Altersvorsorge Aschenputtel bleibt arm

Frauen holen bei der Alterssicherung gegenüber den Männern zwar auf – doch viel zu viele können kaum vorsorgen

Zunächst eine gute Nachricht für Frauen: Wenn die Teenager von heute dereinst in den Ruhestand gehen, wird es voraussichtlich sehr viele Frauen geben, die eine gleich hohe oder sogar höhere Rente haben als die Männer. Heute klafft zwischen den durchschnittlichen Altersrenten der Frauen und der Männer zwar noch ein himmelweiter Unterschied. Doch weil Frauen immer länger berufstätig sind, steigen die Durchschnittsrenten der Frauen deutlich stärker als die der Männer, zumindest in den alten Bundesländern. Wenn dieser Trend anhält, dann werden sie die Männer irgendwann um das Jahr 2050 herum eingeholt haben. Theoretisch zumindest.

Vermutlich wird die gesetzliche Rente dann aber nicht mehr von großer Bedeutung sein. Schon heute werden andere Finanzquellen für die Alterseinkünfte immer wichtiger. Privat angesparte Zweitrenten zum Beispiel oder betriebliche Zusatzversorgungen. Das ist auch politisch gewollt. Seit der rot-grünen Rentenreform von 2001 ist die Privatvorsorge ein fester Baustein im deutschen Rentensystem. Leitgedanke der Regierung Schröder war es damals, die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig herunterzufahren, um eine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Und diese Kürzungen soll eine staatlich geförderte Privat- oder Betriebsrente ausgleichen.

Seit 2002 fördert der Staat deshalb die nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester benannten Renten mit recht hohen Zuschüssen. Je nach Anbieter und Art des Sparplans kann ein Durchschnitts- verdiener, der vier Prozent seines Einkommens in einen Riester-Vertrag steckt, in 30 Jahren einen privaten Rentenstock von 120.000 bis 160.000 Euro aufbauen. Anfangs hatten die Sparpläne wegen ihrer komplizierten Konstruktion zwar Anlaufschwierigkeiten, doch seit zwei Jahren boomt das Geschäft. Noch in diesem Jahr soll der zehnmillionste Vertrag unterzeichnet werden. Einerseits ist das ein Erfolg. Andererseits heißt das aber auch, dass bisher noch nicht einmal ein Drittel der Berechtigten die Riester-Förderung nutzt.

Teilzeit arbeitenden Frauen droht im Alter die Armut

Gerade für Frauen ist Riester wichtig. Schon weil sie seltener als Männer eine Betriebsrente erhalten, da sie – noch – oft vor der notwendigen Mindestbetriebszugehörigkeit von fünf Jahren das Unternehmen verlassen. Außerdem hat der Gesetzgeber ein paar geschlechtsspezifische Privilegien eingebaut, die das Riester-Sparen für Frauen zusätzlich attraktiv machen. So erhalten sie in den ersten drei Jahren nach der Geburt eines Kindes die volle Riester-Förderung, wenn sie den Mindestbetrag von 60 Euro im Jahr einzahlen. Und wenn der Ehemann sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist und selbst riestert, kann seine Frau auch einen Vertrag abschließen, selbst wenn sie nicht berufstätig ist. Sie zahlt dann den Mindestbetrag und erhält alle Zuschüsse – einschließlich der Kinderzuschläge. Ein weiterer frauenfreundlicher Aspekt der Riester-Rente: Hier gibt es nur Unisex-Tarife. Eine Benachteiligung von Frauen durch schlechtere Leistungen, wie häufig in der privaten Versicherungswirtschaft, ist somit ausgeschlossen.

Und jetzt die schlechte Nachricht für Frauen: Wenn die Teenager von heute dereinst einmal in den Ruhestand gehen, wird es voraussichtlich sehr viele alte Frauen geben, die in Armut leben. Frauen, die keine Ganztagsstelle mit gutem Einkommen hatten, sondern in Putzkolonnen, Großküchen oder der Landwirtschaft gearbeitet haben, Teilzeit, schlecht bezahlt und nicht ausreichend sozial abgesichert. Auch viele Selbstständige, die sich mit Müh und Not als Einzelkämpfer durchschlagen, werden zu dieser Gruppe gehören.

Drei Viertel der Beschäftigten in sogenannten prekären Arbeits- verhältnissen sind Frauen. In keinem anderen Land könnten sich Menschen mit niedrigen Einkünften so schwer ein hinreichendes Alterseinkommen erarbeiten, hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in diesem Sommer festgestellt – und vor einem dramatischen Anstieg der Altersarmut in Deutschland gewarnt.

Teilzeitbeschäftigte mit niedrigem Lohn sind vor Armut im Alter nicht geschützt, selbst wenn sie regelmäßig Beiträge an die Rentenkasse abführen. Gefährdet sind auch Frauen, die nicht erwerbstätig sind und sich nur um Kind und Haushalt kümmern. Und Frauen, die ihre Berufstätigkeit für lange Zeit unterbrechen – Frauen mit gebrochenen Erwerbsbiografien, wie es im Fachjargon heißt. Sozialpolitiker argumentieren oft, dass nichtberufstätige oder schlecht bezahlte Frauen über ihren Ehemann abgesichert sind. Doch jede zweite Ehe wird in Deutschland geschieden. Wenn dann nur eine Rente da ist, die nach der Scheidung aufgeteilt wird, reicht es im Alter meist nicht mehr für beide.

Auch die Riester-Rente behandelt die Geringverdiener stiefmütterlich – trotz der geschlechtsspezifischen Privilegien. Ähnlich wie Aschenputtel im Märchen dürfen sie entweder am Fest nicht teilnehmen, oder sie bekommen nur Krümel ab. Auch wenn Frauen mit berufstätigem Ehemann »riestern« dürfen, haben »prekär« Beschäftigte darauf kein Anrecht, wenn sie nicht sozialversichert sind. Das trifft vor allem Alleinstehende. Minijobber können zwar mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass dieser Rentenversicherungsbeiträge für sie abführt. Doch davon müssen sie einen Teil selbst tragen, was den Verdienst von höchstens 400 Euro um 20 Euro schmälert. Und von den Kleinverdienern mit Sozialversicherung können es sich viele nicht leisten, ganze vier Prozent ihres Lohnes in eine Zusatzrente zu stecken. Aber wenn sie weniger einzahlen, werden auch die Zuschüsse gekürzt.

Die hohen Fördermittel kommen vor allem den Gutverdienern zugute

Solche Hürden halten viele Geringverdiener bisher vom Riestern ab. Dabei haben gerade sie eine Zusatzsicherung fürs Alter besonders nötig. Warum also gestalten die Sozialpolitiker die Riester-Rente nicht so, dass sie vorrangig den Menschen zugute kommt, die sie im Alter am dringendsten brauchen? Natürlich kann Riester allein nicht vor Altersarmut schützen. Aber es erscheint widersinnig, dass die hohen Fördermittel zwar gut verdienenden Mittelständlern zugute kommen, die sowieso schon über private Rücklagen verfügen, aber die wirklich Hilfsbedürftigen oft außen vor bleiben.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum haben Frauen, im Durchschnitt gesehen, so eine schlechte Erwerbsbiografie? Weil Kinder Zeit kosten, und die geht zu Lasten einer Erwerbstätigkeit. Alle Untersuchungen belegen: der Einkommensabstand zwischen Frauen und  Männern ist inzwischen ein Märchen. Nicht Frauen, sondern MÜTTER sind benachteiligt. Die jüngeren, gut ausgebildeten Frauenjahrgänge haben, solange sie kinderlos sind, mit den Männern fast gleichgezogen, und der verbleibende Abstand beruht nicht auf Diskriminierung, sondern einer anderen Berufswahl (häufig soziale Berufe) und anderem Arbeitsverhalten (weniger Überstunden). Kinderlose Frauen sind Männern längst gleichgestellt!Diskriminiert werden ausschließlich Mütter. Und Väter - eben weil faktisch ihre Rente durch zwei geteilt wird, ihr Einkommen bei zwei Kindern durch vier. Kurz: Familien, und zwar nicht solche der sozialen Unterschicht, sondern Mittelstandsfamilien. Ihnen nimmt unser perverses Sozialsystem, nicht nur Pflege und Rente, sondern sogar die Krankenkasse, die Früchte ihrer Investition in Kinder weg und beschenkt damit Kinderarme, die ein solches Geschenk in keiner Weise nötig hätten.Riester ist ungerecht? Allerdings! Aber nicht, weil "die Mittelschicht" bevorzugt wird. Fakt ist vielmehr: ein Kinderloser/eine Kinderlose, die nur ihr eigenes Maul zu stopfen hat, kann sich auch bei kleinerem Einkommen das "Riestern" locker leisten. Für eine Familie mit Durchschnittseinkommen, also der Mittelschicht, ist hingegen das Riestern mit enormen Opfern verbunden. Gemessen am frei verfügbaren Einkommen, also dem, was jedem Elternteil nach Versorgung er Kinder verbleibt, liegen solche Eltern hier schon heute unter dem Sozialhilfesatz. 4% vom Bruttoeinkommen(!), meist des Mannes, sind für viele schlicht unerschwinglich oder müssen jedenfalls buchstäblich vom Munde abgespart werden. Daran ändert das bisschen Zulage auch nicht viel.Ein gerechtes Rentensystem hieße: entweder Kinderlose beteiligen sich im gleichen Umfang wie Eltern an den Kosten der nächsten Generation, oder sie müssen das gesparte Geld in ihre private Altersersorgung investieren - ohne staatliche Zulage, wohlgemerkt. Ihre gesetzliche Rente wäre dann drastisch zu kürzen, ungefähr um den Faktor drei - so daß ein kinderloses Paar nicht mehr (wie heute) fast doppelt so viel Rente kassiert wie zwei Eltern, sondern nur noch etwas mehr als die Hälfte. Über ihre private Rente könnten sie den Abstand locker aufholen.

  2. Wenn die "Reformen" der letzten Jahre eines gut hinbekommen haben, dann ist das die Reduzierung des vormaligen, skandalösen Ausmaßes der Umverteilung von Oben nach Unten.
    Die Riester-Rente, oder auch bekannt als das El Dorado der Versicherungswirtschaft, geht endlich noch weiter: der mit Steuermitteln aller Bürger finanzierte staatliche Bonus kommt nur denen zugute, die sich die Beiträge zur Riester-Rente auch leisten können. Die armen Schlucker gucken verdientermaßen in die Röhre.
    Gleichwohl finanzieren sie durch die Steuern, die sie zahlen - das sind mindestens die Konsumsteuern - den Bonus der Riester-Rentner mit. Diese Umverteilung von Unten nach Oben nenne ich eine längst überfällige Kompensationszahlung.
     
    Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de

    • SMunk
    • 31.10.2007 um 15:20 Uhr

    Nach fast 40 Jahren Feminismus und Emanzipationsgerede finde ich diesen um Mitleid heischenden Artikel ein wenig unangemessen. Jeder erwachsene Mensch in der freiheitlich demokratischen Grundordnung und dem Wirtschaftssystem der sozialen Marktwirtschaft hat das Recht aber auch die Pflicht die Verantwortung für die Gestaltung seines individuellen Lebens selbst zu übernehmen.
    [Der Rest des Kommentars wurde gelöscht. Für pauschalisierte Unterstellungen, Beleidungen und Feindlichkeiten jeder Art ist auf dieser Diskussionsplattform kein Platz. Bitte halten Sie sich an die Regeln dieses Forums. /Die Redaktion pt.]

  3. "Warum also gestalten die Sozialpolitiker die Riester-Rente nicht so, dass sie vorrangig den Menschen zugute kommt, die sie im Alter am dringendsten brauchen? Natürlich kann Riester allein nicht vor Altersarmut schützen. Aber es erscheint widersinnig, dass die hohen Fördermittel zwar gut verdienenden Mittelständlern zugute kommen, die sowieso schon über private Rücklagen verfügen, aber die wirklich Hilfsbedürftigen oft außen vor bleiben. "
     
    Ich kenne die Antwort.
    Nach all den Jahren, nach all den Diskussionen, Anhörungen,
    Kommissionen, etc., nach Ignoranz und Indifferenz
    bleibt nur noch ein Fazit:
    Unsere politischen Entscheidungsträger, die Eliten unseres Landes,
    sind einfach nur dumm. Sie sind einfach nur überfordert........
    Sie haben keine Ahnung, was sie anrichten.
    (Ein Beispiel aktuell ist die Zwangsverrentung ab dem 1.1.2008 von
    arbeitslosen Menschen ab 58 Jahren..........)
     
     
     

  4. 'Frauen, die keine Ganztagsstelle mit gutem Einkommen hatten, sondern in Putzkolonnen, Großküchen oder der Landwirtschaft gearbeitet haben, Teilzeit, schlecht bezahlt und nicht ausreichend sozial abgesichert.'
    Es gibt sicherlich auch Männer, die nur halbtags und schlecht bezahlt gearbeitet haben und daher eine kümmerliche Rente erwarten.
    Welches Einkommen ich erziele ist doch wohl nicht vom Geschlecht abhängig, sondern von der persönlichen Entscheidungen, wie ich mein Leben gestalte:- Welchen Beruf ich ergreife
    - Was ich zu lernen bereit bin 
    - ob ich bereit bin,'flexibel' immer wieder umzuziehen und dadurch mein Einkommen zu steigern 
    - ob ich bereit bin, jahrzehntelang mit dem Wecker aufzustehen. 
    Ohne dies als Kritik zu meinen, insbesondere zum Umzug für ein höheres Gehalt sind Frauen seltener bereit als Männer. Das ist die Freiheit, das eigenen Leben und das eigene Einkommen selber zu gestalten.
    Übrigens, an Rijukan gerichtet: 
    Selbständig und kinderlos zahle ich weit höhere Steuern als eine Familie mit gleichem Einkommen. Ich bekomme auch kein Kindergeld, nehme keine kommunalen Leistungen wie Kindergärten oder schulische Ausbildung in Anspruch. Preiswerte (also subventionierte)Familienkarten für den ÖPN,  Museen, Freizeiteinrichtungen kenne ich nur noch aus einer weit entfernten Vergangenheit und Zulagen für diverse aus Steuermitteln geförderte Sparpläne gibt's bei mir auch nicht doppelt wie bei Ihnen oder aufgepeppt mit Kinderzulage(Riester).
    Und mit einem Beitrag von fast 600 Euro im Monat (500€ nach Geltendmachung der Vorsorgeaufwendungen) subventioniere ich zum Beispiel auch die Krankenversicherung Ihrer Familie.
    Sie haben wirklich keinen Grund, von den Kinderlosen noch mehr zu fordern. Wenn ich Ihre maßlosen und undankbaren Forderungen sehe, dann würde ich sogar sagen, daß Sie bereits viel zu viel bekommen.

  5. Thema Zwangsverrentung ab 1.1.2008:
    Da ist keine Dummheit am Werke. Es geht um die Reduzierung der statistischen Arbeitslosenquote und um Einsparungseffekte bei der Rente und beim AlG II. Dumm ist allenfalls die Dreistigkeit, mit der uns das Gegeneil weissgemacht werden soll. Und verlogen ist es vor diesem Hintergrund, wenn Müntefering nicht müde wird zu propagieren, wie sehr man die Älteren denn bräuchte. Die Rente mit 67 einzuführen, erscheint vor diesem Hintergrund nur noch menschenverachtend.
    Das ARD-Magazin "Monitor" hat sich des Themas in der Sendung vom 25.10.2007 sehr gut angenommen(als Stream auf der Internetseite des Magazins abrufbar).
    Über diese naheliegenden Dinge liest man komischerweise nichts in unserer "freien" Presse.
     
    Wenn über die Sache mit der Zwangsverrentung etwas Gras gewachsen sein wird, kann man davon ausgehen, dass wir in Artikeln von namhaften Tageszeitungen und in Fernsehbeiträgen von dem Erfolg hören werden, wie die Zahl der älteren Arbeitslosen in 2008 gesunken ist.
     
     
    Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de

  6. Es ist richtig, daß Kinderarme schon heute zur Finanzierung von fremden Kindern beitragen. Wie die meisten Kinderlosen überschätzen Sie aber massiv den Umfang dieser Transferleistungen. Oder andersherum: Sie unterschätzen, was Kinder kosten, wenn man den Betreuungsbedarf ("Opportunitätskosten") mitrechnet.
    Sie müssen sich nur ansehen, was "unter dem Strich" übrigbleibt. Vergleichen Sie zwei Mittelschichtpaare, gleiche Ausbildung und Herkunft, nur einmal kinderlos, einmal mit zwei Kindern. Sie werden feststellen, daß den Kinderlosen, auch nach Steuern und Sozialabgaben, viel mehr übrigbleibt als den Eltern. Erstens, weil Kinder Unterhalt brauchen, und zwar (insb. unter Berücksichtigung der höheren Wohnungskosten) weit mehr, als z.B. auf der Steuerseite und über Kindergeld eingespart wird. Zweitens, weil Kinder Betreuung brauchen, weshalb ein Elternteil seine Erwebstätigkeit und insb. die späteren Wiedereinstiegsmöglichkeiten stark einschränken muß - die Alternative, eine durchgehende Fremdbetreuung, wäre noch teurer als das dadurch verlorene Erwerbseinkommen.
    Übrigens zahlen Familien weit mehr Steuern, als Sie denken. Die indirekten Steuern bringen  inzwischen mehr ein als die direkten. Vor allem die Energiesteuern - Mineralölsteuer, Ökosteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgaben, EEG/KWKG-Zuschläge etc - treffen eine Familie viel stärker als ein kinderloses Paar. Die müssen nämlich mehr heizen, mehr waschen, mehr Autofahren...
    Höhere direkte  Steuern zahlen Sie derweil  vor allem deswegen, weil Sie mehr VERDIENEN. Entweder haben Sie keine Frau, oder diese kann mangels Kindern für sich selbst sorgen. Zusammen haben Sie ein weit höheres Einkommen, als mit Kindern möglich wäre, so einfach ist das.
    Das Kindergeld ist für Mittelschichtfamilien übrigens vernachlässigbar - lesen Sie mal den Wikipedia-Eintrag zum Thema. Zum großen Teil wird hier nur das Existenzminimum der Kinder steuerfei gestellt - das ist keine  Subvention, vielmehr steht jedem Menschen ein steuerfreies Existenzminimum zu: Auch Sie zahlen für die ersten 7000€ nicht einen cent Steuern, ohne daß Sie das als Subvention empfänden.
    Nur für sozial schwache Familien, die kaum Steuern zahlen, ist das Kindergeld ein echter Zuschuß. In Wirklichkeit sind auch die meisten anderen "Familienleistungen" nicht wirklich für Familien, sondern für Sozial Schwache konzipiert, ob sie nun Eltern, kinderlose Erwachsene oder selbst Kinder sind. Sobald eines der beiden letzteren zutrifft, hat das Ganze das Etikett "Familienleistung". Ich als Familienvater zum Beispiel bezahle über Steuern und Abgaben an sozial schwache Familien weit mehr, als ich umgekehrt an "Förderung" erhalte.
    Die Verquickung mit Sozialleistungen ist nicht immer leicht zu durchschauen. Beispiel Krankenkasse. Gewiß, Sie zahlen (zusammen mit Ihrer Frau) mehr ein als ich mit meiner. Aber wiederum nur, weil Sie(dank Kinderlosigkeit) auch ungleich mehr verdienen. Gemessen an unserem (niedrigeren) Einkommen zahlen meine Frau und ich exakt denselben Beitragssatz wie Sie. Das ist keine Familienförderung, sondern Ausfluß des Solidarprinzips der Krankenkasse, demzufolge auch ein Kinderloser mit geringere Einkommen als Sie bei gleichen Leistugnen weniger einzahlt.
    Nun ist es allerdings so, daß Kinder gerade auch der Krankenkasse weit mehr zurückgegen, als sie in jungen Jahren kosten. Das ist nämlich nicht viel - die statistsichen Kosten steigen mit dem Alter (abgesehen von den ersten drei Jahren) zunächst linear, ab ca. 65 aber progressiv an. In Wahrheit subventionieren wir über die Kassenbeiträge daher nicht so sehr junge Familien - die sind recht billig - als vor allem Rentner. Und diese Subvention wird auch hier von der jungen Generation erbracht! Eltern haben diese Leistung "vorfinanziert", indem sie die Kinder aufzogen. Kinderlose bekommen sie einmal mehr geschenkt.

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  • Quelle DIE ZEIT, 01.11.2007 Nr. 45
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