Klimawandel

Von der Natur- zur sozialen Katastrophe

Wo bleibt der Beitrag der Kulturwissenschaften zur Klima-Debatte? Ein Aufruf

Sich abfinden und auf Wasser sehen, gab Gottfried Benn als Parole aus, als die politische Katastrophe des Nationalsozialismus zu bewältigen war. Bennsche Abgeklärtheit ist wieder en vogue, nur hat, wenn man nicht gerade an einem abendstillen See in Mecklenburg sitzt, der Blick auf Wassermassen nichts Beruhigendes mehr. 2005 stand die Millionenstadt New Orleans bis zu 7,60 Meter im Wasser. Die Katastrophenhelfer waren völlig überfordert, obwohl der Scientific American das Desaster vier Jahre zuvor recht plastisch ausgemalt hatte.

Seit Katrina sieht die Welt anders aus, aber das Zäsur-Ereignis als »Naturkatastrophe« zu deklarieren wäre fahrlässig: Die Natur ist kein Subjekt und erlebt folglich keine Katastrophe. Sie bringt allerdings Ereignisse hervor, die für Menschen katastrophal sind, also soziale Folgen haben, die Erwartungen und Vorkehrungen übersteigen. Der Beinahuntergang von New Orleans legte die Hinterbühne der Gesellschaft frei: Die Folgen von »Extremwetter« decken nicht nur unzulänglichen Katastrophenschutz auf, sie zeichnen soziale Ungleichheiten und eine politische Anarchie vor, auf die auch gelassene Akteure kaum eingestellt sind.

Der Klimawandel wird ohne Zweifel zu einer Häufung sozialer Katastrophen führen. Für die temporären oder dauerhaften Formationen von Gesellschaften, die das hervorbringen könnte, hat man sich bislang wenig interessiert. Die Klimaforscher kann man dafür nicht verantwortlich machen, es sind, bis auf wenige Ausnahmen, die Sozial- und Kulturwissenschaften, die dem Geschehen normalitätsfixiert und katastrophenblind zuschauen. Schwere Verwerfungen, die vom Klimakrieg in Darfur bis zum Verlust der Überlebensräume der Inuit reichen, demonstrieren die Körper- und Raumlosigkeit sozial- und kulturwissenschaftlicher Theorien; es ist Zeit, dass sie aus der Welt der Diskurse und Systeme zurückfinden zu den Handlungen und Strategien, mit denen soziale Wesen ihr Dasein zu bewältigen suchen.

Das deutsche Komplementärereignis zu Katrina war Kyrill im Jahr 2007. Der Orkan realisierte sozusagen die Projektionen des Weltklimarats und die Szenarien von Sir Nicholas Stern und verankerte den Klimawandel als vom Menschen gemacht im Massenbewusstsein. Aber er traf auch auf erstmals selbst für den Arbeitsmarkt günstige Konjunkturberichte, sodass sich eine hierzulande ungewohnte can do- Mentalität breitmachte: Wir drehen die Klimachose noch um und verdienen sogar daran. Und weil Angela Merkel und Sigmar Gabriel so gut drauf waren, nahmen sie gleich noch Afrika mit ins Boot, das exemplarisch steht für die Gerechtigkeitslücke zwischen Nord und Süd, die sich mit dem Klimawandel noch weiter öffnen wird. Die aufgescheuchten Konsumenten legten die Ratgeber vom Typ 50 Ways to Save the Planet zur Seite, und während die Grünen partout nicht zum Kerngeschäft zurückfanden, ergrünte eine Gesellschaft von Klimaschützern.

Das Zauberwort heißt Anpassung. Wie das aussehen soll, weiß niemand

Niemand kann etwas dagegen haben, wenn die politische Führung die Ärmel hochkrempelt und die Bevölkerung anpackt, bevor Sandsäcke ausgegeben werden. Aber die Verbindung protestantischer Gewissensethik mit deutscher Ingenieurkunst suggeriert, der Klimawandel sei abzuwenden und die Katastrophe zu verhindern, indem man an den richtigen Stellschrauben politischer Technologie dreht. Das dürfte ein kapitaler Denkfehler sein: Statt den Klimawandel als abhängige Variable politisch-technischer Strategien und Verhaltensweisen aufzufassen, begreift man ihn besser als unabhängige Variable, die den Individuen und Gesellschaften immense kulturelle Anpassungsleistungen abverlangen wird.

»Adaptation«, Anpassung an das Unvermeidliche, ist deshalb das Zauberwort aller nationalen und europäischen Forschungsprogramme. Wie das aussehen könnte, weiß bisher kaum jemand. Aber man kann fragen: Welcher Sozialtypus ist geeignet, sich auf kumulierte Risiken (jedenfalls für Zeitgenossen) »unbekannter« Art einzustellen? Wie ist zu verhindern, dass sich realen Problemen überflüssige »Aufregungsschäden« (Niklas Luhmann) hinzugesellen? Die Fixierung auf ein Klima-Armageddon führt in die Irre, eher hat man es fürs erste mit einer Dauerirritation zu tun. Auf Katrina und Kyrill folgten weniger einschneidende, jedoch nicht minder besorgnisauslösende Phänomene wie zum Beispiel das mysteriöse Bienensterben und die Blauzungenseuche. Letztere könnte klimatisch bedingt sein, die jüngsten Überschwemmungen in Afrika wohl nicht. Oder doch? Und ist Biogas die Lösung – oder das neue Problem?

Derartige Sucheinträge im Klimatagebuch, garniert durch Gewinnmeldungen der Biobranche und beflissene Konversionsabsichten der Automobil- und Energieriesen, zeigen die Unsicherheit bei der Benennung der kulturellen Dimension von Klimawandel. Man weiß nur, was er alles nicht ist: nicht Krieg und nicht Super-GAU, nicht Bankenkrise oder Big Bang und auch nicht Pandemie. Aber er hat von allem etwas und ist stets mit dem Menetekel versehen, die durch Klimawandel aufgeworfenen Probleme könnten in massive Gewalt umschlagen. In New Orleans erwog man die Ausrufung des Kriegszustands und die Verhängung des Kriegsrechts.

Was macht Menschen krisenresistent, überlebensfähig, abgeklärt gegenüber solchen Schreckensszenarien? Wie lernen sie, die technisch-naturwissenschaftliche Risikoexpertise kritisch zu lesen, wie übersetzt man kosmische Gefahren in regionale und lebensweltliche Parameter? Und wie begegnet man den üblichen Strategien der Risikoabwälzung und dem pseudorationalen Verhalten derjenigen, die immer erst mal andere handeln lassen? Ohne dabei in Resignation zu verfallen und ohne, im Sinne einer ökologischen Tugenddiktatur, demokratische Errungenschaften und Liberalität aufs Spiel zu setzen? Ansätze »von unten«, wie das famose Klimabündnis US-amerikanischer Städte, treffen hier auf supra- und transnationale Kyoto-Regime, die, was sonst, zunächst das Sankt-Florians-Prinzip auf Weltniveau heben. Man stelle sich aber vor, fünf Millionen Menschen würden künftig zum Beispiel auf die Ruhr schauen und sich nicht abfinden

Offenbar muss sich die Klimaforschung erneuern und erweitern. Das Gros der Auseinandersetzungen mit den Phänomenen und Folgen des Klimawandels sind naturwissenschaftliche Modellrechnungen und Prognosen, angesichts deren Evidenz die Sozial- und Kulturwissenschaften in Schweigen oder Gleichmut verharren, als fielen Eventualitäten wie Gesellschaftszusammenbrüche und Ressourcenkonflikte, Massenmigrationen, Klimakriege und Gewaltökonomien nicht in ihre Zuständigkeit. Zum Glück mehren sich die Verfechter einer transdisziplinären Klimaforschung, die Demokratietheoretiker, Sozialpsychologen, Mentalitätshistoriker, Kulturphilosophen, Geografen, Anthropologen, Künstler, Schriftsteller, Evolutionsbiologen und Religionswissenschaftler einbezieht.

Klimaforschung wird also zu einem Schlüsselthema der Kulturwissenschaft. Zu ihren Aufgaben zählen der Rückblick auf die Katastrophengeschichte der Menschheit und eine nüchterne Bilanz ihrer an Natur- und Sozialkatastrophen gewachsenen Evolutionspotenziale, eine aufmerksame Zeitdiagnose und die genaue Observation mikrosozialen Verhaltens, das zum Beispiel aus einer Unzahl positiver oder negativer Kauf- und Konsumentscheidungen, von Aushandlungsprozessen in Haushalten und Büros besteht, deren Routine durch immer neue Katrina-Schocks unterbrochen wird.

Die Folgen des Klimawandels sind sozial und kulturell, nichts anderes

Auf diesen Feldern können Kulturwissenschaftler ihre Fähigkeiten zur Geltung bringen. Naturwissenschaftler sind gewiss mit Komplexität vertraut, aber wenig mit den Deutungs- und Konstruktionsprozessen von Wirklichkeit, die Menschen in normalen wie außergewöhnlichen Zeiten vornehmen. Von der Rolle, die unterschiedliche Gestalten von Kultur für die Wahrnehmung von Problemen und Lösungen spielen, weiß die herkömmliche Klimaforschung professionell wenig, das erwartet auch niemand von ihr. Aber Natur- und Technikwissenschaftlern ist in der Regel sogar der Gedanke fremd, Menschen könnten Situationen hervorbringen, in denen nichts mehr getan werden kann und Gesellschaften scheitern; und es fehlen ihnen meist auch die Vorstellungen darüber, wie unterschiedliche Handlungsebenen, wie kollektive Vernunft und individuelle Unvernunft zusammenhängen oder wie Gefühle in vernunftgeleitete Handlungsabsichten eingreifen, wie also soziale Handlungen entstehen, die kein einzelner Beteiligter je im Sinn hatte und die gleichwohl Bestandteile von Wirklichkeiten bilden und damit wiederum neue Handlungsprobleme aufwerfen. Die meisten Klimaforschungsprojekte setzen weiter allein auf Hightech oder befragen den Verbraucher, als hätten sie von Wertewandel, Lebensstilanalysen und Konsumentenmacht noch nie etwas gehört.

Tim Flannerys exzellentes Buch Wir Wettermacher ist ein Beispiel für diesen Kontrast zwischen der Schärfe der Analysen und dem Fatalismus der Fakten – und der Niedlichkeit der Vorschläge zur Problemlösung, wenn gegen Ende nur empfohlen wird, kleinere Autos zu kaufen und beim Heimwerken statt der Schlagbohrmaschine wieder den handbetriebenen Drillbohrer hervorzukramen. Flannery ist zuständig für die Dimensionierung der physikalischen Aspekte des Problems, nicht der sozialen. Der Klimawandel ist hinsichtlich seiner Genese und der möglichen Projektionen ein Gegenstand der Naturwissenschaften, aber hinsichtlich der Folgen ein Gegenstand der Sozial- und Kulturwissenschaften. Denn seine Folgen sind sozial und kulturell, nichts anderes. Es sind also nicht allein erneuerbare Energien und nachhaltige Umweltpolitiken gefragt, sondern vor allem kluge Einsichten über Charaktere und soziale Netze, die unangenehme Überraschungen einkalkulieren und Rückschläge verdauen können. Die (mit Gottfried Benn) Unabänderliches zur Kenntnis nehmen und sich auf Unangenehmes einstellen, ohne das Angenehme zu übersehen (vielleicht erst zu entdecken) und das Abänderliche in Angriff nehmen.

Die Autoren sind Direktor bzw. Senior Fellows am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen

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Leser-Kommentare

    • 02.11.2007 um 10:56 Uhr
    • lindejung

    Der Beitrag der Kulturwissenschaften zur Klimadebatte hat eine lange und würdige Tradition und heißt Mediävistik. Unsere aktuellen Durchschnittstemperaturen liegen weit unter denen des Hochmittelalters.Es wird Zeit, den Diskurs wieder in Richtung "Ressourcenschonung" zu drehen.


  1. Aus dem Bericht
    Das deutsche Komplementärereignis zu Katrina war Kyrill im Jahr 2007. Der Orkan realisierte sozusagen die Projektionen des Weltklimarats und die Szenarien von Sir Nicholas Stern und verankerte den Klimawandel als vom Menschen gemacht im Massenbewusstsein.


    Sehr geehrte Herren !

    Vorab aber einmal eine dringende Bemerkung.
    Weder Katrina noch Kyrill haben etwas dem “Klimawandel als vom Menschen gemacht” zu tun. Und der Stern-Bericht ist eine Auftragsarbeit des britischen Schatzkanzlers mit eindeutig politischem Hintergrund.
    Das Auftreten von Hurricans lässt sich nicht mit einer von Menschen verursachten Globalen Erwärmung verbinden. Hurricanes werden seit vielen Jahrzehnten beobachtet und haben ihren eigenen Rhythmus des Auftretens. Die amerikanischen Hurricane- Forscher haben deswegen vereinbart, in den nächsten 10 Jahren mangels konkret vorliegender Daten keine Stellungsnahme mehr abzugeben. Die Internationalen Forscher für Tropische Wirbelstürme gehen davon aus, dass es im Jahre 2100 maximal zu einer Häufung von Wirbelstürmen von nicht mehr als 10 % kommen wird, wenn denn ein Zusammenhang besteht.
    Im 21. Jahrhundert sind global die Anzahl der tropischen Wirbelstürme, mit Ausnahme des Atlantischen Beckens, sogar zurückgegangen.
    Die Katastrophe von New Orleans ist eindeutig auf das Versagen der Behörden zurückzuführen. Der Wirbelsturm Katrina war bei Landfall bereits auf Kategorie 3 zurückgestuft, allerdings mit viel Regen.
    Es wäre nicht zur Katastrophe gekommen, wenn man die vorliegenden Pläne zum Schutz realisiert hätte. Ein Grund für die Nichtrealisierung waren teilweise auch Einsprüche von Naturschutzorganisationen, die ein großes Feuchtgebiet im Norden New-Orleans schützen wollten und auch deswegen klagten.
    Bevor man Nicholaus Stern als Zeugen benennt, sollte man einmal die Kritiken der Umweltökonomen wie Nordhaus und Tol dazu lesen. Stern hat nur extreme Annahmen gemacht, vor allem was die Kosten der Vermeidung von Klimaveränderungen betrifft. Von der Wissenschaft her sind seine Ausführungen nicht zu vertreten.
    Die Wirkung auf die Öffentlichkeit ist dagegen nicht zu leugnen, was man ja auch an Ihren Ausführungen sehen kann. Nach heftiger Kritik hat dann Stern ausgeführt : Selbst wenn meine Ausführungen alle falsch sind, dann wird es nachher immer noch eine bessere Welt sein.
    Eine weitere Stellungnahme zu Ihrem Bericht folgt.

  2. Oder eben die Umweltproblematik insgesamt?
    Mir scheint dies eher das Rüstungs- und damit das Sicherheitsproblem zu sein. Wenn man dieses nicht besser, anders, lösen kann, scheint mir der Umweltschutz sehr schwer möglich. Es läuft all dies, gerade aber wegen der Sicherheitsproblematik, ja doch auf eine Art "wirkliche" Weltregierung hinaus - die derzeit viele aber wohl noch nicht wollen - die aber eben auch nur mit Hochtechnologie, auch high-tech-Sicherheits-Technologie, arbeiten kann.
    Sollte es hier nun aber keine Lösung geben - und hier sind die Geistes- und Kulturwissenschaften eben mehr noch als beim Umweltschutz gefragt - , dann könnte es sein, dass man auch für globale Umweltfragen keine wirkliche Lösung finden kann und wird, dass die Menschen-Welt in einem langsam fortschreitenden Chaos ungeht. Auch darüber müsste man wohl mal offen sprechen - was Wissenschaftlern aber wohl prinzipiell unmöglich scheint, da es immer eine positive Lösung geben muss.
    In der Bibel zumindest hat man ein überwiegend chaotisches Ende ja doch akzeptiert - nur eine kleinere Gruppe guter Menschen kommt gerade noch so friedlich in den Himmel...




  3. Danke, Herr Werner, für den Vorschlag der echten Weltregierung. In Wikipedia heißt es zu Ihrem Vornamen Tobias übrigens: "Der Erzengel Raphael begleitet Tobias auf seiner Reise, nimmt sich seiner an und hilft ihm, seinen Vater von der Blindheit zu heilen." Wenn wir für Vater den "Vater Staat" einsetzen, dann können wir hoffen, dass Raphael (= "Gott heilt [die Seele]") auch auf dieser Ebene seine Aufgabe erfüllt.

    Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie sagen, das Klimaproblem sei nur eines der Probleme. Und es scheint noch weit genug weg zu sein, weiter als das angehäufte Atomwaffenarsenal einschließlich Ahmedinedschads geplanter Atombombe, weiter als ein möglicher finaler Crash des Kapitalismus, weiter als der Terrorismus der Egoisten, Nationalisten und religiösen Fanatiker - oder einfach der Chaoten, die mit einem Streichholz ganze Ökosysteme auslöschen können.

    Ganz allgemein kann man aber sagen: "Die Lage spitzt sich zu." Und man kann sich sogar etwas darauf freuen, denn nur in einer Krise kann eine echte Veränderung erfolgen - vorausgesetzt, dass jemand da ist, der ein gutes Krisenmangement durchzieht. Das kann man der zerstrittenen UNO aber leider nicht zutrauen. Dazu bräuchten wir eine Weltregierung, die allerdings nur dann zustande kommen kann, wenn vorher ein neues Bewusstsein zustandekommt, eine Art Einheitsbewusstsein. Vielleicht kommt dieses ja aus einer höheren Dimension, wie viele Mystiker und Yogis das erfahren und lehren. Sogar die Stringtheorie behauptet, man könne die Welt nur verstehen, wenn man 10 Dimensionen voraussetzt. Der Veda (= Wissen) kennt 10 Mandalas, die dem in etwa entsprechen, die aber nicht linear, sondern selbstreferenziell sind: "Vedoham - ICH bin der Veda".

    Der Prophet Mohammed soll gesagt haben, am Ende der Zeit würden die Berge so weich wie Butter werden. Seit sich das Weltverständnis der Quantenmechanik langsam durchsetzt, s i n d wir am Ende der Zeit, denn wir sind in einem Bereich aller Möglichkeiten angekommen. Ich persönlich bin ein praktischer Mensch und nehme den Propheten beim Wort. Vielleicht gibt es ja bald Diamantwerkzeuge, die Tunnels in den Fels graben, vertikal für Erdwärme und horizontal für Bewässerung und Verkehr. Wir (d.h. die Weltregierung) könnten also unter dem Druck der Notwendigkeit eine WELTINFRASTRUKTUR schaffen, und z.B. muslimische Bangladeschis als Klimafarmer in die Wüste umsiedeln, neue Nahrungsquellen erschließen (z.B. SCP, single cell protein) und ein UTOPIA, einen Garten Eden bauen.

    • 02.11.2007 um 16:14 Uhr
    • Crusader

    werden im Jahr 2050 als die Desinformatiker exempli in den kulturgeschichtlichen Annalen eingehen.

  4. Moin,gähn, schon wieder eine Klima-"Katastrophe", ein bisschen Recherche bringt die klimatologische Bewertung an den Tag.Die Zeit: "Das deutsche Komplementärereignis zu Katrina war Kyrill im Jahr
    2007. Der Orkan realisierte sozusagen die Projektionen des
    Weltklimarats..."Das sagt der Deutsche Wetterdienst dazu:http://www.dwd.de/de/FundE/Klima/KLIS/prod/spezial/sturm/orkan_kyrill_18012007.pdfBeschreibung und klimatologische Bewertung des Orkantiefs „Kyrill“ Wie man sieht, reiht sich das Orkantief Kyrill gut in die Liste seiner Vorgänger ein, einige lieferten nicht so hohe Windspitzen, andere waren kleinräumiger, wie z. B. Lothar, der haupt-sächlich die Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern heimsuchte. Eine Analyse der zeitlichen Entwicklung des mittleren geostrophischen Windes über der deutschen Bucht zeigt, dass ins-gesamt der Antrieb für stärkere Winde nicht zugenommen hat. Vielmehr ist eher eine Schwankung mit einer Periode von rund 50 Jahren zu beobachten.[...]Abschließend kann man sagen, dass es sich klimatologisch gesehen bei Kyrill um einen zwar sehr starken und großräumigen, aber nicht außergewöhnlichen Wintersturm handelte.


  5. Die Schwächen des Artikels liegen sicherlich in der Nicht Infragestellung des Ausmaßes einer kommenden Klimakatastrophe, so wie sie heute die Klimaalarmisten weitgehend verbreiten. Das Überlassen der Erklärung des zukünftigen Geschehens an die Naturwissenschafter ist nicht genügend, besonders auch deswegen, weil es eben auch unter Naturwissenschaftlern keinen Konsens sowohl über die Ursachen einer Temperaturveränderung wie auch über das zukünftige Ausmaß gibt.
    Die Zitierung von Katrina und Kyrill zeigt, dass bei den Autoren doch erhebliche Wissenslücken bestehen.
    Zumindest sollte man sich auch bei den Wissenschaftlern orientieren, die nicht direkt von staatlichen Finanzierungsquellen abhängig sind. Denn wie ja auch im Artikel beschrieben, ist die Politisierung der Klimadiskussion überwältigend.
    In einer vertraulichen Umfrage von Prof. Bray, Hamburg, unter 500 Klimawissenschaftlern aus dem Jahre 2004 vertreten nur ca. 15 % der Befragten die These von CO2 als alleiniger Ursache für Klimaveränderungen. Ebenso viele lehnen CO2 als bestimmende Einflussgröße ab, während sich die Mehrheit neutral verhielt. Ein Konsens ist dies sicherlich nicht.
    Einen recht guten Einblick in die Diskussion bietet ein Artikel von Richard S. Lindzen vom MIT.
    Is There a Basis for Global Warming Alarm? October 21, 2005Richard S. LindzenYale Center for the Study of Globalization

    http://www.independent.org/publications/article.asp?id=1714
    Was die Kulturwissenschaftler in der Diskussion der Naturwissenschaftler durchaus beurteilen können sind die allgemein anerkannten wissenschaftlichen Methoden, deren sich die Klimaforscher bedienen und die in vielen Gebieten sehr mangelhaft sind. Viele Angaben erscheinen nach Prüfung in einem anderen Licht.
    Die größte zu bewältigende Aufgabe in diesem Jahrhundert geht sicherlich von den 3 Milliarden Menschen aus, die bis zum Jahre 2050 zusätzlich auf dem Globus leben werden. Die Anforderungen, hier erfolgreich zu sein, werden enorm sein.
    Man sollte deshalb die vorhandenen Ressourcen sehr vorsichtig auswählen und aussetzen. Ansätze dazu gibt es, z. B. im „Copenhagen Consensus“, wobei aber der herkömmliche Klimaschutz ziemlich weit hinten agiert.
    Den Artikelschreibern ist zu raten, sich etwas mehr in die Problemlage zu vertiefen, und vor allem auch auf die zu hören, die nicht im Main-Stream mitschwimmen. Im englischsprachigen Raum gibt es dazu erheblich mehr Literatur als es dies in Europa ist.
    Ein Gedanke bleibt, wenn auch sehr bescheiden.
    Meldet sich hier vielleicht eine Wissenschaftsrichtung, die auch von dem großen finanziellen Kuchen etwas abbekommen wollen, der derzeit in der Klimawandeldiskussion von der Politik ausgeschüttet wird.?
    Möglich wäre das schon. Andere Wissenschaftszweige haben das mit Erfolg praktiziert.

  6. Ich stimme den Autoren zu - die Geisteswissenschaften haben hier bestimmt eine Menge aufzuholen - um ihre Aufgabe wahrnehmen zu können, müssen sie sich aber auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse stützen, die sie selbst nicht erarbeiten, deren Qualität sie aber bis zu einem gewissen Grad einschätzen können, indem sie sie zB mit anderen Arbeiten vergleichen und nachprüfen, ob wissenschaftlich sauber gearbeitet wurde.Wahrscheinlich trauen sich die Geisteswissenschafter nicht aus ihrem Häuschen, da ihnen sofort unterstellt wird: "ihr seid ja keine Naturwissenschaftler, könnt es daher nicht genau wissen und traut blind und unkritisch der allseits vorhandenen Klima-Panikmache". Der fast einhellige Konsens der Naturwissenschaften zur Ernsthaftigkeit der globalen Erwärmung und darüber, dass sie großteils menschengemacht ist, ist jedenfalls vorhanden - er schlägt sich zB im jüngsten IPCC-Bericht nieder. Populistische Print-Medien (die "Zeit" bildet eine löbliche Ausnahme) spielen indessen das Problem herunter, denn ihre Leser wollen in Ruhe Auto fahren und übers Wochenende mit der Ryanair nach London jetten. Fast zwanzig Jahre nach dem Brundtland-Report wird Kerosin weiterhin nicht besteuert, werden Transporte subventioniert, wird uneingeschränkt mit SUVs gefahren usw. Wo ist da die angebliche Panikmache?Nun gut, es gibt bestimmt eine Minderheit von klimaskeptischen Wissenschaftern - es gibt aber auch "Wissenschafter" in den USA, die die Evolutionstheorie grundsätzlich leugnen und sich dafür auf eine sophisticated-scheinende Version popperscher Wissenschaftstheorie stützen: jede Theorie sei eben nur eine Theorie, werde irgendwann zu Fall gebracht, und daher haben die, die sie verleugnen, jetzt schon recht.In ähnlicher Weise schreien Klimaskeptiker auf, ihr Recht auf Meinungsfreiheit werde bedroht und eine neue Klimatismus-Religion samt zugehöriger Inquisition sei entstanden, sobald man sie auffordert, die Karten auf den Tisch zu legen.

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  • Von Ludger Heidbrink
  • Datum 1.11.2007 - 07:49 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 01.11.2007 Nr. 45
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