Verehrter Professore, lieber Umberto Eco!

Haben Sie letzte Woche in der Zeitung das Bild von Sam, dem »hässlichsten Hund der Welt«, gesehen? Scheußliches Biest! Da kam uns die Idee. Weil Ihre Geschichte der Schönheit vor drei Jahren doch so ein Renner war. Wir dachten: Warum nicht eine Geschichte der Häßlichkeit? Hässliche Bilder gibt es genug – der gemarterte Christus, Struwwelpeter, E. T., der Kubismus, die ganze moderne Kunst ist ja grauslich. Was die Literatur betrifft, ist das Thema auch unerschöpflich. Polyphem, der Teufel, Caliban und King Kong, das Groteske, Obszöne, der Kitsch – passt doch…

Nicht erschrecken, Professore! Aus diesen Stoffmassen schraubt natürlich der beste Polyhistor keine Kulturgeschichte zusammen. Der Band soll eine hübsche Sammlung sein, ein Best-of-Kulturgeschichte, zum Blättern, Gruseln, Staunen. Große Themen – Monster, Hölle, Krankheit, Sadismus –, ecco, schon haben wir das Inhaltsverzeichnis!

Viele Kapitelchen, in Hochglanz, dazu kurze Einführung, etwa so: »Corbière identifiziert sich mit der traurigen Hässlichkeit der Kröte, Dostojewskij erzählt vom Schrecken der Maus…« usw. Wir drucken einfach Texte nach! Bisschen Theorie, Hegel hier und da. Sie, Maestro, kommen als Herausgeber natürlich groß auf das Cover! Größer als der Titel!

Wir erwarten freudig Ihre Zusage! Mit herzlichen Grüßen usw. usw.…

So in etwa könnte ein Brief gelautet haben, der uns leider nicht vorliegt. Das Buch aber gibt es:

Wilhelm Trapp