Venezuela Hurrikan Hugo und die Achse der Guten

Eine Reise durch das Venezuela des Populisten Hugo Chávez, der sein Land in einer globalen Front gegen die USA sieht – mit Weißrussland, Nordkorea, Iran

Das Ganze sei ein großer Bluff, sagt der italienische Ingenieur, der auf der Touristeninsel Margarita Trinkwasser aufbereitet, »eine bunt schillernde Seifenblase, die bald platzen wird«. Aber seine venezolanische Freundin, die Urlaubsfotos aus Rom – Petersdom, Kolosseum, Via Appia – auf dem Handy gespeichert hat, ist nicht einverstanden. »Früher war es so«, sagt die Ex-Schönheitskönigin und reckt den Arm in die Höhe. »Die Oligarchie war oben, das Volk ganz unten. Jetzt ist es umgekehrt!« Sie fährt sich mit dem Handrücken über die Kehle, die Geste des Halsabschneidens andeutend.

»Demnach ist es eine richtige Revolution?«

»Kommt drauf an, mit wem Sie sprechen. Die einen sagen Ja, die andern Nein!«

Caracas ist die Stadt der Schönheitsköniginnen, und schon mit 16 bekommen Töchter reicher Eltern schmale Nasen und üppige Busen angepasst – wer sich die plastische Chirurgie nicht leisten kann, gilt als unterprivilegiert. Dabei fällt auf, dass die Schönheitsköniginnen meist hellhäutige Blondinen sind wie Irene Saenz, Ex-Bürgermeisterin des Geschäftsviertels Chacao, die nach dem Scheitern ihrer Kandidatur fürs höchste Staatsamt nach Miami floh. Die Nachfahren schwarzer Sklaven von der Karibikküste oder der ins Orinokodelta abgedrängten Ureinwohner schaffen es nur selten ins Rampenlicht der Politik, die hier wie anderswo Teil des Showbusiness ist.

Eine die Regel bestätigende Ausnahme ist Venezuelas Präsident Hugo Rafael Chávez Frías, der wie sein Intimfeind George W. Bush den Rest der Welt in erbitterte Gegner und begeisterte Anhänger polarisiert. Es gibt kaum ein Schimpfwort, keine Schmähung, kein negatives Klischee, von Zampano bis Zambo – so werden die Mischlinge aus Indios und Schwarzen verächtlich genannt –, das auf das Enfant terrible der internationalen Politik nicht angewandt worden ist.

Chávez wurde und wird in einem Atemzug als Meisterschüler von Fidel Castro oder Juan Domingo Perón, als Wiedergänger Hitlers und Stalins oder als Bananenrepublik-Mussolini bezeichnet, als Emporkömmling verspottet und als Politclown lächerlich gemacht. Den sehr gegensätzlichen Invektiven ist gemein, dass sie entweder zu kurz greifen oder übers Ziel hinausschießen und das Talent dieses Volkstribuns wie die von ihm ausgehende Gefahr unter- oder überschätzen.

Der Aufstieg des Hugo Chávez hat alle Prognosen widerlegt und statt der erhofften Demokratie einen Tsunami des Populismus ausgelöst. Der gemeinsame Nenner des sogenannten Linksrucks, der durch den Kontinent geht, ist der Antiamerikanismus. Er speist sich aus verletztem Nationalstolz und Vorurteilen gegen die Globalisierung, die schlicht als Verschwörung der Reichen gegen die Armen gesehen wird. Der neue Populismus kommt nicht im olivgrünen Kampfanzug daher, sondern im T-Shirt, und er trägt statt der dunklen Obristenbrille ein menschliches Antlitz. Analytiker sprechen vom »leichten« Totalitarismus ohne Blutvergießen, der Opposition in Grenzen zulässt. Hugo Chávez ist das beste Beispiel dafür.

»Rein äußerlich ist Venezuela eine Demokratie«, sagt Teodoro Petkoff auf dem Weg zu seinem von Papieren überquellenden Büro, das die Redaktion von Tal Cual beherbergt, der, wie er betont, mutigsten Zeitung Lateinamerikas. Auf dem Schreibtisch Familienfotos, an der Wand Aufkleber mit einem zähnefletschenden Hai. Ständig klingelt das Telefon, die Sekretärin serviert Tee, und Petkoff legt die Beine auf den Tisch. Mit seinem gesträubten Schnurrbart sieht er aus wie ein im Klassenkampf ergrauter Parteifunktionär, der Revolution und Konterrevolution überstanden hat.

»Unter der Toga der Republik verbirgt sich das Skelett eines totalitären Staats. Es gibt keine Gewaltenteilung, Parlament und Justiz wurden entmachtet, und alle Fäden laufen zusammen in der Hand des autoritären Chefs, der Vizepräsidenten und Minister nach Gutdünken ernennt oder entlässt. Chávez ist kein Despot, der über Leichen geht, weil er das nicht nötig hat – eher ein Autokrat wie Putin oder Berlusconi, der Dissidenten und Oppositionelle auf legalem Weg, mit dem Knebel des Gesetzes, mundtot macht. Totalitarismus light sozusagen!«

Petkoff weiß, wovon er spricht. Als Exkommunist, der sich frühzeitig von der Sowjetunion wie von Kuba distanzierte und dem Guerillakrieg eine Absage erteilte, lernte er Hugo Chávez kennen, als dieser mit linken Militärs gegen die rechte Regierung konspirierte, und besuchte den durch einen Putschversuch populär gewordenen Oberst im Gefängnis (siehe Kasten Seite 19).

Während Chávez’ zweiter Amtszeit schlug Petkoffs Sympathie in Gegnerschaft um, die das Regime auf seine Weise beantwortete: Wegen eines satirischen Artikels in Tal Cual wurde die Zeitung zu einer Geldbuße von 50.000 Dollar verurteilt, weil sie angeblich gegen ein Gesetz zum Schutz Minderjähriger verstieß.

Auslöser war jene Satire, ein offener Brief an Chávez’ kleine Tochter, die angeregt hatte, das Pferd im Staatswappen in Zukunft statt nach rechts nach links galoppieren zu lassen. Ihr Wunsch war der Nationalversammlung Befehl, und Kritik an der Familie des Präsidenten galt als Majestätsbeleidigung. Doch der Schuss ging nach hinten los: Das Verbot machte Tal Cual populär, und die Geldstrafe wurde von Lesern und Sympathisanten bezahlt.

Petkoff erläutert, wie das autokratische System funktioniert: Ein Beispiel sei die Verstaatlichung des Sports, von Venezuelas Olympischem Komitee bis zu privaten Vereinen und Clubs, ein anderes das Gefügigmachen der Medien durch Entzug von Sendelizenzen, wobei die Selbstzensur effektiver sei als direkte Zensur, sowie die Gleichschaltung des Erziehungssektors. Studenten und Professoren verteidigen die Autonomie der Universität: Laut Umfragen der Universidad Central de Venezuela sind acht von zehn Studenten gegen Chávez. Das haben sie in mehreren Proteststreiks unter Beweis gestellt. Aber es gibt auch »bolivarische« Universitäten, mit regimetreuen Studenten.

»Auf wen stützt sich denn die Regierung?«

»Nicht auf gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, die wehren sich gegen die Gängelung, sondern auf die Arbeitslosen der Vorstädte und das Lumpenproletariat der Slums, das mit Geldgeschenken und subventionierten Lebensmitteln bei der Stange gehalten wird. Nicht zu vergessen 40000 kubanische Ärzte und Lehrer, die eingeflogen wurden, um die Slumbewohner medizinisch zu versorgen und politisch zu indoktrinieren.«

Doch das schaffe keine Arbeitsplätze, und trotz aller sozialen Wohltaten habe das Armutsgefälle sich so wenig verändert wie die Verbrechensrate. Gewalt und Korruption nähmen zu, und Nutznießer sei die nach Simón Bolívar benannte Boli-Bourgeosie, allen voran die von Chávez-Kritikern gesäuberte Armee, die auf die neue Staatsdoktrin eingeschworen werde, erklärt Petkoff.

»›Sozialismus, Vaterland oder Tod!‹ heißt die offizielle Grußformel. Die Offiziere fahren in Landrovern mit getönten Scheiben herum, um das Elend der Obdachlosen nicht sehen zu müssen, und saufen 18 Jahre alten Whisky auf Staatskosten – schreiben Sie das ruhig! Aber vergessen Sie nicht, dass Venezuela ein Ölland ist, das mehr mit Algerien und Saudi-Arabien als mit Argentinien und Brasilien gemein hat!«

Es regnet nicht bloß, es spritzt wie aus Gartenschläuchen, während wir uns im Dauerstau, eingekeilt zwischen ratternden, stinkenden Bussen und Taxis, Lastwagen und Oldtimern, wie man sie sonst nur noch in Kuba sieht, durch endlose Vorstädte den Berg hinaufquälen, verfolgt von einem roten Feuerwehrauto, das wild hupend die Vorfahrt erzwingt. Benzin ist billiger als Mineralwasser im ölreichen Venezuela, eine Tankfüllung kostet weniger als einen Euro. Auch die Armen sind motorisiert, sodass Caracas in Lärm und Abgasen erstickt. Die zur Piste verengte Straße windet sich mühsam bergauf und eröffnet schwindelerregende Ausblicke auf mit Autowracks übersäte Steilhänge, über die Regenwasser in Sturzbächen schießt. Die Windschutzscheibe ist beschlagen, der Mann am Steuer hat Whisky getrunken und sieht schlecht – kein beruhigendes Gefühl.

Oswaldo Barreto war Venezuelas Staatsfeind Nummer eins, bevor der in Paris inhaftierte Terrorist Carlos ihm den Rang ablief. Anders als Carlos hat Barreto, ein Gentleman-Bankräuber und einstiger Mitstreiter Che Guevaras, sich von seiner revolutionären Vergangenheit distanziert und legt Wert auf die Feststellung, dass die physische Folter durch rechte Militärs weniger schmerzhaft gewesen sei als der Psychoterror linker Genossen nach seiner Absage an den bewaffneten Kampf.

»Ich bin Kolumnist von Tal Cual, Teodoro Petkoff ist mein Freund. Trotzdem muss ich ihm widersprechen, denn im Vergleich zu Chávez ist Putin ein Demokrat und Venezuela ein totalitärer Staat. Die Diktatur ist nicht bloß im Werden, sie ist fest in den Köpfen etabliert. Wer beim Referendum 2004 gegen Chávez stimmte, kriegt keine Sozialleistungen und keinen Job. Wählerlisten, Adressen und Ausweisnummern sind im Internet abrufbar oder werden als DVD verkauft.«

Wir durchfahren eine Pfütze, das Schmutzwasser spritzt hoch. Barreto fährt fort: »Chávez hat Mein Kampf gelesen – die roten T-Shirts seiner Anhänger sind von den Braunhemden der SA inspiriert. Wie Hitler regiert er per Ermächtigungsgesetz, umgibt sich mit Speichelleckern, ist absolut beratungsresistent. Wem das übertrieben erscheint, der möge bedenken, wen Chávez sich zu Freunden erkor: den Holocaust-Leugner Ahmadineschad, der Israel von der Landkarte radieren will, Fidel Castro, dessen stotternden Motor er mit Benzin am Laufen hält, und Lukaschenko, dem er 450 Millionen Dollar überwies, damit er Putins Gasrechnung bezahlen kann. Nicht zu vergessen Simbabwes Diktator Mugabe und Nordkoreas großen Führer Kim Jong Il. Das sind die Schurken, aus denen die Achse der Guten besteht!«

Das Versagen der früher herrschenden Oligarchie und der von Skandalen gebeutelten Parteien erwähnt Oswaldo Barreto so wenig wie die Tatsache, dass Chávez Sozialprogramme aufgelegt hat und seine Sondervollmachten vom Parlament absegnen lässt. Den Einwand, dass die bolivarische Revolution, aller aggressiven Rhetorik zum Trotz, weitgehend unblutig blieb, tut er mit einem Achselzucken ab: Die Nacht der langen Messer stehe noch bevor.

Mit dieser Sicht der Dinge ist Francisco Ameliach nicht einverstanden. Kein Wunder, der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses ist ein loyaler Gefolgsmann des Präsidenten, zu dessen Mitverschwörern er einst gehörte, und wurde damals mit Chávez an die Grenze zu Kolumbien strafversetzt.

»Meine Vorfahren kommen aus Baden-Baden«, sagt der Parlamentsabgeordnete, der, nach Duftwasser riechend, auf dem Ledersofa in der deutschen Botschaft sitzt, wo ihm eine Sekretärin Kaffee serviert. Botschafter Georg Dick, der das Treffen eingefädelt hat, hält sich diskret zurück und bietet Hilfe bei der Aufklärung der Familiengeschichte an. Chávez sei persönlich charmant, sagt er, aber politisch unberechenbar. »Der Vorbote einer multipolaren Welt ohne demokratische Leitkultur.«

Der Präsident werde zu Unrecht verteufelt, meint hingegen Ameliach. Er rauche und trinke nicht, abgesehen von koffeinfreiem Kaffee, und arbeite rund um die Uhr, um das Los der Armen zu verbessern, deren Nöte Chávez aus eigener Erfahrung kenne. Das Bündnis mit Iran sei Venezuela im Rahmen der Opec eingegangen. Als Ölländer hätten sie gemeinsame Interessen, beide stünden mit dem Rücken zur Wand gegen das Imperium, das dem Rest der Welt seinen Willen aufzwingen wolle. Er persönlich glaube nicht an eine militärische Invasion der US-Marines, eher an eine asymmetrische Bedrohung mit dem Ziel der Destabilisierung Venezuelas durch Flottenmanöver vor der Küste und Schüren des Grenzkonflikts mit Kolumbien. Aber die Armee sei auf alle Eventualitäten vorbereitet – im Ernstfall würden die Ölanlagen gesprengt, und die Invasoren müssten sich auf einen langen Krieg einrichten wie derzeit im Irak.

Die Freundschaft mit Kuba und Iran beruhe auf gegenseitigem Respekt und der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten: Venezuela sei ein sinnenfrohes Land mit demokratischen Freiheiten und hohem Konsumniveau. Die Menschen hier wünschten sich weder ein Mullahregime wie in Iran noch eine Parteidiktatur wie in Kuba, aber sie hätten großen Respekt vor den Errungenschaften von Castros Revolution. Und die nach Venezuela entsandten Kubaner brächten von hier nicht nur Laptops und Handys, sondern auch freiheitliche Ideen mit nach Hause.

»Und wie erklären Sie den Hass, der Ihnen von linken Intellektuellen entgegenschlägt?«

»Ein Generationskonflikt«, antwortet Ameliach. »Die Ex-Guerilleros verstehen die Welt nicht mehr, weil Chávez das, wofür sie kämpften, auf friedlichem Weg verwirklicht. Statt mit Hand anzulegen, ziehen sie sich in ideologische Schmollwinkel zurück oder verbünden sich mit den Feinden der Revolution. Aber vergessen Sie nicht, dass die Mehrheit der Basisorganisationen und sozialen Bewegungen aufseiten des Präsidenten steht.«

Die Rede des Abgeordneten klingt einstudiert, doch dieser Eindruck täuscht, denn bald nach dem Gespräch fällt Ameliach in Ungnade und wird seiner Funktionen enthoben, weil er Vorbehalte gegen Chávez’ Einheitspartei geäußert hat. So weit die schlechte Nachricht – die gute ist, dass Ameliach unbehelligt bleibt und nicht hinter Gitter kommt.

Venezuela ist ein explosives Land – selbst fern der Hauptstadt, am Meer. Der Strand von Chichiriviche hallt wider vom Dröhnen eines Automotors, den ein Teenager mit glänzend gegeltem Haar auf Hochtouren trimmt. Um seiner blonden Freundin zu imponieren, kurvt er in rasendem Tempo zwischen den Badegästen hin und her, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Toleranzschwelle liegt höher als in Europa: Erst als der Formel-1-Champion einen Sandsturm entfacht, bittet man ihn, seine Fahrkünste anderswo auszuprobieren. Dazu ist es zu spät, der Motor jault auf, die heiß laufenden Räder wühlen sich in den Strand und bespritzen die Umstehenden mit Schmutz.

Der Vorfall erinnert ein wenig an den Fernsehauftritt des Staatschefs vom Vortag, der ebenso obszön und vulgär wie eloquent und sympathisch war. Nur mit dem Unterschied, dass der Spuk am Strand rasch endet, während Chávez’ Fernsehansprache neun Stunden dauert und reif fürs Guinness Buch der Rekorde ist – nicht mal Fidel Castro redete so lange am Stück.

Aló Presidente heißt die Talkshow, die an diesem Sonntag zum 289. Mal läuft und wie immer gleich nach der Messe beginnt. Das Timing ist kein Zufall, denn Chávez ist nicht nur mit Christus per Du, den er neben Simón Bolívar am liebsten zitiert – er ist selbst ein Fernsehprediger.

Mehr als von Fidel Castro hat er von Tele-Evangelisten gelernt, die wie Rockstars die Massen in Trance versetzen und durch angebliche Wunderheilungen der katholischen Kirche die Gläubigen abjagen. Die Sekten haben großen Zulauf in Lateinamerika, und es gehört zur Ironie der Geschichte, dass ihr amerikanischer Wortführer Pat Robertson US-Präsident Bush, der selbst den Evangelikalen nahesteht, zur Eliminierung, sprich: Tötung von Hugo Chávez aufgefordert haben soll. Das Dementi folgte auf dem Fuß.

»Schluss mit dem Leiden – starkes Gebet wirkt Wunder!« Der Slogan der Tabernakel-Kirche in der Fußgängerzone von Caracas, vor der die Gläubigen Schlange stehen, hat auch für Chávez Gültigkeit, der sich als Messias des 21. Jahrhunderts preisen lässt.

Die Gäste seiner Talkshow – Minister in roten Hemden, Diplomaten und ausländische Sympathisanten – dienen dem Dauerredner auf dem Podium als Stichwortgeber und Claqueure, die lachend applaudieren, als er George Bush einen stinkenden Leichnam nennt und von der Botschafterin Argentiniens wissen will, ob es im Rio de la Plata Kaimane gebe. »Noch nicht, Herr Präsident, aber wenn Sie uns welche schicken, setzen wir sie dort aus!«

Er selbst sei der schärfste Kritiker seiner Regierung, sagt Chávez, der sich als Experte für alles mögliche geriert und seine Zuhörer mit Zahlenangaben verblüfft: 600 Tonnen Gold und 6000 Tonnen Silber hätten die Spanier aus Amerika geraubt, und die nach Venezuela geschickten Ärzte aus Kuba hätten 2,4 Millionen Konsultationen durchgeführt. Er bastelt sich eine illustre Ahnenreihe von Jesus über Don Quichotte bis Rosa Luxemburg, zitiert den italienischen Marxisten Antonio Gramsci, den er Bramsci nennt, und grüßt die in Chile lebende Tochter Erich Honeckers.

Der Staatschef redet von sich selbst in der dritten Person. Er nimmt ein kleines Mädchen auf den Arm und küsst es ab, spricht per Live-Schaltung mit Kubanern im Amazonasgebiet und kündigt einen Anruf von Fidel Castro an, den er als »Vater unser« apostrophiert; angeblich schaut der sich die Sendung vom Krankenbett aus an.

Dann greift Chávez zur Weltkarte, auf die er mit Filzstift Pfeile malt, um nachzuweisen, dass die USA kleiner als Südamerika seien. Zwischendrin gibt er den Linguisten und leitet das Wort compañero (Genosse) von compartir (teilen) ab, was so nicht stimmt. Die Zuhörer hängen wie angezählte Boxer in den Seilen – anders als Hurrikan Hugo, der sich mit Kaffee erfrischt, haben sie seit Stunden nichts zu sich genommen.

Zuletzt hält er ein Buch in die Kamera, den mit dem Rómulo-Gallegos-Preis prämierten Roman der Mexikanerin Elena Poniatowska, die im Publikum sitzt und mit gequältem Lächeln zuhört, wie Chávez ihr ein Ständchen bringt. »Ich such dich, Geliebte, auf Land und Meer, wenn’s sein muss, fahr ich im Panzerzug hinter dir her«, singt der Staatschef mit Fistelstimme und spielt damit auf die Kritik an Militärregimes an, die Elena Poniatowska in ihrer Dankesrede geäußert hat – unter Berufung auf Ex-Präsident Rómulo Gallegos, den ein Armeeputsch aus dem Amt vertrieb. Eine subtilere Kritik immerhin als die an Condoleezza Rice, deren Vornamen Chávez gern zu Kondomisa verballhornt.

Die Fahrt von Chichiriviche hinauf nach Colonia Tovar dauert im Geländewagen nur drei Stunden, aber die deutschen Auswanderer, die 1843 hier landeten, brauchten Wochen für den Aufstieg von der tropischen Küste durch Nebel- und Wolkenwald zum Kamm der Kordillere, deren grüne Wiesen und Nadelbäume sie an ihre badische Heimat erinnerten. Die Siedler bauten ein Schwarzwalddorf mit Fachwerkhäusern und Kirche, heute eine Attraktion für Touristen, die hier deutsches Brot und Bier, Leberkäse und Bratwurst verkosten.

»Das Geschäft läuft gut«, sagt Ronald Gutmann, Chef des Hotels Selva Negra, der im südbadischen Münstertal kochen lernte, »aber wir investieren nichts mehr. Niemand weiß, was die Zukunft bringt.« Und zeigt auf Hirschgeweihe, Hinterglasbilder und Schützenscheiben aus Endingen, der Partnerstadt von Colonia Tovar.

»Früher kostete die ZEIT 95 Centavos, jetzt muss ich 23.000 Bolívar hinblättern«, ergänzt der Bildhauer Peter Vareschi mit Blick auf die Geldentwertung: Der offizielle Wechselkurs liegt bei 2500, aber inoffiziell werden 5000 Bolívar für einen Euro bezahlt. »Die Unternehmer verlassen das Land, und trotz steigender Ölpreise sinken die Einnahmen, weil Chávez Petrodollars zum Fenster rausschmeißt und sich durch Geldgeschenke und Wohltaten zum Führer der Dritten Welt aufwerfen will.«

Auf seiner jüngsten Reise durch Lateinamerika hat der Präsident einmal mehr das Blaue vom Himmel versprochen: Uruguay erhält Öl und Gas »für den Rest des Jahrhunderts – koste es, was es wolle«, und eine Universitätsklinik mit Krebsinstitut gratis dazu. Argentiniens Staatsschulden werden komplett übernommen, und an der Pazifikküste von Ecuador wird ein Ölhafen gebaut, obwohl Bohrmaschinen und schweres Gerät in Venezuela Mangelware sind. Jamaika und die Karibikinsel Dominica bekommen Ölraffinerien und Georgetown, die Hauptstadt Guayanas, ein Obdachlosenasyl, obwohl Caracas von Obdachlosen wimmelt, nicht zu vergessen Benzin zum Nulltarif für Kuba, um Castros bankrottes Regime über Wasser zu halten.

»Ich verschenke nichts, ich teile wie Christus das Brot«, ruft Chávez an der Grenze Boliviens zu Brasilien, wo er ein Stahlwerk errichten will. Die Zeitung El Universal rechnete nach, dass Chávez auf 43 Auslandsreisen 23 Milliarden Dollar verpulvert habe, das Heizöl für Arme in New York und das Billigbenzin für Londons Busse nicht mitgerechnet. Dass nur ein Bruchteil des Geldsegens seine Adressaten erreicht, steht auf einem anderen Blatt. Gleichzeitig muss das Agrarland Venezuela Reis aus China sowie Milchprodukte und Fleisch aus Brasilien importieren. Und während Iran ihm eine Düngemittel- und Russland eine Kalaschnikowfabrik baut, fordert Chávez seine Anhänger auf, gebrauchte Fernseher und Kühlschränke für die Revolution zu spenden.

Das Gegenbild zur Fachwerkidylle von Colonia Tovar ist in Caracas zu besichtigen, im Armenviertel 23 de Enero (23. Januar), einem Slum, wie üblich ohne Baugenehmigung am Steilhang errichtet. Auf den ersten Blick sieht das verschachtelte Quartier mit seinen übereinandergetürmten Häusern – bei Bedarf wird aufgestockt – wie die Kasbah von Algier aus, doch der pittoreske Anblick täuscht: In der Regenzeit tosen Wasserfälle durch die engen Gassen und spülen Autos und Hütten mitsamt den Insassen fort.

»Unser Präsident hat ein Herz für die Armen«, sagt Antonio, ein Taxichauffeur, der durch das Bárrio führt. Chávez laufe zu Fuß durch die Straßen, spiele Baseball mit Jugendlichen und tauche nicht nur im Wahlkampf hier auf. Wie viele Slums ist das Viertel eine Hochburg der Drogenmafia, die eng mit Polizei und Justiz operiert. »Hier wohnt der Capo«, flüstert Antonio und zeigt auf ein fensterloses Haus mit Satellitenschüssel, das sich durch seinen frischen Verputz von den Nachbarbauten unterscheidet. »Ein netter Typ, den nichts aus der Ruhe bringt, obwohl sein Vorgänger von rivalisierenden Gangs erschossen wurde.«

Antonio hat keine Angst: Wer die Machtstrukturen kenne und respektiere, der lebe hier so sicher wie im Nobelvorort Altamira. Nur um seine 15-jährige Tochter sorgt er sich, weil junge Mädchen Freiwild für venezolanische Machos sind und Vergewaltigungen in den Slums an der Tagesordnung.

Am Abend Besuch einer Versammlung der neuen Einheitspartei, die Chávez gegründet hat, um die Zersplitterung der Linken zu beenden und seine Kritiker an die Kandare zu nehmen. Es geht gesittet zu – keine Spur von Fanatismus, denn das Parteilokal liegt in Las Delicias, dem Quartier Latin von Caracas, das Publikum besteht aus langhaarigen Buchhändlern und bärtigen Bohemiens. Nur die Frage des Diskussionsleiters an den Fremden, welcher Partei er angehöre, lässt aufhorchen. Die Antwort, die Tür habe offen gestanden, und man sei einfach hereinspaziert, ruft Beifall und Gelächter hervor, und dem Besucher werden Plakate und Broschüren mit Reden des Vorsitzenden Chávez überreicht.

Im Grandhotel Meliá geben sich, während die Berater aus Kuba in Billighotels logieren und, wie einst die Stasi, an graublauen Anoraks zu erkennen sind, Weißrussen in schwarzen Lederjacken mit iranischen Mullahs und arabischen Ölscheichs ein Stelldichein. Auch Nicaraguas alter und neuer Staatschef Ortega, der von Iran einen Containerhafen, ein Elektrizitätswerk und eine Traktorfabrik spendiert bekommt, schaut kurz vorbei.

»Alles schon da gewesen«, sagt der hochrangige Diplomat einer Supermacht, der nicht namentlich genannt werden will. Er hat spanische Vorfahren und war vor 25 Jahren schon einmal in Caracas stationiert; auch damals gehörten Gewaltverbrechen zum Alltag, und die Regierung verstaatlichte die Ölindustrie. Doch anders als heute habe es keinen Antiamerikanismus gegeben – im Gegenteil: Die Venezolaner hätten Fast Food und Baseball geliebt und seien total amerikanisiert gewesen.

Jetzt aber, beklagt der Diplomat, würden Journalisten, die Stipendien in den USA annähmen, öffentlich an den Pranger gestellt, und die Wahlbeobachterin Maria Machado habe Venezuela verlassen müssen, weil George Bush sie im Weißen Haus empfing. Dass die Chávez-Kritikerin in den rechten Militärputsch vom April 2002 verwickelt war, bleibt unerwähnt. Der Umsturzversuch endete wie das Hornberger Schießen – Chávez mobilisierte seine Anhänger und ging politisch gestärkt daraus hervor.

Die »Achse der Guten« sei ein Propagandatrick, fährt der Diplomat fort, aber das Bündnis mit Iran stelle eine potenzielle Bedrohung dar. Trotzdem schließe er militärische Optionen aus, selbst wenn Caracas, um den Ölpreis in die Höhe zu treiben, die Lieferungen an den nördlichen Nachbarn stoppen sollte – bisher habe Chávez alle Verträge erfüllt. »Anders wäre es«, setzt er hinzu, »wenn Venezuela zum Ausgangspunkt von Terroraktionen gegen die Vereinigten Staaten würde: Das wäre eine sehr ernste Situation. Aber dafür gibt es keine Anzeichen.«

José Vicente Rangel, der frühere Vizepräsident, ist der einzige namhafte Intellektuelle, der sich für Hugo Chávez engagiert, und er gibt Beobachtern Rätsel auf. Der 78-Jährige mit dem eisgrauen Schnurrbart strahlt ewige Jugend aus, passend zu seinen Bluejeans und dem rosa Hemd, das vage an die Parteiuniform der Chávistas erinnert. Er distanziert sich von der öffentlichen Hexenjagd gegen 33 venezolanische Journalisten, die im Parlament als Vaterlandsverräter denunziert wurden, weil sie Stipendien in den USA akzeptiert hatten. »Das ist umgekehrter McCarthyismus, der uns mehr schadet als nützt«, meint Rangel.

Gleichzeitig bekennt er sich zur Verfassungsreform, die alle Macht in einer Hand konzentriert, und hat nichts gegen das Prinzip der unbestimmten Wiederwahl, sprich Diktatur, mit dem Argument, nicht der Präsident, sondern die etablierten Parteien hätten Venezuelas demokratische Institutionen zerstört.

Aufschlussreicher als das, was Rangel sagt, ist der Konferenztisch mit 20 Stühlen, an dem er Hof hält, flankiert von überlebensgroßen Bronzeskulpturen seiner Frau, einer chilenischen Künstlerin. Egal, wer in Caracas regiert, Vicente Rangel ist als graue Eminenz dabei. Er soll es gewesen sein, der Chávez veranlasste, den argentinischen Holocaust-Leugner Norberto Ceserolo, einen Vordenker linker Militärregimes, aus seinem Beraterstab zu entfernen.

Das Changieren zwischen rechten und linken Ideen, die Melange aus Mullahs und Postkommunisten ist kennzeichnend für populistische Regimes wie das des Hugo Chávez. Sind das alles nur fragile Zweckbündnisse, oder erwächst Gefahr daraus, wenn radikale Islamisten plötzlich in Südamerikas reichstem Ölstaat agieren?

»Es gibt zwei Gruppen von Juden in Venezuela«, sagt Abraham Benshimol, Präsident von deren Dachorganisation Confederación de Asociaciones Israelitas de Venezuela, und nippt an seinem Wasserglas. »Sephardische Juden aus Spanien und Portugal und Aschkenasim aus Mitteleuropa, die auf der Flucht vor der Schoah hierherkamen. Wir haben 14 Synagogen in Caracas, ein jüdisches Krankenhaus, eine Schule und einen Sportverein.« Und der wie Nathan der Weise wirkende Patriarch, der ausdrücklich betont, dass die jüdische Gemeinschaft sich aus Mitgliedsbeiträgen finanziere und kein Geld aus Israel erhalte, fügt hinzu: »Wir sind ein Staat im Staate.«

»Gibt es in Venezuela Antisemitismus?«

»Kommt drauf an, wie man den Begriff definiert. Im ganzen Land leben 150000 Araber – meist christliche Libanesen – und nur 15000 Juden. Früher kannten wir keine Vorurteile, und es gab Freundschaften zwischen Juden und Arabern, die heute undenkbar sind.«

Viele hätten die Koffer gepackt, wirft die Sekretärin des Verbandes, Jacqueline Flugelman, ein – ihre historische Erfahrung mache es den Juden unmöglich, ruhig und entspannt zu sein. Sie ist besorgt über eine neue Fluglinie nach Damaskus und Teheran, die rote Zahlen schreibe, aber politisch gewollt sei, und über eine spanischsprachige Website der Hisbollah-Miliz, die per Internet Dschihad-Kämpfer anzuwerben versuche.

»Es begann mit einer Fernsehansprache im Dezember 2003«, erzählt sie. Darin habe Chávez die Juden als Gottesmörder bezeichnet, die gewaltige Reichtümer angehäuft hätten mit dem Ziel, die Welt zu beherrschen. Nach antisemitischen Schmierereien und Bombendrohungen habe die Polizei die Räume der jüdischen Schule durchsucht, während der Staatschef auf Tournee im Nahen Osten gewesen sei. Die Presse habe empört reagiert. Vizepräsident Rangel habe sich von den Ausschreitungen distanziert. Wes Geistes Kind er sei, habe Hugo Chávez in Argentinien gezeigt, wo er Fragen nach zwei von Iran gesteuerten Anschlägen auf israelische Einrichtungen in Buenos Aires, bei denen 114 Menschen getötet wurden, mit der Bemerkung abtat, man solle sich nicht künstlich aufregen, das sei ungesund.

»Als Mitschüler meinen Sohn fragten, warum wir Juden Gott ermordet hätten«, sagt Benshimol abschließend, »gab der die einzig richtige Antwort: Gott ist unsterblich – niemand kann ihn töten!«

Maracaibo ist die heimliche Hauptstadt Venezuelas, und das Hotel del Lago steht direkt am Ufer des Sees, unter dem Südamerikas größtes Öl- und Kohlevorkommen liegt. Früher wurden hier Turmspringer und Bodybuilder prämiert, heute wird die Hotelhalle von Chávez-Anhängern in roten Hemden und Soldaten in Tarnuniformen beherrscht, und von draußen sind Explosionen zu hören, die Scheiben klirren und Wände zittern lassen.

Handelt es sich um ein Erdbeben oder um einen Putsch, der Chávez aus dem Amt fegen wird? Nichts von alldem: Das Hotel del Lago feiert seinen 54. Geburtstag mit Feuerwerk und Buffet, zu dem das Volk drängt, während der zur Kloake verkommene See an die Kaimauer schwappt.

»Früher sah man diese Leute hier nicht«, sagt der deutsche Honorarkonsul und warnt davor, allein auf die Straße zu gehen: Der Bundesstaat Zúlia, Venezuelas reichste Provinz, grenzt an Kolumbien und wird von Guerilleros und Paramilitärs aus dem Nachbarland destabilisiert. Die rivalisierenden Banden sind mit Drogenhändlern liiert und begehen Auftragsmorde und Entführungen, deren bevorzugtes Ziel Ausländer sind – vor Kurzem wurde eine Familie aus Portugal mit ihren Kindern gekidnappt. Zúlia ist eine Hochburg der Opposition, und es ist schwer zu sagen, ob Caracas oder Bogotá hinter der Gewaltwelle steckt: Chávez sympathisiert mit der Farc-Guerilla und Kolumbiens Präsident Uribe mit Washington.

Weil die Fahrt mit dem Taxi zu gefährlich ist, bringt uns eine Polizeieskorte zum Amtssitz des Gouverneurs, einer mit Rokokostühlen möblierten Residenz, die wie die Villa eines Großgrundbesitzers wirkt. Aber der Augenschein täuscht, denn Manuel Rosales, im Volksmund Manuelito genannt, gehört nicht zur Oligarchie. Der bei der Präsidentschaftswahl unterlegene Kandidat stammt wie Chávez vom Lande, hat Jura studiert und ist beim Volk beliebt, weil er arme Kinder adoptiert und der Regierung in Caracas mit hausgemachten Sozialprogrammen den Wind aus den Segeln nimmt.

»Vicente Rangel behauptet, Sie träfen sich heimlich mit Fahndern der amerikanischen Drug Enforcement Agency (DEA) und mit Agenten der CIA. Was sagen Sie dazu?«

»Das ist eine Lüge, wie alles, was Rangel über mich verbreitet. Das Gegenteil ist der Fall: Die Armee lässt kolumbianische Guerilleros ins Grenzgebiet einsickern, weil der Gouverneur von Zúlia dem Staatschef ein Dorn im Auge ist. Ich bekomme täglich Morddrohungen!«

Rosales schaut nervös zu einem TV-Monitor, wo Chávez, eine Schärpe in den Landesfarben um den Bauch, seine Reform erklärt, die angeblich nur zehn Prozent der Verfassung betrifft. Alles sonst bleibe unverändert, betont der Präsident, während eine Dolmetscherin seine Worte in Taubstummengesten überträgt. »Das ist die Machtergreifung auf kaltem Weg«, sagt Rosales, »und die Asamblea Nacional nickt alles ab. Das Prinzip der unbestimmten Wiederwahl bedeutet Diktatur auf Lebenszeit, und die neue Geometrie der Macht, von der Chávez spricht, läuft auf straffe Zentralisierung, Abschaffung der Bundesstaaten, Entmachtung der Gouverneure hinaus. Die Zentralbank wird der Regierung unterstellt, Privateigentum gibt es nur noch auf dem Papier, während man Kriminelle ermutigt, angeblich ungenutzte Farmen und Häuser zu besetzen.«

Das Ganze sei ein gigantischer Betrug, fährt er fort, der sich zu Unrecht mit dem Etikett des Sozialismus schmücke: Chávez habe als Rotkäppchen begonnen und Tony Blair nachgeeifert, bevor er sich zu Fidel Castro bekannt und als böser Wolf geoutet habe. Das Fernsehprogramm wird unterbrochen, und die Sprecherin meldet ein schweres Erdbeben in Peru, dessen Schockwellen auch in Caracas zu spüren seien.

»Und wie soll das enden?«

»Das Volk von Venezuela ist ein Strom, der ruhig dahinfließt, bis ein Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, der Fluss über die Ufer tritt und alle Dämme niederreißt. Dann gnade uns Gott!«

 
Leser-Kommentare
  1. Der Artikel ist eine ausgezeichnete Charakterisierung sowohl der Person von Hugo Chávez als auch der aktuellen Situation in Venezuela.

  2. Es wird wieder verstärkt Stimmung gemacht gegen den wichtigsten Mann Südamerikas. Steht Venezuela ein von Washington initiierter neuer Coup bevor? 
    Wie tendenziös der Artikel ist, sieht man u.a. daran, dass er die Antisemitismusstory unkommentiert wiedergibt, obwohl ein wenig Recherche (meine dauerte 15 Sekunden) eine andere Sichtweise auf diesen Vorfall zutage gebracht hätte.
    http://www.alternet.org/s...
    v.

  3. Wenn unbegrenzte Wiederwahl = Diktatur, dann bin ich mal froh, dass Deutschland Adenauer und Kohl-Diktatur überstanden haben. Ein bisschen mehr Kritik mit der Kritik, hmm?

  4. Die großen Zeiten der Diktatoren und Volkstribunen liegen lange hinter us.  Wer kann sich an sie alle erinnern, ob Franco, Bokassa, Stalin, Horthy, Peron, Salazar, Bierut, Hlinka, Pieck, Idi Amin, Trotzki, Batista und wie sie doch alle noch hießen. Nicht viele genießen einen normalen Lebensabend wie Castro.  Viele enden ebenso plötzlich wie sie auftraten: von ihrem eigenen Volk bei den Füßen aufgehängt wie Rienzi und Mussolini, oder in einem Erdloch verkrochen wie Saddam und Hitler.  Die meisten wurden ermordet oder hingerichtet.  Was mag wohl Ahmadinadsched und Hugo blühen? 

  5. kann man von hier aus nicht beurteilen. Der Autor des Artikels war immerhin vor Ort und hat sich mit Gesprächspartnern unterschiedlicher politischer Provenienz unterhalten. Daher gerät der Artikel meiner Ansicht nach auch nicht zu einseitig.  
    Dennoch lasse ich mich nicht dazu hinreissen, allen Annahmen des Artikels Glauben zu schenken. Die Qualität dieses Artikels setzt sich allerdings positiv von der Masse des hier Publizierten ab.
    Die Person Hugo Chavez ist mit Sicherheit aber eine derjenigen politischen Figuren der internationalen Politik, an deren Demontage eine große Anzahl der mächtigsten Kräfte dieser Welt ein Interesse haben.
     
    Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de

    • djager
    • 12.11.2007 um 13:23 Uhr

    Wann sieht man in deutschen Medien endlich mal eine
    objektivere und sachlichere Berichterstattung über die aktuellen
    sozio-öknomischen Entwicklungen in Venezuela unter der Regierung Chavez. Es ist
    einfach, sich über einen Präsidenten lustig zu machen,  der sich in
    oft unangemessener Weise mit gesellschaftlichen Gruppen oder Politikerkollegen
    anlegt. Es ist ebenso einfach einzelne autoritäre Maßnahmen, wie z.B. die
    Verweigerung der Lizenzverlängerung für  einen kritischen Fernsehsender
    übergroß an den Pranger zu stellen (wobei zu fragen wäre, was in Deutschland mit
    einem Sender passieren würde, der aktiv und durch die Verbreitung von nachweislich
    falschen Informationen einen illegalen Putschversuch gegen einen demokratisch
    gewählten Präöseidenten unterstützt …). Aber genügt das wirklich dem Anspruch
    "Der Zeit"? Wann kommt endlich mal eine objektive Analyse und Berichterstattung
    über den Versuch Venezuelas den nationalen Reichtum gerechter zu verteilen.
    Wann kommen kritische Zahlen und Fakten, über die vermeintlichen oder tatsächlichen
    Erfolge der Regierung Venezuelas im Bereich Gesundheit, Bildung, Förderung von
    kooperativen und Kleinbetrieben etc. Wann kommt eine gründlichere Analyse über
    die Tauglichkeit des venezolanischen  Weges
    als Modell für andere erdölfördernde Entwicklungsländer oder des Impaktes der
    chavistischen Initiativen wie des Südamerikanischen Wirtschaftsraumes, der Südamerikanischen
    Presseagentur oder der Südamerikanischen Entwicklungsbank? Oberflächliche Meinungen
    und Stimmungen werden ohnehin schon genug verbreitet …

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  • Quelle DIE ZEIT, 01.11.2007 Nr. 45
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