IndienÜberlastet

Indien wächst und wächst. Doch der Ausbau der Infrastruktur hinkt dem Bedarf hinterher und bedroht das weitere Wachstum. von 

»To be bangalored« hat sich bereits als Begriff im Englischen eingebürgert – und je nach Benutzer hat er unterschiedliche Bedeutung. Für einige ist er Synonym dafür, seinen Job an ein Unternehmen in Billiglohnländer zu verlieren, für die Einwohner der indischen Stadt Bangalore selbst ist er Ausdruck eines Zustandes, in dem vor lauter Staus und Smog nichts mehr geht. So lukrativ das Geschäft mit dem Auslagern von Buchhaltung oder IT ist, in Bangalore und anderen Städten Indiens führt der anhaltende Wirtschaftsboom Straßen wie auch Strom- und Wasserversorgung an ihre Grenzen. »Indiens Infrastruktur ist ernsthaft überlastet«, heißt es denn auch im ersten Länderbericht über das Land, den die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, am Dienstag dieser Woche vorlegte. Die hohe Wachstumsrate »ist in Gefahr, wenn die Entwicklung der Infrastruktur nicht schneller vorangeht und mit der Nachfrage Schritt halten kann«, so die Experten der Industrieländerorganisation (die Indien nicht zu ihren Mitgliedern zählt).

Erreichbar, so der Report, sei das Ziel der indischen Regierung, 2011 eine Wachstumsrate von zehn Prozent zu erzielen, wenn Indien die Probleme in der Infrastruktur behebe, Privatisierungen weiter vorantreibe, die öffentlichen Finanzen konsolidiere und den Arbeitsmarkt reformiere. »Regulär Beschäftigte machen nur 15 Prozent aller Beschäftigten aus«, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung des Berichts in Neu-Delhi. Neue Jobs entstünden meist im informellen Sektor, so Gurría, diese seien aber oft unproduktiv und schlecht bezahlt. Um dies zu ändern und mehr Jobs im formellen Sektor entstehen zu lassen, müsse Indien die Regulierung des Arbeitsmarktes lockern. Diese sei derzeit noch rigider als in vielen Staaten der OECD.

Erst Ende vergangener Woche hatte ein Report der Weltbank über die Innovationskraft Indiens darauf hingewiesen, dass der weiteren Verbreitung bereits vorhandenen Wissens gerade auch im informellen Sektor entscheidende Bedeutung zukomme, wolle Indien die Produktivität seiner Arbeitnehmer erhöhen. »Mehr als 300 multinationale Unternehmen haben in Indien Forschungs- und Technologiezentren aufgebaut«, sagte die zuständige Weltbank-Direktorin Isabel Guerrero, die breitere Streuung existierenden Wissens sei aber genauso wichtig, »wenn nicht gar wichtiger« für Innovationskraft und Wirtschaftswachstum. (STO)

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