EinwanderungBenehmt euch. Ihr seid hier nicht zu Hause

Seit den Terroranschlägen von 2001 schlagen die Medien gegenüber Migranten schärfere Töne an. Alte Vorurteile und neue Zerrbilder haben Konjunktur. Beobachtungen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft. von Christoph Butterwegge

Über die in der Bundesrepublik lebenden Ausländer berichten deutsche Massenmedien ähnlich wie über das Ausland – nämlich nur im Ausnahmefall, der möglichst spektakulär sein und katastrophische Züge tragen sollte. Meist werden Zuwanderer mit Chaos und Kriminalität in Verbindung gebracht: (Mafia-)Morden, (Banden-)Raub und (Asyl-)Betrug. Das angelsächsische Bonmot »Only bad news is good news« abwandelnd, kann man für deutsche Medien feststellen: Nur böse Ausländer sind gute Ausländer!

Menschen, die zuwandern, werden von Journalisten nach zwei Kriterien beurteilt: einerseits nach ihrem Nutzen für die Deutschen und ihren »Wirtschaftsstandort«, andererseits nach ihrer ethnischen Abstammung. Migration erscheint als Bedrohung oder Bereicherung der Einheimischen, jedoch selten als Normalität in einer globalisierten Welt. Während das Kapital in Sekundenbruchteilen alle Grenzen überwindet, bleibt Zuwanderung besonders aus ärmeren Ländern unerwünscht – außer bei hoch qualifizierten Experten oder jungen Familien, die als demografische Lückenbüßer fungieren. Artikelüberschriften wie Wegen Überalterung und Facharbeitermangels: Deutschland braucht mehr Ausländer (Süddeutsche Zeitung vom 26.6.2007) oder Migranten gegen den Arbeitskräftemangel (Die Welt vom 26.6.2007) lassen erkennen: Die Medien nehmen kaum Anstoß daran, wenn Zuwanderer nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit beurteilt werden, im Gegenteil. Sie unterstützen überwiegend die restriktive Migrationspolitik des am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungs(begrenzungs)gesetzes.

»Ethnisierung« ist ein sozialer Ausgrenzungsmechanismus, der Minderheiten schafft, diese (fast immer) negativ etikettiert und damit die Privilegien einer herrschenden Mehrheit zementiert. Je unerbittlicher im Zuge der Globalisierung das Thema Konkurrenz ins Zentrum zwischenstaatlicher und zwischenmenschlicher Beziehungen rückt, desto leichter lassen sich kulturelle Differenzen politisch aufladen. Die Medien treiben diesen Ausgrenzungsprozess voran, indem sie als Motoren und Multiplikatoren der Ethnisierung wirken.

Das fängt schon bei der Wortwahl an. »Wanderungswellen«, »Migrationsströme« und »Asylantenfluten« machen Angst. Ob der Fernsehmoderator von »Asylanten« oder »Flüchtlingen« spricht, ist ein wichtiger Unterschied. Und wenn in der Kriminalitätsberichterstattung einer Lokalzeitung nichtdeutsche Täternamen ausgeschrieben werden, verfestigt sich der Eindruck, die »Ausländerkriminalität« sei im Wachsen begriffen. Da muss die Schlagzeile gar nicht Türken überfielen Tankstelle lauten, um rassistische Stereotype in den Köpfen zu verstärken.

Während die Vertreter ethnischer Minderheiten eher im Kollektiv auftauchen, werden Deutsche überwiegend als Einzeltäter dargestellt. Ein gutes Beispiel dafür lieferte die rheinische Boulevardzeitung Express am 21. Oktober 1999. Ihr Aufmacher auf Seite eins lautete: Balkan-Bande hops genommen. Danke, Polizei! – Hunderte Einbrüche in und um Köln aufgeklärt . Hingegen war der Artikel Burgenkönig vor Gericht: Wie oft hat er betrogen? vergleichsweise klein und stand erst auf Seite 28, obwohl es dabei um einen Schaden in Millionenhöhe ging.

Über mehrere Jahre hinweg waren junge Taschendiebe aus Südosteuropa ein Topthema der Boulevardpresse, die das Ausländerbild der Deutschen maßgeblich prägt. Am 9. November 1999 brachte der Express die Schlagzeile Passen Sie auf! Klau-Kinder in der Stadt. Am 22. August 2002 veröffentlichte er unter der Überschrift Die Klau-Kids von Köln. Sie haben Hunderte von Menschen überfallen und beklaut. Und sie laufen frei herum nach Art eines Fahndungsaufrufs die Bilder von 53 überwiegend dunkelhäutig aussehenden Jugendlichen. Nachdem sich der Verleger persönlich für die rassistische Stimmungsmache seines Blatts entschuldigt hatte, schien das Thema erledigt. Rechtzeitig zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland griff es die Bild- Zeitung jedoch erneut auf. Unter dem Titel WM-Alarm: Klau-Kids wieder da! berichtete sie am 25. April 2006 über Banden kleiner Trickdiebe »aus Süd- und Lateinamerika und Osteuropa«, die es besonders auf Touristen abgesehen hätten.

Für die Migrationsberichterstattung stellten die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon eine Zäsur dar. Zumindest in Westdeutschland löst der arabische oder türkische Muslim seither den südeuropäischen »Gastarbeiter« und den schwarzen Asylbewerber als dominantes Ausländerstereotyp ab. Gleichzeitig ist eine dreifache Veränderung in der Migrationsberichterstattung feststellbar: Erstens verschränken sich der Migrations- und der Kriminalitätsdiskurs noch stärker als während der Asyldebatte 1991/92. Zweitens wurde der Kriminalitätsdiskurs politisch-ideologisch aufgeladen, verschärfte sich zum Terrorismusdiskurs und durch die flächendeckende Verbreitung der »Kulturkampf«-Metapher zu einem global angelegten Kriegsdiskurs. Drittens kam es zur »Islamisierung« des Migrations- wie des Kriminalitätsdiskurses. Außenpolitisch spielten die EU-Beitrittspläne der Türkei, innenpolitisch das Kopftuch von Musliminnen, »Ehrenmorde« und Zwangsheiraten eine Schlüsselrolle.

Nunmehr verdunkelte sich nicht bloß das Islambild deutscher Medien, sondern erlebte auch die Deutung der Weltpolitik als Kampf der Kulturen (Samuel P. Huntington) oder Krieg der Zivilisationen (Bassam Tibi) eine Renaissance. Die ZEIT brachte in ihrer Ausgabe vom 13. September 2001, welche ungewohnt reißerisch und in roten Lettern Krieg gegen die USA verkündete, einen Leitartikel unter dem Titel » Die Zielscheibe: Unsere Zivilisation. Terror total und global« . Nach dem 11. September wurden Osama bin Laden und Al-Qaida zu Chiffren, die einen »Kulturkampf« gegen die westliche Zivilisation symbolisieren sollten.

Terrorismus, Fundamentalismus und Islamismus avancierten in vielen Medien zu einer allgegenwärtigen Gefahr, der man gemeinsam mit US-Präsident George W. Bush in kriegerischer Manier entgegentrat. Überwunden geglaubte Klischees beherrschten wieder die Titelseiten großer deutscher Nachrichtenmagazine. Erwähnt seien hier nur das stern- Titelbild vom 27. September 2001, auf dem ein dunkelhäutiger Mann mit Vollbart und Sonnenbrille zu sehen ist, in deren Gläsern sich die brennenden Türme des World Trade Center spiegeln, sowie das Titelbild eines Spiegel specials (2/2003) zum Thema Allahs blutiges Land. Der Islam und der Nahe Osten, das von verschleierten Musliminnen über einen bärtigen Fanatiker mit bluttriefendem Krummdolch bis zum flammenden Inferno über Juden alle Stereotype bedient.

Auch der vorübergehend liberalere Zeitgeist in der Migrationspolitik wandelte sich nach dem 11. September wieder. Nun bestimmte der »Schläfer« das Zerrbild der muslimischen Migranten. Zuwanderer wurden noch stärker mit Kriminalität, Irrationalität, Rückständigkeit, religiösem Fundamentalismus und ideologischem Fanatismus in Verbindung gebracht. Noch lange nach den Attentaten dominierten in deutschen Massenmedien die Bilder der brennenden Zwillingstürme, militärische Metaphern und eine martialische Sprache. Jetzt droht Kampf der Kulturen (Rheinische Post vom 4.2.2006), Sich rüsten für den Kampf der Kulturen (Welt am Sonntag vom 19.2.2006) oder »Das ist der Krieg der Kulturen« (Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.2.2006).

So lauteten typische Schlagzeilen zum Karikaturenstreit und zu dem türkischen Film Tal der Wölfe . Bei einem »Kampf der Kulturen« tritt die Projektion von Feindbildern an die Stelle der Bereitschaft zur Kooperation zwischen großen Teilen der Menschheit. Eine von Fundamentalisten, rechten Scharfmachern und religiösen Fanatikern inszenierte Konfrontation, die letztlich nur der Provokation von Andersdenkenden dient und zur militärischen Eskalation drängt, wird als unausweichliche Auseinandersetzung von historischer Tragweite interpretiert. Ein solches Paradigma reduziert, wenn es sich einmal in den Köpfen festgesetzt hat, die Chancen für Kompromisse und gefährdet das friedliche Zusammenleben aller Erdenbürger.

Ein Jahr nach den Terroranschlägen von New York veröffentlichte Hans-Ulrich Wehler in der ZEIT den Gastbeitrag Das Türkenproblem. Der Westen braucht die Türkei – etwa als Frontstaat gegen den Irak. Aber in die EU darf das muslimische Land niemals . Der Titel ließ die antiislamische Stoßrichtung der Diskussion deutlich erkennen. Wehler beschwor die »Kulturgrenzen« zwischen Europa und der Türkei, woraus sich für ihn die Behauptung ergab: »Überall in Europa erweisen sich muslimische Minderheiten als nicht assimilierbar und igeln sich in ihrer Subkultur ein. Auch die Bundesrepublik hat bekanntlich kein Ausländer-, sondern ausschließlich ein Türkenproblem.«

Als der Bombenterror am 11. März 2004 mit den Anschlägen auf Vorortzüge in Madrid auch Europa traf, wurde das migrationspolitische Klima noch rauer. Nach der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh am 2. November 2004 erlebte die Bezeichnung »Parallelgesellschaft« als Konträrbegriff zur »multikulturellen Gesellschaft« ihren medialen Durchbruch. Die Debatte gipfelte in dem Artikel »Die Schlacht um Europa« von Gilles Kepel in der Welt am Sonntag vom 21. November 2004 und im Titelblatt des tags darauf erschienenen Focus Unheimliche Gäste. Die Gegenwelt der Muslime in Deutschland. Damit wurde das Feindbild des Kalten Krieges einerseits restauriert, andererseits modernisiert.

Nun machte man offen Stimmung gegen Muslime. So nährte der Schriftsteller Botho Strauß durch historische Reminiszenzen an Kreuzzüge, Türkenkriege und Reconquista die Furcht vor einer Islamisierung des Westens, als er im Spiegel vom 13. Februar 2006 fragte, »ob die erfolgreichen Abwehrkämpfe, die das christliche Europa einst gegen den Ansturm arabischer Mächte führte, von heute aus gesehen nicht umsonst gewesen sind. Der zur Mehrheit tendierende Anteil der muslimischen Bevölkerung von Amsterdam und anderen Metropolen braucht unsere Toleranz bald nicht mehr.« Tatsächlich könnten eines Tages die Migranten in einigen Städten mehrheitsfähig werden – aber es handelt sich bei ihnen keineswegs um Menschen ein und derselben Religionszugehörigkeit, und sie werden auch kaum alle zum Islam konvertieren.

Damit nicht genug. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ, beschwor in einem Gespräch mit dem Spiegel vom 6. März 2006 die Gefahr, dass »die westliche, aufgeklärte Kultur, die aus abendländischen, christlichen Werten stammt«, den Muslimen aufgrund ihrer höheren Fertilität nicht gewachsen sei: »Jeder weiß, dass ein Teil der islamischen Welt uns den Krieg erklärt hat. Die muselmanische Reconquista hat demografische Ursachen, die Geburtenrate wird in diesen Ländern noch bis ins Jahr 2050 wachsen.«

Auch die kampagnenartige Berichterstattung über »Zwangsverheiratungen« sowie »Ehrenmorde« hatte rassistische Untertöne. Mediendarstellungen wirkten stigmatisierend und verstärkten den Eindruck, dass sich die muslimischen Migranten, Türken zumal, ohne Ausnahme in »Parallelgesellschaften« verschanzen, ihre Frauen unterdrücken, einfach nicht »zu uns« passen und vielmehr dorthin gehören, wo sie herkommen. Immer wieder schlägt das Thema »Migration und mangelnde Integration von Zuwanderern« hohe Wellen. Auslöser waren der so genannte Karikaturenstreit und die fast ausnahmslos mit einem hohen Anteil von Jugendlichen türkischer oder arabischer Herkunft erklärte Brutalität an der Rütli-Oberschule in Berlin-Neukölln. Folgt man der Debatte, dann wurde Integration nur noch als eine mit harten Sanktionsdrohungen durchzusetzende Zwangsveranstaltung begriffen.

Besonders den Muslimen wurden immer mehr Vorleistungen im Hinblick auf Sprachkurse sowie Einbürgerungstests abverlangt. Unter der Schlagzeile Ausländer-Politik: So hat der Staat versagt behauptete die Bild- Zeitung am 6. April 2006, jahrzehntelang seien Kriminalität, Arbeitslosigkeit und mangelnde Deutschkenntnisse von Ausländern tabuisiert worden: »Erst der Hilfeschrei der Lehrer aus der Berliner Rütli-Schule hat die Politik aufgeschreckt.« Weiter hieß es zur Situation in deutschen Großstädten, Ausländer konzentrierten sich in bestimmten Stadtvierteln wie Berlin-Neukölln: »Dort schotten sich Ausländer verschiedener Nationalitäten vom Rest der Bevölkerung ab – und leben oft nach ihren eigenen Gesetzen.«

Als eine Frankfurter Familienrichterin im März 2007 einer Scheidungswilligen die Aufhebung des Trennungsjahres verweigerte, weil die mit einem gewalttätigen Marokkaner verheiratete Frau habe voraussehen müssen, dass er sein religiös verbrieftes Züchtigungsrecht wahrnehme, empörten sich die Medien nicht etwa über die verkürzte, unhistorische Koran-Auslegung der Juristin, sondern über ihre Rücksichtnahme auf eine fremde Rechtsauffassung. Im Spiegel vom 26. März 2007, dessen Titelbild das Brandenburger Tor unter einem türkischen Halbmond zeigt und die Überschrift Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung trägt, wurde die Frage gestellt: »Haben wir schon die Scharia?«

Zuletzt sorgte der Konflikt um den Bau einer Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld bundesweit für Schlagzeilen. Wie üblich, wenn hierzulande ein repräsentatives Gotteshaus für Muslime errichtet werden soll, erregten die Weite der Kuppel, die Höhe der Minarette, die Lautstärke des Muezzin-Rufes und die Zahl der geplanten Parkplätze monatelang die Gemüter. Politisch brisant war der Vorgang, weil die rechtspopulistische »Bürgerbewegung pro Köln« den Widerstand stimulierte. Zwar verurteilten die Massenmedien das Wirken von pro Köln, zeigten aber demonstrativ Verständnis für Bedenken hinsichtlich der Lage, Größe und architektonischen Gestaltung des Bauwerks. In der Lokal- wie auch in der überregionalen Presse tat man so, als ob es sich bei den vorgeschobenen Kritikpunkten an Einzelheiten des Bauplans um triftige Gegenargumente handle, verkannte jedoch völlig, dass selbst Neonazis, wohl wissend um die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit, den Moscheebau gar nicht generell ablehnen, sondern gleichfalls Detailkritik vorschieben, um ihre rassistische Abwehrhaltung dahinter zu verstecken.

Die größte Lokalzeitung, der Kölner Stadt-Anzeiger, ließ eine repräsentative Umfrage zum Moscheebau durchführen, ohne sich die Frage zu stellen, ob je eine Synagoge in Deutschland errichtet worden wäre, wenn man die Bevölkerung darüber hätte abstimmen lassen. Wie unterschiedlich man demoskopische Ergebnisse deuten und verarbeiten kann, zeigte die mediale Präsentation der Umfrageergebnisse. Die Schlagzeile auf Seite eins der Zeitung verkündete am 20. Juni 2007 Kölner gegen Moschee in geplanter Größe. Die Überschrift auf Seite 29 des Lokalteils hatte jedoch den entgegengesetzten Tenor: Zwei Drittel der Kölner halten Bau generell für richtig. Mehrheit sieht darin einen Beitrag zur besseren Integration der Muslime. Hier wurde nach prinzipieller Zustimmung (62,7 Prozent), Zweifeln an der Dimensionierung des geplanten Gebäudes (27,1 Prozent) und Ablehnung (31,4 Prozent) unterschieden.

Noch größer war die Akzeptanz des Moscheebaus in dem betroffenen Stadtteil selbst. In der taz, die sich am Tag darauf über die widersprüchliche Darstellung ihres Konkurrenzblatts mokierte, sprach der Kölner DGB-Vorsitzende Wolfgang Uellenberg-van Dawen von »integrationsfeindlicher Stimmungsmache«, die er als »verantwortungslos« brandmarkte.

Durch die Art und Weise, wie man in der Öffentlichkeit über Ausländer, Flüchtlinge, Arbeitsmigranten und ethnische Minderheiten, aber auch über die Möglichkeit eines gedeihlichen Zusammenlebens mit ihnen spricht, entscheidet sich tatsächlich, ob eine Ausgrenzung von »Fremden« um sich greift. Die Medien sind mitverantwortlich, ob die Gesellschaft zerfällt oder eine gemeinsame Perspektive für alle ihre Mitglieder entwickelt. Gerade nach Ereignissen wie der pogromartigen Hetzjagd auf indische Migranten in Mügeln sollten sich Journalisten ihrer Verantwortung für das Gelingen der Integration stets bewusst sein.

Christoph Butterwegge ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Von ihm erschienen unter anderem im VS Verlag die Studien »Massenmedien, Migration und Integration« sowie »Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung« (beide zusammen mit Gudrun Hentges)

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Leserkommentare
    • Anonym
    • 01. November 2007 10:47 Uhr

    Bei uns werden alle kritisiert, von irgend jemand. Die Bayern von den Preißn, die Christen von den Atheisten, die Männer von den Feministinnen, die Schwulen von den Machos, und so weiter und so fort. Das Ausländer genauso scharf angegangen werden von einigen Gruppen der Gesellschaft ist nur ein Zeichen von Normalisierung - das es eben keine "Gastarbeiter" mehr sind sondern Teil der Gesellschaft. Hörten wir auf uns gegenseitig zu kritisieren, die Gesellschaft flöge auseinander. Wenn die Borniertheit nämlich so weit wäre, würden viele nur noch die eigene Faust als Argument begreifen. Politische Korrektheit lässt Probleme nicht verschwinden sondern sie gären weiter, nur unter der Oberfläche bis sie explosionsartig hervorkommen. Die fehlende Kritik der französischen Vorstädte an Frankreich hat sich dort entsprechend Entladen. Das kann aber auch umgekehrt sein. Es geht hier nicht um Deutsche vs. Migranten sondern um Menschen vs. Menschen. Bevölkerungsgruppen. Genauso müssen wir das Thema beurteilen. Rassismus ist genauso fehlt am platze wie jegliche disqualifizierende Äußerung bei einer diskussion. Aber von seinen Nachbarn zu fordern man möge doch nach 20-30 Jahren anwesenheit mal gescheit deutsch lernen um sich auch mal zu Unterhalten, gar ein Nachbarschaftsfest zu organisieren oder so, das ist nur Anzeichen von Normalität und eben ein Ende der ewigen "Toleranz" - also des puren Tolerierens deren Anwesenheit ohne diese als Teil unseres Lebens wahrzunehmen. Und in der Tat, jemand der hier lebt MUSS die Landessprache sprechen. Das geht uns umgekehrt genauso, studieren wir im Ausland oder so dann wird uns auch keiner auf deutsch Unterrichten, uns auf deutsch im Laden bedienen, etc. wieso soll das umgekehrt irgendwie anders sein. 

  1. Der Artikel überzeugt mich aus zwei Gründen nicht. Erstens erfolgt die "Beweisführung" dafür, dass irgendwer (die Medien? "man"?) einen Krieg der Kulturen o.ä. herbeischreiben wolle, rein deskriptiv. Hier eine Zeitungsüberschrift, dort ein Medienecho, alles willkürlich aneinandergereiht - so geht man üblicherweise dann vor, wenn man selbst bereits ein festgefügtes Bild von der darzustellenden Sache hat, das man anderen nicht mehr erklären und begründen kann bzw. möchte, sondern nur noch sich selbst und der eigenen Bezugsgruppe bestätigen will. Ein dermaßen wenig analytisches Vorgehen dürfte für einen deutschen Universitätsprofessor doch spürbar unter dem zu fordernden Niveau liegen.
    Zweitens und wichtiger, nämlich zum eigentlichen Thema: Der Autor scheint nicht gewillt, sich mit der komplizierten, spannenden, viele Menschen beschäftigenden Frage, wie ein gedeihliches Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft funktionieren kann, welche Probleme oder Lösungsansätze es gibt, ernsthaft auseinanderzusetzen. Wie selbstverständlich deklariert Herr Butterwegge, globale Migration sein nun einmal normal und Tatsache, Punkt, aus. Alle Schwierigkeiten erscheinen in seinem offenbar arg simplen Weltbild nur Schuld der entweder in Gänze intoleranten oder von rassistischen, in Multiplikatorenpositionen sitzenden Agenten verführten Mehrheitsgesellschaft zu sein. Ebensowenig will er offenbar bezüglich der Bürger mit Migrationshintergrund selbst differenzieren: Auf diese geht er gar nicht ein. Er will wohl mit aller Macht verdrängen, dass es in Teilen (Teilen! Nicht bei allen! Bitte differenzieren!) der migrierten Bevölkerung tatsächlich kulturelle Praktiken gibt, die große gesellschaftliche Sprengkraft besitzen: Bildungsfeindschaft, archaisch-patriarchale Klanstrukturen, aggressives nationalistisches oder religiöses Überlegenheitsdenken. Darüber - wie selbstverständlich auch über analoge Verhaltensweisen in Teilen der alteingesessenen Bevölkerung - muss man sprechen. Herr Butterwegge scheint demgegenüber implizit Denkverbote zu fordern, wenn er geneigt ist, alle entsprechenden Berichte zuerst einmal pauschal als rassistisch, kulturkämpferisch etc. abzuqualifizieren. Das ist aber (nicht nur) für einen Intellektuellen unwürdig und gesellschaftspolitisch bestenfalls naiv.

    • Zel
    • 01. November 2007 12:23 Uhr

    Mir ist nicht klar, was die Botschaft sein soll? Auf der einen Seite wird sich über vermeintlich einseitige, gar rassistische Berichterstattung der Kollegen echauffiert, am Ende dann aber ins selbe Horn geblasen und von "progromartigen" Mügelner Schrecklichkeiten fantasiert, die so offenkundig nicht zu deuten sind. Das war tatsächlich so scheint es derzeit nichts weiter als eine Bierzeltkeilerei mit Migrationshintergrund-mehr Integration in der Biernation ist nicht möglich und dennoch reicht es manchem nicht.Das es Einheimische (egal mit welchem Hintergrund) nervt und unlogisch erscheint, daß hier in Deutschland geborene Kinder sowie seit Jahrzehnten lebende Erwachsene nicht in der Lage sind, einfachste Sätze in der Landessprache zu formulieren ist kein Rassismus, sondern das Gegenteil. Wer Zugewanderte als Sondergruppe betrachten will, die Kraft ihrer gemutmaßten Herkunft (viele selbsternannte "Ausländer" waren im Ausland allenfalls als Tourist) nicht in der Lage sein soll, sich regional einzuordnen ist dann doch eher einer, der sich und seinesgleichen als "höher" betrachtet. Wer sich über Ghettodeutsch aufregt, der sieht den Menschen als gleich an und wundert sich schlicht über dessen offenkundig gewolltes Unvermögen. Fast jeder Holländer, der nie hier gelebt hat spricht besseres Deutsch als der "Durchschnittsmigrant"-das ist keine Häme, aber jeder der wirklichen Kontakt mit Migranten hat und ihn nicht nur theoretisiert würde niemals wegleugnen, daß es eben ist, wie es ist.Und das im Zusammenhang mit dem elften September sich die Türme in der Sonnenbrille eines Dunkelhäutigen spiegeln ist ebenso wenig Rassismus. Muslime sehen mehrheitlich nunmal nicht so aus wie Fips Asmussen, und das Dunkelhäutige aus mehrerlei Hinsicht mit gemischten Gefühlen auf dieses Attentat blicken fließt in dieses Coverbild mit ein.Dieses dämliche Zerrbild, daß der "weiße Mann" doch bitte keine Streitigkeiten oder gar Diskussionen mit "dem Rest der Welt" vom Zaun zu brechen habe, dieses Zerrbild hat sich zum Glück überlebt.Heute ist die Gesellschaft nämlich schon weiter als die ganzen vom realen Leben abgekoppelten Autoren der Kuscheljournallie und es wird Klartext geredet. Das als Rassimus umzudeuten ist der eigentliche Rassismus.

    • Anonym
    • 01. November 2007 12:47 Uhr

    Jede Aktion hervorruft eine Reaktion.Dies ist rein physisch oder physikalisch nicht zu verhindern.Das auf dem Mond keine Vegetation existiert, ist kein Klischee, kein Stereotyp, kein rassistisches Vorurteil, sondern ein determinierter Superfakt.Um anderswie die Weltwirklichkeit zu erfassen:Die Realität ist unschön. Und so bleibt dies für immer bestehen. Ob es jemandem gefällt, oder nicht.Sozialpsychologe Prof. Dr. Carlo Michael Sommer schlussfolgert:"Aber Vorurteile sind aus psychologischer Sicht unbedingt notwendig, um
    im Alltag bestehen zu können. Wir begegnen so viele Menschen, daß es
    ein Zeichen von Intelligenz ist, wenn wir sie blitzschnell nach ihren
    äußeren Kennzeichen einordnen."

  2. Ich habe Ihren Artikel Benehmt Euch mit großem Interesse gelesen. Ihr Artikel widmet sich einem längst überfälligen Thema: dem Zusammenhang zwischen den September-Attentaten und der Migrationsberichterstattung der letzten Jahre. Davon ausgehend, dass Ethnisierung als sozialer Ausgrenzungsmechanismus fungiert, der Minderheiten kreiert und etikettiert und damit die Privilegien der Mehrheitsgesellschaft sichert, arbeiten Sie die Kriminalisierung, Ideologisierung und Islamisierung der hiesigen Migrationsdebatten heraus. Ich möchte auf zwei Dinge ergänzend hinweisen. Der Titel ist nicht ganz so gut gewählt. Es geht hier ja gerade nicht um das Benehmen des Einzelnen bzw. seines Milieus, sondern um tiefsitzende – häufig diffuse – Ängste vor dem Anderen, Fremden, die nach September 11th geschürt wurden.  Das führt mich zum nächsten Punkt. Von wem wurden sie geschürt? Sicherlich haben die Medien ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Aber: Die Vertreter der Medien kommen aus der, wie Sie sagen, "Mitte der Gesellschaft". Ihre Berichte spiegeln das, was in der (Mehrheits-)Gesellschaft gedacht und gefühlt wird. Die Medien sind "mitverantwortlich" – das darf den Einzelnen aber nicht aus seiner Verantwortung entlassen. Und: Wenn Sie die Medien in dieser Hinsicht so gezielt ins Visier nehmen, sollte das in aller Komplexität geschehen. Zwei Beispiele möchte ich anführen. Der Zeit-Artikel Die Fremden bei uns vom 14. Juni ist ein Beispiel dafür, dass die Medien ihrer aufklärerischen Funktion noch immer nachkommen. In Kai Biermanns Zeit-Artikel Die Wahrheit über Migranten finde ich hingegen neben dem provokativen Titel zwei Dinge problematisch. (1.) Er setzt sich nicht kritisch mit den Milieukategorien der Sinus-Studie auseinander, vgl. hierzu meinen Kommentar http://kommentare.zeit.de/node/60887/80276#comment-80276. (2.) Er leitet seinen Beitrag damit ein, dass es das erste Mal sei, dass sich Deutschland für seine Migranten interessiere. Da es sich bei der Sinus-Studie um eine Langzeitstudie handelt, die vor Jahrzehnten begann, ist diese Aussage bewußt irreführend. Fest steht, dass die Verantwortung, "ob die Gesellschaft zerfällt oder eine gemeinsame Perspektive für alle ihre Mitglieder entwickelt", die Aufgabe ALLER in Deutschland lebenden Menschen ist, auch der Menschen, die (wie ich) einen Migrationshintergrund haben. Die Bild-dir-deine-Meinung-Schlagzeile WM-Alarm: Klau-Kids wieder da! vom 25. April 2006 finde ich nicht nur aufgrund der Wortschöpfung amüsant: Einige meiner Freunde aus der angeblich hochgefährlichen Ciudad de México sind in unseren europäischen Landen von mitteleuropäisch und nicht etwa von lateinamerikanisch oder osteuropäisch aussehenden Bandenmitgliedern ausgeraubt worden. Es ist also immer auch die Frage, ob die schlagzeilige Saat auf dem richtigen Nährboden gedeihen kann – oder eben nicht. Gabrijela Mecky Zaragoza

  3. Die ZEIT legt mit diesem Artikel meiner Meinung nach wieder einmal die Messlatte bezüglich der Ausgeglichenheit und Weitblick ihrer Berichterstattung, die zudem auch Selbstkritik zulässt. Dem Artikel geht es ja gar nicht darum, irgendwelche Probleme schön zu reden, es geht ihm nicht darum, den Ausländern eine Stimme zu geben...sonder darum, dass man sich bewusst sein sollte, dass wohl fast jeder sich von Schlagzeilen, Redeweisen und metaphorisch aufgeladenen Titelbildern unbewusst beeinflussen lässt. Als schweizer Bürger habe ich mich vor den Wahlen aufgeregt über die ja auch im Ausland bekanntgewordenen Schäfchen-Plakate (drei weisse Schafe kicken ein schwarzes aus der Schweiz) der rechts-bürgerlichen Partei SVP..solange man nur lange genug immer von "kriminellen Ausländern" spricht, denkt man doch irgendwann beim Wort "Ausländer" das "kriminell" selbst dazu, obwohl die Mehrheit von ihnen es ja eben nicht ist.* Diese Erkenntnis bedeutet nicht, nicht sagen zu dürfen, dass die Ausländer im Schnitt krimineller sind als schweizer Bürger. 
    Kurz und gut: Dem Artikel geht es darum uns bewusst zu machen, dass die Art und Weise wie über ein Thema berichtet wird, uns in unseren Meinungen und Überzeugungen sehr wohl beeinflussen kann, auch wenn dies unbewusst geschieht!  Deshalb lohnt es sich meiner Meinung nach durchaus, sich selbst zu fragen, woher man eigentlich seine Meinung über bestimmte Themen her hat und von welchen Medien, Bildern, Meinungen und Aussagen man beeinflusst wird.
    *Der Parteichef sagte schon 2003: Wenn ich von steigender Krininalität rede, wenden sich die Medien ab, sage ich "steigende Ausländerkriminalität" habe ich die mediale Beachtung auf sicher...
     
    B.G.

    • kb26919
    • 01. November 2007 13:10 Uhr

    auf eine Aktion,naehmlich dass durch die vielem muslimischen Migranten Unruhe und Unfrieden ins Land gebracht worden ist.Muslime sind sicherlich nicht alle die friedfertigen Menschen die uns den Gefallen tun die deutsche Kultur zu bereichern und sie sind sicherlich auch nicht alle die 'Taliban next door' aber irgendwo in der Mitte ist eine Wahrheit und die wird von der einschlaegigen Presse und Stimmungsmachern verwaessert.
    Es ist weder fremdenfeindlich noch rassistisch diese gravierenden Unterschiede in der Lebensart von Muslimen abzulehnen,zu bemaengeln dass selbst in Deutschland geborene Kinder zum groessten Teil nicht in der Lage sind Deutsch zu sprechen ,von Kriminalitaet der Kindern mit Migranten Hintergrund zu reden - denn das hat sich niemand ausgedacht.
    Wenn Einheimische nicht gluecklich sind dass ihre Ortsteile uberfremdet sind und die Schulen Probleme mit Kindern aus bildungsfremden Kreisen dann ist das doch nicht gelogen ebenso wenig sind Ehrenmorde  und Zwangsheiraten usw., der Phantasie der Deutschen entsprungen.Die Ablehnung in der Gesellschaft gegen gewisse Migranten entspringen den Erfahrungen die man mit den Leuten gemacht hat nicht irgendwelchen Luftbildern.Migranten sind selber verantwortlich fuer ihr Image daran aendert auch nichts ,egal was die Gruenen oder andere Multi-Kulti Fans von sich geben. Es ist keine kulturelle Bereicherung wenn man gewisse Ortsteile als Deutscher nicht mehr betreten kann weil man von muslimischen Halbstarken angepoebelt und bedroht wird und in Moscheen Hass gepredigt wird. Allerdings koenen sich die Regierungen -momentane und verflossene nicht freisprechen von Mitschuld an diesen Zustaenden denn sie haben nicht aufgepasst , die Leute gewaehren lassen und die Migration nicht gesteuert was sich heute als grossen Fehler erwiesen hat.

  4. Das werden sich hier viele Fragen, die die bisherige Berichterstattung über Migranten nie in Frage gestellt haben, weil sie genau die Ressentiments bedient hat, an die man sowieso glauben wollte und auch jenseits jeglicher Logik tut.Fakt ist, dass sogar im SPIEGEL eine Titelgeschichte suggeriert hat, dass man eine islamische Gesetzgebung in Deutschland hätte, obwohl in der Titelgeschichte schon mit einem minimalen Nebensatz eingeräumt wurde, dass sämtliche Urteile mit dem Hauch islamischer Gesetze spätestens in der Revision gefallen sind.Es wird Zeit, dass sich die Medien ihrer Verantwortung für Deutschland besinnen, und aufarbeiten, wieviel Resentiments gegen Migranten gestützt und geschürt worden sind, um für Auflagenzahlen das Fähnchen in den Wind zu halten. Für jene, die das nicht verstehen, es ist einfach nicht gut für Deutschland, auf diese Art mit den Gefühlen des Volkes zu spielen. Es folgt dann, dass sich jene im Recht wähnen, die immer schon Vorwände für aktive "Diskriminierung" gesucht haben.

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