Biografie Walsers Wunde
In seinen Tagebüchern aus den Jahren 1963 bis 1972 erlebt man einen verletzlichen Martin Walser, den man bisher noch nicht kannte.
Wir kennen ihn. Auch wenn er nicht in Grande Tenue auftritt mit Schlapphut und großem Schal, wenn er einfach nur dasitzt, die waldigen Brauen hochgezogen und mit einem schwer deutbaren Lächeln die Reaktion seines Gegenübers erwartend: Wir kennen ihn, so ist er. Unberechenbar und aus seiner Unberechenbarkeit heraus immer wieder für Überraschungen gut.
Und davon hat er ja schon eine ganze Menge geliefert, man muss die jetzt nicht noch einmal aufzählen, und wir haben uns nicht über alle gefreut. Aber das gehört dazu, zu einem solchen wie ihm, er ist ja unser letzter wirklicher Aufreger: Wir kennen ihn.
Außerdem ist er, auch das muss man sagen, gewissermaßen der eine von zweien, das heißt, er ist es nicht an sich, aber er ist es nun einmal geworden. Wobei der andere schon immer sein Erfahrenes ins homerisch Gültige zu transponieren trachtete, was ihm denn auch passend den Nobel-Preis eingebracht hat, sein Weg ging von der Vorstadt ins Olympische. Walser hingegen, Kleinstadtgeborener und als solcher großstadtsüchtig, hat zeitlebens aus einer klug munitionierten Provinz heraus agiert und wurde so ein Heinrich-Mannhafter mit Lion-Feuchtwanger-Erfolgen.
Immer präsente Zeitgenossen waren und sind beide, beide auch, wie es sich gehört, unzufrieden mit der Welt, wie sie ist, wobei der andere den Blick auf das Machbare nie aufgeben wollte, wogegen Walser es noch lange nicht für ausgemacht hielt, was denn wohl das Machbare so sei und wie denn überhaupt das Denken mit dem Tun zusammenhängt – anders gesagt, er war immer der theoretischere Kopf, der witzigere oder jedenfalls gewitztere wohl auch.
So hat er viele über Jahrzehnte hin vor- und vorandenkend begleitet, er hat sich nie verborgen, war zu Zeiten auch sehr wohl berechenbar, man kennt und kannte seinen Martin Walser, was denn.
Nun also die Tagebücher, der zweite Band bereits, 1963 bis 1972, wer sich erinnern kann, und seis auch nur als Walser-Leser von damals, wird sich nicht ohne Eigenspannung ans Lesen machen.Der Autor hat dem Buch ein Nachwort mitgegeben, das eigentlich ein Vorwort ist und daher auch zuvor wahrgenommen werden sollte. Denn es möchte uns nicht nur sagen, wie dieses Buch geschrieben ist, sondern vor allem, wie es gelesen werden will. Mit diesen acht Seiten erweist sich Walser – ungeachtet seines Alters, wenn man das sagen darf – von einer intellektuellen Präsenz, die bewundernswert ist.
- Datum 10.10.2007 - 14:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.10.2007 Nr. 41
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Entschuldigung - aber in was für einem völlig verschwurbelten Deutsch ist denn dieser Text "gehalten"
Lektor, bitte!
großartig:
Immer präsente Zeitgenossen waren und sind beide, beide auch, wie es sich gehört, unzufrieden mit der Welt, wie sie ist, wobei der andere den Blick auf das Machbare nie aufgeben wollte, wogegen Walser es noch lange nicht für ausgemacht hielt, was denn wohl das Machbare so sei und wie denn überhaupt das Denken mit dem Tun zusammenhängt – anders gesagt, er war immer der theoretischere Kopf, der witzigere oder jedenfalls gewitztere wohl auch.
mein deutschlehrer hat früher immer gesagt: ein gedanke pro satz, ein thema pro absatz. und das subjekt immer schön nach vorne, macht die sätze einfacher verständlich. und häufiger einfach mal einen punkt machen. oder ein fragezeichen.
in anbetracht der tatsache, dass ich die artikel über martin walser, die offenbar in jeder 2. ausgabe der "zeit" bzw. dem "leben-magazin" auftauchen, nur am rande wahrnehme -kann mir jemand auf die sprünge helfen, was denn genau die relevanz dieses autors ausmacht?
anders gesagt (und man kann alles irgendwie anders sagen, das schiebe ich nur einmal als beweis meiner überlegenen intellektuellen, ähem wie sagt man, agilität ein): ich bin 26, hält das lesen von walsers werken für mich irgendeinen tieferen sinn parat?
oder hält nur ein zitierkartell aus feuilletonisten die werke dieses autors für relevant, und andere müssen dann darunter leiden?
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