Prostatakrebs: Ventil im Hodensack
Der Mediziner Walter Raaflaub erkrankte an Prostatakrebs und schrieb ein Buch darüber
DIE ZEIT: Herr Raaflaub, Ihr Tagebuch ist ein Krebsbuch, aber Impotenz und Inkontinenz spielen lange die Hauptrolle.
Walter Raaflaub: Das habe ich bewusst so gemacht. Die Inkontinenz verschwindet gegen Ende des Buchs, weil ich mich endlich überwinden konnte, einen künstlichen Blasenschließmuskel implantieren zu lassen.
ZEIT: Was ist das Schlimmste: Der Krebs selbst oder die Folgen Impotenz und Inkontinenz?
Raaflaub: Krebs. Auch wenn ich unter der Inkontinenz enorm gelitten habe und die Impotenz vorübergehend viel bedeutet hat. Als Arzt weiß ich, dass der Krebs nach sechs Jahren zurückkommen kann.
ZEIT: Inkontinenz ist erniedrigend.
Raaflaub: Grässlich erniedrigend.
ZEIT: Warum ließen sie sich nicht früher einen künstlichen Blasenschließmuskel einsetzen?
Raaflaub: Aus Angst vor diesem Fremdkörper mit einem Ventil im Hodensack, einem Reservoir im Unterbauch und einer Manschette um den Penisschaft. Gerade als Fachmann hatte ich Respekt und daher erst die Erniedrigung hingenommen.
ZEIT: Der Leidensdruck musste sehr groß werden.
Raaflaub: Ja. Klar, man lernt den Umgang mit Windeln. Aber am Anfang fehlt das Gefühl, man denkt, die Windel sei noch nicht voll, reiche noch für das nächste Geschäft, und plötzlich läuft einem »der Seich« das Bein hinunter. Und dann kommt die Verbindung: Wie will man Sex haben, wenn man noch eine Windel hat? Trotz all dieser Umstände brauchte ich Überwindung für den Eingriff.
ZEIT: Sie beschreiben sich als »jämmerliche Witzfigur«, als »Schlappschwanz«, obwohl Sie »nur« impotent sind und sonst ein vollwertiger Mensch. Sind Männer, wie es Ihre Frau sagt, einfach nur Böcke?
Raaflaub: Das war mir vorher nicht klar. Es wird einem vielleicht erst bewusst, wenn einem die Potenz genommen wird. Ich möchte aber betonen, dass ich mich nie im Leben als »schwanzgesteuert« empfand, so lange alles funktioniert hat. Ich hätte nie mit zwei Frauen gleichzeitig etwas haben können.
ZEIT: Ihre Frau hat vor allem Zärtlichkeit vermisst.
Raaflaub: Sehr stark, ja.
ZEIT: Ist sie bei Männern so stark an Sex gebunden?
Raaflaub: Auch diese Erfahrung musste ich machen. Ich habe mich zurückgezogen aus Angst, meiner Frau falsche Hoffnungen zu machen, dass es nach der Zärtlichkeit zum Geschlechtsverkehr käme. Die Enttäuschung wollte ich ihr ersparen.
ZEIT: Das war aber nur eine Projektion von Ihnen.
Raaflaub: Ja, verrückt. Das hat zu gegenseitigem Schweigen und Distanz geführt. Bis ich mich traute, das anzusprechen, und sie mir sagte, es sei gar nicht so.
ZEIT: Warum ist das mit der Zärtlichkeit so schwer?
Raaflaub: Eine Berührung hat manchmal eine leichte Erektion zur Folge und diese Erektion macht alles leichter, öffnet Tür und Tor für mehr Zärtlichkeit. Wenn da gar nichts kommt, keine Regung, dann wirkt auch die Zärtlichkeit gespielt. Das ist eine verfluchte Sache.
ZEIT: Impotenz und Depressionen sind eng verknüpft. Waren Sie auch depressiv?
Raaflaub: Ja. Rund 40 Prozent der Impotenten werden depressiv und 40 Prozent der Depressiven impotent.
ZEIT: Hatten Sie auch Selbstmordgedanken?
Raaflaub: Ja, kurz. Einmal sagte ich auf der Terrasse zu meiner Frau: Das hat doch keinen Sinn mehr, such dir einen anderen Mann.
Interview: Nik Walter
Walter Raaflaub: »Tote Hose – Worüber Männer schweigen. Ein Tagebuch«, Verlag Wörterseh, 21,50 €






Nach eigenen Erfahrungen kann man nach einem erfüllten Sexualleben auch ab 60 Jahre sehr wohl ohne Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen leben, wenn einen gesunddheitsbedingt das Ausbleiben der Libido trifft.
Das Leben zu zweit kann auch ohne Sex sehr schöne Seiten haben.
Inkontinenz stelle ich mir jedenfalls viel schlimmer vor.
Bin noch nicht in einem Alter in dem man auf Sex verzichtet
aber ich denke das Sex die meistueberschaetzte Sache der Welt ist. Nicht falsch verstehen Sex kann die natuerlichste und genussvollste Sache des Lebens sein aber in meiner Beziehung rangiert Sex hinter Treue, Loyalitaet und Gemeinschaft...
Hannes
Bin noch nicht in einem Alter in dem man auf Sex verzichtet
aber ich denke das Sex die meistueberschaetzte Sache der Welt ist. Nicht falsch verstehen Sex kann die natuerlichste und genussvollste Sache des Lebens sein aber in meiner Beziehung rangiert Sex hinter Treue, Loyalitaet und Gemeinschaft...
Hannes
Bin noch nicht in einem Alter in dem man auf Sex verzichtet
aber ich denke das Sex die meistueberschaetzte Sache der Welt ist. Nicht falsch verstehen Sex kann die natuerlichste und genussvollste Sache des Lebens sein aber in meiner Beziehung rangiert Sex hinter Treue, Loyalitaet und Gemeinschaft...
Hannes
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