Ohne eine gewisse Vulgarität gibt es keinen ganzen Menschen. Das Gekünstelte und Verfeinerteist immer ein Rückzug. Ein Zurückschrecken.

Raymond Chandler, »Die simple Kunst des Mordes«, 1949

Drei der besten US-Regisseure, deren Filme sowohl von den Erfahrungen und Härten des Zweiten Weltkriegs wie von ihren geradezu biblischen Kämpfen mit dem Hollywood-Studiosystem geprägt waren, drehten in den siebziger Jahren in Deutschland Filme: Robert Aldrich (Twilights last gleaming, 1977), Sam Peckinpah (Steiner das eiserne Kreuz, 1977) und Sam Fuller. Man spürt in der Härte ihrer Inszenierung, in ihrem herausragenden Gefühl für explizite Gewalt, in der Kompromisslosigkeit ihrer Drehbücher, dass sie wussten, wovon sie in ihren Filmen sprachen: Sie hatten all das selbst erlebt. Auf dem Terrain des ehemaligen Weltkriegsgegners zu drehen war dabei sicher für alle drei das geringste Problem.

Aus der Küche dieser Regisseure kam der Säureextrakt, in dem all die giftig-heilsamen Ingredienzien für die kommende Wahrheitsdroge des New-Hollywood-Kinos schwammen. Diese amerikanische Ursuppe aus Sarkasmus, Lakonie, Leidenschaft und Gewalterfahrung war gebraut worden im Zweiten Weltkrieg und in Korea. Heute werden für die künstlerische Explosion der Siebziger zwar vor allem Coppola und Scorsese gefeiert. Aber im US-Kino gab es schon Jahre zuvor viel schärfere Detonationen: eben bei Fuller, Aldrich und Peckinpah.

Als Soldat hatte Fuller Bonn befreit. Jetzt drehte er hier. Genial!

Samuel Fuller war dabei eher der geordnete Zerstörer, ein gut gelaunter, hartgesottener Zertrümmerer, kein verzweifelter Selbst-Vernichter wie etwa Peckinpah. Fuller kannte Deutschland aus dem Krieg. Der gelernte Zeitungsschreiber und Romancier war der Intellektuellste unter diesen drei Regiepropheten. Und er war derjenige mit den überraschendsten Choreografien, den knappsten Schnitten, den künstlichsten und dabei knallhart-effektivsten Dialogen. Ulrich von Berg hat seinen wunderbaren Artikel über Fuller (1984, filmland presse) mit einem typischen Dialogsatz überschrieben, den ein hoffnungslos im Niemandsland eines sinnlosen US-Kriegs versackter Soldat zu seinem schwer verletzten Kameraden sagt: »Wenn du stirbst, bring ich dich um«.

Fuller war seit den Sechzigern immer häufiger in Europa aufgetaucht.