Zeitgeschichte Jenseits von Belgien

Der Streit zwischen Flamen und Wallonen scheint unser Nachbarland schier zu zerreißen – und Belgiens dritte Volksgruppe, die deutschsprachige, sitzt mal wieder zwischen allen Stühlen. Das hat seine historischen Gründe

Die Proklamation war eindeutig. »Wir sind Deutsche und wollen Deutsche bleiben.« Über 8000 Bürger der Kantone Eupen, Malmedy und St. Vith unterzeichneten im Winter 1920 diese Erklärung, die völkerrechtlich allerdings keine Bedeutung hatte. Denn ihre Heimat war just Teil des Königreichs Belgien geworden, gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrags von Versailles.

Ihre Nachfahren lassen sich heute allerdings nur noch ungern als Deutsche bezeichnen. Jene 73.000 deutschsprachigen Belgier im Osten des Landes, die laut Verfassung eine anerkannte Minderheit mit einer weitgehenden Autonomie im belgischen Bundesstaat sind, grenzen sich gerne gegen »alles Deutsche« ab, obwohl Tagesschau, Bundesliga und Lindenstraße ihren Alltag mitprägen. Heftigen und einstimmigen Protest erntete im Juli 2002 aber auch der wallonische Ministerpräsident Jean-Claude van Cauwenberghe, als er diese Minderheit als »deutschsprachige Wallonen« bezeichnete.

Wer nicht sagen kann, wer er ist, sagt zumindest, wer er nicht ist. Nach diesem Motto umschreiben viele Deutschsprachige in Belgien ihre Identität durch eine klare Abgrenzung zu ihren Nachbarn. Andere fassen ihr Selbstverständnis im Begriff des »guten Belgiers« zusammen. Gemeint ist damit jene Belgitüde, nach der Flamen, Wallonen, Brüsseler und Deutschsprachige in einem einigen und starken Vaterland friedlich und tolerant zusammenleben sollen.

Doch spätestens seit dem Beginn der Staatskrise nach den Wahlen vom 10. Juni dürfte jedem klar geworden sein, dass diese Vorstellung eine Fiktion ist. Der Zusammenhalt zwischen den beiden großen Volksgruppen der Flamen und Wallonen ist einer akuten Zerreißprobe ausgesetzt, und erstmals wird in der Öffentlichkeit ernsthaft über ein mögliches Ende des 1830 gegründeten Königreiches spekuliert.

In dieser Debatte gaben sich der deutschsprachige Belgische Rundfunk (BRF) in Eupen und die einzige deutschsprachige Tageszeitung in Belgien, das Grenz-Echo, betont nüchtern und sachlich. Etliche Berichte und Gespräche zeigen: Der Minderheit kommt diese Debatte eher ungelegen. Sie fühlt sich wohl im föderalen Belgien. Zudem kratzt der erbitterte, selbstzerstörerische Streit auch am Selbstverständnis dieser jungen Gemeinschaft und ihrer Bürger. Denn die Geschichte wirft noch immer lange Schatten.

»Passen Sie auf, dass alles ohne Probleme abläuft und dass sich die Kosten in Grenzen halten. Sie werden wie der Gouverneur einer Kolonie herrschen, die in direktem Kontakt mit dem Vaterland steht.« Diese Anweisungen des belgischen Premierministers Léon Delacroix aus dem Jahr 1920 an den Gouverneur des neuen Landesteils, Herman Baltia, verraten, in welcher Geisteshaltung Belgien Eupen-Malmedy 1920 annektierte. Jahrhundertelang war die Region Teil der habsburgischen Niederlande gewesen, von 1815 an hatte sie zu Preußen gehört. Infolge des Ersten Weltkriegs nun war sie an Belgien gefallen.

1926 will das Königreich die neuen Ostkantone an Deutschland verkaufen

Ursprünglich hatte das Königreich noch viel mehr von Berlin gefordert. Denn nicht nur in Deutschland, auch in Belgien waren während des Ersten Weltkrieges heftige Annexionsdiskussionen geführt worden. Bei den Flamen und vor allem bei den Wallonen wurden sie durch ein besonderes Trauma motiviert: Deutschland, das die belgische Neutralität als eine von fünf Schutzmächten garantieren sollte, hatte den kleinen Nachbarn im Sommer 1914 überfallen. Gemäß dem Schlieffen-Plan waren die Deutschen durch das Land marschiert, um die französischen Festungen und Abwehrstellungen zu umgehen und dem »Erbfeind« so von Norden aus in die Flanke zu fallen.

Der brutal erzwungene Durchmarsch hatte schreckliche Folgen gezeitigt. 3000 belgische Geiseln waren umgebracht worden – zur Vergeltung für Anschläge vermeintlicher Freischärler. Die deutsche Heeresleitung hatte sich gnadenlos gezeigt. In vielen Städten waren ganze Straßenzüge aus Rache abgebrannt worden; die Zerstörung der ehrwürdigen Universitätsbibliothek von Löwen Ende August 1914 gehört zu den berüchtigsten deutschen Untaten jener Tage. Darüber hinaus wurden weite Teile des Landes zum Schlachtfeld: Die Namen Langemarck und Ypern stehen noch heute für das Große Morden.

All das führte zu einem übersteigerten belgischen Nationalismus, der auf Rache sann. Während das Deutsche Reich Annexionen bis zur flandrischen Küste anstrebte, fantasierten belgische Chauvinisten von Gebietsgewinnen bis zum Rhein. Genugtuung für die erlittenen Schrecken und Schäden erfuhr das Königreich schließlich – dank der tatkräftigen Unterstützung Frankreichs – durch den Vertrag von Versailles, der ihm das über tausend Quadratkilometer große Grenzgebiet zwischen Aachen und Luxemburgs Nordspitze zusprach. Nach Brüsseler Auffassung war diese wald- und wasserreiche Region schon immer Teil der »belgischen Provinzen« gewesen. Deshalb bezeichneten Flamen und Wallonen die Ostkantone auch lange Zeit als die »wiedergefundenen Kantone«.

Um dem von US-Präsident Woodrow Wilson geforderten Selbstbestimmungsrecht der Völker formal Genüge zu tun, setzte Belgien eine »Volksbefragung« an. Sie war weder frei noch geheim, sondern schlicht eine Farce. Die Bürger, die gegen den Anschluss protestieren wollten, konnten sich in Eupen, Malmedy oder St. Vith in öffentlichen Listen eintragen. Die ersten Mutigen straften die belgischen Behörden aber umgehend hart ab: Sie wurden entweder ausgewiesen oder ihnen wurden die Lebensmittelmarken entzogen; Staatsbedienstete verloren ihre Stellung. Eine intensive deutsche und belgische Propaganda sorgte zudem für Unsicherheit. Nach sechs Monaten, von Januar bis Juli 1920, hatten sich nur 271 der rund 34.000 Stimmberechtigten in die Listen eingetragen! Der Völkerbund in Genf stimmte der Annexion zu. Der belgische Staat übernahm die volle Souveränität.

Viele Bürger in den Ostkantonen fühlten sich betrogen. Sie wollten sich für eine neue, echte Volksabstimmung, für die Rückkehr in das alte Vaterland einsetzen – und formulierten die eingangs zitierte Proklamation. Andere nahmen die Annexion schicksalsergeben an. Sie sahen in Protesten keinen Sinn mehr und wollten sich in Belgien einrichten.

Erst nachdem das Übergangsregime unter Generalleutnant Baltia (dessen Mutter Deutsche war) bis 1925 dank diktatorischer Vollmachten eine Integration der annektierten Gebiete in den belgischen Staat vorbereitet hatte, wurde Meinungsfreiheit wieder möglich. 1929 stimmten in den ersten freien Wahlen, vor denen die Parteien zur Volksbefragung öffentlich und klar Stellung genommen hatten, über 75 Prozent der Wähler für sogenannte prodeutsche Parteien.

Dieses Wahlergebnis war die Folge einer verfehlten Brüsseler Politik, vor allem nach 1925. In jener Zeit hatte das Königreich sich kaum um die neuen Landsleute gekümmert. 1926 wollte man gar die Ostkantone wieder an Deutschland zurückgeben – gegen 200 Millionen Reichsmark. Die Franzosen verhinderten im letzten Moment diesen Plan. Sie fürchteten, dass dadurch der Versailler Vertrag, in einem Punkt revidiert, schon bald gänzlich von den Deutschen ausgehebelt werden könnte.

Im Laufe der zwanziger Jahre verstärkte sich die nationalistische Propaganda auf beiden Seiten. Doch als im Januar 1933 Hitler in Deutschland die Macht ergriff, da ging es auch in Eupen-Malmedy nicht mehr nur um die Frage prodeutsch oder probelgisch. Jetzt ging es um eine Entscheidung zwischen Demokratie und Diktatur. Die Nazis versuchten alles, um die umfangreiche »Deutschtumsarbeit« der über vierzig Mittlerorganisationen sowie der prodeutschen Organisationen in den Kantonen zu unterwandern. Zunächst nur mit mäßigem Erfolg. Verärgert konstatierten sie, die Führungsschicht wäre »morsch und verbraucht« und könnte sich »nicht vom Katholizismus lösen«. »Eine Volksgruppe, die allgemein deutsch, aber nicht nationalsozialistisch geführt wird, muss auf die Dauer die innere Bindung an das Reich verlieren«, klagte der Kölner Gauleiter Josef Grohé, der die Untergrundarbeit der Partei von 1936 an deutlich verstärkte.

Im Gegenzug missbrauchte Hitler Eupen-Malmedy schamlos als Druckmittel gegen die belgische Regierung, auch wenn er behauptete, »dass es doch Unsinn sei, die guten Beziehungen zu diesem Land durch die Frage Eupen-Malmedy zu verderben« (wie der lettische Botschafter es seinem belgischen Amtskollegen in Berlin kolportierte).

Das Brüsseler Außenministerium forderte die eigene Regierung noch 1939 auf, mehr zu tun, um die deutschsprachige Bevölkerung für den belgischen Staat zu gewinnen, vor allem durch die aktive Förderung der Kultur. Stärker als solche Initiativen band allerdings die Angst vor der Diktatur viele Eupen-Malmedyer an die wenig geliebte neue Heimat: Bei den letzten freien Wahlen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der erneuten Besetzung des Landes durch deutsche Truppen konnten die »Probelgier« einige Prozentpunkte mehr verbuchen als die »Prodeutschen«.

Dennoch: Zu viele nur setzten auf Hitler. Als im Mai 1940 die Wehrmacht in Belgien einfiel, wurde sie in den Ostkantonen jubelnd empfangen. In sogenannten »spontanen« Aktionen, durch vorgeblichen »Volkszorn« motiviert, wurden andersdenkende und probelgische Bürger beschimpft, durch die Straßen getrieben oder in Schutzhaft genommen. Am 18. Mai 1940 annektierte Hitler die Region. Er benötigte Soldaten für seine Kriege. Rund 8800 Männer aus den Ostkantonen kämpften bis 1945 in der Wehrmacht.

Die Einwohner Eupen-Malmedys lebten fortan als vollwertige Bürger des »Dritten Reiches«. Die Naziorganisationen bauten auf prodeutschen Vorläuferorganisationen der Zwischenkriegszeit auf und fanden breiten Zulauf. Widerstand wurde nur vereinzelt geleistet.

Als aber im Herbst 1941 die ersten Rekruten eingezogen wurden, als die ersten Soldaten fielen, als sich die Brutalität des NS-Regimes immer ungehemmter entfaltete und etliche Bürger in den KZs verschwanden, spätestens in diesem Moment kippte die Stimmung im »heimgekehrten« Eupen-Malmedy. Noch in den letzten Kriegstagen – die Amerikaner hatten das Land im September 1944 bereits befreit – geriet die Region zum Schlachtfeld für Hitlers absurde Ardennenoffensive. St. Vith und Malmedy traf es besonders hart, beide Städtchen wurden durch amerikanische Bombenangriffe verwüstet. Bis heute berüchtigt ist auch das Malmedy-Massaker vom 17. Dezember 1944, als Soldaten der Waffen-SS über siebzig gefangen genommene Amerikaner niederschossen.

Die ersten Nachkriegstage indes gaben nicht viel Hoffnung. Die »Weiße Armee«, das Sammelbecken aller echten und vermeintlichen belgischen Widerständler, folgte der US-Armee auf dem Fuß. Sie plünderte und inhaftierte fast wahllos. Der Hass, der sich im besetzten Land während vier Jahren aufgestaut hatte, traf nun alles, was irgendwie an die Besatzer erinnerte. Auch jeder der deutschsprachigen Belgier war prinzipiell verdächtig.

Im Sommer 1945 setzte dann die offizielle Entnazifizierung ein, die gemeinhin als »Säuberung« bezeichnet wurde. Sie trug zum Teil hysterische Züge; der für die Ostkantone zuständige Militärstaatsanwalt Pierre Koumoth mahnte, man solle nicht vergessen, »dass – auch wenn die Bewohner der Kantone Belgier sind – sie tatsächlich Deutsche sind. Zwanzig Jahre belgischer Politik haben ihnen nicht diesen Wesenszug genommen, umso mehr, als dass die belgische Politik häufig das rechte Maß hat vermissen lassen: entweder das Verständnis oder die Klarheit.« Koumoth wusste, dass die Regierung in Brüssel nicht bereit war, Sondergesetze für die deutschsprachige Minderheit zu verabschieden, die der neuen Situation gerecht geworden wären. In der Frage der Kollaboration sollten die Menschen in Eupen-Malmedy wie alle Bürger im besetzten Belgien beurteilt und, wenn nötig, abgeurteilt werden.

Dies war natürlich abwegig, da die Bürger der »ins Reich heimgekehrten« Ostkantone, anders als die im besetzten Belgien, als »Reichsdeutsche« gelebt hatten. Doch politisch gab es in der aufgepeitschten Nachkriegsstimmung keine Alternativen.

Die Folgen wogen schwer: Jeder sechste Bürger der Ostkantone wurde interniert oder inhaftiert, über jeden zweiten wurde eine Gerichtsakte angelegt, gegen jeden zwölften ein Verfahren eröffnet, etliche Menschen wurden verurteilt. Jeder zweite Wähler blieb 1946 von den ersten Nachkriegswahlen ausgeschlossen, Tausenden wurden die Bürgerrechte entzogen, jeder dreizehnte Einwohner Eupen-Malmedys sollte die Staatsangehörigkeit verlieren und nach Deutschland ausgewiesen werden.

Es gab zahlreiche Widersprüchlichkeiten, Ungerechtigkeiten, es herrschte weithin Willkür. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, mit der eigenen Schuld auch und den eigenen Verstrickungen in die Verbrechen des Regimes wurde so auf Jahre hin blockiert. Gleichzeitig drang Brüssel massiv auf eine Politik der nationalen Einheit. Jetzt kannte man nur noch ein Ziel: die Assimilation, das heißt die Angleichung an die im Königreich dominierende französische Sprache und Kultur. Als »guter Belgier« galt fortan nur derjenige, der sich vorbehaltlos für »das ewige Vaterland Belgien« einsetzte und die deutsche Sprache und Kultur aufgab.

Verbitterung, Gekränktheit und eine politische Apathie machten sich nördlich und südlich des Hohen Venns breit. »Hier benehmen sich die Menschen wie Schafe, die an Schikanen und Kränkungen gewöhnt sind und voller Resignation immer wieder das harte und willkürliche Gesetz des Stärkeren ertragen«, analysierte 1958 ein zugewanderter wallonischer Schuldirektor.

Was geschieht, wenn das Land tatsächlich auseinanderbricht?

Erst nachdem Belgien 1963 mit den Sprachgesetzen ein offizielles deutsches Sprachgebiet anerkannte, der ewige Zwist zwischen Flamen und Wallonen eskalierte und sich die Umwandlung des Zentralstaates Belgien in einen Bundesstaat als Lösung abzeichnete, forderten einige deutschsprachige Politiker die Autonomie für ihre Kantone. Wieder flammte der Streit mit Heftigkeit auf. Man beschimpfte sich gegenseitig als »Heim-ins-Reich-Bewegung« und »Profit-Patrioten«.

Der Weg hin zur Selbstbestimmung war lang. 1973 wurde der Rat der deutschen Kulturgemeinschaft gegründet, der im ersten Jahr über einen Haushalt von gerade einmal 300.000 Euro verfügte. Mit dem Geld sollte die Kulturarbeit in der Region gefördert werden. Heute verwaltet die Deutschsprachige Gemeinschaft einen Jahreshaushalt von fast 165 Millionen Euro für Kultur, Bildung und Soziales. Wie die deutschen Bundesländer besitzt der autonome Bundesstaat seit 1973 ein eigenes Parlament. 25 Mitglieder hat es, Sitz ist ein schönes Stadtpalais in Eupen. Von hier aus kontrolliert es die vierköpfige Regierung.

Man hat sich eingerichtet im belgischen Königreich, nach all den Schrecken und Verwerfungen des vergangenen Jahrhunderts. In den großen Streit zwischen Flamen und Wallonen mischen sich die Deutschsprachigen nicht ein, wenngleich sie auch wissen, dass sie sich mit Letzteren arrangieren müssen. Denn die wallonische Region ist für die Wirtschaft, die Landwirtschaft und die Infrastruktur der Ostkantone zuständig.

Doch was geschieht, wenn Belgien tatsächlich auseinderbricht? Ein Beitritt zur Bundesrepublik jedenfalls, als 17. Bundesland, steht keineswegs zur Debatte. Der Platz der Deutschsprachigen bleibt, wo er immer war: zwischen allen Stühlen.

Der Autor ist Historiker und lebt bei St. Vith. Zurzeit arbeitet er an einer großen Untersuchung und Dokumentation über die Kriegs- und Nachkriegszeit in Eupen-Malmedy: »Die Säuberung«. Zwei Bände sind bereits im Lexis Verlag, B-4760 Büllingen, erschienen, der dritte, abschließende Teil mit Zeitzeugen-Berichten ist für das nächste Jahr vorgesehen

 
Leser-Kommentare
  1. Einerseits stimmt's das im I.Weltkrieg ganze Teile Belgiens verwüstet wurden, und das Land ungeheurer viel Leiden musste. Andererseits aber geschahen die Übergriffe der deutschen Truppen auf die Zivilbevölkerung nicht aus purer Zerstörungswut, wie es der Autor vorzugeben versucht. Belgische Partisanen, franc-tireurs genannt, waren für ihre Brutalität bekannt. Hinrichtung, Folter und Verstümmelung von deutschen Gefangenen sowie  Angriffe auf Sanitätszüge gehörten zum Alltag. Es war diese ausserordentliche Brutalität, die die kaiserlichen Truppen zu ebenfalls brutalen Gegenmassnahmen zwang.

  2. Wie auich immer - aufrechnung, wer nun was schlimmer tat oder nicht bringt niemanden was - zudem menschen, die im Kaiserreich noch etwas mehr  gemacht haben als in die Windeln, die dürrften mittlerweilen auf allen Seiten jenseits von Gut und Böse sein - falls da überhaupt noch einer lebt. Aber an den Autor: ein hochinteressanter Artikel, danke.

    • pvst
    • 26.11.2007 um 17:22 Uhr

    Guter Artikel,
    schon lange keinen so ausgewogenen Artikel in der Zeit gelesen. Alle Seiten kriegen ihr Fett weg, wie es m.E. auch sein sollte.
    Ergänzend möchte ich auf das Buch: "Verlorene Ehre, verratene Treue" von Herbert Maeger verweisen, eines Deutschbelgiers?, der als 18 jähriger "freiwillig" in die Waffen-SS eintritt (um seine Mutter und Familie vor der Gestapo zu retten). Neben dem erleben des Krieges in allen seinen Facetten werden auch die im Artikel beschriebenen Themen beleuchtet, inklusive einiger Nachkriegsgreuel an den Deutschen in Belgien. Kann das Buch sehr empfehlen, da sehr ausgewogen und gut geschrieben.
    Bitte mehr solche Artikel!

    • brux
    • 26.11.2007 um 18:05 Uhr
    4. Danke

    Danke für diesen aufschlussreichen Artikel.
    Die Lösung heisst natürlich Europa, womit wir beim Problem wären.
    Was Belgien derzeit erlebt, ist die Konfrontation einer abgehalfterten, arroganten und ignoranten ehemaligen "Elite" (den Wallonen) mit einer kleingeistigen, bildungsfernen und genauso ignoranten neuen "Elite" (den Flamen).
    Die deutschen Belgier tun gut daran, einfach nur gute Europäer zu sein.

  3. Es ist faszinierend und beklemmend zugleich, wie bei fast Hundert Jahre zurückliegenden Ereignissen wie dem WW1, sofort das Pro und Contra und die Schuldfrage-Debatte beginnt. Staatsgrenzen stimmen oft nicht mit Besiedlungs-, Sprachgrenzen überein. Sie haben etwas Willkürliches, das gegen die Dynamik des Lebens und der Geschichte gerichtet scheint. Die Menschen, die "ausserhalb der Grenzen des Mutterlandes" lebten, mussten sehr beweglich sein: Einerseits faszinierte die Ausstrahlung "der großen Mutter" jenseits der Grenze, Andererseits musste man sich in der Realität und deren staatlicher Organisation zurecht finden. Misstrauen, Opportunismus, die ganze Palette menschlicher Eigenschaften eben. Es gibt meines Wissens nur eine grenzüberschreitende Besiedlung in Mitteleuropa die friedlich und ohne jeden Revanchismus blieb, die der Alemannen. Ihr Siedlungsraum in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Frankreich, stellte seine Grenzen nie in Frage, das haben höchstens die interessierten "Überstaaten" getan. Die Alemannen, ein am Römischen Limes zusammengestautes Völkergemisch, leben seit mindestens 1.500 Jahren fröhlich und dekadent und geniesserisch ihr Leben zwischen den großen Machtblöcken ...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle DIE ZEIT, 22.11.2007 Nr. 48
  • Kommentare 5
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service