Wer lacht hier, hat gelacht?
Hier hat sich’s ausgelacht.
Wer hier lacht, macht Verdacht,
daß er aus Gründen lacht.

Wer weint hier, hat geweint?
Hier wird nicht mehr geweint.
Wer hier weint, der auch meint,
daß er aus Gründen weint.

Wer spricht hier, spricht und schweigt?
Wer schweigt, wird angezeigt.
Wer hier spricht, hat verschwiegen,
wo seine Gründe liegen.

Wer spielt hier, spielt im Sand?
Wer spielt, muß an die Wand,
hat sich beim Spiel die Hand
gründlich verspielt, verbrannt.

Wer stirbt hier, ist gestorben?
Wer stirbt, ist abgeworben.
Wer hier stirbt, unverdorben,
ist ohne Grund verstorben.

Vom Büchertisch Nr. 45
Ulrich Greiner
Die Feste sind gefeiert, Grass kann sich in Ruhe auf den 90. vorbereiten, und wir können in Ruhe seine Sachen lesen, etwa die frühen Gedichte, die unter den Titeln Die Vorzüge der Windhühner (1956) oder Gleisdreieck (1960) erschienen sind und Grass als einen großen Lyriker zeigten, der Witz, Lakonie und einen Sinn für das Absurde besaß. Das war noch vor der Blechtrommel , die ihn berühmt gemacht hat. Eins meiner Lieblingsgedichte (Ausgefragt, 1967) heißt Tour de France und geht so: »Als die Spitzengruppe / von einem Zitronenfalter / überholt wurde, / gaben viele Radfahrer das Rennen auf.«