Energiekonzerne

Monopol auf Kurzschluss

Die Chefs der Stromkonzerne tricksen Verbraucher und Politiker aus – und demnächst vielleicht sich selbst.

Unternehmer mögen keinen Wettbewerb. Sosehr sie ihn in der Öffentlichkeit beschwören, so gern hebeln sie ihn aus, wenn sie nur können. Besonders trifft das auf Firmen zu, die das bequeme Dasein eines Monopolisten gewohnt sind – wie die großen Energiekonzerne.

E.on, RWE und Co. legen eine bemerkenswerte Mischung aus Arroganz und Aggressivität an den Tag. Der Primus inter Pares, E.on-Chef Wulf Bernotat, hat seinen Kunden gezeigt, was er von ihnen hält. Strom sei in Deutschland »eigentlich zu billig«, erklärte er, und wer den Anbieter wechseln wolle, bitte sehr, schließlich herrsche Wettbewerb. Das ist doppelt irreführend. Hiesiger Strom ist im europäischen Vergleich teuer, auch wenn man die üppigen Steuern herausrechnet. Und »Wettbewerb« kann man die Marktdominanz der Großen nun wirklich nicht nennen.

Vier Konzerne teilen sich das Stromnetz der Republik. E.on beherrscht die Mitte des Landes von Flensburg bis Garmisch, RWE den Westen, EnBW den Südwesten und Vattenfall Europe den Osten. Ihre Manager sind Gebietsfürsten, und so benehmen sie sich auch. Was jetzt über ihr sonderbares Verhalten bei der Preisgestaltung bekannt wird, ist vielleicht nicht gerichtsfähig, verurteilenswert ist es allemal. Kaum ein Experte, der nicht sagt, dass die Konzerne kleine Konkurrenten drangsalierten, indem sie überhöhte Preise für die Leitung des Stromes durch die Monopolnetze verlangten. Und wie die Berliner Umweltökonomin Claudia Kemfert feststellt, unterlassen sie »notwendige Investitionen in Verteilernetze und Verbindungen ins europäische Ausland« – könnte ja Konkurrenz bedeuten.

Auch wenn unbewiesen ist, dass einzelne Konzerne wirklich die Preise an der Leipziger Strombörse gezielt in die Höhe getrieben haben, so können sie doch durch das An- und Abschalten ihrer Kraftwerke die Preise stark beeinflussen. Überdies wird der Großteil ihres Stromes gar nicht an der Börse gehandelt, sondern kommt zu Minimalkosten aus längst abgeschriebenen Kraftwerken.

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist der Preis für Energie allerdings immer noch zu niedrig, wie der neueste Report der Internationalen Energieagentur in dieser Woche verdeutlicht. Wenn die Regierungen nicht einschreiten, steigt der weltweite Verbrauch bis 2030 demnach um die Hälfte. Aber der wünschenswerte und nötige Kampf gegen den Klimawandel bedeutet nicht, dass sich die hiesigen Stromkonzerne nach Lust und Aktionärslaune bedienen dürfen.

Man muss den Chefs auch nicht nachweisen, dass sie im Hinterzimmer Preise verabreden, um ihr Spiel zu durchschauen. Als E.on vor Kurzem ankündigte, den Strompreis abermals um rund ein Zehntel zu erhöhen, war das Signal genug. Die Konzerne brauchen Preisabsprachen so wenig wie die Mineralölkonzerne mit ihren Tankstellen. Hat sie trotzdem jemand getroffen, gehört er in der Tat bestraft – wegen Dummheit.

Angeklagt gehört auch die Politik, die als Geburtshelfer der Monopolmonster agierte. Helmut Kohl interessierte sich wenig für Ordnungspolitik. Und für den Industriepolitiker Gerhard Schröder war Energie nie eine Sache des Marktes, sondern Männersache. Statt die privatisierten Konzerne scharf überwachen zu lassen, verließ sich Rot-Grün auf Versprechen. Jahr um Jahr wurde die Einrichtung einer Regulierungsbehörde verzögert, wurde Wettbewerb beschworen, statt ihn herzustellen. Deutschland brauche Global Player, war die Devise, also durften die Großen größer werden. Die Regierung brachte es sogar fertig, dass E.on gegen den Protest der Kartellexperten den Gasriesen Ruhrgas kaufen durfte.

Und doch sind private Monopolisten noch schlimmer als staatliche Monopolisten. Diese ordoliberale Einsicht wurde in den Wind geschlagen. Solche Firmen neigen zum Realitätsverlust und übertreiben es mit der Ausnutzung ihrer Macht. Es könnte sein, dass die deutschen Stromriesen gerade in diese Falle laufen. Jedenfalls riskieren sie jetzt harsche staatliche Gegenmaßnahmen, und kaum einer ist bereit, sie davor zu bewahren.

Längst geht es um mehr als Preiskontrolle. Die deutsche Monopolkommission will, dass die großen vier erst einmal keine Kraftwerke mehr bauen dürfen. Und die zuständige EU-Kommissarin will sie sogar zwingen, sich von den Stromnetzen zu trennen. Tatsächlich zeigt sich am Beispiel Großbritannien, dass es lohnend sein kann, die Netze unabhängig zu betreiben. Dafür müssen die Unternehmen nicht unbedingt das Eigentum an ihnen aufgeben, sondern nur die Kontrolle abgeben. Je wettbewerbsfeindlicher sie sich verhalten, desto härter wird die Antwort des Staates. Das haben die Konzerne nicht anders verdient.

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Leser-Kommentare

    • 08.11.2007 um 19:46 Uhr
    • Herr-M

    ..wie die Stromkonzerne haben Preisabsprachen im Hinterzimmer doch gar nicht nötig, das ist das Wahnwitzige. Einer kündigt einfach öffentlich an, 10% Erhöhung und die anderen ziehen einfach nach. So einfach ist das nach dem Motto "der Gierigste immer voran".Eher "verzweifelt-höhnisch" könnte man noch anfügen, dass es sie wahrscheinlich noch gewaltig schmerzt, sich noch grob an einen 1-Jahresrhythmus halten zu müssen.

    • 08.11.2007 um 20:05 Uhr
    • Gesang

    ´Zunächst bleibt erst einmal abzuwarten, ob die starken Verdachtsmomente gegen die vier Energie-Konzerne sich auch beweisen lassen. Und selbst wenn, stellt sich in diesem Lande dann immer noch die Frage, ob ´dafür auch einzelne Führungsfiguren dann vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden und es zu harten Verurteilungen kommt. Um es vorweg zu sagen; Ich glaube nicht daran. Letztendlich werden hier zu Lande Angehörige der so genannten Führungsleliten so butterweich behandelt als gehörten sie einer abgehobenen Adelskaste an. Man denke nur mal an das Foto, auf dem ein Richter vorm Kaiser der Deutschen Bank, J. Ackermann, eine bodentiefe Verbeugung tiefster Ehrerbietung vollführt. Bilder sagen mehr als tausend Worte. Und es ist kein Einzelfall von Sonderbehandlungen. Ein Blick zurück in die letzten 20 Jahre und in die herausragenden Skandale dürfte wohl ausreichen, wie Beweislagen zugunsten der Missetäter beinahe folgenlos bleiben. Nur bei Barbara Salesch siegt am Ende das in sich löchrige und vermoderte Rechtsdenken noch und scheint noch so zu funktionieren wie der brave Michel es sich gerne vorstellt.
    Alle reden vom Strom, kaum jemand vom Gas. Früher war mein Stromlieferant die HEW, das Gas kam von HEIN GAS, noch vor 8 Jahren zahlte ich monatlich 67 Deutsche Mark , darin enthalten waren die Kosten fürs Warmwasser und die Heizung, mittlerweile líegen die Kosten allein fürs Gas bei monatlich 95 Euro, obwohl ich die Abnahmemenge reduziert habe. Das heißt, ich zahle in DM gerechnet nun jeden Monat etwa 121 Deutsche Mark mehr, obwohl ich spare. Und was den Strom betrifft: Früher kam der Strom schlicht vom Produzenten, wurde durch die Leitungen gejagt und man schaltete das Licht an. Nun aber gibts ein so genannte Strom Börse: Stopp mal: Eine Börse macht - auch - nur dann Sinn, wenns viele, viele Nachfrager und viele, viele Anbieter gibt, oder aber die Börse vermittelt künstlerische Unikate so wie Sotheby´s, die sie vielen Nachfragern anbietet. Am Ende dann kanns nur einen geben, der den höchsten Preis zahlt, welcher hier dann der Endabnehmer der Ware Strom wäre... Nur nimmt der dumme Kunde ja nicht an der Preisgestaltung teil. Wir haben es hier nur mit 4 Anbietern und mit vier Nachfragern zu tun, die obendrein auch noch in sich alle identisch sind.
    Nette Grüße, Jürgen E. Gesang

    • 09.11.2007 um 7:36 Uhr
    • ali-ch
    3. Nanu?

    Solche Artikel sind wir aber gar nicht mehr gewöhnt!
    Freut mich! Freut mich sehr. Besonders der erste Satz.
    Noch mehr hätte es mich natürlich gefreut, wenn statt allgemeiner Platzhalter wie "die Regierung" Namen gestanden hätten, und ein Hinweis darauf, wo die Herren heute, nach dem Amt, ihre Vorteile nehmen, hätte auch nicht geschadet, aber immerhin :-))

    • 09.11.2007 um 9:38 Uhr
    • ttob

    Was der Artikel nur andeutet, zur Erinnerung:Ich kann mich noch gut erinnern, es war so 2003, da hat unser damaliger Wirtschaftsminister W. Clement das Fusions-Verbot (Ruhrgas mit EON) der Kartellbehörde mit einer ominösen Ministererlaubnis durchgesetzt, diverse Nachverhandlung zur Beschwichtigung der Gegner folgten, dann war ein neuer *GlobalPlayer* geboren:http://www.netzeitung.de/wirtschaft/224980.htmlIm Windschatten dieser Ereignisse schlüpfte auch schnell noch ein Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, namens Tacke, mit in die gut bezahlte Energiewirtschaft. Rein zufällig natürlich:http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/38/PlenumundAusschuesse/030.htmlAuch sonst setzte sich W.Clement sehr für die seine Konzerne ein:http://www.greenpeace.de/themen/energie/energiepolitik/artikel/schwarzbuch_klimaschutzverhinderer/Diese wissen solches Entgegenkommen natürlich zu schätzen, ebenso wie sein Vorgesetzter Schröder sich plötzlich in einem russischen Energiekonzern wiederfand, hat Clement nach seiner Volks-vertretenden (was für ein Hohn) Tätigkeit in den Aufsichtsrat eines Energiekonzerns gewechselt:http://www.manager-magazin.de/koepfe/personalien/0,2828,400604,00.htmlSelbst mit einer Veröffentlichung von Nebeneinkommen ist bei einer solchen Praxis keine Transparenz zu erwarten. Aber es sind natürlich nur ganz wenige Politiker die sich so verhalten, wie die ZEIT uns letztlich wissen ließ. Dummerweise sind es meist die Federführenden. Ohne eine ausgeprägte Beteiligung des Volkes wird sich hier nie was ändern...So und jetzt votet mich runter, weil ich mal wieder dem korrupten deutschen Parlamentarismus das Feigenblatt runtergerissen habe.MfG

  1. Clement, der Superminister, Schröder der Bossegenosse. Was ist aus der SPD geworden? Die Führungsriege ist mal eben von der herrschenden Kaste eingenordet worden. Frau Nahles, lesen Sie dies? Retten Sie die alte Tante SPD aus den Klauen der Korruption!

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  • Von Jean Uwe Heuser
  • Datum 9.11.2007 - 02:29 Uhr
  • Serie Energiemaerkte
  • Quelle DIE ZEIT, 08.11.2007 Nr. 46
  • Kommentare 5
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