Die Welt könnte so schön sein. Das ist ein einfacher Gedanke, von allen Gedanken vielleicht aber der wichtigste. Man könnte sagen, wenn auf dieser Welt hier und da etwas leuchte, habe es sein Licht von diesem Gedanken empfangen. Man muss manchmal an ihn erinnern. Das hat nun Hans Weingartner mit Free Rainer – Dein Fernseher lügt versucht.

Der Film führt uns durch die Welt eines ultimativen »Unterschichtenfernsehens«: Mit Shows wie Hol’ Dir das Superbaby, in der Spermien um die Wette schwimmen, begeistert TV-Produzent Rainer das Land. Das Leben ist nichts weiter als Spannung, Spaß und Zerstreuung, in vollendeter Einsamkeit erfahren. Wer noch nicht zum Zombie mutiert ist, kann diese Sinnleere, diese »radikale Negation von Leben selbst« (Neil Postman) nur ertragen, indem er sich in Drogenexzesse oder Neurosen flüchtet.

Erst nach einem Mordanschlag, in unmittelbarer Nähe zum Tod, gewinnt Rainer ein klares Bewusstsein dieser traurigen Zustände. »Kein Mensch ist so blöd wie die Shows, die wir produzieren«, hält er dem Programmchef Maiwald entgegen und entlarvt das »Doof-TV« (Bild- Zeitung) mit einem Zitat aus Hitlers Mein Kampf als faschistische Verschwörung. Unter dem Banner der Bildung beginnt Rainer einen Partisanenkrieg gegen die quotenfixierte Unterhaltungsindustrie, in dessen Verlauf alle, die sich an der Sache beteiligen, von gestörten Individuen zu einfühlsamen Menschen reifen. Mit der technischen Manipulation der Einschaltquote gelingt ihnen schließlich die gesellschaftliche Umschaltung: Fassbinder-Filme und anspruchsvolle Sendungen dominieren das Programm. Und die Zeit des Fernsehers als Leitmedium ist vorbei: Die Menschen lesen, lieben, leben wieder.

Dem Film wird aber zum Problem, dass er mit jeder Szene verrät, worauf er abzielt, nämlich für die Revolutionierung der Medien und der Gesellschaft zu werben. Der satirische Blick aufs Fernsehen wird deshalb komplettiert vom pathetischen Blick auf die Revolutionäre. Zwischentöne gibt es nicht, und dieser Schematismus lässt Free Rainer als Erzählung scheitern. Er ist absehbar bis zum Abwinken. Auch die Revolutionsbotschaft wird durch die kruden Agitprop-Stilisierungen in Mitleidenschaft gezogen. Der Film fällt damit hinter Einsichten zurück, die er selber verbreiten wollte: Kein Mensch ist so dumm wie dieses Machwerk.