Herr Roberts, erinnern Sie sich an den ersten Touristen, der unfreiwillig auf dem Flughafen Rodez-Marcillac gelandet ist?

Ja, das war im Juli 2003. Der Mann war Ire, er stand verwundert vor mir und fragte: Hey Mate, wo bin ich? Als ich sagte: in Frankreich, konnte er es kaum glauben.

Und dann?

Die Weiterreise nach Rhodos war ihm zu teuer. Er hätte entweder mit Ryanair zurück nach London-Stansted fliegen müssen und dann über den Flughafen Gatwick nach Griechenland. Über Paris mit Air France wäre es noch umständlicher und kostspieliger geworden. Er hatte sein Fahrrad dabei und fragte, ob die Gegend hier flach sei. Sicher, sagte ich. Das war allerdings eine Lüge. Nur die Umgebung des Flughafens ist eben, die Region ist bergig. Doch der Mann ist nicht zurückgekommen, um sich zu beschweren.

Wieso werden Rodez und Rhodos so oft verwechselt?

Das englische Wort Rhodes unterscheidet sich nur mit zwei Buchstaben von Rodez ; der eine Airport-Code lautet RHO und der andere RDZ. Doch über die Verwechslungsgefahr sind sich die meisten gar nicht im Klaren, weil sie nicht wissen, dass unsere Stadt überhaupt existiert. Sie klicken im Internet Rodez an und landen dann hier. Jeden Monat sind das drei bis fünf Reisende – überwiegend Engländer, Iren und Skandinavier –, die eigentlich nach Griechenland wollten.

Wie reagieren die Touristen, wenn ihnen bewusst wird, dass sie am falschen Ort sind?

Fast alle weinen erst einmal. Manche bemerken es beim Landeanflug, wenn sie statt des blauen Meers nur grüne Bäume sehen. Manche betreten das Flughafengelände, hören plötzlich Französisch und merken es dann. Überrascht hat mich allerdings eine Engländerin, die einen ganzen Tag am Flughafen auf den Kapitän wartete, der sie zu ihrer Bootstour abholen sollte. Sie arbeitete in der Tourismusbranche!

Was passiert nach dem ersten Schock?

Wir versuchen, allen zu helfen, und freuen uns, dass wir für unsere Region werben können, sie ist ja ein Feriengebiet. Im vergangenen Jahr sind insgesamt über 150.000 Touristen mit dem Flugzeug hier gelandet, rund 67.000 kamen mit Ryanair, die anderen mit zwei französischen Airlines. Das Départment Aveyron, zu dem unsere 24.000-Einwohner-Stadt gehört, ist Teil der Region Midi-Pyrenäen; Rodez liegt an der Spitze eines Dreiecks mit Toulouse links und Montpellier rechts. Es ist eine schöne Gegend, sehr grün, auf dem Fluss Aveyron kann man Kanu fahren, in den Schluchten klettern oder am Ufer campen; in den Städten gibt es viel romanische Architektur.