Zwei Jahrtausende nach Jesus, 1400 Jahre nach Mohammed, beginnt ein neuer Glauben die Herzen und Hirne der westlichen Welt zu ergreifen. Diese Religion, der »Klimatismus«, erscheint ohne Moses und Paulus, sozusagen im Wikipedia-Stil: Jeder ein Schriftgelehrter, jeder ein Erleuchteter.

Ein neuer Glauben? Hellhörig machte die Bemerkung eines klugen Kollegen, der sagte: »Dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt, das bezweifelt doch niemand mehr.« Der Verdacht verstärkte sich, als der »Klimaleugner« auftauchte, der eine moderne Version des »Ketzers« abgibt (und wegen der verbalen Verwandtschaft zum »Holocaust-Leugner« an Infamie nicht mehr zu toppen ist).

Die Vermutung, dass hier eine neue Religion entstanden war, begann sich zur Gewissheit zu verdichten, als folgende Nachricht aus Kalifornien, genauer aus dem Napa Valley nordöstlich von San Francisco kam. Da hatte das Gaia Hotel die Bibel, die seit Jahrzehnten in amerikanischen Hotel-Nachttischen liegt, durch An Inconvenient Truth , den Weltbestseller des früheren Vizepräsidenten Al Gore, ersetzt.

Paulus und Mohammed haben damals auch ganz klein angefangen. Heute erobert, was in Kalifornien eingeführt wird (zum Beispiel der Katalysator), erst Amerika, dann die ganze Welt. Betrachten wir also die psychostrukturellen Ähnlichkeiten zwischen Gottesglauben und Klimatismus. Wie funktioniert eine Religion, sagen wir, die jüdisch-christliche?

Sie braucht vorweg ihre Propheten, die wie Jesaja Feuer und Schwefel regnen lassen, die Sünde anprangern, Buße und Umkehr fordern. »Weh dem sündigen Volk, der schuldbeladenen Nation«, rief Jesaja. Lauschen wir nun Al Gore: »Wir Amerikaner haben gesündigt… wir müssen Buße tun, indem wir unsere Bequemlichkeiten opfern.«

Im nächsten Schritt muss eine Religion die Apokalypse beschwören. Siehe zum Beispiel die »Offenbarung des Johannes«, wo »das Feuer fiel vom Himmel«. Aber es muss nicht unbedingt der Endkampf zwischen den Kindern des Lichts und der Finsternis, zwischen Gog und Magog sein. Entscheidend ist, dass die Religion die Urängste bedient, die schon zu Moses Zeiten die Seelen der Menschen packten: Flut (»Sintflut«), Dürre (Joseph in Ägypten), Waldbrand (das Flammenschwert des Erzengels, Sodom und Gomorra). Die Zutaten der modernen Apokalypse des Klimatismus sind keine anderen: anschwellende Meeresspiegel; was verheerende Fluten verschonen, wird von Dürre geplagt; den Rest verwüsten Hurrikane.

Jetzt aber folgen, drittens, Hoffnung und Erlösung. Nachdem besagtes Feuer vom Himmel gefallen war, »verzehrte« es die satanischen Kräfte. In den »Feuersee« geworfen wurde nur, »wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war«, also Gnade durch Läuterung erfahren hatte. Gottgefälligkeit im Judentum ist die Unterwerfung unter Gottes Gesetz (siehe Jesaja et alii), im Katholizismus entgeht der Hölle, wer seine Sünden gebeichtet, Umkehr gelobt und die Buße auf sich genommen hat. Und im »Klimatismus«?