsfähigkeit entschieden haben, stehen Nahles und Co. für realitätsfernen Linkspopulismus und Opposition. Der "Partei-Chef" steht vor allem für die Schleichpfade, die sich je nach Wetterlage ändern. Die Umfragewerte der SPD fallen nach wie vor, eine Trendwende ist bei dieser Konstellation nicht zu erwarten. Alles läuft auf Merkel zu. Für D kann das nur gut sein.
wie hier mal wieder die so unglaublich vernünftigen Schröderianer hochgejubelt werden. Es sei durchaus zugestanden, dass man daran zweifeln kann, ob die Verlängerung des ALG I ein Schritt in eine 'bessere Gesellschaft' ist. Woran man aber nicht Zweifeln kann, ist, dass Schröders Bande schon den Gedanken an die Möglichkeit einer solchen offensichtlich für eine Zumutung hält und damit die SPD ihrer Seele (um es melodramatisch, aber treffend zu formulieren) beraubt hat.
Statt sich zu überlegen, ob es nicht Möglichkeiten gäbe, eine Mehrheit für einen modernisierten und sogar vertieften Sozialstaat gegen den von unserer neuen globalen Klasse geführten Klassenkampf von oben zu mobilisieren, ist man den Weg des geringsten Widerstands gegangen - Einsparungen bei den Schwächsten zugunsten der Profite der außer Rand und Rand geratenen ökonomischen Elite. Diese freut sich über eine noch bessere Wettbewerbsfähigkeit - man war ja schon vorher Exportweltmeister - und dementsprechend verbesserte Renditen, während ein Teil der - mittlerweile wohl ehemaligen - Stammwählerschaft der SPD die 'unvermeidbaren Opfer' bringen darf. Und das allerbeste: Die nächste Runde ist schon absehbar. Spätestens wenn die durch das deutsche Lohndumping unter Druck geratene 'Konkurrenz' nachgezogen hat, kann man sich auf die nächste Runde des selbstverständlich nur unter schwersten Gewissensbissen zu tragenden, aber nun mal leider unvermeidbaren Sozialabbaus freuen. Da kann man der SPD nur wünschen, dass sie dann nicht das Pech hat, an der Regierung zu sein.
Aber andererseits hat vielleicht mancher Gefallen an der als Verantwortungspolitiker dargestellten Rolle des Erfüllungsgehilfen gefunden...
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