MACHER & MÄRKTE Karmann: Ausgebremst
Früher war es einfach. Wenn der Osnabrücker Auftragsfertiger Karmann in Not geriet, zögerte der VW-Vorstand in Wolfsburg nicht lange.
Irgendein Konzernmodell fand sich, das man beim langjährigen niedersächsischen Partner (Käfer-Cabrio, Golf-Cabrio, Audi-Cabrio) bauen lassen konnte. Man wusste schließlich, was dem VW-Großaktionär Niedersachsen gefiel.
Heute ist alles anders. Der Kleinserienspezialist Karmann ist in arger Not. Die Fertigungsverträge für das Audi A4 Cabrio, den Mercedes CLK und den Chrysler Crossfire laufen aus. Mögliche Nachfolgemodelle werden wieder in den eigenen Werken der großen Autobauer montiert.
Selbst Karmann-Chef Peter Harbig findet es nachvollziehbar, dass die Konzerne zuerst an die Auslastung ihrer eigenen Fabriken denken. So musste Harbig jetzt den Abbau von 1770 Arbeitsplätzen in Osnabrück und Rheine bis Herbst 2008 ankündigen. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff appellierte zwar an die deutschen Autohersteller, eine »ingenieurtechnische Perle wie Karmann« nicht in die Hände der ausländischen Konkurrenz zu treiben, musste aber eingestehen, dass er »operativ« nicht bei Volkswagen eingreifen könne.
Schließlich haben die Wolfsburger erst vor kurzem die Golf-Produktion aus Brüssel zulasten einiger Hundert Jobs im belgischen VW-Werk ins Wolfsburger Stammwerk geholt, um es auszulasten. Zudem achtet der mittlerweile größte VW-Aktionär, die Porsche AG aus Stuttgart, penibel darauf, dass der Rentabilitätskurs im VW-Konzern nicht gefährdet wird.
Und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kann darauf verweisen, dass man mit dem Fertigungsauftrag für das viersitzige Coupé Panamera an das Hannoveraner VW-Werk rund 500 Jobs in Niedersachsen gesichert habe.
Letztlich sind die Karmann-Werker ein Opfer des Fortschritts im Automobilbau. Flexible Fertigungsstraßen machen es möglich, auch Kleinserien in großen Konzernwerken rentabel zu montieren. Zudem führen Produktivitätssprünge von bis zu 20 Prozent bei der Einführung neuer Modelle dazu, dass dort immer mehr Autos gebaut werden müssen, um die Belegschaft zu halten. Wenig tröstlich für Karmann ist es, dass es Konkurrenten wie Magna (Österreich), Pininfarina (Italien) oder Valmet (Finnland) kaum besser ergeht: Für auslaufende Fertigungsaufträge ist auch dort kein Ersatz in Sicht.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.41 vom 04.10.2007, S.38
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