Legionärskrankheit, Vogelgrippe, Gelbfieber, Influenza oder Sars alle Länder fürchten das Einschleppen von Krankheiten oder gar Seuchen durch Kreuzfahrtschiffe. Sie schützen sich mit länderübergreifenden Regeln wie den neu gefassten Gesundheitsvorschriften der World Health Organisation (WHO). Sie sind im Juni 2007 für Deutschland in Kraft getreten.

Früher genügte für den Nachweis der Hygiene an Bord eines Kreuzfahrtschiffes das sogenannte Rattenzertifikat, welches bestätigte, dass keine Nager an Bord waren. Die neue Bescheinigung überprüft alle sechs Monate, ob das Trink- und Badewasser, die Lebensmittel und die Sauberkeit des Hospitals inklusive der Ausstattung der Apotheke den Vorschriften entsprechen. Auch bei den Stichproben kontrollieren die Inspektoren nicht mehr nur den Schädlingsbefall. Ebenfalls neu: Vor dem Einlaufen in einen deutschen Hafen muss jeder Kapitän die »Seegesundheitserklärung« abgeben. Wenn jemand an Bord eines nicht natürlichen Todes gestorben ist, vermerkt das der Kapitän - ebenso, ob sich während der Fahrt jemand mit einer Infektionskrankheit angesteckt hat. Dann kommt ein Arzt an Bord, klärt die Diagnose und ordnet beispielsweise die Untersuchung von Lebensmittelproben an. In Deutschland setzen die Hafenärztlichen Dienste die Regeln der WHO um.

Jeder Staat schützt sich gegen Krankheiten außerdem mit eigenen Vorschriften. Als besonders streng gelten die der »United States Port Health«. Die kanadischen Behörden, die sich daran anlehnen, haben an das Kreuzfahrtschiff Deutschland der Reederei Deilmann soeben 100 von 100 möglichen Punkten für die Hygiene vergeben. Urlauber können Bewertungen auf den Internetseiten www.cdc.gov und www.parismou.org nachlesen. An Bord der Deutschland weiß Staff Captain Christian Liedtke, 38, dass hohe Punktzahlen ihren Preis haben: »Die Amerikaner achten viel mehr auf Formalitäten als wir.« So ziehen die Kontrolleure Punkte ab für Obst, das offen und ungekühlt in einer Schale liegt.

Oder für Geflügel, wenn es nicht mindestens 15 Sekunden bei 74 Grad Celsius erhitzt wurde. Manche Vorschriften spiegeln die unterschiedlichen Mentalitäten wider. Beim Frühstücksbuffet muss alles in Einwegverpackungen serviert werden. » Zum Beispiel sind Butterblümchen in gekühlen Silberschüsseln nicht erlaubt«, sagt Liedtke. » Für uns ist das aber kein Gesundheitsrisiko. Genauso wenig, dass sich die Gäste morgens die Marmelade aus einem Glas mit dem Löffel nehmen.« Grundsätzlich ist die Küche eine Quelle für Erreger.

Darum sind die Reglements streng. Das Personal stellt gegen die seltenen Kakerlaken Fallen auf. Die Astoria von Transocean Tours, die Aida-Schiffe und viele weitere deutsche Cruiser lassen sich Lebensmittel per Container oder Lkw aus der Heimat liefern. In fremden Häfen kaufen die Köche Fisch, Fleisch oder Obst meist bei Händlern, die sie lange kennen. Beim Waschen, Schneiden und Kochen werden die Zutaten weiter überprüft.

Besondere Aufmerksamkeit benötigt das Trinkwasser. In der Regel nehmen die Schiffe einige Tonnen mit. Auf der Fahrt entsalzen sie Meerwasser durch Bedampfen und Filtern und bestrahlen es mit UV-Licht, um Keime abzutöten. Genau wie das Wasser, das in den angelaufenen Häfen getankt wird. Auf der Deutschland wird es außerdem im Labor auf Bakterien und Keime untersucht. Erst nach 24 Stunden, wenn die Unbedenklichkeit feststeht, werden die Tanks an das Frischwassernetz angeschlossen.

Trotz aller Maßnahmen erkranken Passagiere - jedoch selten an Durchfall oder Erkältungen. Am häufigsten sind Unfälle, Sonnenbrände und Seekrankheit. Das Schiffshospital kann eine Klinik nicht ersetzen, gleichwohl sind die Krankenstationen an Bord oft umfangreicher ausgestattet als vorgeschrieben. Niemand will aufgehalten werden wie das Schiff, das im Mai 2007 wegen Mängeln bei der medizinischen Ausstattung erst einen Tag später aus dem Kieler Hafen auslaufen durfte. Mindestens ein Schiffsarzt reist mit, dazu Krankenschwestern.