Privatschulen Sind Privatschulen besser?
Sieben Antworten auf häufig gestellte Fragen
Gibt es einen Boom der Privatschulen?
Die Zahl der Privatschulen in Deutschland wächst deutlich. 2006 waren es laut Statistischem Bundesamt 2867 – rund 40 Prozent mehr als nach der Wende. Anders als viele meinen, war nicht der Pisa-Schock Auslöser des Trends. Vielmehr hält er schon seit Beginn der 90er Jahre an – lange vor Veröffentlichung der ersten Pisa-Ergebnisse im Jahr 2001. Die Zahl der Schüler ist seitdem jährlich um rund 22000 angewachsen – auf 656186 im vergangenen Jahr (siehe Grafik), was etwa 6,5 Prozent aller Schüler in Deutschland entspricht. Besonders stark ist der Anstieg im Osten. Dort hat sich die Zahl der Privatschüler innerhalb der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt, was damit zusammenhängt, dass es in der DDR nur sehr wenige private Schulen gegeben hat. Trotz des Wachstums in den vergangenen Jahren ist der Anteil der Privaten an den allgemeinbildenden Schulen in Deutschland immer noch gering. Mit gerade einmal 7,5 Prozent liegt Deutschland weit hinter den meisten europäischen Ländern. In Österreich besuchen nach Angaben der Europäischen Union 11 Prozent der Schüler eine allgemeinbildende Privatschule, in Spanien sind es 32, in den Niederlanden sogar über 70 Prozent. Und alles deutet darauf hin, dass der Gründungseifer nicht nachlassen wird, denn die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem: Der Bundesverband Deutscher Privatschulen geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der Eltern ihr Kind lieber auf eine private als auf eine staatliche Schule geben würden. Eine Ausnahme vom Trend gibt es: Die Zahl der Internate stagniert. Dafür bilden die deutschen Schüler inzwischen die drittgrößte Ausländergruppe an britischen Internaten.
Sind Privatschulen besser?
Grundsätzlich gilt: Welche Schule die beste für ein Kind ist, hängt von den Bedürfnissen des Kindes und den Wünschen der Eltern ab. Dass Schüler von Privatschulen aber messbar mehr Leistungen bringen als ihre Kollegen an staatlichen Schulen, dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis. Manfred Weiß, Professor am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, hat die Ergebnisse von Pisa in einer Vergleichsstudie ausgewertet. Sein Fazit: Wenn man die soziale Herkunft der Privatschüler berücksichtigt, gibt es keine großen Leistungsunterschiede.
Sind Privatschulen ungerecht?
Das bitterste Resultat von Pisa war die fehlende Chancengleichheit im deutschen Schulsystem. In keinem anderen Industrieland haben es Kinder aus einfachen Verhältnissen so schwer aufzusteigen wie in Deutschland. Der Zuwachs bei den Privatschulen verstärke dieses Problem zusätzlich, kritisiert der Bildungsökonom Ludger Wößmann. Das Schulgeld sei eine weitere Hürde für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Wößmann lehnt Privatschulen aber nicht per se ab: Dort, wo sie zwar privat geführt, aber öffentlich finanziert seien, könnten sie sogar die Chancengleichheit erhöhen. In einem Vergleich der Pisa-Daten hat er festgestellt, dass Schüler aus Nationen mit hohem Privatschulanteil deutlich besser abschneiden. Als Beispiel nennt der Schulforscher die Niederlande. Dort werden 70 Prozent aller Schulen privat geführt – und voll vom Staat finanziert. Im Pisa-Test waren die niederländischen Schüler den deutschen um den Lernstoff eines ganzen Jahres voraus.
Welche Privatschulen gibt es?
Die große Mehrheit – rund 80 Prozent – der Privatschulen in Deutschland wird von der katholischen und der evangelischen Kirche getragen. Etwa die Hälfte aller Privatschüler an allgemeinbildenden Schulen besucht eine katholische Einrichtung. An zweiter Stelle stehen die evangelischen Schulen mit etwa 76500 Schülern, gefolgt von den Waldorfschulen mit etwa 75000. Alle übrigen – von Montessori über Freie Alternativschulen bis zur Vereinigung Deutscher Landeserziehungsheime – machen insgesamt weniger als zehn Prozent der allgemeinbildenden Privatschulen aus. Einen Sonderfall stellen die Berufsschulen dar. Hiervon werden etwa 1870 privat betrieben.
Wer kann eine Privatschule gründen?
Das Grundgesetz garantiert in Artikel 7 Absatz 4 das »Recht zur Errichtung von privaten Schulen«. Für die Genehmigung der Gründung gilt das so genannte Gleichwertigkeitsgebot. Demnach muss die Ersatzschule in ihren Erziehungs-, und Bildungszielen, in ihrer Ausstattung und in der Ausbildung ihrer Lehrer den Standards der öffentlichen Schulen im jeweiligen Bundesland entsprechen. Das Konzept für die Gründung muss also sowohl die Pädagogik als auch die Finanzierung berücksichtigen, es müssen passende Räume vorgewiesen werden und eine ausreichende Zahl von Lehrern und Schülern. Der Lehrplan muss sich an den staatlichen Lehrplänen orientieren, diese aber nicht einhalten. Beispielsweise könnte Mathematik anders unterrichtet werden, die Schule darf aber nicht ganz auf Mathematik verzichten. Das pädagogische Konzept kann in der Regel nur abgelehnt werden, wenn es dem Geist des Grundgesetzes widerspricht. Die meisten Länder bezahlen erst nach einer Bewährungsphase von drei Jahren einen Zuschuss von 60 bis 70 Prozent. Eine Ausnahme bildet Nordrhein-Westfalen, das vom ersten Tag an 94 Prozent der Kosten übernimmt. Nach erfolgreicher Gründung gilt auch für Privatschulen die staatliche Schulaufsicht.
Welche Kinder besuchen eine Privatschule?
Dass nur Kinder reicher Eltern eine Privatschule besuchen, ist ein verbreitetes Vorurteil. Bei Internatsbesuchern ist der Anteil wohlhabender Eltern tatsächlich hoch, nur wenige bekommen ein Stipendium. Für die übrigen Privatschulen gibt es kaum Daten. Eine Studie der Universität Erlangen zeigt, dass die Schüler konfessioneller Schulen meist aus gebildeteren Familien kommen und finanziell etwas besser gestellt sind. Schließlich ist die Schulwahl nicht nur eine Frage des Geldes: Eltern, die selbst nur eine schlechte Bildung erhalten haben, machen sich in der Regel auch wenig Gedanken darüber, welche Schule für ihr Kind geeignet ist.
Wie hoch ist das Schulgeld?
Die Höhe des Schulgeldes ist vom Träger und vom Angebot abhängig. Für eine Ganztagsbetreuung an einer privaten allgemeinbildenden Schule mit staatlichem Zuschuss muss man je nach Leistungsumfang mit etwa 300 bis 400 Euro Schulgeld pro Monat rechnen. Privatschulen, die sich komplett selbst finanzieren, fordern ein Schulgeld zwischen 300 und 800 Euro. Im Internat kommen Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Betreuung am Wochenende hinzu, die noch einmal zwischen 600 und 1800 Euro betragen. Schulen in kirchlicher Trägerschaft sind günstiger; in einigen liegt der Elternbeitrag bei etwa 50 Euro im Monat. Für ein Internat eines katholischen oder evangelischen Trägers müssen Eltern zwischen 400 und 1200 Euro im Monat bezahlen. In Ausnahmefällen zahlen auch das Jugend- oder das Sozialamt für einen Internatsaufenthalt. Dann etwa, wenn ein ärztliches Attest dem Kind eine starke Lernschwäche oder ein vergleichbares Defizit bescheinigt.
- Datum 18.10.2007 - 02:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.10.2007 Nr. 43
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Meine Erfahrungen mit einem staatlich genehmigten Gymnasium in privater Trägerschaft.
Stellen sich sich vor sie melden ihr Kind in einem Privat-Gymnasium an, weil sie von dem Konzept der Schule überzeugt sind.
Nach ein paar Wochen stellen sie fest, das es auch hier Schüler gibt, die sich nicht an die Hausordnung halten, den Unterricht stören usw.
Wenn sie jetzt denken, die Schulleitung unternimmt gegen diese Schüler etwas, werden sie enttäuscht.
Da die Schulleitung auf die Schulgebühr angewiesen ist, werden solche Verstöße gerne übersehen.
Wenn sie jetzt denken, bei einem nachgewiesen und der Schulleitung bekannten Fall von Mobbing, wird die Schulleitung aber reagieren, werden sie auch hier entäuscht. Die Eltern des Schülers, der die anderen Schüler zu dem Mobbing aufgefordert hat, hat sich durch Sachspenden unentberlich gemacht.
Wenn sie dann ihr Kind wieder auf eine Stattl. Schule schicken möchten, erleben sie die nächste Enttäuschung. Die Versetzung wird nicht anerkannt, und ihr Kind muß eine Prüfung machen oder die Klasse wiederholen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren