DIE ZEIT: Mr. Pitt, ich würde Ihnen gerne einen kleinen Deal vorschlagen.

Brad Pitt: Kein Problem, solange ich nichts unterschreiben muss.

ZEIT: Sie geben nicht gerne Interviews…

Pitt: Stimmt.

ZEIT: Die Abmachung ist: Ich tue so, als ob mich Ihre Berühmtheit nicht irritiert. Und Sie tun so, als würde Sie dieses Interview interessieren.

Pitt: Abgemacht. ( er zündet sich eine Zigarette an und raucht ein paar Sekunden schweigend ) Wissen Sie, im Grunde bewundere ich die Journalisten. Anfang der Achtziger habe ich in Missouri ein paar Semester Journalismus studiert. Inzwischen mache ich mir aber ernstlich Sorgen um diesen Beruf.

ZEIT: Weshalb?

Pitt: Weil er zunehmend vom Entertainment unterwandert wird. Im Fernsehen wird Berichterstattung längst mit der Aneinanderreihung von Soundschnipseln verwechselt, auf Kosten des Inhalts. Und es wird immer schlimmer. Zeitungen wie die Los Angeles Times und die New York Times werden kleiner und kleiner, auch was die wichtigen Geschichten auf der Titelseite betrifft. Bei der Versorgung mit Nachrichten stehen die Zeitungen in Konkurrenz zum Internet. In den Internetausgaben kommt es aber nur noch auf die Zahl der Zugriffe auf die einzelnen Geschichten an. Bei der Los Angeles Times werden diese Hits pro halbe Stunde gezählt. Und wenn zum Beispiel die Aufmacher-Story nicht genügend Zugriffe bekommt, dann rutscht sie auf einen anderen Platz. Das heißt, der Redakteur, der einmal unser Vertrauen hatte, weil er Nachrichten und Geschichten kompetent gewichtete, verliert seine Funktion. Der Konsument wird zum Redakteur. Diese Bewegung erfasst leider auch die gedruckte Zeitung.

ZEIT: Wie schlägt sich das nieder?

Pitt: Irgendeine Celebrity-Geschichte wird immer wichtiger sein als ein Skandal um Schmiergelder bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen.

ZEIT: Zum Celebrity-Komplex gehören auch die Artikel über Angelina Jolie und Sie.

Pitt: Ich nehme uns nicht aus. Ich dachte aber eher an die vielen Paris-Hilton-Storys.