Der Himmel über der schottischen Nordsee leuchtet an diesem Herbsttag extrem blau. »Schön«, murmelt Angus McDean, der auf der Mole von Peterhead seine Mittagspause macht. Seit dreißig Jahren belädt der Hafenarbeiter Versorgungsschiffe für die Ölbohrinseln da draußen auf dem Meer mit Proviant. »Grau und regenverhangen« sei es sonst hier, erzählt er, »Schottland eben«. McDean zuckt mit den Schultern. »Die reden alle davon, dass sich das Klima verändert. Ich merke davon nichts«, sagt er. Dann wendet er sich wieder seinem Sandwich zu.

Auf einmal ist ein tiefes gleichmäßiges Brummen zu hören. Am Himmel erscheint ein Schwarm von Hubschraubern, die hinaus aufs offene Meer fliegen. Es sind die Transporter, mit denen Arbeiter zu den Bohrinseln geflogen werden.

Der Anblick der Helikopter erinnert an den Hollywoodfilm, in dem ein paar Helden die Welt vor dem Untergang durch heranrasende Meteoriten retten. Am Ende, nachdem die Gefahr gebannt ist, fliegen die modernen Cowboys im Hubschrauber nach Hause. Und alles ist gut.

In Peterhead ging es auch schon einmal um die Rettung der Welt. Um gegen den Klimakollaps zu kämpfen, wollten Ingenieure und Manager des Ölmultis British Petroleum (BP) dort gemeinsam mit dem Technologiekonzern General Electric das erste Kraftwerk einer neuen Generation umweltschonender Anlagen bauen.

Die Technologie, bei der das Kohlendioxid aus den Abgasen abgetrennt und unterirdisch gelagert wird, heißt CCS (Carbon Capture and Sequestration). Das in Peterhead geplante Kraftwerk sollte eine viertel Million Haushalte mit Strom versorgen. Die 1,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die dabei jährlich anfallen, sollten tief unter die Nordsee im Miller-Ölfeld deponiert werden. Mit ökonomischem Zusatznutzen: Durch die Hochdrucklagerung hätte die Fördermenge um rund 40 Millionen Barrel jährlich gesteigert werden können.

Der Plan passte perfekt in das Bild eines Ölkonzerns, der sein Geschäft mit den klimaschädlichen fossilen Schmierstoffen Schritt für Schritt durch Ökoenergien ersetzt – in jenes Bild also, das BP seit Jahren von sich zeichnet. Das neuartige Kraftwerk hätte ein weiterer grüner Tupfer an der Fassade des britischen Multis sein können.

BP propagierte die grüne Strategie das erste Mal vor zehn Jahren. Im Mai 1997 hielt der damalige Vorstandsvorsitzende John Browne vor Studenten der Universität im kalifornischen Stanford eine Rede, die geradezu revolutionär klang. Als erster Industriekapitän warnte Browne vor den Folgen des Klimawandels für die Menschheit. Der BP-Chef mahnte eine allgemeine Verantwortung für die »Zukunft und die nachhaltige Entwicklung« der Erde an. Geschäftsleute stünden dabei genauso in der Pflicht wie der Staat und jeder einzelne Bürger.