Es begann bald nach der Heimkehr 2004. Die Soldaten standen auf dem Parkplatz der Kaserne, verstauten ihre Sachen, verabschiedeten sich. Dann warf einer die Kofferraumhaube seines Autos zu. Das leise Geräusch, ein dumpfes Bumm, genügte, den Soldaten Donald in die Knie zu zwingen. Eine Viertelstunde habe er gebraucht, um wieder halbwegs normal atmen zu können. Im Irak, sagt der zierlich wirkende Mann mit zarter Stimme, seien die Einschläge manchmal »ziemlich nahe« gekommen – »Granaten wie Blitz und Donner«. Es klingt wie eine Entschuldigung.

Donald Apted war Soldat im Irak. Er kehrte zurück – körperlich unversehrt. Eigentlich fand der 40-Jährige es sogar »ziemlich gut« da drüben im Zweistromland. Vor allem die Kameraden. »Ich habe eine Menge guter Erinnerungen«, beteuert er. Seine Freunde nennen ihn Donny. Er wirkt ein wenig unsicher. »Ich dachte, ich komme nach Hause und mache einfach da weiter, wo ich aufgehört habe.« Aber das hat keiner von Donalds Kameraden geschafft, einfach weitermachen mit dem zivilen Leben daheim. »Einige Ehefrauen sind gegangen. Ich habe Glück, dass meine geblieben ist. Ich habe ihr viele Scheidungsgründe geliefert.«

Bald nach dem Kollaps auf dem Parkplatz konnte Donald kaum mehr Auto fahren. Weil seine innere Alarmanlage bei jedem Müllsack am Straßenrand loslärmte. »Ich versuche, sie nicht zu sehen. Das macht mich wütend. Weil ich sie nicht sehen will. Aber du bist trainiert, auf alles zu achten, was hochgehen könnte.«

»Hyper-Wachsamkeit« nennen es die Experten – lebensrettend im Krieg, nervenzerrüttend im Frieden. Dazu diese jähe, bodenlose Wut. Fast alle Kameraden kennen das Gefühl. Manchmal, wenn sie unter sich sind, reißen sie hilflose Witze über diesen »Zorn, der aus dem Nichts kommt«, sagt Donald, »wie eine verdammte Explosion«.

Er schlief nur noch ganz leicht. Bei jedem Geräusch war er sofort wach. Seine Frau war anfangs begeistert – weil er sich nachts so wunderbar um die beiden Söhne kümmerte. Donald schleppte sich durch. Bis eines Tages der Hund dem Kleinen ein Stück Pizza wegschnappte. Der Junge schrie. Donald stand am Kleiderschrank, um etwas wegzuräumen. Sein Zorn überrollte ihn: »Ich lief geradewegs zum Hund, presste ihn zu Boden und schlug ihm mit der flachen Hand auf den Kopf, immer wieder. Ich weiß nicht, wie lange. Mein älterer Sohn, damals fünf oder sechs, brüllte. Der Kleine weinte. Meine Frau stand da, völlig geschockt.« Am nächsten Tag ging Donald Apted ins Veteranen-Krankenhaus. »Weil ich wusste, dass das nicht von alleine weggeht.«

Drei Jahre laboriert er nun schon an seinem Trauma. Er absolvierte Therapien und schluckte Pillen, die ihn völlig stumpf machten. Erst jetzt, in einem Spezialprogramm der Emory University in Atlanta, findet der Exsoldat Erleichterung, lernt, sich mit Empfindungen auseinanderzusetzen, vor denen er viel lieber wegtauchen würde. Er denkt sogar über seine Familiengeschichte nach. Über Opa Roy, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte und nie darüber sprach. Er war in Hiroshima. Und über Donald senior, dessen Ehe zerbrach, nachdem er aus Vietnam heimgekehrt war. Eine Militärfamilie, in der stolzes Schweigen mehr zählte als eine gesunde Seele.

»Typisch amerikanisch«, meint Donalds Therapeut Douglas Bremner. »Wir haben ein professionelles Militär, das sich selbst fortschreibt. Die Väter waren beim Militär, und die Söhne gehen ihrerseits dorthin und machen Karriere.« Über viele Generationen hinweg – »zurück bis zum amerikanischen Bürgerkrieg«. Bremner ist ein Experte für PTSD, die posttraumatische Stresskrankheit der Soldaten. »Ich glaube«, sagt er, »dass Gesellschaften ihr eigenes Trauma haben, genau wie Individuen.«