Journalismus

Schreiben macht arm

Für viele ist Journalismus ein Traumberuf. Nach zehn Jahren als freie Autorin kann Gabriele Bärtels nur davor warnen, ihn zu ergreifen

Heute ist der Tag, an dem ich nicht mehr aufstehen will, denn ich habe seit einer Woche kein Geld mehr und glaube auch nicht, dass nächste Woche welches kommt. Jeden Morgen schaute ich angespannt auf mein Onlinekonto, ob endlich das Honorar von Zeitung X oder Y eingegangen ist, doch dies war nicht der Fall, obwohl mir die Redakteure die Überweisung schon vor Wochen zusagten. Entgegen jeder Vernunft stand ich trotzdem jeden Tag am Geldautomaten und achtete darauf, dass niemand zuschaute, wenn die Scheckkarte wieder herausglitt. Die Sekunden, bis auf dem Display der Satz erscheint: Leider keine Auszahlung möglich, sind Sekunden, die meine Nerven ähnlich belasten wie eine Fahrt in der Geisterbahn.

Heute ist auch der Tag, an dem wieder ein Text von mir nicht in der Zeitung steht, der dort schon vor zwei Wochen stehen sollte, wie mir die Redakteurin versicherte, die ihn mir abkaufte. Nachdem ich sie deswegen anrief, vertröstete sie mich auf heute, und natürlich zeigte ich Verständnis, dass eine Zeitung ja auch auf die richtige Themenmischung achten muss und etwas Aktuelleres Vorrang hat. Ich darf nicht böse mit der Redakteurin werden, denn ich bin auf sie angewiesen. Ich darf auch nicht zu deutlich machen, wie dringend der Abdruck für mich gewesen wäre und dass nun wieder ein Loch gähnt, wo ich mit einem Honorar fest gerechnet hatte.

Für den Redakteur bin ich nur eine E-Mail oder eine Stimme am Telefon

»Gekauft« bedeutet nämlich nicht, dass sie mir dieses Geld gleich angewiesen hätte. »Gekauft« bedeutet nur, dass der Text von nun an in ihrer Datenbank schlummert.

Denn es ist beileibe nicht so wie bei Brötchen: Reicht die Verkäuferin die Tüte über den Tresen, so muss man sofort das Portemonnaie öffnen. Bei Zeitungen geht das so: Erst wird der Text gedruckt, und dann dauert es drei bis acht Wochen, bis das Honorar überwiesen wird. Und wird der Text nicht gedruckt, erfahre ich manchmal erst nach Monaten, dass dies nie der Fall sein wird. Nur in Ausnahmefällen benachrichtigt der Redakteur mich, meistens vergisst er es. Ich bin ja auch kein Lebewesen für ihn, sondern nur eine E-Mail oder bestenfalls eine selten gehörte Telefonstimme. Dass die Geschichte dann für andere Zeitungen nicht mehr aktuell ist, ist nicht sein Problem. Dass ich ihm geglaubt habe, auch nicht.

Wie jeder Mensch brauche ich das Geld, um die Miete zu bezahlen, die Krankenkasse und mein Essen. Wie jeder Mensch denke ich, dass es vollkommen normal ist, für seine Leistung bezahlt zu werden.

Als ich vor rund zehn Jahren begann, als freie Autorin zu arbeiten, glaubte ich, endlich den idealen Beruf für mich gefunden zu haben, denn das Beste, was ich hatte, waren mein Schreibtalent und mein Ideenreichtum. Ich ahnte nicht, wie viele Wochen ich damit verbringen würde, dringlich auf Zahlungseingänge zu warten, die versprochen waren. Die Sachbearbeiterin bei meiner Bank kennt mich gut, denn ich gehe dann mit den Rechnungskopien zu ihr und flehe sie an, meine Lastschriften für Telefon und Internet nicht zurückgehen zu lassen, denn hier bitte, hier ist doch die Rechnung an eine renommierte Zeitung. Sie antwortet dann, dass sie mir glaube, aber sie habe ihre Vorschriften, manchmal rückt sie trotzdem noch fünfzig Euro heraus.

In solchen Zeiten habe ich einen angstverkrampften Magen, und mit meiner Lebensfreude ist es nicht weit her. Ich laufe zu Fuß durch eine Stadt, weil ich mir eine U-Bahn-Fahrt nicht leisten kann, wandere durch Einkaufsstraßen voller Sonderangebote, doch jedes Ding ist unberührbar für mich. Mein Fernseher ist kaputt und mein Mineralwassersprudler. Beides kann ich nicht ersetzen. Meinen Zahnarzttermin nächste Woche werde ich absagen, denn ich habe das Geld für die Praxisgebühr nicht.

Ich kann mich auch nicht mit Freunden zu einer Tasse Kaffee verabreden. Es nagt an meinem Stolz, wenn ich ihnen jedes Mal offen oder durch die Blume sagen muss, dass sie die Rechnung übernehmen müssen. Es nagt noch mehr an meiner Würde, wenn ich sie am Monatsende händeringend bitten muss, mir zu helfen, die Miete aufzubringen. Eigentlich ist es nicht bitten, sondern betteln. Mir steckt ein Kloß im Hals, wenn ich dies tue, denn ich hatte nie vor, vom Mitleid anderer zu leben. Auch ahne ich, dass ihr Respekt mir gegenüber sinkt.

Mein Vermieter wohnt im Haus. Bin ich wieder im Rückstand, so schäme ich mich in Grund und Boden, wenn ich ihn auf der Treppe treffe, und vergesse, dass ich für meine Texte Preise gewonnen habe. Er wird mir nicht ansehen, dass mein Einkommen unter dem eines Hartz-IV-Empfängers liegt. Ich lege Wert auf ein gepflegtes Äußeres und kann bei Interviewpartnern schlecht ohne vernünftigen Haarschnitt auftauchen. Deswegen spare ich lieber an etwas, das man von außen nicht sieht, wie zum Beispiel Essen. Ich kann sowieso nicht essen, wenn ich Angst habe. Wegen alldem bleibe ich lieber zu Hause und versuche, noch einen Text zu schreiben, um irgendwie weiterzukommen.

In diesen zehn Jahren meiner Tätigkeit für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften musste ich nur zweimal Steuern zahlen, denn mein Jahreseinkommen liegt meistens unter 10000 Euro, nach Abzug aller Aufwendungen eigentlich bei null. Zeitungen zahlen nämlich Zeilenhonorare; ein Text, der mich alles in allem drei bis vier Tage Arbeit gekostet hat und in der Zeitung eine Seite einnimmt, bringt ungefähr 250 Euro ein. Auf der Internetseite dieser Zeitung wird er dann auch noch veröffentlicht, dafür sehe ich allerdings kein Geld mehr, denn so steht es in den Geschäftsbedingungen. Ich könnte ja einwenden, dass mir das nicht passt, aber glauben Sie ernsthaft, dass mir das zum Vorteil gereichen würde?

Erscheint mein Text gleich bei Onlinezeitungen, so werden nur noch höchstens 200 Euro fällig, selbst wenn die entsprechende Website Millionen Besucher hat. Die Redakteure entschuldigen sich bei mir, denn sie können ja auch nichts dafür.

Pro Jahr erarbeite ich ungefähr fünfzig Texte, von denen ich vielleicht die Hälfte loswerde. Zu achtzig Prozent bekomme ich auf meine Angebote nie eine Antwort, ganz gleich, ob ich sie telefonisch angekündigt oder nur eine E-Mail geschrieben habe. Das Risiko trage ich allein. Wem sollte ich auch vorwerfen, dass eine Geschichte nicht in sein Blatt passt?

In einem Schulbuch zu erscheinen ist Ehre genug. Honorar gibt es keines

Beinahe täglich entdecke ich Texte von mir im Internet, die sich jemand stillschweigend heruntergeladen hat, um seine Homepage damit zu schmücken. Die Rechtslage ist so, dass ich für solchen Diebstahl Honorar fordern könnte. Doch wer sich keinen Rechtsanwalt leisten kann, um seine Forderungen einzutreiben, der fängt besser nicht damit an. Das Einzige, was ich mir einhandele, sind pampige Antworten wildfremder Leute, die meinen, geistiges Eigentum sei so frei wie Luft und Sonne. Die meisten dieser Menschen sind angestellt und nehmen ihr monatliches Festgehalt für selbstverständlich.

Letztes Jahr erhielt ich ein Schreiben eines Verlages, der ein Essay von mir in ein Deutsch-Schulbuch übernehmen wollte. Als ich anrief, um nach der Höhe der Vergütung zu fragen, teilte man mir mit, dass es keine gebe, dies sei gesetzlich so festgelegt, und es sei schließlich eine Ehre, in einem Schulbuch zu erscheinen.

Es war mal ein Scherz, als ich sagte, dass ich unbedingt einen reichen Mann zum Heiraten brauche, nun ist es schon lange Ernst. Doch reiche Männer kann man nur becircen, wenn man eine positive Ausstrahlung hat.

Heute ist also der Tag, an dem ich nicht mehr aufstehen will, denn mein Glaube daran, dass in diesem Land Einsatz, Nachhaltigkeit, Qualität, Zuverlässigkeit und Kreativität honoriert werden, ist zerbrochen und lässt sich nicht mehr kitten. Eine Beschwerdestelle ist nirgends eingerichtet.

Morgen werde ich wieder zu meiner Banksachbearbeiterin gehen und sie anflehen, mein Konto nicht zu sperren. Sie wird mir empfehlen, mich arbeitslos zu melden, damit wenigstens die Wohnungsmiete durch Hartz IV abgedeckt ist. Von da an werde ich meine Kontoauszüge vorlegen und über jeden Zahlungsvorgang Rechenschaft ablegen müssen.

Dass ich mir mit den 345 Euro vom Arbeitsamt keinen Internetanschluss mehr leisten können werde, geschweige denn den stetig wachsenden Anforderungen an computertechnische Aufrüstung nachkommen könnte, somit jede Arbeitsgrundlage entfallen wird, ist wahrscheinlich nur ein bedauerliches Einzelschicksal.

Auf ewig im Bett liegen bleiben kann man ja nicht, also werde ich nach drei Tagen doch wieder aufstehen und irgendwie weitermachen. Nur eben nicht mit dem Besten, was ich habe.

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Leser-Kommentare

    • 31.10.2007 um 16:54 Uhr
    • hagego

    Liebe Frau Bärtels,oder heißen Sie eigentlich Radisch? Oder Heidenreich (nein, das passt ja bei ihrem chronischen Geldmangel nun wirklich nicht)? Oder gar Fritz J. Raddatz? - und wollen mit guten "75" ein wenig Werbung für den Journalisten-Nachwuchs machen? Ich hoffe sehr, dass Sie für Ihren Artikel ein ausreichendes Honorar von der ZEIT erhalten haben! Zeilengeld? Dann soll die geneigte Redaktion auch die Zeilen derer, die Ihnen schreiben, mitzählen! In diesem Sinne werde auch ich mich bemühen, Ihr Honorar etwas in die Höhe zu treiben.Mich erinnert Ihre persönliche Situation an Lady Potter-Rowling, der es lange Zeit gar nicht gut ging. Sie war arbeitslos und, was sozusagen genauso schwer wog: ihr fehlte die geistige Auseinandersetzung. Heute ist sie eine der reichsten Frauen Englands. Jetzt lässt sich, bezogen auf Sie, leider keine diesbezügliche Parallelwelt konstruieren; es lässt sich aber etwas Hoffnung für Sie ableiten. Reich werden Sie, von bekannten Hera-ischen Ausnahmen abgesehen, nicht durch das Schreiben. In unserer Gesellschaft eher durch das Abschreiben.Geben Sie doch mal eine seriöse Kleinanzeige (in der ZEIT) auf: "Ich schreibe Ihre individuelle Familienchronik!" Es gibt in unserer aufgeklärten pluralistischen Gesellschaft so viel Menschen, die etwas zu erzählen hätten, denen aber sehr oft die Worte fehlen.Viele größere Unternehmen benötigen in ihren Kommunikationsabteilungen Journalisten. Festangestellt. Oder als freie Mitarbeiter(in).Vielleicht können Sie - in Vertretung - einmal die Martenstein-Kolumne schreiben? Oder - statt Harald Schmidt - eine Focus-Kolumne (Helmut Markwort wird Ihre Initiative bestimmt unterstützen!) über Spitzweg und Spitzbuben!Auch wenn das nicht Ihrem Ideal als Journalistin entspricht, so wäre das ja eine Möglichkeit, Geld zu verdienen."Schreib's auf" heißt es bei E. E. Kisch. Die ZEIT hechelt ein wenig hinter Marcel Reich-Ranicki her und fragt: "Brauchen wir einen Bildungskanon?" Natürlich können wir den gebrauchen. Aber noch wichtiger: Dreieinhalb Millionen Menschen brauchen Arbeit! Frau Bärtels, schreiben Sie. An wen auch immer. Aber immer auf den Punkt.

  1. Mönsch, hagego,stell'n Sie sich vor: Dreieinhalb Millionen Menschen brauchen Arbeit - und die würden alle was erzählen, wenn sie könnten und ihnen nicht die Worte fehlten! Oder bloß Stift und Papier. Mehr braucht es ja schließlich nicht, um aus Sozialhilfeempfängern Millionäre zu machen, wie Sie und unser diesjähriger Jacob-Grimm-Preis-Deutsche-Sprache-Träger (der Herr Schirrmacher von der FAZ) wissen. Die schicken wir jetzt alle zu IKEA die kostenlosen gelb/blauen Griffel abholen und dann sagen wir denen "Schreib's auf!" Beim heiligen Prekarius schreib', wie du deine Krankenkasse bezahlst, dein Essen, deine Miete und die paar lächerlichen Verbindlichkeiten an all die e.ons, T-coms und wie unsere Viktualien-Dealer ('schuldigung: -Provider) sonst noch heißen. Und dann gucken wir einfach mal, wer oder was da auf den Punkt kommt! Oder auf den Hund?

  2. Der Text ist gut, es kribbelt richtig beim lesen, schließlich ist es kühl auf dem Dachboden. Lethargisch und entmutigt liegt die Autorin im Bett und packt ihre ganze Wut über die Ungerechtigkeit der bösen Redaktionen in ihren Text. Dumm nur, dass sie nicht glaubwürdig ist, schließlich macht sie vor, was eine geschäftstüchtige Journalistin ausmacht: Recherche auslassen, jede Menge Plattitüden und Allgemeinplätze in den Text und dann auf die Enter-Taste drücken.
    Der weinerliche Duktus macht die Sache nicht besser. Ich kenne viele Kolleginnen, die gut vom schreiben leben. Nur können die es sich kaum leisten für die Zeit zu schreiben. Autorinnen wissen, dass es kaum ein anderes Blatt gibt, bei dem Anspruch und Honorar weiter auseinanderklaffen. Nun gut, in diesem Fall vielleicht nicht.
    Wenn sich Frau Baertels zu gut für Frauenmagazine ist und ihre Texte nur in angesehenen Blättern gedruckt sehen will, dann ist ihr finanziell nicht zu helfen. Jammern hilft aber nicht. Auch nicht gegen den schmählichen Umgang vieler Redaktionen mit Freien. Natürlich liegen Texte häufig monatelang herum, bevor sich die wohl situierten Redakteure damit beschäftigen. Auch bei der Zeit glauben die meisten Editoren, ein Text müsse auf dem Stapel reifen wie ein Schinken am Haken.
    Viele Journalistinnen stehen nicht eben auf der Sonnenseite. Leider hat Frau Baertels keinerlei Tipps, wie sie aus dem finanziellen Loch rauskommen sollen. Wenn sich die Kollegin keinen Rechtsanwalt leisten kann, sollte sie vielleicht mal ihren Berufsverband bzw. ihre Gewerkschaft anrufen. Die geben ihr kostenlosen Rechtsschutz bei Urheberrechtsverstößen.



  3. Hallo,zunächst einmal: Ich finde es sehr mutig von Ihnen, Frau Bärtels, ihre Situation so zu beschreiben. Ich denke, Sie sind nicht die einzige im Land, die mehr oder minder vergeblich versucht, allein vom Schreiben zu leben und der Wissen und Wege fehlen, aus der Misere zu kommen. Ich finde es wichtig, dass dieses Thema auf den Tisch kommt, denn jedes Jahr strömen Tausende junger Menschen auf den Traumberuf "Journalist" zu, nichts ahnend, was einen da so erwartet. Schließlich bekommen sie in den Medien im Wesentlichen die Wenigen Promi-Journalisten zu Gesicht, die natürlich veritable Honorare kassieren und ein vermeintlich tolles Leben führen.Bei Models und Musikern weiß man wenigstens, dass das Geschäft hart ist und Lebensrisiken in sich birgt. Berichte über Magersucht, Drogenkonsum oder andere Ekszesse werfen Spots auf die Schattenseiten des Showbiz. Der Beruf des Journalisten wirkt in der Öffentlichkeit dagegen viel seriöser. Über die Schattenseiten erfährt man wenig - auch nicht in der Ausbildung, aber dazu später.Zum Zweiten: Liebe Kollegen Journalisten, manche von euch kommentieren hier sehr von oben herab. Klar, einige von euch sind sehr talentiert und gleichzeitig selbstbewusst, andere sehr geschäftstüchtig, wieder andere werden protegiert oder haben andere Geschäftsfelder gefunden, um die Miete zu bezahlen (Pressearbeit, Texter, Ghostwriting) und vermischen so journalistische und PR-Arbeit, was eine durchaus diskussionswürdige Vermengung widersprüchlicher Interessen ist.Es ist ein hartes Geschäft, sich als Journalist einen Namen zu machen, von dieser Arbeit freiberuflich zu leben und dies dauerhaft zu stabilisieren. Schließlich lauern die jungen, flexiblen Nachwuchskräfte, die mit jedem noch so niedrigen Honorar zufrieden sind und auch gute Ideen haben, zu Hunderten in den Mailkästen und Telefonleitungen.Ich selbst habe als Journalistin begonnen und führe inzwischen ein kleines PR-Büro, auch, weil mir der Umgangston in den Redaktionen auf Dauer nicht gefiel und man sich irgendwann fragt: Muss ich mir das bieten lassen? Will ich so alt werden?Dabei hatte ich das Glück, überwiegend für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu arbeiten. Das heißt, ich hatte zwar Druck und einen unterirdischen Umgangston, aber ich konnte gut von meinen Honoraren leben.Gelegentlich habe ich auch für Zeitungen geschrieben. Aber das muss man sich erstmal leisten können! Ich erinnere mich an eine ganze Seite für eine renommierte bundesweit erscheinende Zeitung für 249 D-Mark. Lächerlich - das ist weniger als ein 1-Euro-Job. Klar, ich habe es für Ruhm und Ehre und für meinen Lebenslauf getan, um wohlklingende Namen nennen zu können. Da ich das Thema außerdem an zwei öffentlich-rechtliche Hörfunksender verkauft hatte, kam ich immerhin auf gute 1.000 Mark - Umsatz wohlgemerkt - brutto.Damit wäre ich bei meinem vorletzten Punkt angelangt: Wo bleibt das wirtschaftliche ABC in der journalistischen Ausbildung? Ich habe ein öffentlich-rechtliches Volontariat genossen. Die Ausbildung war toll, die journalistisch-fachliche Qualität klasse, keine Frage. Ich finde es auch gut und richtig, die angehenden Journalisten im Sinne des Netzwerks Recherche zu motivieren, unabhängig und unbestechlich zu sein und sauber zu recherchieren - also den Idealismus hochzuhalten.Ich wünschte mir aber für die Ausbildung mehr kritsches Hinterfragen der realistisichen Arbeitsbedingungen für Journalisten in unserem Land plus betriebswirtschaftlicher und unternehmerischer Grundkenntnisse, wie Preiskalkulation, Honorarverhandlung, Abrechnung, Rechtliches. Das fehlte in meinem Fall völlig - und ich fürchte, daran hat sich bisher nicht viel geändert. Doch bei allem kreativen Talent und Idealismus, ein bisschen Geschäftssinn gehört zum selbständigen Dasein eben auch dazu.Also bitte keine Scheu, die jungen Kolleginnen und Kollegen auf das freiberufliche Dasein vorzubereiten bzw. dies auch dem Redakteurs-Dasein entgegenzustellen. Vielleicht Rollenspiele machen, um auf den Berufsalltag vorzubereiten, egal ob in der Rolle als Autor oder Redakteur? Denn Vorbereitung auf den Alltag - das sollte eine Ausbildung doch sein!Und zum Schluss noch eine Gruß an die Redakteure der Zeit: Auch von euch finde ich es mutig, das Thema anzupacken. Was mir inhaltlich fehlt, aber vielleicht habe ich es nur nicht gesehen, ist ein Artikel, der die wirtschaftliche Situation und Lösungsansätze freier Journalisten aus einer volkswirtschaftlichen, allgemeineren Sicht beschreibt und so den persönlichen Artikel von Frau Bärtels einordnet. Ein Servicekasten mit Hinweisen auf Webseiten und Organisationen, die wertvolle Infos bieten bzw. weiterhelfen, würde das Ganze abrunden.Viele Grüße und frohes Schaffenmayarosa

    • 02.11.2007 um 13:20 Uhr
    • hagego

    Ja, ja - wenn wir unseren guten alten Zynismus nicht hätten! Wir müssten uns mit Problemen auseinandersetzen, die wir vielleicht so gar nicht kennen.Meine Sympathie hat dieser etwas stachelige, gegen den Strich gebürstete Text. Bin ich doch selbst ein kaum zu stoppendes Lästermaul.Aber hilft das Frau Gabriele Bärtels? Wohl nicht. Allerdings vermute ich nach wie vor, dass sich hinter Bärtels (einen Bären aufbinden?) Harald Schmidt verbirgt. Oder gar Günter Wallraff! Oder die schöne rosa Maya?

    • 02.11.2007 um 13:50 Uhr
    • Nefas

    Ich gratulliere Ihnen Frau Bärtels, sie haben Ihre Gefühle freien lauf gelassen und überwältigend niedergeschrieben. Zudem, so wie es ist, die Wahrheit ! Eigentlich weiß ich sehr wie schwer es ist zu schreiben, denn das hatte ich auch vorgehabt, ledeglich ein Roman zu schreiben. Genau diese gesellschaftliche und alltägliche Probleme machen es einem schwer sich kreativ zu entfallten.
    Ich denke. Nein ich bin fest davon überzeugt, dass meine Geschichte für mein Roman ebenso überwältigend, als auch revolutionäre Effekte mit sich bringen wird. Das behaupten wohl alle, die einen Roman schreiben oder vorhaben dies zu tun. Aber nicht in diesem Fall !
    Wie dem auch sei, ich wünsche Ihnen aus tiefstem Herzen, dass alles Gute und viel Erfolg auf Ihrem Weg, weiterhin so geschickt zu schreiben.
    Gruß
    Nefas "der Sünder"

    • 02.11.2007 um 14:27 Uhr
    • hagego

    ?!Kann denn Schreiben Sünde sein?

  4. Hallo hagego,aus Ihrem thread:Allerdings vermute ich nach wie vor, dass sich hinter Bärtels (einen
    Bären aufbinden?) Harald Schmidt verbirgt. Oder gar Günter Wallraff!
    Oder die schöne rosa Maya?Es ist nicht auszuschließen, dass ein anderer Mensch als Frau Bärtels, Verfasser des kommentierten Textes ist. Vielleicht möchte jemand aus welchen Gründen auch immer einfach nur eine Diskussion zum Thema anstoßen und bedient sich der Fantasiefigur "Frau Bärtels". Vielleicht ist der Bericht authentisch.Welchen Unterschied macht es?Dass hunderte wenn nicht tausende junger Menschen mit idealisierten Vorstellungen, viel Phantasie und Kreativität, aber wenig Geschäftssinn versuchen, auf dem Markt der Schreiber, Designer und anderer Kreativer Fuß zu fassen, dürfte eine realistische Annahme sein.Und mit einem solchen Text, eine solche Diskussion anzustoßen, finde ich o.k.Keine Sorge, mayarosa kennt Frau Bärtels nicht und auch die Herren Schmidt und Wallraff nur aus dem Fernsehen :-)Danke, es ist nett, dass Sie mich für schön halten :-)). Mit der Farbe hat mein Nickname nichts zu tun.Viele Grüßemayarosa

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  • Von Gabriele Bärtels
  • Datum 3.11.2007 - 04:05 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 01.11.2007 Nr. 45
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