Psychologie Fliegende Untertassen

Jähzorn sei eine egozentrische Sucht, sagt der Psychologe und Psychotherapeut Theodor Itten in seinem neuen Buch. Ein Interview

Herr Itten, kann man sagen, wer ausrastet, will im Mittelpunkt stehen?

Es gibt tatsächlich einige Menschen, denen diese momentane Macht über andere eine kurzfristige Lust verschafft, sodass sie gar nicht bereit sind, sich wegen ihres Jähzorns therapieren zu lassen. Bei Naomi Campbell dürfte das der Fall sein.

Was unterscheidet Wut von Jähzorn?

Jähzorn hat etwas mit dem Tier in uns zu tun. Er ist zerstörerisch und unkontrollierbar, wie ein Vulkanausbruch. Wut ist dagegen ein kulturelles Element der zwischenmenschlichen Kommunikation, das man kontrollieren und gezielt einsetzen kann.

Ihre Umfragen in der deutschen Schweiz haben ergeben, dass 68 Prozent der befragten »Täter« meist in der Familie jähzornig werden. Warum?

In der Familie unterliegt man nicht so sehr der sozialen Kontrolle, sondern kann seine dunkle Seite ausleben. Gerade Männer sind im sozialen Umfeld kontrolliert, spielen zu Hause aber oft den Tyrannen.

Sie haben herausgefunden, dass 64 Prozent der »Opfer« unter einem jähzornigen Vater, aber nur 16 Prozent unter einer jähzornigen Mutter leiden. Männer rasten also öfter aus?

In der Familie schon. Generell ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht so groß. Frauen rasten seltener zu Hause aus, aber schon mal im Büro. Sie können ihren Zorn besser zeigen.

Leben Männer und Frauen ihren Zorn unterschiedlich aus?

Männer schreien häufiger oder werden gewalttätig, aber selten beides auf einmal. Frauen hingegen tun oft mehrere Dinge gleichzeitig, sie schreien nicht nur, sondern werfen dabei auch Teller.

Interview: Claudia Wüstenhagen

 
Leser-Kommentare
  1. Häusliche Gewalt ist WEIBLICH. Das belegen neueste Studien (googeln). Wird nicht gern gehört in Kreisen des feministischen Establishments.
    Der - ganz aktuell - in Cannes hoch gelobte deutsche Film "Gegenüber" thematisiert genau dieses Tabu.
    Auffällig ist jedoch, dass die meisten Kritiken das Opfer weiterhin gern in der Frau sehen. Mit aberwitziger Beweisführung wird hier selbst noch ein geschlagener Mann als der wahrhaft Schuldige "ermittelt". Was erwarten die Damen Kritikerinnen? Das der Protagonist zurückschlägt, damit das Feindbild stimmt und um so die Existenz der Frauenhäuser und ihrer Betreiberinnen zu legitimieren? Kann der verzweifelte Mann mit genauso viel einfühlsamer Parteinahme und verständnisvoller Hilfe rechnen? Oder wird er doch lieber weggesperrt, herabgewürdigt, als zurückgeblieben verhöhnt? Werden weiterhin die hohen männlichen Suizidraten bei unseren Jugendlichen mit gleichgültigem Schulterzucken "kommentiert" und kein Handlungsbedarf in der Pädagogik gesehen?
    Wird "DIE ZEIT" weiterhin die längst untaugliche, feministische Schablone über alle geschlechtsrelevanten Themen legen?
    Schade.

  2. Dieses Interview in der Rubrik Wissenschaft zu veröffentlichen, kann nicht Ihr Ernst sein....

  3. Etwas kurz, das Interview, oder? Hatte der Herr Itten wohl gerade keine Zeit fuer die Zeit....

    Da ist ja der Kommentar von "Zeitist" laenger...
    (warum regt er sich denn eigentlich so auf? und verfehlt dabei prompt noch das Thema... Schade)

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  • Quelle DIE ZEIT, 11.10.2007 Nr. 42
  • Kommentare 3
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  • Schlagworte Wissenschaft | Psychologie | Gesundheit
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