Napoleon wird nachgesagt, dass er nur vier Stunden Schlaf brauchte, die er notfalls auch hoch zu Ross absolvierte. Bei allem Respekt: Sein Reittier war ihm da überlegen. Pferde kommen mit drei Stunden Schlaf aus.

Giraffen sind sogar noch anspruchsloser; ihnen genügen zwei Stunden, während Fledermäuse und Streifenhörnchen mit 20 Stunden den Langschläferrekord halten. Doch nicht nur in Bezug auf die Dauer, sondern auch hinsichtlich der Technik gibt es im Tierreich wahre Schlafvirtuosen: Manche schlafen im Stehen (Elefanten, Pferde, Schafe) oder auf einem Bein (Störche, Flamingos), mit dem Kopf nach unten (Fledermäuse, Faultiere), unter Wasser (Robben, Nilpferde), mit offenen Augen (Fische), mit nur einem geschlossenen Auge (Stockenten, Seelöwen, Delfine) und eventuell sogar während des Fliegens (Singvögel, Fregattvögel, Albatrosse).

Solche Vielfalt lässt den menschlichen Forschertrieb nicht ruhen. »Warum machen die das, wie machen die das, und warum können wir das nicht?« lauten die gängigen Fragen der Tierschlafforschung. Ihre Beantwortung soll helfen, das tiefer liegende Rätsel zu lösen, warum Mensch und Tier überhaupt schlafen müssen. Die Spekulationen darüber sind so alt wie die Menschheit. Doch in Schwung kam die Schlafforschung erst vor rund siebzig Jahren, als das Elektroenzephalogramm (EEG) es möglich machte, die im Gehirn entstehenden elektrischen Ströme kontinuierlich aufzuzeichnen. Seither haben Forscher mit immer ausgefeilteren Methoden versucht, die Geheimnisse des Schlafs zutage zu fördern.

Eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse lautet, dass tatsächlich alle Tiere schlafen (nicht nur die Säuger, wie lange angenommen wurde). Auch Fische und Reptilien, Küchenschaben, Motten, Fruchtfliegen und Fadenwürmer brauchen ungestörte Ruhephasen. Wenn man sie zu lange wach hält, holen sie – wie der Mensch – den versäumten Schlaf nach. Und wer am Schlafen dauerhaft gehindert wird, stirbt.

Das wurde bereits Ende der 1980er Jahre in einer großen Schlafentzugsstudie nachgewiesen. Dabei schreckten die Wissenschaftler auch vor fiesen Experimenten nicht zurück. Der amerikanische Schlafforscher Allan Rechtschaffen etwa setzte Ratten auf eine von Wasser umgebene Drehscheibe. Zeigte das EEG, dass das Tier im Begriff war, einzuschlafen, wurde die Scheibe in Bewegung gesetzt, und die Ratte musste gegen die Fliehkraft anlaufen, um nicht ins Wasser zu fallen. Zwei bis drei Wochen lang hielten die Nager die Tortur durch, bis sie – abgemagert, mit Wunden übersät und räudig – schließlich starben. Dies ist in etwa derselbe Zeitraum, den sie ohne Nahrung überleben können. Die Wissenschaft ist jedenfalls dank Rechtschaffen um eine Erkenntnis reicher: Schlafen ist genauso wichtig wie Essen. Der – freiwillige – menschliche Schlafentzugsrekord liegt übrigens bei elf durchwachten Tagen und Nächten.

Fleischfresser schlafen am meisten, tierische Vegetarier am wenigsten

Wer den Tierschlaf erforscht, hat es in mancher Beziehung leichter als die Kollegen, die mit Menschen arbeiten. Mit tierischen Probanden lassen sich sehr viel drastischere Experimente anstellen. So hat die Tierschlafforschung eine Fülle von Einzelergebnissen hervorgebracht; allerdings sind diese alles andere als homogen und häufig widersprüchlich. Kaum scheint eine Erklärung gefunden, wird vom Forscherkollegen eine neue Sau durchs Dorf getrieben, die alles wieder über den Haufen rennt.