Es sind harte Schnitte in diesem Film. Erst ist Carl-Adolf Soerensen zu sehen, ein alter Mann, der 1944 und 1945 in einem Konzentrationslager in Hannover-Stöcken eingesperrt war. Der Däne musste Zwangsarbeit in der nahe gelegenen Akkumulatorenfabrik des Industriellen Günther Quandt leisten. »Immer wenn ich träume, bin ich hier im Lager«, sagt der 82-Jährige. »Das bleibt, solange ich lebe.«

Dann hört man Sven Quandt reden, einen Enkel des Unternehmers: »Wir müssen endlich mal versuchen, das zu vergessen. Es gibt in anderen Ländern ganz ähnliche Dinge, die passiert sind. Auf der ganzen Welt. Da redet keiner mehr drüber.«

Beklemmende Szenen aus dem Film Das Schweigen der Quandts von Eric Friedler und Barbara Siebert. Die spektakuläre TV-Dokumentation lief Ende September unangekündigt im Ersten, am kommenden Donnerstag (22. November) wird sie um 21 Uhr in einer 90-minütigen Langfassung im NDR-Programm zu sehen sein.

Der Film beschreibt, wie vielfältig eine der bedeutendsten deutschen Industriellendynastien in das nationalsozialistische Unrecht verstrickt war. Die Familie Quandt kontrolliert heute die Konzerne BMW und Altana und besaß früher den Batterie- und Akkumulatorenkonzern AFA, der 1962 in Varta umgetauft wurde.

Der NDR-Film ist eine einzige Anklage, faktensatt und zugleich von großer emotionaler Wucht. So haben die Autoren zwei Häftlinge aus dem KZ in der Nähe der Quandt-Fabrik und einen Zwangsarbeiter aus einer anderen Quandtschen Rüstungsfabrik interviewt. Erstmals erhielten diese Opfer eine Stimme vor einem Millionenpublikum – und erhoben sie gegen die Quandts. Soerensen, der sich gemeinsam mit anderen dänischen KZ-Opfern in den siebziger Jahren vergeblich um eine bescheidene finanzielle Unterstützung durch die Quandt-Firma Varta bemüht hatte, berichtet verbittert: »Sie reagierten hart und arrogant. Sie haben uns gedemütigt.«

Die Geschichte des KZ ist bekannt, es fehlt ein Wort des Bedauerns

Diese und andere Vorwürfe in der Dokumentation haben die Familie »bewegt«, wie sie nach der Erstausstrahlung eingestand. Sie unterbrach ihr Schweigen für einen kurzen Moment und gab eine Erklärung ab. »Wir erkennen, dass die Jahre 1933 bis 1945 in unserer Geschichte als deutsche Unternehmerfamilie noch nicht ausreichend aufgearbeitet sind. Wir sind uns als Familie einig, dass wir mit diesem Teil unserer Geschichte offen und verantwortungsvoll umgehen wollen.«