Wir bauen für alle, die sparen und Spaß haben wollen«, sagt Ulrich Busch, der Investor von Block 1 und 2. »Die Kegelclubs werden kommen.«

»Diese spröde Anlage ist eine Attraktion für den Kulturtourismus«, sagt Jürgen Rostock, der Leiter des Dokumentationszentrums in Block 3. »Wenn man sie mit Balkonen verhübscht, verliert sie ihren didaktischen Wert.«

»Museen sind ein Verlustgeschäft«, sagt Hans-Dieter Lahne, der Investor von Block 3. »Der Bund hätte Prora ja nicht verkaufen müssen.«

Es geht um das längste Bauwerk des Nationalsozialismus. Auf der Insel Rügen legte die NS-Organisation Kraft durch Freude 1936 den Grundstein zur Ferienanlage Prora, einem Versprechen für den deutschen Arbeiter. Er sollte sich einen Urlaub leisten können im mit 20.000 Betten größten Seebad der Welt, für zwei Reichsmark am Tag, Unterkunft, Verpflegung, Strandkorb und KdF-Badetuch inbegriffen. Als der Krieg begann, war der Rohbau fertig. 1945 sprengte die Rote Armee Teile des Nordflügels. Der Rest steht noch immer an einem der schönsten Strände von Rügen. Prora ist eines der wenigen Monumentalprojekte der Nazis, die Gestalt angenommen haben, viereinhalb Kilometer Größenwahn.

In den unteren Stockwerken sind Türen und Fenster vernagelt. Aus den flachen Dächern sprießen Birken. Deutschland zeigt gegenüber diesem Koloss eine ungeahnte Borniertheit: Das Land Mecklenburg-Vorpommern wollte ihn nicht, der Bund hat ihn verkauft – und die Chancen vertan, sich hier angemessen mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Demnächst sollen in Binz die Bebauungspläne der Investoren ausgelegt werden. Es geht um die letzte Möglichkeit, die Täterarchitektur für die Zukunft erfahrbar zu gestalten.

Die Annäherung von der Strandseite verblüfft: Im Süden der sanft geschwungenen Bucht strahlt das Seebad Binz im Glanz der Gründerzeit, im Norden ragen der Fährhafen Mukran und die Fischfabrik prosaisch über die Insel der Romantik. Von Prora ist nichts zu sehen. Die sechsstöckigen Blöcke, fünf an der Zahl, verschwinden hinter Kiefern, die auf den Sanddünen gewachsen sind. Die viereinhalb Kilometer lange Fassade folgt in leichter Krümmung der Küstenlinie. Zur Landseite hin gleicht der Komplex einem überdimensionalen Zahnrad, Treppenhäuser gehen im rechten Winkel wie stumpfe Zacken ab.

Der Architekt hieß Klotz. Clemens Klotz (1886 bis 1969) hat diesen Prototypen eines Gebäudes für den Massentourismus im Stil der klassischen Moderne entworfen. Mit klaren Linien ordnet sich der Bau der Funktion unter: Alle Zimmer liegen zur Seeseite hin, pro Block macht das 1118 Fenster. Die Bettenhäuser sind gerade mal zehn Meter tief, was den riesigen Baukörper überraschend schlank wirken lässt. Bei der Weltausstellung 1937 in Paris wurde das Modell Prora mit einem Grand Prix ausgezeichnet.