Mister DeLillo, wir würden gerne ein Werkstattgespräch mit Ihnen führen, darüber, wie Sie arbeiten, wie Sie denken und wie es zu Ihrem Roman Falling Man kam.

Normalerweise vergesse ich einen Roman sofort, wenn ich ihn geschrieben habe. Diesmal ist es anders. Ich habe über ein Jahr gebraucht, bis ich mich einigermaßen davon frei fühlte. So ganz hat es bis heute nicht geklappt.

Dabei haben Sie sich in Ihren Büchern schon oft mit politischen Verschwörungen und Attentaten beschäftigt.

Ja, aber dieser 11. September ist anders. Er ist so nahe an mir dran, an allen New Yorkern, immer noch. Vor kurzem brannte das Gebäude der Deutschen Bank in Manhattan, ein vergleichsweise harmloser Brand. Aber als ich die Bilder sah, schlug mein Herz sofort lauter.

Haben Sie nach dem 11. September jemals gedacht: Diese Geschichte hätte ich mir ausdenken können?

Nein, nein! Aber ein Freund rief mich drei Tage nach den Anschlägen an und sagte mit zitternder Stimme, er halte gerade ein Exemplar meines Romans Unterwelt in der Hand. Es zeigt das World Trade Center im Nebel. Ich hatte an das Motiv auf dem Buchumschlag gar nicht gedacht. Eigentlich wollte ich nie einen Roman über den 11. September schreiben. Ich hatte eine Idee für ein anderes Buch, an dem ich schon ein halbes Jahr gearbeitet hatte, bis plötzlich ein Bild in meinem Kopf auftauchte: ein Mann, der nach dem Angriff durch die Straßen von Manhattan geht, eingehüllt von Wolken aus Staub und Asche. Später habe ich herausgefunden, dass es dieses Foto wirklich gibt, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Das Bild war einfach da, in meinem Kopf. Mit diesem Motiv ging es los, mehr hatte ich nicht.

Sie hatten kein Foto vorliegen, sondern…