OECD-Studie Steuern rauf

Deutschland nimmt zu wenig Steuern ein, sagt die OECD. Dafür hält sie die Sozialbeiträge für zu hoch - weshalb die Vermögenssteuern steigen sollten.

Erst Anfang des Jahres stieg die Mehrwertsteuer um drei Prozent, jetzt schlägt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weitere Steuererhöhungen vor.

Der Grund: Laut der neuesten OECD-Studie ist in Deutschland das Steueraufkommen so gering wie nirgendwo sonst in den großen Volkswirtschaften Europas. 2006 lag die Steuerquote bei 21,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), im OECD-Schnitt waren es 26,8 Prozent. Dafür ist hierzulande der Faktor Arbeit sehr hoch belastet. 13,7 Prozent des BIP wurden 2006 für Sozialbeiträge aufgewendet. Im OECD-Mittel waren es nur 9,7 Prozent.

Chris Heady, Leiter der Abteilung Steuerpolitik und Steuerstatistik der OECD, empfiehlt nun Steuerreformen, um die Sozialabgaben senken zu können. »Die Mehrwertsteuererhöhung zur Finanzierung niedrigerer Beiträge bei der Arbeitslosenversicherung war ein wichtiger Schritt«, sagt Heady. »Weitere müssen folgen.«

Headys Vorschlag: eine Erhöhung der in Deutschland geringen Vermögensteuern. Die Grundsteuer etwa könne auf mehr als das Sechsfache steigen, von derzeit 0,18 Prozent des BIP auf 1,2 Prozent; in Großbritannien mache sie gar 1,7 Prozent aus. Die Steuereinnahmen daraus wären so groß wie jene aus der Mehrwertsteuererhöhung, berechnete Heady. Er plädiert außerdem für eine höhere Erbschaftsteuer und Umweltsteuern, etwa auf den Strom- und Gasverbrauch. ( NOT )

 
Leser-Kommentare
  1. Die OECD ist schon toll, wie schnell sie die richtige Politik für Deutschland parat hat, das ist schon erstaunlich. Die Grundsteuer zu erhöhen ist eine prima Idee, das zahlen ja nur die Reichen, Mieter wären davon ja nicht betroffen.

    Strom und Gas sind ohnehin viel zu billig, das findet EON ja auch, also Politik ist ohne solche Organisationen wie OECD kaum noch vorstellbar.

  2. Herr Scheibe. Was spricht dagegen, dass Wohlhabende sich auch mal solidarisch zeigen?! Und EON möchte keine höheren Steuern auf Gas und Strom, sondern ganz banal mehr Gewinn...

    • Zion
    • 22.10.2007 um 6:11 Uhr

    Wie soll das den noch weitergehen? die Steuern erhöhen wir haben schon viel zu hohe Steurn.
    Ich glaube wir sollten den mal ein Lohnzetel hinschicken so das Sie sehen wie viel wir hier an den Staat abdrücken und eine Tank Quittung noch dazu!

  3. dass Deutschland zu hohe nominale Steuersätze hat (bzw. mindestens bis 1998 hatte) und leider immer noch eine viel zu schmale Steuerbemessungsgrundlage hat. Z.B. § 3 EStG spricht da Bände. DARAUS resultiert die niedrige Steuerquote. Der Sozialstaat wiederum wird - auch das ist nix neues - zu einseitig lohnfixiert über Sozialabgaben finanziert und ist damit beschäftigungsfeindlich.

    Beamte und gutverdienende Selbständige können sich über die schmale Steuerbemessungsgrundlage freuen, während der Rest der Bevölkerung jedes Jahr aufs Neue teure Wahlgeschenke über seine Sozialabgaben bezahlen darf (die jüngste ALG I-Debatte klingt mir jedenfalls danach).

    Für zwangs-sozialversicherte könnte die Umschichtung von Sozialabgaben zu Steuern ein Nullsummenspiel bzw. ein Gewinn werden, da es hier eher möglich ist, ALLE an der Finanzierung von Staats- und insbesondere Sozialleistungen zu beteiligen.

  4. Meine Herren, daß das Steuersystem zur Korrektur der Schieflage in der Einkommensverteilung einer Gesellschaft heran gezogen werden kann und soll? Wir habe hier doch kein fiskalisches Problem, sondern ein kulturelles.

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  • Quelle DIE ZEIT, 18.10.2007 Nr. 43
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  • Schlagworte Wirtschaftspolitik
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