Die Mär vom 3-Sekunden-Gedächtnis der Goldfische ist nichts weiter als eine Entschuldigung von Tierquälern, die ihre Fische in zu engen Aquarien halten – nach der Devise: Selbst die kargste Umgebung bietet dem Tier immer wieder etwas Neues. Das kleine kugelförmige Goldfischglas gilt heute nicht mehr als eine artgerechte Behausung für die Fische.

Aber auch die Wissenschaftler haben die Gehirnleistung der Fische lange Zeit unterschätzt. Schließlich ist es gar nicht so einfach herauszufinden, was sich so ein stummes Tier merken kann. In den vergangenen Jahren hat es aber einige Experimente gegeben, bei denen Fische ein erstaunliches Lernvermögen gezeigt haben, das teilweise an die Gelehrigkeit von Hunden erinnert – und Gelerntes zu reproduzieren ist ja eine Art der Erinnerung.

So gelang es Phil Gee von der britischen Plymouth University, Goldfischen beizubringen, einen Hebel zu drücken, um an ihr Futter zu kommen. Und nicht nur das: Die Fische lernten sogar, dass der Mechanismus immer nur zu einer bestimmten Stunde des Tages aktiv war, und kamen dann pünktlich zum Essen angeschwommen. Sein Kollege Jothan Lovell von derselben Hochschule trainierte seine Fische auf ein bestimmtes Tonsignal – fortan konnte der Forscher die Tiere regelrecht zur Fütterung herbeirufen. »Die Wissenschaft weiß schon seit Langem, dass Goldfische ein Gedächtnis von mehr als drei Sekunden haben«, sagt Gee. »Die Untersuchungen zeigen, dass ihre Gedächtnisspanne mindestens drei Monate beträgt.« Christoph Drösser

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